Harry Potter und der Schatz der Geheimniswahrer
27.10.2007, 13:10 Uhr | in Schreiben und Dichten | kein Kommentar
Dies ist eine FF von Denkarius aus dem Harry Potter Forum.
Sie ist nicht von mir geschrieben. Ich hoffe trotzdem sie gefällt euch. Sie ist zwar noch nicht fertig, aber der rest kommt sobald er drausen ist.
Viel Spaß nun, luu
Harry Potter und der Schatz der Geheimniswahrer
Kapitel 1:
Ein fataler Fehler
Die Nacht hing über der finsteren Landschaft und ein nasskalter, stürmischer Wind pfiff durch die Bäume. Es waren nur noch wenige Stunden bis zum Morgengrauen und es war still in den Wäldern geworden, weil sich die meisten Tiere irgendwo verkrochen hatten, um Ruhe zu finden. Im Mondlicht einer Lichtung erschien plötzlich eine einzelne Ratte und rannte mit einer so hohen Geschwindigkeit über den Boden, dass man meinen musste, sie würde von einem übermächtigen Feind verfolgt werden. Je weiter sie lief, desto dichter wurde der Nebel und desto kälter war die Luft. Wurmschwanz war spät dran. Sein Herr hatte vor einer Stunde alle seine Todesser zusammengerufen. Der Treffpunkt war wie immer seit der Rückkehr des dunklen Lords der kleine Friedhof von Little Hangleton. Das dunkle Mal auf seinem Unterarm brannte noch immer höllisch und Wurmschwanz überlegte, welchen Anlass es für diese plötzliche Zusammenkunft der Todesser geben mochte und was wohl passiert war. Als er auf dem Friedhof eintraf hatten sich bereits die meisten Todesser versammelt, und bildeten wie immer einen großen Kreis. Es war ein lautes Stimmengewirr zu hören, alle waren in ausgiebige Gespräche vertieft. In der Mitte neben dem dunklen Lord erkannte er Severus Snape, Fenrir Greyback und den jungen Malfoy. Vor allem Greyback und Draco machten einen sehr erschöpften Eindruck. In einiger Entfernung konnte Wurmschwanz eine Schar Dementoren erkennen, die die Versammlung mit großem Interesse zu beobachten schienen. Bei diesem Anblick lief es selbst dem Todesser eiskalt den Rücken hinunter und er dachte kurz an Sirius Black, der in Askaban echte Qualen durchlitten haben musste. Kurz nach der Ankunft von Wurmschwanz hob der dunkle Lord die Hand und augenblicklich waren alle verstummt. „Meine treuen Diener, danke, dass ihr alle so schnell meinem Ruf gefolgt seid. Heute Nacht darf ich euch eine frohe Kunde überbringen, heute Nacht sind wir auf dem Weg zu unseren großen Zielen einen weiteren, entscheidenden Schritt voran gekommen!“ ??Voldemort ließ den Blick durch die Runde fragender Gesichter kreisen. ??„Heute Nacht ist mein tollkühner Plan eines Angriffs auf die Zaubererschule Hogwarts voll aufgegangen. Und dank meines treuen Dieners Severus Snape hier ist es gelungen, den Gründer des Phönixordens und Schulleiter von Hogwarts, Professor Albus Dumbledore aus dem Weg zu räumen und unseren Feinden damit ihren mächtigen Anführer zu nehmen.“ ??Augenblicklich brach unter den Todessern ein Raunen und Gemurmel aus. Ungläubige Blicke wurden ausgetauscht. Dann begann Bellatrix Lestrange, laut zu applaudieren und alle anderen stimmten nach und nach mit Begeisterung ein. Wieder hob Voldemort die Hand. ??„Für alle, die bislang Zweifel daran hatten, dass Severus voll und ganz auf unserer Seite steht, dürfte nunmehr der Beweis für seine Integrität und Loyalität mit unserer Sache erbracht worden sein.“ Er wandte sich Snape zu und ergänzte: „Severus, falls du irgendjemanden hier und heute für sein Mißtrauen dir gegenüber in besonderer Weise bestrafen willst, sei dir jetzt die Gelegenheit dazu gegeben.“ ??Snape deutete kurz eine leichte Verbeugung an und sagte: „Ich danke Euch für Eure Großzügigkeit, mein Herr und Meister. Aber ich denke, es genügt mir fürs erste die Würdigung und Anerkennung meiner Leistungen durch Eure Lordschaft und Eure Diener.“ ??Plötzlich unterbrach ihn Fenrir Greyback und trat vor. „Und was ist mit uns? Haben wir nicht auch unseren Beitrag zu Dumbledores Tod geleistet? Am Ende hätte es jeder von uns tun können, er lag völlig wehrlos am Boden!“ ??„Euer Beitrag?“ Snape wandte sich um und zog herablassend seine rechte Augenbraue nach oben. „Fast hättet Ihr noch alles vermasselt und am Ende den jungen Potter umgebracht, obwohl seine Lordschaft eindeutig befohlen hatte, dass wir die Finger von ihm lassen sollen, bis er sich zu gegebener Zeit persönlich um ihn kümmern wird.“ ??„Das lasse ich mir von dir nicht länger bieten, du schleimiger, arroganter ...!“ rief Greyback und setzte dazu an, auf Snape loszustürmen, als ihn von der Seite ein Fluch traf. ??„Crucio!“ ertönte es von Voldemort. Er sprach nicht besonders laut, doch glühten seine kalten Augen intensiver als zuvor. Ein roter Lichtblitz aus seinem Zauberstab hatte den Werwolf getroffen. ??Greyback stürzte augenblicklich zu Boden und wälzte sich schreiend vor Schmerzen auf seinem krummen Rücken. Man konnte seine gelben Zähne nun deutlich sehen, sein Gesicht wirkte entstellt. Als Voldemort den Zauberstab sinken ließ, blieb er am Boden liegen. ??Einige Todesser lachten verächtlich bei diesem Anblick, doch hatten die meisten zu viel Respekt vor Greyback und hielten sich besser mit Hohn und Spott zurück. ??„Ich dulde es nicht, dass du Severus heute beleidigst und schon gar nicht, dass du ihn angreifst. Wir haben allen Grund ihm dankbar zu sein und ihn zu feiern, aber bevor wir zum festlichen Teil übergehen können, muss ich noch ein weiteres Thema abhandeln, meine lieben Todesser“, fuhr Voldemort fort. Sein Blick wandte sich nun Draco Malfoy zu, der augenblicklich zusammenzuckte. „Eigentlich hatte ja nicht mein getreuer Severus, sondern ein anderer meiner Todesser den Auftrag gehabt, Dumbledore zu erledigen, nicht wahr?“ Seine kalten roten Augen schienen sich in Malfoys Kopf zu bohren. „J-j-ja, Herr, d-das war ich...“ stammelte Draco. „Und warum hast du meinen Auftrag dann nicht ausgeführt, mein Junge? Hast du dich nicht vorher förmlich um diese Aufgabe gerissen, um mir zu beweisen, dass du schon ein fähig bist, deinem Herrn als würdiger Todesser zu dienen? Wolltest du nicht die Schmach, die dein Vater über uns gebracht hat, durch deine Aufgabe ausmerzen?“ „Ich- ich weiß nicht, Herr, ich konnte es nicht tun.“ „Hör auf mit diesem abscheulichen, schwächlichen Gejammer, du Wurm!“ Voldemorts Augen schienen Draco haßerfüllt anzufunkeln. Er richtete den Zauberstab direkt auf ihn und zischte „Crucio!“ Als Draco von dem roten Lichtblitz getroffen wurde und sich unter unglaublichen Schmerzen auf dem Boden wälzte, trat eine Gestalt aus der Runde vor und schrie: „Nein, Herr, bitte nicht! Er ist doch noch ein Kind!“ Voldemort reagierte nicht auf den Zwischenruf und quälte Draco weiter mit unverminderter Härte. Narzissa Malfoy stürzte auf den dunklen Lord zu packte verzweifelt nach seiner Hand, die Draco mit dem Zauberstab folterte. Voldemort wich dem Angriff geschickt aus, so dass Narzissa ins Leere fiel. Am Boden liegend sah sie entsetzt zum dunklen Lord auf. „Wie kannst Du es wagen, die Hand gegen Deinen Herrn zu erheben?“ Narzissa schwieg. Tränen traten in ihre Augen. Voller Entsetzen starrten sie alle aus der Runde an, keiner wagte es, einen Laut von sich zu geben. Auch Snapes Gesicht war jetzt kreidebleich und wie versteinert, denn auch er hatte den Ernst der Lage erkannt. Voldemorts Augen verengten sich zu kleinen roten Schlitzen. „ Du miese, kleine Verräterin!“ Er richtete voller Hass seinen Zauberstab auf Narzissa: „Avada...“ „Herr, verzeiht, wenn ich ‚Euch unterbreche, aber darf ich kurz noch eine Anmerkung machen?“ Snape hatte das Wort ergriffen. Wütend schnellte Voldemorts Kopf herum und starrte ihm geradewegs bohrend durch die Augen in den Kopf hinein. „Ich weiß, dass das, was sie getan hat, als Verrat nach unseren Regeln nur mit dem Tode bestraft werden kann. Aber es wäre doch ein Jammer, wenn unsere Feierlichkeiten anläßlich des heutigen Tages durch diesen so unerfreulichen Zwischenfall in den Hintergrund gedrängt werden würden. Herr, ihr würdet dieser kleinen Verräterin einen viel zu hohen Stellenwert einräumen, wenn ihr Tod auf ewig mit diesem ruhmreichen Sieg, den wir heute errungen haben, verbunden bliebe. Und vielleicht ist es unserem Nachwuchs...“ Snape hielt kurz inne und deutete auf den am Boden liegenden Draco. „...ja eine Lehre, seine künftigen Aufgaben mit mehr Konzentration und persönlichem Einsatz anzugehen. Vielleicht ist es ihm ja ein zusätzlicher Ansporn, Euch bei seiner nächsten Aufgabe von seinen Fähigkeiten besonders zu überzeugen, wenn er damit das Leben seiner Mutter retten könnte.“ Voldemort sah Snape einen Augenblick lang verdutzt an. Normalerweise hätte er es nie geduldet, dass jemand sich in seine Entscheidung über die Bestrafung eines Todessers einmischte. Doch der Vorschlag von Snape gefiel ihm irgendwie. „Severus, du hast heute Nacht großes geleistet und hast dafür zweifelsohne etwas gut bei mir. Und deshalb - und auch nur deshalb – will ich in dieser Frage ausnahmsweise nachgiebig sein und deinem Vorschlag folgen.“ Er deutete mit seinem Zauberstab wieder auf Narzissa, die noch immer schluchzend am Boden lag: „Petrificus totalus!“ Narzissa erstarrte. „Incarcerus!“ Seile wanden sich aus der Spitze von Voldemorts Zauberstab und fesselten Narzissas Körper. „Wurmschwanz, Greyback: Tragt sie weg und bringt sie in das Verlies!“
Wurmschwanz und Greyback traten vor und packten Narzissa an Händen und Füßen, um sie fort zu schaffen. Bellatrix biss sich auf die Lippen. Sie hatte vor wenigen Sekunden noch mit dem Schlimmsten gerechnet. Und das alles nur, weil ihr unfähiger Neffe seine Aufgabe nicht hatte zu Ende bringen können und ihre Schwester die Nerven verlor. „Wir werden sie gefangen halten, bis unser junger Freund uns bewiesen hat,“ sprach Voldemort mit kalter Stimme weiter, „dass die beiden erbärmlichen Geschöpfe, die er seine Eltern nennt, wenigstens bei seiner Erziehung und Ausbildung nicht völlig versagt haben!“ ??Einige der umstehenden Todesser lachten, nicht jedoch Bellatrix und Snape, die einander mit ernstem Blick in die Augen sahen. Draco saß auf dem Boden und zitterte. „Ich gebe dir einen Monat Zeit, um mir den jungen Potter unversehrt hierher zu bringen! Rühr ihn ja nicht an, er gehört immer noch mir! Dann kannst du ihn hier gegen deine Mutter eintauschen.“ Draco starrte Voldemort mit offenem Mund an. „Aber, Herr, man weiß, dass ich heute in Hogwarts für euch gekämpft habe. Man wird nach mir suchen, ich kann doch jetzt nicht einfach so...“ „Sei still und hör auf, mir zu widersprechen. Du hast mich heute schon einmal enttäuscht! Wenn du meinen Befehl ein weiteres Mal nicht befolgen wirst, wird deine Mutter dafür büßen müssen und tot sein und ich werde meine Diener anweisen, dich dann ebenfalls wie einen Verräter zu jagen und zu bestrafen! Und jetzt geh mir aus den Augen!“ „Herr, das ist doch unmöglich!“ stammelte Draco völlig fassungslos. „Habe ich nicht gesagt, dass ich keine Widerrede dulde?“ Voldemort richtete genüßlich seinen Zauberstab auf Draco und schrie „Crucio!“ Draco spürte Schmerzen, wie er sie noch nie in seinem Leben gespürt hatte. Die umstehenden Todesser beobachteten gespannt, wie er - sich am Boden windend um sich schlug und schrie. Als es vorbei war, wandten sich Voldemort und alle anderen Todesser von ihm ab und disapparierten. Draco lag noch eine lange Zeit lang allein auf der Erde. Langsam begann er irgendwann wieder, durch die nachlassenden Schmerzen die dicken Regentropfen zu spüren, die ihn trafen. Sein Blick fiel auf die umliegenden Grabsteine und er wünschte sich in diesem Augenblick nichts sehnlicher, als tot unter einem dieser Gräber liegen zu können.
Als er später von einer dunklen Gestalt weggetragen wurde, bemerkte er das schon nicht mehr, weil er vor lauter Erschöpfung bewußtlos geworden war.
Kapitel 2:
Zwei Eulen im Ligusterweg
Harry Potter hatte seit seiner Rückkehr aus Hogwarts nicht eine einzige Nacht ruhig durchschlafen können. Immer wieder war er schweißgebadet aufgewacht, immer wieder durchlebte er im Traum die Ereignisse jener Nacht, in der er mit Albus Dumbledore aufgebrochen war, um nach diesem Horcrux zu suchen. Immer wieder wachte er an derselben Stelle auf, als Snapes tödlicher Fluch Dumbledore traf und er selbst dies – zur Tatenlosigkeit verdammt - nicht hatte verhindern können. Zweimal hatte Onkel Vernon dann schon schnaubend in seinem Zimmer gestanden und ihm angedroht, in der Gartenhütte schlafen zu müssen, wenn er weiter die Nachtruhe störte. Aber das hatte Harry nicht beeindruckt. Er wusste längst, dass dies sein letzter längerer Aufenthalt bei seinen Verwandten sein würde und er war ohnehin nur hierher zurückgekehrt, weil es Dumbledores ausdrücklicher Wunsch gewesen war. Anfangs hatte er noch Zweifel, ob der Schutzzauber über dem Ligusterweg nach Dumbledores Tod überhaupt noch wirksam sein würde. Doch nachdem Mad-Eye Moody ihm versicherte, dass dies unabhängig davon noch immer der sicherste Ort für Harry war, ist er schließlich einverstanden gewesen. Wohin hätte er auch gehen sollen Anfangs wollte er an den Ort zurückkehren, an dem seine Eltern gelebt hatten, doch das Haus in Godric’s Hollow war bei dem Angriff von Lord Voldemort vor 16 Jahren völlig zerstört worden. Deshalb würde er dort nur die Gräber seiner Eltern finden. Im Grimmauldplatz Nummer 12 würden ihn dagegen zu viele Erinnerungen an Sirius belasten. Er hatte sich dort nie wirklich zu Hause gefühlt und da Snape das ehemalige Hauptquartier des Phönixordens kannte, erschien es ihm nun ohnehin nicht wirklich sicher zu sein, sich dort dauerhaft aufzuhalten. Sicher würden ihn die Weasleys im Fuchsbau aufnehmen, wenn er sie darum bitten würde, aber angesichts der Ereignisse dieses Sommers wollte Harry doch lieber erst einmal allein sein und sich darüber klar werden, wie er die anstehenden Aufgaben angehen könnte. Außerdem würde ihm im Fuchsbau Ginny ständig über den Weg laufen und er wusste, dass er das nicht ertragen könnte. Es hatte ihn schon genug Überwindung gekostet, sich von ihr zu trennen und sich immer wieder vor Augen zu führen, dass er sie nicht in Gefahr bringen durfte. Aber nun ständig der Versuchung widerstehen zu müssen, sie tröstend in den Arm nehmen zu wollen, das würde er wohl nicht aushalten. Immer wenn er an Ginny dachte, zog sich in seinem Bauch alles zusammen und sein Herz wollte ihm aus der Brust springen. Dann merkte er, wie sehr sie ihm fehlte. Gerne hätte er dem Drängen seines Herzens nachgegeben, ihr geschrieben, ihr seine wahren Gefühle mitgeteilt, doch am Ende siegte immer sein Verstand, der ihm sagte, dass sie Abstand zueinander gewinnen müssten, um den Todessern keinerlei Angriffsflächen zu bieten. So landeten alle Briefe an Ginny, die Harry begonnen hatte, kurz darauf immer in seinem Papierkorb. Doch dann kam ihm plötzlich ein anderer Gedanke: Was wäre, wenn er sowieso bald von Voldemort erledigt werden würde? Sollte er dann nicht wenigstens die Zeit, die ihm noch bleiben würde mit dem Mädchen genießen dürfen, das er liebte? Durfte er denn in seinem kurzen Leben nicht einmal so richtig glücklich sein? Doch Harry schob diese Gedanken beiseite, denn er wusste, dass er es sich nie verzeihen würde, wenn Ginny etwas zustoßen würde, nur weil sie mit ihm zusammen gewesen ist. An das schlechte Gewissen, das er dann gegenüber Ron und seinen Eltern hätte, mochte er erst gar nicht denken. Oft dachte er daran, dass die Todesser Ginny benutzen könnten, um an Harry heranzukommen, sie foltern oder sogar umbringen könnten. Nein, das durfte er nicht zulassen. Lieber sollte sie mit einem anderen Jungen glücklich werden, als seinetwegen so früh sterben zu müssen. Die Morgensonne schien hell zu Harrys Fenster herein und traf ihn jetzt im Gesicht. Vom Licht geblendet kniff er die Augen zusammen und richtete sich auf seinem Bett auf. Sein Blick fiel auf den Kalender, der den 27. Juli anzeigte. Gähnend reckte und streckte er sich. Sein Blick fiel auf Hedwigs Käfig. Seine Eule war in der Nacht auf der Jagd gewesen und schlief nun. Auf seinem Tisch lagen noch die Briefe von Hermine und von Ron. Sie hatten versucht, ihn zu überreden, doch wieder mit ihnen am 1. September nach Hogwarts zurückzukehren, doch für Harry war die Zaubererschule nach dem Tod von Dumbledore nicht mehr derselbe Ort. Nachdem der Angriff der Todesser allen klar gemacht hatte, dass die Schule kein Ort war, an dem man sicherer sein konnte, als anderswo, hatte es in der Zaubererwelt wildeste Diskussionen um die Sicherheitsvorkehrungen für die Schule gegeben. Nachdem das Ministerium sich gegen eine Schließung der Schule ausgesprochen hatte, wurden noch deutlich höhere Sicherheitsvorkehrungen vom Ministerium für die Schule angeordnet. Das war für viele Eltern auch die Bedingung dafür gewesen, dass sie ihre Kinder überhaupt wieder nach Hogwarts schicken würden. Professor McGonagall hatte in ihrer Eigenschaft als neue Schulleiterin im Tagespropheten vom 20. Juli einen eindringlichen Appell an alle Eltern und Schüler gerichtet, dass die Kinder im neuen Schuljahr wieder nach Hogwarts fahren müssten. Sie erklärte, dass man Lord Voldemort und seinen Todessern nicht den Triumph gönnen dürfe, dass wegen ihres gemeinen und hinterlistigen Angriffs die Schule geschlossen und damit die Ausbildung des kompletten Zauberernachwuchses gefährdet werden würde. Das Ministerium und der Orden des Phönix würden so lange für eine gute Ausbildung des Zauberernachwuchses eintreten, wie dies möglich sei. Es sei ganz im Sinne des verstorbenen Schulleiters Albus Dumbledore, wenn der Unterrichtsbetrieb so schnell wie möglich wieder aufgenommen und fortgesetzt werden würde. Auch Rufus Scrimgeour, der Zaubereiminister, hatte diesen Appell unterzeichnet. Es klopfte an Harrys Tür. Onkel Vernon steckte den Kopf herein und sagte: „Na? Bist du auch schon aufgestanden, du Faulpelz? Wir fahren jetzt in die Stadt, um für Dudley eine neue Playstation zu kaufen. Glaub ja nicht, dass du eine Chance hättest, die alte zu bekommen, die wird unter Verschluss aufbewahrt, falls die neue Playstation mal kaputt ist. Wenn wir wieder zurück sind, dann erwarten wir, dass unser Rasen frisch gemäht, ist das klar?“ „Ja, ist gut.“ sagte Harry, immer noch gähnend. Er hatte es schon lange aufgegeben, gegen die ständige Schikanierung durch seine Verwandten anzukämpfen. Am ehesten ließen sie ihn in Ruhe, wenn er das tat, was sie wollten. Als die Tür wieder zu war, zog er sich an und blickte aus dem Fenster in den Garten. Der Rasen stand wirklich schon recht hoch, das würde ihn sicher den ganzen Vormittag beschäftigen. Aber er hatte im Augenblick ja ohnehin nichts Wichtiges zu tun, dachte er sich. Draußen hörte er Dudley die Treppe hinunterstampfen und kurz danach vernahm er, wie die Haustür zugeschlagen wurde. Harry ging hinunter in die Küche, aß etwas Müsli zum Frühstück und ging dann in den Garten an die Arbeit. Einige Zeit verging, Harry hatte bereits eine beträchtliche Fläche gemäht und die Sonne stand schon recht hoch am Himmel, als er zwei Eulen am Horizont bemerkte. ??Harry beschloss, sich eine Pause zu gönnen, schaltete den Rasenmäher ab und machte es sich in einem Liegestuhl bequem. Die erste Eule stammte aus Hogwarts, die zweite erkannte Harry sofort. Es war Pigwidgeon, Rons kleine Eule. Er stellte den Eulen etwas Wasser hin und gab ihnen jeweils einen Eulenkeks aus seiner Hosentasche. Dann öffnete er zunächst Rons Brief und las:
Lieber Harry, nachdem Du meinen letzten Brief nicht beantwortet hast, denke ich, steht Dein Entschluss wohl fest. Du willst tatsächlich nicht nach Hogwarts zurückgehen. Wenn Du es willst, werde ich es dann auch nicht tun, um Dir bei Deiner Aufgabe helfen zu können. Unmöglich kann ich Dich jetzt allein mit Deinen Problemen lassen, auch wenn Mum mir deswegen wohl einen Riesenaufstand bescheren wird, nachdem schon Fred und George die Schule nicht zu Ende gemacht haben. Mein Brief hat aber noch einen anderen Anlass. Bill und Fleur haben mich gebeten, Dir ihre Einladung zu ihrer Hochzeitsfeier am 26. August zu übermitteln. Die Feier soll hier im Fuchsbau stattfinden und alle sind schon in heller Aufregung, vor allem meine Mutter, wie Du Dir denken kannst. Mum und Dad haben beim Ministerium eine Sondergenehmigung beantragt, um die Unterkünfte für Fleurs Verwandtschaft in unseren Garten zu zaubern. Dad sagt, das wäre so ein ähnlicher Zauber, wie er ihn bei den Zeltunterkünften während der Quidditch-Weltmeisterschaft eingesetzt hat. Mum hat angeboten, dass Du nach der Hochzeit gleich hier bei uns bleiben könntest, um dann mit uns gemeinsam nach Hogwarts zu fahren. Ich habe mich noch nicht getraut, ihr und Ginny von Deinen Plänen zu berichten. Hermine ist zurzeit mit ihren Eltern nach Irland in den Urlaub gefahren, aber ich denke, sie wird zur Hochzeit kommen und dann gleich von hier aus nach Hogwarts aufbrechen. Hoffentlich geht es Dir gut und Deine Verwandten lassen Dich in Ruhe, wie es Moody ihnen eingetrichtert hat.
Bis bald, Dein Ron.
Über Harrys Gesicht machte sich ein Lächeln breit. Na klar, die Hochzeit. Die hatte er ja ganz vergessen. Vielleicht würde ihm die Ablenkung gut tun. Aber wie sollte er Mrs. Weasley klarmachen, dass er nicht zurück nach Hogwarts fahren konnte? Er musste irgendeinen Vorwand finden, damit sie ihn nicht ausfragen würde. Pigwidgeon zwickte ihn kräftig. Offenbar hatte Ron ihm aufgetragen, nicht ohne Harrys Antwort zurückzukehren. „Ganz ruhig. Ich gebe Dir gleich einen Brief mit zurück. Du kannst so lange zu Hedwig fliegen. Das Fenster ist offen.“ Mit einem zufriedenen Glucksen verschwand Pigwidgeon im Fenster zu Harrys Zimmer. Harry wandte sich nun dem zweiten Brief zu. Er kam von Professor McGonagall, die nun, wie früher Dumbledore das Siegel des Schulleiters von Hogwarts verwendete.
Lieber Mr. Potter,
vor wenigen Tagen wurde der Nachlass von Albus Dumbledore eröffnet. Er hat mich in seiner letztwilligen Verfügung zur Testamentsvollstreckerin ernannt. Von den Gegenständen seines Nachlasses hat er auch Ihnen etwas zugedacht und mich angewiesen, Ihnen diese Dinge möglichst bald nach seinem Tode zu übergeben. Deshalb denke ich, dass es nicht ausreichend wäre, bis zum Beginn des neuen Schuljahres zu warten. Bitte senden Sie mir eulenwendend einen Vorschlag für einen persönlichen Übergabetermin hier in Hogwarts zu. Ich werde Sie dann im Ligusterweg durch einige Auroren oder Ordensmitglieder abholen lassen. Bitte behandeln Sie diese Angelegenheit höchst vertraulich und erzählen Sie bitte niemandem etwas davon.
Hochachtungsvoll, Ihre Minerva McGonagall Schulleiterin von Hogwarts.
Harry starrte den Brief mit offenen Augen an. Dumbledore hatte ihm etwas vererbt? Hatte er ihm noch nicht alles über die Horcruxe und über Voldemort erzählt? Worum konnte es sich dabei handeln? Er hatte nicht gedacht, dass er jemals wieder nach Hogwarts zurückkehren würde, schon gar nicht in diesem Sommer. Aber wenn es Dumbledore so gewollt hatte, musste es wohl sehr wichtig sein und Harry würde dafür natürlich eine Ausnahme machen. Ein Geräusch ließ Harry aus seinen Gedanken aufschrecken. Es war das Quietschen des Gartentores. „Sieh an, unser Herr Faulpelz sonnt sich hier im Liegestuhl, anstatt sich seiner Arbeit zu widmen! Weitermachen, aber wird’s bald!“ Harry bemerkte, wie sehr es Onkel Vernon genoss, ihn herum zu kommandieren. Dudley grinste breit und hielt einen großen und bunten Karton in der Hand. Harry kritzelte schnell auf einen kleinen Zettel die Worte: „Prof. McGonagall, ich schicke Ihnen heute abend Hedwig wegen dem Terminvorschlag“ und band ihn am Fuß der Schleiereule fest. Zur Bestätigung biss sie Harry liebevoll in den Finger und flog davon. Während er den Rasenmäher wieder anließ, war Harry mit seinen Gedanken wieder bei dem Inhalt von McGonagalls Brief.
Kapitel 3:
Hermines Geheimnis
Ein wenig nervös war Hermine schon. Erst hatte sie ihren Eltern erklären müssen, warum sie mit ihnen unbedingt ausgerechnet nach Irland in den Urlaub wollte, wo sie doch im Süden viel besseres Wetter gehabt hätten und dann musste sie noch die Erlaubnis bekommen, zwei Tage nach Dublin fahren zu dürfen, allein und ohne ihre Eltern. Aber irgendwie hatte sie es geschafft sie davon zu überzeugen, ihr zu vertrauen. Natürlich musste sie dafür ein wenig lügen, sie konnte ihnen ja schlecht erzählen, dass dies die einzige Möglichkeit war, heimlich einen ausländischen Zauberer zu treffen, der ihr durch einen langen Briefwechsel zu einem sehr wichtigen Freund geworden war. Nun lief sie im irischen Regen zusammen mit den Zauberern Dublins auf ein großes Quidditch-Stadion zu. Nicht, dass sie das Spiel unbedingt hätte sehen müssen. Wenn Ron je erfahren sollte, dass sie heute leibhaftig hier war, wird er ihr wohl nie verzeihen, dass sie ihn nicht mitgenommen hatte. Es war ein Freundschaftsspiel zwischen Irland und Bulgarien, das erste Aufeinandertreffen beider Mannschaften seit dem Endspiel der Quidditch-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren. Hermine konnte sich noch gut an die feindselige Stimmung bei diesem Spiel erinnern, welches unter den Zauberern weltweit für große Diskussionen gesorgt hatte. Die Bemühungen des internationalen Quidditchverbandes, die Wogen zwischen den beiden Ländern zu glätten, hatten schließlich zu diesem Freundschaftspiel in Dublin geführt. Kurz nachdem der Termin für das Spiel bekannt war, hatte Victor ihr eine Freikarte mit VIP-Legitimation für das Hotel der bulgarischen Nationalmannschaft durch Eugeniev, seinen kapartischen Waldkauz geschickt. Victor hatte ihr vorgeschlagen, sie nach dem Spiel im Hotel zu treffen. Hermine freute sich auf das Wiedersehen nach dem Spiel und wollte Victor so viel erzählen, was in den letzten beiden Jahren alles passiert war und was sie ihm aus Sicherheitsgründen nicht hatte schreiben können. Viele Dinge ließ sie in ihren Briefen weg aus Angst, dass sie von Todessern oder deren Spionen abgefangen werden könnten. Als sie ihren Platz auf der Ehrentribüne eingenommen hatte, war die Präsentation der Mannschaften bereits abgeschlossen. Als sie die Veela hinter dem bulgarischen Feld sah, musste sie an Harry und Ron denken, die sich bei der Quidditch-Weltmeisterschaft von ihnen hatten beeindrucken lassen. Das Spiel war sehr spannend und zu Hermines Freude war die Stimmung im Stadion dieses Mal sehr fair und freundschaftlich. Das Dubliner Publikum feuerte natürlich überwiegend die irische Mannschaft an und Hermine beobachtete die meiste Zeit voller Bewunderung den bulgarischen Kapitän Victor Krum. Er war noch etwas größer und kräftiger geworden und war nun vom Talent zum Kopf der Mannschaft gereift. Hätte die bulgarische Mannschaft nicht so schnell sehr hoch zurückgelegen, dann hätten sie dieses Spiel vielleicht noch gewinnen können. Zu dem Zeitpunkt, als Victor Krum schließlich den Schnatz gefangen hatte, führten die Iren aber bereits uneinholbar. Am Ende hieß es 190:180 für Irland und der Jubel des Publikums kannte keine Grenzen, obwohl der irische Sucher gegen Krum chancenlos geblieben war. Hermine musste schmunzeln und an die Zwillinge Fred und George Weasley denken, die vor zwei Jahren durch ihre geschickt plazierte Wette viel Geld gewonnen hatten. Als das Spiel beendet war, ging Hermine wie verabredet zum Bus der bulgarischen Nationalmannschaft, um dort Victor zu treffen. Während sie wartete, beobachtete sie die vielen Zauberer, die friedlich das Stadion verließen. Unwillkürlich musste sie an die Ausschreitungen nach der Quidditch-Weltmeisterschaft denken. „Hallo Herrrminne“ Hermine fuhr herum. Victor Krum stand frisch geduscht hinter ihr und musterte sie. Aus der Nähe sah er nun noch erwachsener aus. Sie umarmten sich kurz und Victor zog sie ein wenig aus dem Gedränge heraus. „Du bist in den letzten zwei Jahren noch hübscher und bezaubernder geworden, Hermine.“ Hermine wusste, dass Victors Gefühle für sie damals über eine normale Freundschaft hinausgegangen waren. Sie hatte ihm aber schon vor zwei Jahren klar gemacht, dass sie in Ron verliebt ist und aus ihr und Victor deswegen nie ein Paar werden würde. Mit dem Hinweis darauf, dass Ron ein Mädchen wie Hermine nicht verdient habe, hatte Victor Hermines Entscheidung respektiert und sie dennoch darum gebeten mit ihm in freundschaftlichem Kontakt zu bleiben, weil er noch nie eine zugleich bezaubernde und so intelligente junge Frau kennen gelernt hätte. Inzwischen wusste Hermine aus seinen Briefen aber, dass er in Durmstrang seit letztem Jahr eine feste Freundin gefunden hat. „Victor, schön, dich endlich einmal wieder zu sehen. Gratuliere zu deinem Fang vorhin. Schade dass es nicht zum Sieg für euch gereicht hat.“ „Ja, schade. Beim nächsten Mal werden wir es diesen irischen Hampelmännern aber zeigen. Lass uns gehen.“ Er packte sie leicht am Arm und schob sie in den Bus der bulgarischen Nationalmannschaft. Nach einer kurzen Fahrt saßen sie im Foyer eines großen Dubliner Hotels und unterhielten sich. Hermine schilderte Victor alles, was in den letzten beiden Jahren in Hogwarts passiert war, von Sirius’ und Dumbledores Tod, von Harry und der Prophezeihung, den Kämpfen im Ministerium und in Hogwarts und auch davon, dass Snape Dumbledore umgebracht haben soll. Als der Name Snape fiel, verfinsterte sich die Miene von Victor Krum. „Euer Professor Snape hat nicht nur Schuld am Tod des Direktors Eurer Schulde, sondern auch am Tod des Direktors meiner Schule!“ Hermine blickte Victor ungläubig an. „Wie meinst du das?“, fragte sie ihn. „Igor Karkaroff hatte dem dunklen Lord vor langer Zeit abgeschworen, nicht nur, weil er ihn für tot hielt. Professor Dumbledore wusste davon. Nach Voldemorts Rückkehr vor zwei Jahren gingen wir zunächst zurück nach Durmstrang. Karkaroff zog sich in ein Versteck zurück. Eine Berghütte in den Kaparten. Er wusste, dass Voldemort ihn als Verräter jagen würde. Ich habe ihn dort regelmäßig besucht und mit den wichtigsten Sachen versorgt. Von dem Versteck wusste außer mir und Snape niemand.“ „Snape wusste davon?“, fragte Hermine verdutzt. „Karkaroff erzählte mir, dass er in Hogwarts Snape seine Fluchtpläne anvertraut hätte, weil Dumbledore ihm versichert hatte, dass man Snape vertrauen und er ihm vielleicht helfen könne. Igor hat bis zu seinem Tode auf eine Nachricht von Snape gewartet. Er dachte offenbar, in ihm einen Verbündeten mit ähnlichen Interessen gefunden zu haben. Snape hat sich jedoch nicht mehr bei ihm gemeldet, stattdessen hat der ihn offenbar an die Todesser verraten. Ich habe ihn eines Tages in seiner Hütte gefunden. Sie müssen ihn qualvoll gefoltert und dann grausam hingerichtet haben.“ Hermine starrte Victor Krum mit offenem Mund an. Sie erinnerte sich, dass sie im Tagespropheten von der Ermordung Karkaroffs gelesen hatte, darüber aber nie weiter nachgedacht hatte. Und dass Snape etwas damit zu tun haben könnte, war ihr nie und nimmer in den Sinn gekommen. Victor erzählte ihr noch, dass er in Bulgarien zum Auror ausgebildet werden würde und bestimmt bald nach England zurückkehren würde, wenn der dunkle Lord seine Machtposition hier weiter ausbauen würde. Hermine überlegte, ob sie Victor auch von den Horcruxen und Harrys schwerer Aufgabe erzählen sollte, ließ es für diesen Abend aber dabei bewenden und berichtete ihm noch davon, wie sie im vorletzten Jahr Dumbledores Armee gegründet haben, um Widerstand gegen Professor Umbridge und den Einfluss des Ministeriums zu leisten. Victor lauschte beeindruckt ihren Worten. ??„Ich bin müde.“ sagte sie schließlich. „Klar, erwiderte Victor. „Es ist spät geworden. Wir haben für dich ein Einzelzimmer reserviert, auf der anderen Seite des Hotels. Wir werden morgen sehr früh aufbrechen und zurück nach Bulgarien reisen. Ich denke, wir werden uns dann nicht mehr sehen.“ ??„Gut, Victor. Dann wünsche ich Euch eine sichere Heimreise und danke für alles.“ „Gern geschehen. Es wäre schön, dich bald einmal wieder zu sehen.“ Dann faßte er sie mit leichtem Druck an ihrem Oberarm an und nahm sie beiseite. Im Flüsterton sprach er weiter: „Ich weiss, dass du mir heute nicht alles erzählt hast, was dich bedrückt. Ich lerne grade sehr viel über Legilimentik und Okklumentik. Deshalb nur eines: Wenn du Hilfe brauchst, will ich immer für dich und deine Freunde da sein, auch wenn sie mich nicht sehr zu mögen scheinen. Wenn ihr in Not seid, schickt mir einfach einen Patronus. Ich habe davon gehört, dass im Orden des Phönix mit dem Patronus Nachrichten übermittelt wurden und bei meiner Ausbildung in Durmstrang habe ich das auch gelernt. Ich bringe dann ein paar sehr talentierte Kollegen mit und wir werden an eurer Seite kämpfen, wenn es sein muss.“ „Danke, Victor, das ist sehr lieb. Ich hoffe, dass ich dein Angebot niemals in Anspruch nehmen muss.“ Mit einer kurzen Umarmung verabschiedete sie sich von ihm und begab sich auf ihr Zimmer. Sie war aufrichtig gerührt von diesem Angebot und merkte nun, wie viel sie ihm noch immer bedeuten musste. Hermine lag an diesem Abend trotz ihrer Müdigkeit noch lange wach in ihrem Bett und dachte über das nach, was sie gerade über Karkaroff und Snape erfahren hatte.
Kapitel 4:
Ein ungemütlicher Abend
Harry lag am Abend auf seinem Bett und dachte angestrengt nach. Er hatte gerade den Brief an Ron zu Ende geschrieben und las ihn nun noch einmal durch.
Lieber Ron,
mir geht es gut, hier ist alles wie immer. Nach Hogwarts werde ich auf keinen Fall als Schüler zurückkehren, daran wird sich wohl auch nichts mehr ändern. Zur Hochzeit Deines Bruders Bill werde ich aber gerne kommen. Hast Du eine Idee, was man den beiden schenken könnte? Ich freue mich, Dich und Hermine dann wieder zu sehen. Ich werde jedoch am Tag nach der Hochzeit wieder abreisen und wie gesagt nicht mit Euch nach Hogwarts fahren. Aber bitte sag Ginny vorerst nichts von meinem Brief, es ist ohnehin schon schwer genug für sie, denke ich. Ich will auch nicht, dass du oder Hermine wegen mir die Schule abbrecht. Alles Weitere besprechen wir am 26. August. Ich freue mich darauf.
Harry.
Er faltete den Brief zusammen und band ihn Pigwidgeon ans Bein, was gar nicht so leicht war, weil dieser vor Aufregung wie wild umher hüpfte. Dann schrieb Harry noch einen zweiten Brief.
Hallo Professor. Ich könnte den von Ihnen gewünschten Termin am Montag oder Dienstag der kommenden Woche wahrnehmen. Ich werde meinen jetzigen Aufenthaltsort nicht verlassen, bis ich von Ihnen Nachricht erhalten habe, wann und von wem ich abgeholt werde. Harry Potter.
Er faltete auch diesen Brief zusammen und rief Hedwig zu sich. „Bring den zum Schulleiterbüro von Hogwarts und überbring ihn Professor McGonagall bitte nur persönlich!“, sagte Harry. Mit einem selbstbewussten Glucksen streckte sie ihr rechtes Bein aus und machte sich kurz darauf auf den Weg in den dunklen Nachthimmel. Während er ihr nachblickte, dachte er noch darüber nach, wie nun alles weiter gehen sollte. Er wusste es in diesem Moment selbst noch nicht. Er wusste weder, wie er Ginny bei der Hochzeit gegenübertreten sollte, noch wusste er, wo er nach der Hochzeit hingehen sollte. Davon, wie er die Rätsel um die Horcruxe lösen sollte oder wer sich hinter der Abkürzung R.A.B. verbergen könnte, hatte er schon gar keine Ahnung. Nachdem ihm im Kopf schon etwas schwindelig geworden war, schlief er schließlich ein. „Harry Potter! Aufwachen!“ Harry hörte weit weg die Stimme seines Onkels Vernon und spürte, wie etwas an ihm rüttelte... „Was? Wie? Was ist passiert?“, stammelte Harry und griff unwillkürlich nach seinem Zauberstab. „Das Frage ich dich! Seit Stunden stöhnst, jammerst und schreist du hier irgendein wirres Zeug durcheinander. Da kann doch kein normaler Mensch auch nur halbwegs seine Nachtruhe finden.“ Harry blickte ihn mit verschlafender Miene völlig entgeistert an. Er begriff nicht, worauf sein Onkel hinauswollte. „Was habe ich denn gesagt?“ „Was weiß denn ich von diesen Hirngespinsten. Fantasieworte wie Horncruxspokus, Infernien, und etwas von giftigen Tränken bei einem dunklen Mahl. Irgendeiner soll Abrakadabra gerufen haben, oder so ähnlich. Ich denke, du bist jetzt endgültig dem Wahnsinn verfallen und völlig übergeschnappt!“ „Onkel Vernon, ich...“ Harry starrte ihn entsetzt an. Er hatte keinen Zweifel, dass er tatsächlich im Schlaf gesprochen haben musste, denn auch, wenn Onkel Vernon der Sinn der Begriffe verschlossen geblieben war, so muss er sie doch wohl tatsächlich aus seinem Munde gehört haben und das machte Harry ein wenig Angst. „Wahrscheinlich hast du zu viel in deinen kranken und abnormalen Büchern gelesen, so dass du jetzt langsam den Verstand verlierst. Ich weiß nur, dass dies die letzte Nacht ist, in der wir wegen dir aus dem Schlaf gerissen werden. Morgen früh packst du auf der Stelle deine Sachen und machst, dass du - ein für alle mal - von hier verschwindest. Und dann will ich dich in diesem Haus nie wieder sehen, verstehst du?“ „Aber ich...“ stammelte Harry verstört. „Das war alles. Mehr habe ich dir nicht mehr zu sagen. Leb wohl.“ Vernon drehte sich um, ging hinaus und knallte die Tür hinter sich zu. Obwohl Harry das Verhältnis zu seinen einzigen verbliebenen Verwandten inzwischen eigentlich gleichgültig geworden war, so starrte er nun doch mit Tränen in den Augen auf die Tür. Morgen würde sein 17. Geburtstag sein und obwohl er nicht erwartet hatte, dass dem irgendjemand von den Dursleys Beachtung schenken würde, so hätte er ihn doch irgendwie gerne wie jedes Jahr in deren Haus verbracht.
Kapitel 5:
Ein böses Erwachen
Draco Malfoy wurde von einem Ziehen in der Magengegend geweckt. Er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte und was seit der Nacht auf dem Friedhof passiert war. Er öffnete vorsichtig die Augen und schaute sich um. Er lag auf einem großen Bett in einem ihm bekannten Zimmer, in dem er jedoch schon lange nicht mehr gewesen war. Als er sich bewegte, spürte er noch in allen Gliedern die Schmerzen und langsam holte ihn die Erinnerung an die auf dem Friedhof erlittenen Qualen wieder ein. Plötzlich schreckte er hoch. War das alles nur ein Traum gewesen? Er blickte auf seinen Arm und sah das rötlich leuchtende Todessersymbol. Nein, es war kein Traum. Draco hatte versagt, er hatte Dumbledore einfach nicht töten können. Dieser alte Schwätzer hat ihn mit allen psychologischen Tricks abzulenken versucht, dachte er. Aber wenn er ehrlich war, mußte er zugeben, dass Dumbledore sehr überzeugend gewesen ist. Irgendwann waren Draco keine Gegenargumente mehr eingefallen und wahrscheinlich wäre er sogar noch auf Dumbledores Angebot eingegangen, wären in dem Augenblick nicht die anderen Todesser erschienen. Nun hatte er aber ungleich mehr Probleme als zuvor. Seine Mutter, die ihn nur schützen wollte, ist um ein Haar von Voldemort umgebracht worden und er musste Snape noch dankbar sein, dass dieser die Hinrichtung seiner Mutter zunächst verhinderte. Warum hatte er dies wohl getan? Draco wusste keine rechte Antwort darauf, er konnte Snape aber nicht glauben, dass es ihm wirklich darum gegangen wäre die Bedeutung des Festtages nicht durch einen einfachen Mord zu schmälern. Genauso wenig wusste Draco, wie er Voldemorts neuen Befehl ausführen sollte. Potter lebend zu Voldemort bringen, wie sollte das gehen? Potter wird in wenigen Wochen wieder in Hogwarts sein und dort konnte Draco nun wirklich nicht mehr aufkreuzen. Also musste er irgendwie vorher handeln. Die Tür sprang auf und in der Tür stand seine Tante Bellatrix Lestrange. „Na junger Mann, ausgeschlafen?“ „Tante Bellatrix, hast Du mich hierher gebracht?“ wollte Draco wissen. „Na, wer denn sonst?“ fragte Bellatrix. „Hätte ich Dich da im Dreck liegen lassen sollen und zusehen sollen, bis Nagini Dich frißt?“ Draco sagte nichts. „Du hast jetzt 7 Tage und 7 Nächte durchgeschlafen. Ich habe dir einen Beruhigungstrank verabreicht, damit die Wunden der Flüche richtig verheilen können.“ „Was sagst du da? 7 Tage? Bist Du verrückt geworden, mich so lange lahm zu legen? Was ist seit dem alles passiert?“ „Ein wenig mehr Dankbarkeit könntest Du aber schon zeigen. Du hast nicht viel verpasst. Nachdem sich Deine Mutter so überaus dämlich selbst in Gefahr bringen musste, blieb mir ja nichts anderes übrig, als mich um dich kleinen Versager zu kümmern. Ich weiß zwar nicht, ob deine Mutter noch Gelegenheit dazu erhalten wird, mir auf Knien rutschend dafür zu danken, dass ich deine Haut gerettet habe, aber immerhin sind wir ja verwandt, auch wenn ich nicht gedacht hätte, dass unsere reinblütige Familie jemals einen solchen Feigling und Versager hervorbringen würde. Aber das musst du wohl von deinem Vater geerbt haben, denn der hat sich ja genauso dumm angestellt.“ „Beleidige meinen Vater nicht und pass auf, was du sagst, du falsche Schlange“ zischte Malfoy. „Du willst mir drohen? Glaubst du etwa, ich zittere vor dir, wenn du es nicht einmal fertig bringst, einen geschwächten und am Boden liegenden alten Mann aus dem Weg zu räumen?“ Draco spürte, wie ihm die Tränen in die Augen schossen. „Lass mich in Ruhe!“ sagte er barsch und drehte sich im Bett um. „Du bist eine Schande für unsere ganze Familie, Draco! So ein Weichei wie du war noch nicht einmal mein Cousin Sirius! Sieh zu, dass du wenigstens deinen neuen Auftrag nicht auch vermasselt und damit noch Deine eigene Mutter umbringst!“ Draco schloss die Augen. Ihm war nun klar, welch ein fataler Fehler es gewesen war, sich den Todessern anzuschließen. Von der früheren Bewunderung, die er für die dunklen Künste empfunden hatte, spürte er nun nichts mehr. Nur noch die Angst um seine Mutter und um sein eigenes Leben war ihm gegenwärtig. Was als kindliche Schwärmerei für die dunkle Seite der Magie begonnen hatte, drohte nun in einem Fiasko zu enden. Er wäre am liebsten am nächsten Tag nach Askaban aufgebrochen, um dort seinen Vater zu besuchen und um Rat zu fragen. Doch er wusste, dass man ihn überall suchen würde und er sich in den nächsten Monaten wohl nicht mehr frei in der Welt würde bewegen können.
Kapitel 6:
Neuigkeiten aus Askaban
Hedwig war noch nicht wieder zurückgekehrt, als Harry am nächsten Morgen mit zwei Koffern und seinem Eulenkäfig beladen vor das Reihenhaus im Lingusterweg trat. Onkel Vernon und Tante Petunia hatten sich beim Frühstück noch wegen ihm gestritten. Tante Petunia hatte versucht, ihren Mann, was Harry angeht, doch noch einmal umzustimmen, obwohl sie durchaus auf Harrys Gegenwart verzichten konnte, aber vergeblich. Onkel Vernon ließ nicht mehr mit sich darüber reden, sein Entschluss stand fest. Petunia hatte dabei kein gutes Gefühl, nicht etwa, um Harry zu schützen oder ihm etwas Gutes zu tun, sondern aus reiner Angst vor den Worten, die Mad-Eye Moody am Bahnhof Kings Cross vor ein paar Tagen gewählt hatte. Das schien Onkel Vernon allerdings inzwischen auch gleichgültig zu sein. Er wollte Harry einfach endlich loswerden, weil der in seinen Augen das Unglück nur so anzog. Deshalb rückte er nicht mehr von seiner Entscheidung ab. Schließlich standen Vernon und Petunia in der Tür vor ihrem Haus und schauten Harry hinterher. Dudley hatte sich nicht einmal mehr von Harry verabschiedet, er war seit gestern Mittag ununterbrochen mit seiner neuen Playstation beschäftigt gewesen. Dass er nun ein neues Zimmer dazu bekommen würde, hatte er offenbar noch gar nicht wahrgenommen. Kaum hatten sich Vernon und Petunia umgedreht, um ins Haus zurückzukehren, tauchte er wie aus dem Nichts auf. Der Fahrende Ritter. Vor Harrys Nase war plötzlich die Tür, die sich augenblicklich öffnete. Harrys Miene erhellte sich sofort, denn er erkannte ein vertrautes Gesicht wieder. Es war Stan Shunpike, der ihn vor genau fünf Jahren schon einmal an dieser Stelle aufgelesen hatte. ??„Guten Morgen, Harry Potter! Wo wollen wir denn hin, heute morgen?“ „Nach Hogwarts.“ antwortete Harry. „Sie sollten nicht alleine auf der Straße unterwegs sein. Es sind gefährliche Zeiten angebrochen.“ sagte Stan und schaute sich stirnrunzelnd um. ??„Ich dachte, sie wären...“ begann Harry den Satz. „Schhht!“ machte Shunpike, „nicht hier! Suchen Sie sich oben ein Bett aus, ich komme später zu ihnen“ Die Tür schloss sich.
„Festhalten“ rief Ernie Prang, der Busfahrer. Harry fiel fast vornüber auf seinen Koffer, konnte sich aber noch im letzten Moment an einer Stange festhalten. Er spähte aus dem Fenster, aber das Haus der Dursleys war nicht mehr zu sehen. ??Als er im Obergeschoss angekommen war, fiel ihm auf, dass hier außer ihm niemand war. Er ruhte sich ein wenig auf seinem Bett aus und dachte über die Situation nach. Professor McGonagall würde sicher erst am nächsten Tag mit ihm rechnen und die Ordensmitglieder würden wohl auch alles andere als begeistert sein, dass er hier allein unterwegs war, ohne irgend jemanden darüber zu informieren. „Also Harry, wie geht’s ihnen?“ Shunpike stand plötzlich neben Harrys Bett. „Stan. Also ich hatte mir schon Sorgen gemacht, weil sie sie für einen Todesser gehalten und verhaftet haben.“ Harry rutschte fast vom Bett hinunter, als der Bus im Slalom durch die Londoner Straßen raste. „Ja, sie brauchten wohl einen Verhaftungserfolg. War nicht sehr angenehm für mich, in Askaban fest zu sitzen“ sagte Stan. „Wann haben sie sie freigelassen?“ wollte Harry wissen. „Vor wenigen Tagen erst. Nachdem Dumbledore ermordet wurde und selbst die Todesser in Askaban sich von mir deutlich distanziert haben, hatten sie wohl keine Argumente mehr. Die Anweisung soll wohl vom Minister persönlich gekommen sein.“ Harry musste grinsen. Augenblicklich erinnerte er sich daran, wie er noch am Tag von Dumbledores Begräbnis beim Zaubereiminister Rufus Scrimgeour persönlich Stan Shunpikes Freilassung gefordert hatte. War offenbar doch nicht ganz ohne Wirkung geblieben, dachte er sich. „Lucius Malfoy hat in der Zelle neben mir gesessen. Er hat jedes Mal gerufen: ‚Dieser unnütze, kleine Busschaffner hier ist doch kein Diener des dunklen Lords’ und ‚Glaubt ihr, der dunkle Lord interessiert sich für euer Sammeltaxi?’ In den letzten Tagen sagte er nur, dass wir den Namen Malfoy noch fürchten würden und das, obwohl er selbst in Askaban fest sitzt. Fing wohl so langsam schon zu phantasieren an, der Gute.“ „Das hat Lucius Malfoy tatsächlich gesagt? War das vor dem Mord an Dumbledore?“ unterbrach ihn Harry aufgeregt. „Keine Ahnung. Ja doch, ich glaube schon. Danach haben sie mich ja rausgelassen. Das konnten sie mir ja nun wirklich nicht anhängen, da müssen sie sich schon einen anderen Schuldigen suchen.“ sagte Stan. „Also wusste Lucius Malfoy über die Pläne von Draco Bescheid!“ „Was für Pläne?“ fragte Stan beiläufig. „Ach nichts!“ sagte Harry schnell. Er hielt es für besser, jetzt nicht zu sehr ins Detail zu gehen. „Auf jeden Fall schön, dass Du wieder frei bist!“ „Ja, das meine ich auch. Was willst Du eigentlich jetzt in Hogwarts? Es sind doch noch Ferien, oder?“ fragte Stan neugierig. „Och, ich habe dort in der Aufregung ein wichtiges Schulbuch vergessen, das muss ich über die Ferien noch durcharbeiten“ log Harry. Die Fahrt dauerte noch einige Zeit an. Sie hielten in London noch an ein paar Stellen an, verschiedene Zauberer stiegen ein und aus und irgendwann hatten sie das Stadtgebiet verlassen und rasten über das Land. Im Bus waren nun nur noch wenige Zauberer und Hexen. Es war ein trüber Tag und es regnete sehr stark. ‚Toller Geburtstag!’ dachte sich Harry und blickte aus dem Fenster. Als der fahrende Ritter in Hogsmeade plötzlich anhielt, fiel Harry wieder einmal fast durch den halben Bus. Er verabschiedete sich von Stan und machte sich auf den Weg hinauf zum Schloss. Über dem See lag noch ein recht dichter Nebel durch tief hängende Wolken. Als Harry die Stufen zum Schloss hinaufstieg, konnte er im Augenwinkel kurz das riesige Denkmal auf Professor Dumbledores Grab zwischen den Wolken erkennen. Er mußte unwillkürlich an die Trauerfeier, die hier noch wenige Wochen zuvor stattgefunden hatte, denken. Harry betrat die Eingangshalle und Professor McGonagall kam ihm schon entgegen.„Potter, warten Sie. Sie setzen ja die halbe Halle unter Wasser!“, sagte sie. „Kommen Sie mit, ich gebe ihnen trockene Kleidung und werde dafür sorgen, dass ihre nassen Sachen über dem Kamin im Gryffindor-Gemeinschaftsraum aufgehängt werden können. „Danke“ erwiderte Harry. „Warum im Namen des Merlin, sind sie heute schon hier, Potter? Hatten wir nicht ausdrücklich vereinbart, dass sie ihren Aufenthaltsort nicht verlassen, bis sie dort abgeholt werden?“ „Ja, Professor“, erwiderte Harry kleinlaut, „aber meine Verwandten haben mich heute morgen auf die Straße gesetzt und da blieb mir keine andere Wahl, als mit dem fahrenden Ritter direkt hierher zu kommen.“ Professor McGonagall starrte Harry ungläubig mit offenem Mund an. „Was sagen sie da? Das haben die Dursleys gewagt, sie einfach vor die Tür zu setzen?“ „Ja, ich...“, begann Harry, doch McGonagall sagte: „Genug, jetzt gehen sie erst einmal in ihren Gemeinschaftsraum, ziehen sich trockene Sachen an und ruhen sich für eine Stunde aus. Dann sehen wir uns im Büro des Schulleiters.“ „In Ordnung“, antwortete Harry, drehte sich um und sah im Augenwinkel noch, wie McGonagall schweigend in die noch offen stehende Eingangstür trat, ihren Zauberstab hervorholte und eine Zauberformel murmelte. Harry bemerkte eine silbrige durchsichtige Wolke, aus der rasend schnell ein Patronus in der Form einer Katze hervorsprang und eilig davon rannte.
Kapitel 7:
Ungebetener Besuch
Tante Petunia blickte sich noch einmal um, ob Harry noch am Straßenrand stehen würde und sie hätte schwören können, dass dort, wo Harry eben noch stand, gerade so etwas wie ein lila farbener Blitz vorbeigerauscht wäre, aber im nächsten Moment war sie sich dessen schon nicht mehr sicher. Nun aber konnte sie Harry plötzlich nirgends mehr entdecken. Schließlich war es ein sehr trüber Morgen und es regnete stark. Deshalb fassten die Dursleys den Entschluss, ihr Haus an diesem Tag nicht mehr zu verlassen. Petunia und Vernon Dursley hatten es sich grade an ihrem Kamin gemütlich gemacht, und blickten hinaus in den Garten auf den frisch gemähten Rasen, als sie ihren Augen kaum trauten. Da kam doch tatsächlich am hellichten Tage ein blonder junger Mann auf einem Besen daher geflogen, stieg in ihrem Garten ab und marschierte geradewegs auf ihre Terassentür zu. Vernon sprang sofort auf und stürmte wütend hinaus: „Wer zum Teufel sind sie und was tun sie auf meinem Grund...?“ rief Vernon, doch ehe er zu Ende reden konnte, hatte Draco Malfoy seinen Zauberstab gezückt, auf Vernon gerichtet und „Impedimenta!“ gerufen. Vernon erstarrte mitten in seiner Bewegung. „Oh Vernon“ kreischte Petunia und wollte ihrem Mann zur Hilfe eilen, doch Malfoy rief gelangweilt: „Bleiben Sie wo sie sind. Ihrem Mann fehlt nichts. Wo ist Potter?“ „Fort ist er. Nur Unheil hat er diesem Haus gebracht. Und das tut er auch noch jetzt, wo er fort ist!“ Petunia fing an zu schluchzen. „Du lügst! Er kann noch nicht fort sein, die Schule fängt erst wieder im September an.“ schrie Draco. „Nein“, entgegnete Petunia, „er ist heute hier mit Sack und Pack abgereist. Wir wissen nicht, wohin.“ Er richtete seinen Zauberstab voller Hass auf sie und brüllte: „Crucio!“ Petunia brach auf dem Boden zusammen und schrie unter höllischen Schmerzen. Von dem Krach aufgeschreckt wurde oben eine Tür aufgestoßen. „Wer ist da?“ brüllte eine Stimme. Draco ließ den Zauberstab sinken. Petunia Dursley keuchte und wimmerte auf dem Boden. „Potter, komm’ runter. Ich weiß, dass du da oben bist. Sonst ist deine Tante hier gleich genauso tot wie Dumbledore!“ Dudley zuckte zusammen. Wer war dieser fremde Junge? Offenbar jemand, der Harry nicht mochte und das war aus seiner Sicht nicht unsympatisch. Andererseits schien er über Zauberkräfte zu verfügen, was die Situation nicht gerade leichter machte. Er wusste später nicht mehr, woher er den Mut genommen hatte, doch er trat vor ans Treppengeländer und sagte: „Ich bin nicht Harry. Der muss in seinem Zimmer sein.“ Draco Malfoy musterte Dudley langsam. „Wer bist Du, Fettsack?“ wollte er wissen. „I-ich bin Harrys Cousin. D-Dudley Dursley.“ stammelte er. „So ein bescheuerter Name. Ich glaube dir nicht!“ funkelte ihn Draco an. „Ich wette, du bist Potter und hast dich nur getarnt. Mit Vielsafttrank oder irgendeinem anderen miesen Trick. Wollen wir mal sehen, ob du die Schlangen noch verstehst, Potter! Serpensortia!“ schrie Draco und deutete mit seinem Zauberstab nun auf Dudley. Augenblicklich kam aus Dracos Zauberstab eine riesige Schlange hervor und bewegte sich die Treppe hinauf bedrohlich auf Dudley zu. Dieser fing augenblicklich zu schreien an, rannte zurück in sein Zimmer und schlug die Tür hinter sich zu. „Das ist tatsächlich nicht Harry Potter“ sagte Draco verdutzt und ließ die Schlange mit einem Schlenker seines Zauberstabes wieder verschwinden. „Wo ist sein Zimmer? Ich will es sehen!“ fragte er, nun wieder Petunia Dursley zugewandt. „Er ist nicht mehr da. Wir haben ihn heute morgen hinausgeworfen. Ich habe keine Ahnung, wo er jetzt ist.“ wimmerte Petunia. „Das müssen sie mir glauben, das ist die Wahrheit.“ „Wo ist sein Zimmer?“ schrie Draco mit Nachdruck. „Die Treppe rauf. Die erste Tür links.“ Petunia war am Ende ihrer Kräfte. Draco stürmte die Treppe hinauf und stieß die Tür auf. Das Zimmer war komplett leer geräumt. „Erbärmliche Kammer.“ murmelte Draco verächtlich. In diesem Augenblick wurde die Haustür von außen aufgestoßen und zwei Personen stürmten herein. „Expelliarmus!“ schrie Draco und die Zauberstäbe von Mad-Eye Moody und Nymphadora Tonks flogen durch die Luft und die beiden fanden sich augenblicklich auf dem Boden liegend wieder. Mit erhobenem Zauberstab schritt Draco auf die beiden zu. Moodys magisches Auge kreiste wie wild umher. Sie hatten nicht erwartet, hier angegriffen zu werden. Eigentlich hielten sie diesen Ort für sicher und wollten Harry nur bestätigen, dass sie ihn am nächsten Morgen nach Hogwarts abholen wollten. „Sieh mal an, wen haben wir denn da?“ fragte Tonks. „Unser Junior-Todesser! Nach dir haben wir ja schon überall gesucht. Wenn wir dich dingfest gemacht haben, werden wir dich mal all deinen Mitschülern vorführen, damit sie den Verräter mal anspucken können. Du traust dich tatsächlich jetzt hierher?“ „Und nun schweig, du elendes Schlammblut!“ fauchte Draco. Er spürte zum ersten Mal diesen unbändigen Hass in sich und war nun in seiner Verzweiflung bereit, das Unverzeihliche zu tun. Er richtete den Zauberstab auf das Herz von Tonks und sprach „Avada Ke...“ Rummms! Von einem schweren Schlag getroffen, sackte Draco Malfoy in sich zusammen und fiel in die Überreste der alten chinesischen Vase, die gerade mit voller Wucht auf seinen Kopf geschlagen wurde. Sie war ein Geschenk von Tante Magda gewesen und Dudley hätte nicht gedacht, dass sie ihm noch einmal so nützlich werden würde. „Gut gemacht, Junge! Soviel Mut hätte man dir nicht zugetraut.“ Dudley errötete. Dann blickte er zu seiner Mutter hinüber und eilte zu ihr, um ihr aufzuhelfen. „Das wird eine Menge Arbeit für die Jungs aus dem Ministerium. Hier müssen drei Gedächtnisse verändert werden.“ sagte Alastor Moody. Tonks hob ihren Zauberstab auf, richtete ihn auf Draco und sprach „Incarcerus“. Seile bildeten sich an der Spitze ihres Zauberstabes und fesselten Draco. „Da wird sich das Ministerium aber freuen, wenn wir ihm einen Verdächtigen präsentieren können. Ab nach Askaban – wie der Vater, so der Sohn! Was hat er hier gesucht?“ „Er fragte nach Harry.“ wimmerte Petunia, noch immer am Boden liegend. Tonks richtete den Zauberstab noch einmal auf den bewußtlosen Draco und sagte: „Mobilcorpus“. Dracos Körper schwebte in der Luft. Dudley und Petunia starrten Tonks völlig entgeistert an. „Keine Angst, das habt ihr alles bald wieder vergessen!“ Sie richtete ihren Zauberstab auf Vernon. „Enervate!“ rief sie. Ein roter Blitz traf Vernon Dudley, der sich augenblicklich wieder bewegen und sprechen konnte. „Was ist hier los? Wie sind Sie hier reingekommen?“ „Durch die Tür“ sagte Moody gelassen. „wo ist Harry, warum ist er nicht hier gewesen?“ Petunia warf ihrem Mann einen ängstlichen Blick zu. Vernon errötete und sagte kleinlaut: „Er ist fortgegangen.“ „Wo wollte er hin? Und wann kommt er zurück?“ „Wir wissen nicht, wo er hin ist. Zurückkommen wird er wohl nicht...“ „Was um alles in der Welt..?“, fragte Moody sichtlich verwirrt. ??Wir haben ihn heute morgen hinausgeworfen.“ „Was habt Ihr?“ „N-nun ja, wir passen einfach nicht zusammen und haben es nicht mehr mit ihm ausgehalten.“ stammelte Vernon. „Es war für den Jungen überlebenswichtig, hier bleiben zu können. Wer weiß, in welcher Gefahr er jetzt schwebt.“ sagte Moody entrüstet. „Nun ja, Harry paßt schon auf sich auf.“, gab Tonks zu Bedenken. „Und wie es aussieht, ist er der Gefahr, die hier neben mir schwebt, wohl heute Morgen gerade deswegen knapp entgangen, weil er dieses Haus verlassen hat.“ In diesem Augenblick brach eine blaue leuchtende Erscheinung durch die Tür hinein. Es war wie eine leuchtende Nebelwolke, die die Form einer Katze hatte. Sie lief auf Alastor Moody zu und blieb vor ihm stehen. Er machte mit seinem Zauberstab einen kleinen Schlenker, dann sprach die Katze mit der Stimme von Professor Mc. Gonagall: „Harry Potter ist wohlbehalten in Hogwarts eingetroffen.“ und löste sich augenblicklich in Luft auf. „Gut, dann apparieren wir ins Ministerium und geben den hier,“ er deutete dabei auf den schwebenden Draco Malfoy, „dort ab.“ sagte er zu Tonks. Und zu den Dursleys gewandt schließlich: „Sie verlassen das Haus nicht, bis sich nicht jemand um sie gekümmert hat. Keine Angst, Ihnen droht nun keine Gefahr mehr.“ Der Anblick von McGonagalls Patronus gab Petunia Dursley eindeutig den Rest. Kurz nachdem der Patronus verschwunden war, fiel sie in Ohnmacht.
Kapitel 8:
Die magische Holztruhe
Eine Stunde nach seiner Ankunft in Hogwarts klopfte Harry an die Tür zum Büro der neuen Schulleiterin. Der Wasserspeier hatte offen gestanden. „Herein!“ rief eine Stimme aus dem Inneren. Harry öffnete die Tür und schloss sie hinter sich gleich wieder. Langsam blickte er sich in dem ihm so gut bekannten Raum um. Es hatte sich nicht viel verändert, seit er hier in der Nacht von Dumbledores Tod gewesen war. Sein Blick fiel auf das Portrait von Professor Dumbledore, das nun - anders als beim letzten Mal - mit offenen Augen und sorgenvollem Blick ins Leere starrte. „Bitte setzen sie sich, Mr. Potter“, Professor McGonagall saß hinter Dumbledores Schreibtisch und deutete auf den leeren Stuhl davor. „Professor, noch einmal wegen heute morgen...“ begann Harry kleinlaut eine Entschuldigung. „Schon gut,“ erwiderte McGonagall beruhigend. „Offenbar hatten sie wieder einmal die richtige Vorahnung. Wie mir Mad-Eye Moody berichtet hat, ist das Haus ihrer Verwandten heute kurz nach ihrer Abreise von einem Todesser überfallen worden. Wir haben jeden Grund zu der Annahme, dass der Anschlag nicht ihren Verwandten, sondern ihnen gegolten haben muss.“ Harry starrte die neue Schulleiterin fassungslos an. „Sind die Dursleys...?“ „Nein, Potter. Glücklicherweise wurde niemand verletzt. Im Augenblick sind zwei Spezialisten des Zaubereiministeriums bei ihnen und verhören sie noch einmal genau zu dem Vorfall. Anschließend wird man ihr Gedächtnis so verändern, dass sie sich an nichts mehr erinnern können. Offenbar hat ihr Cousin den Todesser überwältigen können, als er gerade im Begriff war, unverzeihliche Flüche auf Tonks und Alastor Moody zu richten.“, fuhr sie fort. „Wie bitte, Dudley soll zwei Auroren gerettet und einen Todesser zur Strecke gebracht haben? Das kann nicht sein. Der wird doch noch nicht einmal mit einem Zauberdrops fertig!“ „Offenbar haben sie sich in seinen Qualitäten gründlich getäuscht, Potter. Im Angesicht der Gefahr ist er offenbar über sich hinaus gewachsen. Aber der Grund ihres Besuches in Hogwarts ist ja ein anderer, wie wir beide wissen.“ Harry drehte sich um und blickte zu Dumbledores Portrait, dass ihm ganz leicht aufmunternd zunickte und kurz zwinkerte. „Es wird noch ein bis zwei Jahre dauern, bis das Portrait sprechen wird.“, sagte McGonagall langsam. Dennoch hat Professor Dumbledore eine Nachricht für sie hinterlassen, die ich ihnen nun übermitteln will.“ Professor McGonagall stand auf und schloss einen großen schweren Schrank, der hinter ihr stand mit einem Schlüssel auf. Sie nahm eine alte, hölzerne Truhe mit beiden Händen aus dem Schrank und stellte sie auf den Tisch zwischen Harry und sich. In die Oberseite der Truhe waren die Worte „Für Harry Potter“ eingebrannt. Dann zückte sie ihren Zauberstab und blickte Harry fragend an. „Ich hoffe, sie haben ihren Zauberstab dabei. Albus Dumbledore hat mich zu seinem Testamentsvollstrecker gemacht. Diese Truhe läßt sich nur dann öffnen, wenn wir beide gleichzeitig mit unseren Zauberstäben Funken auf das Schloss sprühen lassen. Harry wich unwillkürlich zurück, weil aus McGonagalls Zauberstab plötzlich bunte Funken sprühten. Schnell zog er seinen Zauberstab heraus und machte es McGonagall nach. Als die Funken das Schloss der Truhe berührt hatten, sprang ihr Schloss plötzlich auf. McGonagall öffnete den Deckel der Truhe vorsichtig. In ihr befand sich eine Pergamentrolle mit Dumbledores Siegel. Harry hatte die Handschrift des verstorbenen Schulleiters sofort erkannt. McGonagall blickte Harry ernst an. „Ich werde dieses Siegel nun brechen und den Text dann laut verlesen. Hören sie nun gut zu, Potter! Der Text ist nur für sie bestimmt und äußerst vertraulich. Albus Dumbledore hat ihn deshalb mit einer Feder seines Phönix Fawkes geschrieben. Sobald der Text einmal von mir verlesen worden ist, wird der Brief automatisch in Flammen aufgehen und vernichtet werden. Um mich nicht in Gefahr zu bringen, wird meine Erinnerung an die Verlesung des Dokumentes mit der Vernichtung des Pergamentes ebenfalls gelöscht werden. Ich kann ihnen später also keinerlei Fragen dazu beantworten. Haben sie das verstanden, Mr. Potter?“ Harry nickte langsam. Er versuchte, sich so gut es ging zu konzentrieren. „Sind sie bereit? Soll ich anfangen?“ „Ja.“, entgegnete Harry, „ich bin bereit.“ Professor McGonagall brach Dumbledores Siegel und plötzlich begann die Schrift auf dem Pergament orange zu leuchten und zu flackern. Die Schulleiterin begann laut zu lesen: „Mein lieber Harry! Wenn du diese Nachricht von mir hören wirst, dann wird mein langes Leben ein Ende gefunden haben. Ich weiß, dass dieser Zeitpunkt vor dem Ende deines siebten Schuljahres in Hogwarts liegen wird, da ich vor einiger Zeit den Entschluss gefaßt habe, dass der Einsatz meines Lebens für unseren Kampf gegen das Böse erforderlich sein wird. Dies wird für hoffentlich sehr lange Zeit die letzte Mitteilung sein, die du von mir empfangen kannst. Denn vor dem Tage deines Todes werden wir uns nicht wiedersehen. Aber Harry, ich kann dich trösten. Es gibt keinen Grund, den Tod zu fürchten. Wie du ja weißt, ist dies ein wunder Punkt von Tom Riddle und ich bin mir sicher, dass dir diese Erkenntnis eines Tages im Kampf gegen ihn noch sehr nützlich sein wird. ??In der Truhe, in der diese Nachricht verborgen war, gibt es ein Geheimfach. Du mußt die Truhe nehmen und sie in Godric’s Hollow auf den Grabstein deines Vaters stellen und dann den gleichen Zauber verwenden, der eingesetzt wird um eine recht nützliche Karte von Hogwarts zu aktivieren, die ja bereits in deine Hände gelangt ist.“ ??Harry erstarrte. Dumbledore hatte es also gewusst. Er hat es die ganze Zeit gewusst, dass Harry im Besitz der Karte des Rumtreibers war. Hatte Lupin es ihm erzählt? Oder wusster Dumbledore einfach alles, was in Hogwarts passierte? Hatte er am Ende die Karte bewusst in die Hände von Fred und George gespielt in der Hoffnung, sie würde irgendwann bei Harry landen? Harrys Gedanken überschlugen sich, doch er musste sich zwingen, Prof. McGonagall weiter konzentriert zuzuhören, um nichts wichtiges zu verpassen. ??„Dann wird sich dir das Geheimnis dieser Truhe offenbaren. Wichtig ist, dass du dabei allein bist, wenn du den Zauber aussprichst, da andere, für die das Geheimnis nicht bestimmt ist, dadurch verletzt werden könnten. ??Wenn die Truhe ihr Geheimnis preisgegeben hat, dann wirst du noch einige weitere Rätsel zu lösen haben. Dabei kannst du dir dann von deinen Freunden helfen lassen. ??Die Dinge, die dann in deinen Besitz gelangen werden, könnten für dich auf dem langen und schweren Weg, der noch vor dir liegt, sehr nützlich sein. Geh diesen Weg nicht allein, sondern lass dir von deinen Freunden beistehen. Denn eines mußt du Bedenken, Harry: Die wirksamste Waffe, die du im Kampf gegen deine furchtbaren Feinde einsetzen kannst, ist die Kraft der Liebe. Durch die Liebe deiner Mutter wurde Tom Riddle schon einmal besiegt. Und dennoch unterschätzt er die Kraft der Liebe noch immer. Deshalb brauchst du die Personen an deiner Seite, die dich lieben und die du liebst. ??Du solltest nicht viel Zeit verlieren und dann die Suche nach den restlichen Horcruxen fortsetzen. Ich halte es für das Beste, wenn du dafür deine Schulausbildung unterbrichst, denn in Hogwarts würdest du jetzt wohl in großer Gefahr schweben. Du solltest in der nächsten Zeit versteckt bleiben und deinen Aufenthaltsort geheim halten. Man wird mit Sicherheit nach dir suchen, jetzt, nachdem du nicht mehr unter meiner Obhut stehst. ??Suche allein oder nur mit deinen engsten Freunden nach den Horcruxen und vertraue dich mit Ausnahme von Arthur Weasley auch keinen Mitgliedern des Zaubereiministeriums an, denn dort gibt es mehr als nur einen Spion von Voldemort. Sorge dafür, dass auch deine Freunde nicht mit Fremden über das Geheimnis von Tom Riddle reden. Nur so kann es gelingen, ihn irgendwann einmal völlig unvorbereitet zu treffen und zu vernichten. ??Ich wünsche dir viel Glück und Kraft auf deinen Wegen, doch ich bin nach deiner Schulzeit in Hogwarts, in der du oft großen Mut und Tapferkeit bewiesen hast, überzeugt davon, dass du deine Aufgabe meistern kannst. Leider kann ich dir dabei nun nicht mehr helfen. ??Lebe wohl, dein Albus Dumbledore.“ ??Kaum hatte McGonagall die letzten Worte ausgesprochen, da ging brachen aus der Mitte des Pergamentes grünliche Stichflammen hervor und in der Mitte des Pergamentes entstand ein Loch, das sich immer weiter ausbreitete, bis das Pergament völlig verschwunden war. Als die grünlichen Flammen die Hände von Professor McGonagall berührten, fingen diese auch an, grün zu leuchten, und das Leuchten wanderte langsame die Arme entlang über die Schultern und erfasste den Kopf der Schulleiterin, die inzwischen ihre Augen geschlossen hatte. Auf dem Hut der Professorin verschwanden die Flammen schließlich in grünem Rauch. ??Als der Rauch verzogen war, öffnete sie langsam ihre Augen wieder und blickte Harry an. „Haben sie alles verstanden?“ ??„Ja“, sagte Harry mit Tränen erstickter Stimme. ??„Nun, dann ist meine Aufgabe damit erledigt.“ Sie klappte den Deckel der Truhe wieder zu. „Möchten sie die Truhe als Andenken an Professor Dumbledore behalten?“ ??Harry war sich sicher, als hätte er grade eben im Augenwinkel über Dumbledores Portrait ein breites Grinsen huschen sehen. ??„Oh ja, sehr gerne“, antwortete Harry, nahm die Truhe entgegen und erhob sich von seinem Stuhl. ??„Wollen sie gleich in Hogwarts bleiben, bis das neue Schuljahr beginnt? Nach Little Whinging können sie ja wohl kaum zurück, oder?“ ??„Professor“, begann Harry den Satz „ich habe den Entschluss gefaßt, im nächsten Schuljahr nicht für die Teilnahme am Unterricht nach Hogwarts zurückzukehren. Ich denke, ich werde noch ein bis zwei Tage hier bleiben und dann abreisen.“ ??„Aber Mr. Potter. Sind sie sicher? Wo wollen sie denn hin?“ ??„Keine Ahnung. Irgendwohin, wo mich niemand findet, der nach mir suchen könnte.“ ??„Aber wie stellen sie sich das vor? Sie schweben doch unverändert in großer Gefahr?“ ??„Ich weiss“, sagte Harry. ??„Dann lassen sie mich wenigstens dafür sorgen, dass sie zu ihrem Schutz vorerst von zwei Auroren begleitet werden. ??„Nein“, sagte Harry, „das hätte Dumbledore nicht gewollt.“ ??Harry stand auf und ging aus dem Büro direkt in den Jungenschlafsaal der Gryffindors. Es war das erste Mal, dass er hier ganz alleine schlafen würde. Und es war das erste Mal, dass er an seinem Geburtstag hier war. Aber daran hatte ja wie immer niemand außer ihm gedacht. Allerdings hatten die Eulen womöglich auch Schwierigkeiten gehabt, ihn an diesem Tag zu finden. ?
Kapitel 9:
Ron’s Geständnis ??
Ginny Weasley saß im Fuchsbau in der Küche und starrte gebannt auf die magische Uhr der Weasleys. Der Zeiger von Ron bewegte sich gerade langsam von „Winkelgasse“ auf „zu Hause. Was würde sie darum geben, wenn Harrys Aufenthaltsort auch auf der Anzeige erscheinen würde und sie so erkennen könnte, ob er sich in Gefahr befindet oder nicht. ??Die Zeit seit dem Ende des letzten Schuljahres war ihr ewig vorgekommen. Immer wieder lief sie zu ihrem Fenster, um nach Hedwig oder anderen Eulen Ausschau zu halten und wartete auf Nachrichten von Harry. Doch Harry schrieb ihr nicht. ??Quietschend öffnete sich die Tür und Ron spazierte hinein. ??„Und? Hast du in der Winkelgasse ein passendes Hochzeitsgeschenk gefunden?“, fragte Ginny ihren Bruder. ??„Keines, das ich mir leisten könnte und das mir trotzdem gefallen würde und angemessen wäre,“ entgegnete Ron. „Fred und George haben mich auf einige lustige Gedanken gebracht, aber ich traue den beiden nicht so recht.“ ??„Nein, das tust du besser nicht. Die machen sich nur einen Spass auf deine Kosten. Hast du irgend etwas Neues über Harry erfahren?“, wollte Ginny wissen. ??„Wenigstens konnte ich endlich meinen geänderten Festumhang abholen. Ich bin doch wieder etwas gewachsen, so dass der Umhang erneut geändert werden musste. Von Harry? Nein, keine Spur. Aber im Tagespropheten steht, dass es einen Überfall eines Todessers im Little Whinging gegeben haben soll. Ist aber offenbar niemand zu Schaden gekommen und der Todesser konnte von zwei Auroren gefaßt werden. Noch wollte das Ministerium aber nicht veröffentlichen, um wen es sich dabei genau gehandelt hat.“ ??„Was? In Little Whinging? Aber das muss in Harrys unmittelbarer Nachbarschaft passiert sein! Meinst Du, sie waren wegen ihm dort?“ ??„Keine Ahnung. Aber offensichtlich ist ihm ja nichts passiert, oder? Lass uns heute abend Dad fragen, ob er Näheres weiss.“ ??„Aber ich mache mir trotzdem Sorgen. Warum meldet Harry sich denn so lange nicht? Schreibt mir keinen einzigen Brief seit Wochen!“ ??„Ginny, ich glaube, ich muss dir etwas beichten.“ ??„Was? Ron, was meinst du?“ Sie schaute ihren Bruder ungläubig an. ??„Ich habe dir - ähm - naja, ich habe dir wohl nicht die ganze Wahrheit erzählt, was Harry angeht. Er hat mir vor ein paar Tagen geschrieben, da gings ihm noch gut, denke ich.“ ??„Was? Und warum verheimlichst du das vor mir? Hast du nicht gesehen, wie sehr ich hier leide und mir den Kopf zerbreche?“ ??„Doch und gerade deshalb, um dein Leid nicht noch zu vergrößern, habe ich dir nichts davon gesagt. Harry hat nur geschrieben, dass er zur Hochzeit von Fleur und Bill kommen wird.“ ??„Und weiter? War kein extra Brief für mich dabei?“ ??„Nein“, sagte Ron ruhig. Ginny merkte sofort, dass dies keine Lüge war. ??„Und sonst stand nichts in dem Brief?“ ??„Doch, aber ich denke, das wird dir nicht gefallen“, sagte Ron kleinlaut. ??„Los, sag schon...“, Ginny funkelte ihren Bruder auffordernd an. ??„Er hat geschrieben, dass er im September nicht nach Hogwarts zurückkehren wird und seine Aufgabe allein ohne unsere Hilfe lösen will.“ ??In Ginnys Augen waren plötzlich Tränen geschossen, sie schluckte, blickte aus dem Fenster, und nach wenigen Sekunden liefen ihr dicke Tropfen die Wangen hinunter. Sie wandte sich um und ging hinauf in ihr Zimmer. ??Wenige Augenblicke später bemerkte Ron eine Eule, die ans Küchenfenster pochte. Er erkannte die Eule von Hermine sofort und öffnete das Fenster. Nachdem er die Eule mit einem Keks versorgt hatte und ihr die Nachricht abgenommen hatte, setzte Ron sich in einen Sessel und entfaltete das Pergament. Sofort erkannte er die vertraute Handschrift Hermines. ???Lieber Ron, ??ich bin aus Irland mit vielen interessanten Eindrücken zurückgekehrt und habe auch einiges an Neuigkeiten zu berichten. du wirst nie erraten, wen ich in Dublin getroffen habe. ??Über die Einladung zur Hochzeit und in den Fuchsbau habe ich mich sehr gefreut und ich will sie gerne annehmen und so bald wie möglich zu euch kommen. Hier ist ja doch nicht viel los. Aber nur, wenn deine Eltern einverstanden sind und ich wirklich niemandem zur Last falle. ??Hast du etwas von Harry gehört? Mache mir ein wenig Sorgen wegen des Berichtes über den Angriffs in Little Whinging. ??Hast du in der nächsten Woche Lust auf einen Einkaufsbummel in der Winkelgasse? Vielleicht können wir da ein gemeinsames Hochzeitsgeschenk für Fleur und Bill aussuchen. Ich würde mich sehr freuen, wenn Ginny auch Zeit hätte... ??Viele Grüße an deine Familie Eltern, bis bald, ??Hermine. ??Ron musste grinsen. Was würde er ohne Hermine nur tun. Er musste daran denken, wie plan- und ideenlos er in der Winkelgasse umher gelaufen war auf der Suche nach einem geeigneten Geschenk. Hermines Angebot kam ihm deshalb wie gerufen. ??Er kritzelte sofort seine Antwort auf ein Stück Pergament und schickte Hermine die Eule sofort zurück. ???
Kapitel 10:
Trübe Aussichten ??
So viel Regen und Nebel hatte es im Sommer seit Jahren nicht mehr gegeben. Als wären die Straßen von Spinners End nicht ohnedies schon trostlos genug gewesen, so sorgte dieses ungewöhnliche Sommerwetter dafür, dass dieser Eindruck noch verstärkt wurde. Severus Snape stand an seinem Fenster und blickte gedankenverloren hinaus auf die Blasen schlagenden Pfützen auf der Straße, als ihm plötzlich eine dunkle Gestalt auf der gegenüber liegenden Straßenseite auffiel, die nun direkt auf sein Haus zukam. Als Snape den Gang dieser Person betrachtete, konnte es keinen Zweifel mehr geben, um wen es sich dabei handelte. ??Er ging langsam zur Tür und nahm seinen unangemeldeten Gast an der Tür im Empfang. Die Gestalt nahm die schwarze Kapuze ab und trat durch die offene Tür ein, ohne ein Wort der Begüßung zu verlieren. ??„Was willst du hier? Willst du meine Tarnung auffliegen lassen?“ zischte Snape. ??„Nein, Severus. Das würde ich nie tun. Ich bin hier, weil ich dich dringend sprechen muss. Es ist etwas Ernstes geschehen, da bin ich mir sicher.“ ??„Wovon redest du?“ ??„Draco ist seit gestern morgen verschwunden und im Tagespropheten ist von einem gescheiterten Angriff in Little Whinging die Rede. Ich kann eins und eins zusammenzählen.“ In Bellatix’ Gesichtsausdruck machten sich deutliche Anzeichen von Verzweiflung breit, die Snape bei ihr noch nie zuvor in dieser Form gesehen hatte. ??„Du weißt, was das für Narzissa möglicherweise bedeutet, wenn Draco wirklich gescheitert ist.“ ??„Dieser verdammte eingebildete Kerl. Warum wollte er sich auch in Hogwarts nicht von mir helfen lassen. Alles wollte er allein auskosten und bloss niemandem vertrauen. Tja, und nun dürfte er es in jungen Jahren bereits nach Askaban gebracht haben, welch ruhmreiche magische Laufbahn!“ ??„Spar dir deine Witze“, entgegnete Bellatrix Lestrange. „Der Junge ist mir egal, aber wir müssen jetzt Narzissa helfen. Ich bin mir sicher, er würde es genießen, sie jetzt zu opfern. Dabei hat sie nur einen Moment lang die Beherrschung verloren.“ ??„Narzissa helfen?“ Snape zog zum Zeichen seiner Überraschung seine rechte Augenbraue hoch. „Wie sollten wir ihr nun noch helfen können?“ ??„Wir müssen den dunklen Lord davon überzeugen, dass er sie nicht töten darf. Das wäre die falsche Botschaft. Lucius würde in Askaban zu Grunde gehen und wenn Draco auspacken würde, könnte er uns großen Schaden zufügen.“ ??„Das wird dem dunklen Lord wohl kaum imponieren. Wir können nichts für sie tun.“, sagte Snape kalt. ??„Aber auf dich wird er vielleicht hören. Du hast ihn einmal überzeugt und du kannst es wieder schaffen. Du hast doch etwas gut bei ihm, nachdem du Dumbledore erledigt hast.“ Bellatrix flehte Snape förmlich an. ??„Niemand hat etwas beim dunklen Lord gut. Vergiss es. Und deine Schwester hat sich selbst in diese Lage gebracht. Durch meinen unbrechbaren Schwur habe ich ihr schon mehr Entgegenkommen bewiesen, als sie jemals hätte von mir erwarten können und wenn ich mich nicht für sie eingesetzt hätte, würde sie schon gar nicht mehr leben.“ ??„Aber du kannst doch nicht so einfach zusehen, wie er sie umbringt?“ ??„Warum nicht? Sie hat klar gegen die Regeln verstoßen. Was muss sie sich dem dunklen Lord in den Weg stellen?“ ??"Sie hat das aus Liebe zu ihrem Sohn getan, verdammt. Sind dir solche Gefühle denn völlig fremd?" ??"Es ist gleichgültig, warum sie es getan hat. Das Problem ist, dass sie es getan hat. Außerdem wird das den dunklen Lord wohl eher noch mehr erzürnen, da ihn dieses Verhalten an Lily Potters Tod und dessen schwere Folgen für ihn erinnern dürfte. Und schon deshalb solltest du jede Hoffnung auf eine Begnadigung deiner Schwester durch Einflussnahme von außen schleunigst begraben." ??"Wenn du ihr nicht hilfst, dann hast du sie mit auf dem Gewissen!", entgegnete Bellatrix aufgebracht. "Das kann dich doch nicht so völlig kalt lassen! Du kennst sie doch auch schon so lange." ??"Nicht ich, sondern Draco Malfoy hat ja offenbar versagt. Er hatte es in der Hand, ihr Leben zu retten und das haben beide nur mir zu verdanken. Wenn er es so stümperhaft vermasselt hat, wie es scheint, dann kann auch ich nichts mehr tun. Schließlich wird der dunkle Lord allen demonstrieren wollen, dass er keinen Widerstand gegen seine Entscheidungen duldet." ??Bellatrix blickte Snape mit Tränen in den Augen an und sackte auf dem Sofa in sich zusammen. Leise begann sie zu schluchzen und verbarg ihr Gesicht in ihren Händen. "Aber sie ist doch meine einzige Schwester, ich kann sie doch nicht einfach im Stich lassen und aufgeben. Wenn sich Draco nur hätte helfen lassen, aber nein, da marschiert er schnurstracks nach Little Whinging und läuft direkt sein Verderben." ??Snape stand am Fenster und schwieg. Ihm war klar, dass Voldemort nur auf die kleinsten Ausrutscher seiner Diener wartete, um ihnen gegenüber seine Machtansprüche zu demonstrieren. "Bella, du musst dich zusammenreißen. Es hat doch keinen Zweck. Er ist ein Meister der Legilimentik. Wir können ihm da nichts vormachen.", zischte Snape. ??"Du hast ja Recht, nur kann ich irgendwie nicht einfach tatenlos zusehen. Ich dachte, du hättest vielleicht eine Idee." ??"Glaub mir, du kannst nichts für sie tun. Und wenn ich dir einen guten Rat geben darf: Achte darauf, dass du deinen Geist richtig verschliesst, denn sonst merkt der dunkle Lord dir diese Haltung an und das könnte auch für dich böse Folgen haben." ??Beide schwiegen einige Zeit, bis Bellatrix endlich seufzte: "Danke, Severus. Oft hilft es, wenn man mit jemandem über die Dinge reden kann. Vielleicht geschieht ja doch noch ein Wunder." ??Snape kräuselte die Lippen. "Geh' jetzt bitte und achte darauf, dass du hier in der Gegend nicht gesehen wirst und auch kein Aufsehen erregst!" ??Bellatrix nickte, zog ihren Umhang wieder an und verließ ohne ein weiteres Wort den Raum. Snape stand noch am Fenster und warf ihr einen skeptischen Blick hinterher. Als sie nicht mehr zu sehen war, nahm er seinen Zauberstab und berührte mit dessen Spitze seine rechte Schläfe. Eine silbrige Masse erschien, als er den Zauberstab langsam von seinem Kopf weg hin zu einem kleinen Fläschchen bewegte, das er schließlich mit einem kleinen Korken verschloss. ??Anschließend legte er sich auf sein Bett und schloss seine Augen. Er wollte sich ausruhen, denn auch er würde in den kommenden Tagen und Wochen viel Kraft brauchen.
Kapitel 11:
Verspätete Geschenke ??
Harry Potter wachte am nächsten Morgen mit einem Bärenhunger auf. Er beeilte sich, noch rechtzeitig zum Frühstück hinunter in die große Halle zu kommen und sah am Lehrertisch neben Professor McGonagall auch die Professoren Flitwick, Trelawney, Madame Sprout, den Hausmeister Argus Filch und Hagrid sitzen. ??Nachdem er Hagrid erblickt hatte, trat ein breites Grinsen auf sein Gesicht und er lief direkt auf ihn zu, um ihn freudig zu begrüßen. ??"Harry, oh, wenn das mann keine Überraschung is." rief der Halbriese. "Was hast du denn hier verloren?" ??"Mr. Potter hatte bei mir einen Termin in Sachen Dumbledores Nachlass, Rubeus.", warf Professor McGonagall ein. "Und da er gerade hier ist und seit gestern 17 Jahre alt ist, werden wir ihm am heutigen Nachmittag gleich die Apparierprüfung abnehmen. Zufälligerweise werden heute einige Vertreter des Ministeriums hier erwartet zu einer Sicherheitskonferenz das neue Schuljahr betreffend. Ich hoffe, Sie trauen sich die Prüfung inzwischen zu, Mr. Potter?" ??"Ich denke schon.", sagte Harry und umarmte Hagrid. "Darf ich dich nach dem Frühstück noch in deine Hütte begleiten? Ich habe dir viel zu erzählen." ??"Gern.", sagte Hagrid. "Kannst danach auch mit zu Grawp kommen, wenn du willst." ??„Gut.“, antwortete Harry und wandte sich dem reichhaltig gedeckten Frühsückstisch zu. Während der Ferien waren die großen Tische der vier Häuser nicht aufgestellt, alle saßen gemeinsam an einem großen Tisch in der Mitte der Halle. ??Eine Stunde später sass Harry bei einem Tee in Hagrids Hütte und plauderte angeregt mit ihm. Er erzählte ihm von Dumbledores Testament und seinem Entschluss, nicht zum Schuljahresbeginn nach Hogwarts zurückzukehren. Dann berichtete er ihm noch von den Informationen, die er von Stan Shunpike über Askaban erhalten hatte. Hagrid schien nicht sonderlich überrascht zu sein, dass Lucius Malfoy in Askaban offenbar über Voldemorts Pläne informiert gewesen ist. ??"Was wirst du nun tun, Harry?" fragte der Halbriese schließlich. "Die Welt ist verdammt unsicher geworden, seit Dumbledore nich mehr is'. Gott hab ihn selig, is wirklich ein Jammer wegen ihm!" ??"Ich will zunächst nach Godrics Hollow, um das Grab meiner Eltern zu besuchen, denke ich.", sagte Harry. "Dann muss ich ein paar Rätsel lösen und die verbleibenden Geheimnisse von Voldemort aufspüren und ihn am Ende besiegen.", sagte Harry. Er gab an Hagrid bewusst keine detaillierteren zu den Horcruxen Informationen weiter. Nicht, weil er ihm nicht trauen würde, sondern weil Hagrid zuweilen etwas ungeschickt im Bewahren von Geheimnissen war. ??"Mensch, Harry. Du bist ja richtig schnell erwachsen geworden. Eben hatte ich dich noch als Baby auf dem Arm, und nu..." Hagrid schnäuzte sich mit einem großen Taschentuch. "Dumbledore und deine Eltern wären sicher stolz auf dich. Und weil du ja gestern Geburtstag hattest dachte ich mir, wäre es ja gut, dir auch was zu schenken. Und wenn du jetzt so viel vor hast, kannst du ihn bestimmt gut gebrauchen." ??"Hagrid, wovon redest du? Was für ein Geschenk meinst du?" ??"Ich mein, ihr habt euch doch immer so gut verstanden, du warst der einzige, bei dem er gleich gehorcht hat." ??"Seidenschnabel!", rief Harry erfreut aus. ??"Genau" sagte Hagrid. "Eigentlich gehörte er dir ja schon nach der Sache mit Sirius. Aber du konnstest ja damals wegen dem Unterricht noch nichts mit ihm anfangen. Nun sieht es anders aus, wenn du nicht mehr . Er kann dich ein wenig beschützen und dir bestimmt gute Dienste leisten." ??"Hagrid, das ist ja ein wunderbares Geschenk. Danke!" Harry versuchte, den Halbriesen zu umarmen, doch dafür waren seine Arme viel zu kurz. ??"Er wird dich sicher nach Godric’s Hollow bringen und du kannst ihn immer hier bei mir in Pflege geben, wenn du ihn mal nicht gebrauchen kannst." ??"Danke, Hagrid. Ich weiss ja, wie sehr du an ihm hängst und dass dein Geschenk wirklich von Herzen kommt." ??"Keine Ursache, Harry, wirklich. Du, ich muss jetzt zu Grawp, der wartet bestimmt schon. Kommst du mit?" ??"Sei mir bitte nicht böse, Hagrid, aber ich möchte mich noch ein wenig auf die Apparierprüfung vorbereiten." ??"Versteh ich, Harry. Aber du weisst, auf dem Gelände von Hogwarts..." ??"Ich weiss, dass man hier nicht apparieren kann, ich will aber die Zeit nutzen, um noch einmal die Theorie in der Bibliothek auffrischen." ??"Ah verstehe.", sagte Hagrid und nickte. "Gut, dann drück ich dir die Daumen und ich hoffe, wir sehen uns noch, bevor du wieder los musst." ??"Bestimmt. Ich gehe nicht, ohne mich von dir zu verabschieden.", beruhigte Harry ihn. "Aber ich habe sowieso noch eine Bitte an dich, Hagrid." ??"Schieß los!" ??"Ich muss in den nächsten Tagen noch einmal in die Winkelgasse, um ein Geschenk für Fleur und Bill zur Hochzeit zu besorgen. Könntest du mich da begleiten?" ??"Klar mach ich das, Harry. Sag mir einfach wann. Ich hab bei sowas zwar keine besondere Begabung, aber ich kann verstehn, dass du da jetzt nicht alleine herumstreunen willst." ??"Danke. Ich wusste, dass auf dich Verlass sein würde, Hagrid." ??Auf dem Rückweg von Hagrids Hütte rauf zum Schloss bemerkte Harry, dass das Wetter sich so langsam verbesserte. Der Nebel hatte sich verzogen und vorsichtig brachen einige Sonnenstrahlen hindurch. ??Heute ging es ihm schon viel besser als noch am Tag zuvor. Er verbrachte noch einige Stunden in der Bibliothek, aß in der großen Halle zu Mittag und durfte im Anschluss daran gleich in der großen Halle bleiben, da hier nun für seine Prüfung der Apparierschutz aufgehoben wurde. ??Die Prüfung gliederte sich in einen praktischen und einen theoretischen Teil, bei der praktischen Prüfung musste Harry drei Mal an unterschiedlichen Stellen in Hogsmeade auftauchen und in die grosse Halle zurückkehren. Beim letzten Mal sogar mit Seit-an-Seit-Apparieren. Die theoretische Prüfung war eine 30-minütige mündliche Befragung durch zwei Ministeriumsvertreter, die Harry vorher noch nie gesehen hatte. ??Professor McGonagall war die ganze Zeit mit im Raum gewesen und zwinkerte Harry von Zeit zu Zeit aufmunternd zu und betreute ihn, als sich die beiden Prüfer zur Beratung zurückgezogen hatten. ??Als sie zurückkehrten, überreichten sie Harry eine Urkunde als Nachweis der erfolgreich abgelegten Prüfung und gratulierten ihm. Obwohl er das Gefühl, das er beim apparieren hatte, noch immer nicht besonders mochte, war es doch im Zaubereralltag sehr nützlich, es zu können. ??Mit einem Lächeln im Gesicht nahm Harry die Auszeichnung und die Glückwünsche entgegen und bedankte sich bei den Prüfern für den kurzfristigen Prüfungstermin. ??Am späten Nachmittag hielt sich Harry noch einmal mehrere Stunden in der Bibliothek auf, um nach Hinweisen auf den mysteriösen R.A.B. zu suchen, leider ohne jeglichen Erfolg. Nach dem Abendessen fiel er völlig erschöpft in sein Bett und ruhte sich aus. ??Vom Fenster her hörte er plötzlich ein leises Pochen. Draußen erkannte er Pigwidgeon und die Eule von Hermine. ???
Kapitel 12:
Liebe und Hass ??
Eine Stunde später lag Harry in seinem Bett und löschte das Licht. Er musste lächeln, weil er nun doch zumindest von seinen besten Freunden Glückwünsche zu seinem Geburtstag erhalten hatte. Sogar Geschenke haben sie ihm gemacht. Hermine hatte Harry aus Irland eine komplette Quidditchausrüstung mit dem Originalwappen der irischen Weltmeistermannschaft mitgebracht. Und Ron schenkte Harry zusammen mit seinen Eltern ein Buch über berühmte Auroren aus aller Welt. Die beiden Eulen hatten eine sehr schwere Last getragen und waren dementsprechend erschöpft. ??Pigwidgeon hatte auch einen Brief von Ginny dabei, den Harry sich noch nicht getraut hatte zu öffnen. Er überlegte, was sie ihm wohl geschrieben haben mochte, hatte aber ein wenig Angst davor, weil er seine Gefühle in den letzten Wochen doch so mühsam unterdrückt hatte und nun nicht rückfällig werden wollte. Als er den Brief von außen betrachtete, stieg in ihm die Angst, seine abwehrende Haltung gegenüber Ginny nach der Lektüre des Briefes nicht aufrecht erhalten zu können. ??Erschöpft schloss er die Augen und sank in einen tiefen und festen Schlaf. ??Als er die Augen öffnete, war er plötzlich umgeben von einem dichten und kalten Nebel. Er konnte eine Schar von Dementoren um ihn herumkreisen sehen und erschrak. Unwillkürlich tastete Harry seinen Umhang nach seinem Zauberstab ab, aber vergeblich, er konnte ihn nirgends finden. Irgendetwas aber war merkwürdig anders als bei seinen früheren Begegnungen mit den Dementoren. Er fror nicht und fühlte sich nicht so furchtbar unglücklich wie sonst, im Gegenteil, er war nun in der Lage, sie ganz gelassen zu beobachten. Sie konnten ihm offenbar nichts anhaben. ??Er hatte sogar das Gefühl, dass sie in einer fremden Sprache mit ihm sprechen würden, doch er konnte merkwürdigerweise kein Wort davon verstehen. Parsel konnte es also nicht sein. ??Plötzlich bemerkte er jedoch, dass auch er selbst in dieser Sprache zu den Dementoren zu sprechen schien und sie auf seine Worte reagierten. Das war Harry unheimlich und er konnte es sich nicht erklären. Zwei der Dementoren sprachen immer wieder zu ihm, die übrigen kreisten im Hintergrund und gaben hin und wieder zustimmende Laute von sich, wie es schien. ??Als er sich vorsichtig ein wenig umblickte, erkannte er im Nebel ein wenig mehr von der näheren Umgebung. Er war offenbar in einer grossen, dunklen Halle, die vom Nebel der Dementoren erfüllt war. Es kam ihm vor wie ein verlassenes Fabrikgelände. ??Plötzlich wurde eine Tür aufgestoßen und es kam jemand herein. Harry sagte kurz etwas zu den Dementoren, die sich daraufhin zurückzogen. Ein Mann kam näher und hatte etwas in der Hand. Da es relativ dunkel war, konnte Harry nicht erkennen, um wen es sich handelte und was er genau bei sich trug. Der Mann verbeugte sich und sprach zu ihm: "Herr, ich habe schlechte Neuigkeiten für euch." ??Harry kannte diese Stimme, er hatte sie schon einmal gehört. Es war am Abend von Dumbledores Tod gewesen und nun wusste er auch, wer da vor ihm stand. Es musste Fenrir Greyback, dieser schreckliche Werwolf sein, von dem er wusste, dass er schon Remus Lupin und Bill Weasley gebissen hatte. ??Wieder suchte Harry hektisch nach seinem Zauberstab, bekam ihn aber einfach nicht zu fassen. Greyback hielt ein Stück Papier hoch. "Einer unserer Leute wurde in Little Whinging verhaftet, es kann sich nach den Angaben hier eigentlich nur um den jungen Malfoy handeln. Er hat sich dort offenbar von Muggeln überwältigen lassen, noch bevor er seinen Auftrag ausführen konnte." ??Plötzlich spürte Harry, dass seine Narbe so heftig schmerzte, dass er es kaum aushielt. Er hörte plötzlich nur noch sich selbst schreien und fand sich schweißgebadet in seinem Bett wieder. Schlagartig begriff er, von wem er da eben geträumt hatte und dass er alles durch die Augen von Voldemort gesehen haben musste. ??Hektisch sprang er aus seinem Bett und zog seinen Umhang an. Das musste er unbedingt sofort Professor McGonagall erzählen. Dass es noch dunkel war, hatte Harry erst gar nicht bemerkt. Er stürmte die Treppe vom Jungenschlafsaal hinunter in den Gemeinschaftsraum, an der fetten Dame vorbei hin bis zu dem Gang mit dem Wasserspeier im siebenten Stock. ??Als er vor McGonagalls Tür stand, überlegte er noch einmal kurz, ob er sie wirklich wecken sollte, doch dann schob er die Bedenken beiseite und klopfte laut an die Tür. Zunächst passierte nichts, darum rief Harry laut: "Professor, ich bin's, Harry Potter. Ich muss sie dringend sprechen..." ??Augenblicklich sprang die Tür auf und vor ihm stand Professor McGonagall in ihrem Morgenmantel. "Du liebe Güte, Mr. Potter. Haben sie mal auf die Uhr gesehen?" ??"Tut mir leid, Professor, aber es ist sehr wichtig. Ich hatte wieder einen Traum, in dem ich Dinge durch Voldemorts Augen gesehen habe." Die Schulleiterin musterte Harry mit einem traurigen Blick. ??„Er hat von dem gescheiterten Überfall erfahren und meine Narbe hat ganz furchtbar geschmerzt,“, fuhr Harry fort, „weil er sich darüber sehr geärgert haben muss. Und ich habe gehört, welcher Todesser es gewesen ist." ??"Gut, kommen sie kurz herein. Auch in Hogwarts bespricht man solche Dinge nicht auf dem Gang." ??Harry setzte sich auf den Stuhl gegenüber von McGonagalls Schreibtisch. Sie blickte ihn mit sorgenvoller Miene an und sagte: "Gut, nun verraten sie mir in aller Ruhe, was sie im Traum gesehen haben." ??Harry erzählte ihr den ganzen Traum, davon wie Voldemort mit den Dementoren geredet hatte, bis hin zu Greybacks Auftauchen und der Nachricht, die er überbrachte. Plötzlich jedoch hielt er inne und spürte einen so intensiven, stechenden und brennenden Schmerz in seiner Narbe wie schon sehr lange nicht mehr. Er schrie laut auf, fasste sich mit der rechten Hand an die Narbe und fiel seitlich auf den Boden. ??"Um Himmels Willen, Mr. Potter, was ist los?" ??"Aaaaahhh, ich weiß es nicht, meine Narbe...diese Schmerzen", keuchte Harry. ??"Kommen sie. Stehen sie wieder auf." Professor McGonagall betrachtete besorgt Harrys Narbe und half ihm wieder auf. Harry setzte sich vorsichtig auf einen Stuhl. ??"Ich kann es spüren, wenn er grossen Hass oder große Freude empfindet. Das gerade eben muss abgrundtiefer Hass gewesen sein.", sagte Harry. ??"Und sie sind sicher, dass die Rede von Draco Malfoy war, Potter?" ??"Ja, absolut sicher." ??"Und das mit den Dementoren? Sind sie sich dessen auch sicher?" ??"Ja.", sagte Harry resolut. ??"Gut, dann gehen sie nun wieder zu Bett. Ich werde veranlassen, dass das Ministerium und der Phönixorden unverzüglich über ihre Beobachtungen informiert werden." ??Harry kehrte in den Jungenschlafsaal zurück und konnte nicht mehr einschlafen. Warum musste er immer diese Alpträume haben. Wann würde das nur endlich aufhören? ??Er saß auf seinem Bett und sein Blick fiel auf seinen Nachttisch und den noch verschlossenen Umschlag mit Ginnys Handschrift. Er nahm ihn in die Hand und dachte an die Worte Dumbledores über die Macht der Liebe. Vorsichtig öffnete er den Umschlag und sein Herz schlug schneller, als er den Brief aus dem Kuvert nahm und entfaltete: ??
Lieber Harry, ?
zu Deinem Geburtstag, den ich am liebsten in Deinen Armen verbringen würde, wünsche ich Dir alles Gute. ??Hier sind alle schon sehr nervös wegen der bevorstehenden Hochzeitsfeier. Du kannst Dir ja sicher vorstellen, in welchem Zustand meine Mutter ist. Und wo man sonst auch hinsieht, jede Menge Schleim... Am liebsten wäre ich nur bei Dir und ich freue mich schon auf den Tag, an dem wir uns wiedersehen, denn ich vermisse Dich total. ??Ich hoffe sehr, dass unsere Trennung nicht endgültig ist und ich bald wieder in Deiner Nähe sein kann. Als Geschenk zu Deinem Geburtstag habe ich mir ein kleines Gedicht ausgedacht, ich hoffe, dass Du es magst. ???
Unsere Liebe ??
Unsere Liebe gibt mir Kraft, ?
schon wenn ich am Morgen aufsteh,
und nur du hast es geschafft, ?
dass ich wieder Hoffnung seh. ??
Unsere Liebe ist ein Licht, ?
in einem großen dunklen Reich, ?
und unsere Liebe geb ich nicht, ?
zahlt man mir auch jeden Preis. ??
Unsere Liebe macht mich stolz, ?
so etwas hab ich nie gespürt, ?
ich glaub, du bis aus jenem Holz, ?
das alle Sinne mir verführt. ??
Unsere Liebe macht mich glücklich, ?
und mein Herz will mir zerspringen, ?
dafür nehm ich auf niemand Rücksicht, ?
kann ich ein wenig Glück dir bringen. ??
Unsere Liebe hat's nicht leicht, ?
auf dir liegt eine grosse Last, ?
doch ist das der Grund vielleicht, ?
warum du gut zu mir passt. ??
Unsere Liebe macht dir Sorgen, ?
du glaubst sie bringt mich in Gefahr, ?
dabei gäb es für mich kein Morgen, ?
wärst du plötzlich nicht mehr da. ??
Unsere Liebe wird uns schützen, ?
und uns helfen in jeder Schlacht, ?
denn was würde es dir nützen, ?
hätt man uns trotzdem umgebracht. ??
Unsere Liebe ist so rein, ?
so unschuldig du es mir zuhauchst, ?
immer bei dir will ich sein, ?
und wenn Du mich am meisten brauchst. ??
Unsere Liebe ist mein Traum, ?
und ist dein Herz auch hart wie Stein, ?
glaub mir könnt' ich kaum, ?
ohne Dich je glücklich sein. ??
In Liebe, ?Deine Ginny. ??
Harry hatte das Gedicht dreimal gelesen und mit Tränen in den Augen saß er nun auf seinem Bett. Er hatte das Gefühl, sein Herz würde Purzelbaum schlagen. So ein schönes Gedicht hatte noch nie jemand für ihn geschrieben und mit dem klaren Bewusstsein, dass es keinen Sinn haben würde, gegen seine Gefühle anzukämpfen, schlief er endlich ein. ?
Kapitel 13:
Ein Ausflug in die Vergangenheit ??
Am nächsten Tag ging Harry direkt nach dem Frühstück zu Hagrid, um Seidenschnabel zu besuchen. Er hatte die geheimnisvolle Truhe von Dumbledore bei sich. Als er mit Hagrid bei Seidenschnabel stand, fragte er ihn: "Meinst du, er kann mich nach Godric's Hollow zum Grab meiner Eltern bringen?" ??"Sicher kann er das, nich wahr, Seidenschnabel?" Der Hippogreif verbeugte sich vor Hagrid und Harry. ??"Wie lange werden wir dorthin brauchen?", fragte Harry. ??"Och, ich denke so 1-2 Stunden, je nachdem welche Route Seidenschnabel wählt. Hippogreife sind da manchmal ein bisschen eigen und fliegen nich immer den kürzesten Weg, wenn ihnen eine andere Strecke besser gefällt." ??Er warf Seidenschnabel ein totes Frettchen zum Fressen hin, der sich erneut vor Harry verbeugte, als wollte er ihn ermuntern, endlich aufzusteigen. Nachdem Harry geprüft hatte, ob die Truhe, sein Tarnumhang und sein Zauberstab sicher verstaut waren, stieg er auf. ??"Na dann gute Reise!", rief Hagrid und gab Seidenschnabel einen kräftigen Klaps auf seinen Hintern. Der Hippogreif begann zu laufen, wurde immer schneller und schlug schließlich mit seinen Flügeln, um an Höhe zu gewinnen. Harry mußte sich krampfhaft festhalten, um nicht abgeworfen zu werden. Es war ein sonniger Tag und Harry hatte eine herrliche Aussicht über Hogwarts und die angrenzenden Ländereien. ??Seidenschnabel stieg immer höher, so dass die Häuser nur noch wie kleine Punkte am Boden zu sehen waren. Offenbar orientierte sich der Hippogreif an Flussläufen und Bahnstrecken. Harry war froh, dass sie so hoch waren, denn dann konnten sie wenigstens kein Aufsehen erregen. Er genoss es sehr, mit Seidenschnabel zusammen zu sein und zwei Tage zuvor hätte er sich noch nicht träumen lassen, was seit seinem Auszug aus dem Ligusterweg alles geschehen war. Als er so mit Seidenschnabel flog, musste er an Sirius denken, dem der Hippogreif ja auch schon treue Dienste geleistet hatte. Und er musste an Ginny denken, denn nur zu gerne hätte er dieses wundervolle Gefühl der Leichtigkeit jetzt mit ihr geteilt. Seine Eltern würden nun endlich von ihm Besuch erhalten. Einen Augenblick lang dachte Harry nicht an die schweren Aufgaben, die vor ihm lagen. Einen Augenblick lang war er einfach nur glücklich und genoss das Gefühl von Freiheit und Unbeschwertheit. ??Eine gute Stunde später merkte Harry, wie Seidenschnabel langsam das Tempo verlangsamte und an Höhe verlor. Offenbar waren sie bald da. Von oben konnte er eine kleine Ortschaft in den Bergen erkennen, auf die der Hippogreif Kurs genommen hatte. Das musste es sein. Nach ein paar Minuten konnte Harry einen kleinen Kirchturm mit einem daran angeschlossenen Friedhof erkennen. ??Seidenschnabel landete auf der Straße neben dem Friedhof und nutzte die volle Straßenlänge aus, um auszulaufen. Als er zum Stehen gekommen war, stieg Harry mit etwas weichen Knien ab und streichelte den Hippogreif kurz. ??"Danke, Seidenschnabel. Warte bitte hier auf mich, bis ich zurückkehre. Du kannst dich ein wenig ausruhen." ??Nachdem Harry ihm zur Belohnung noch ein Frettchen gegeben hatte, machte er es sich in einer kleinen Nische der Friedhofsmauer bequem und blickte Harry entspannt an. ??Harry wandte sich von ihm ab und schritt auf das Eingangstor des Friedhofs zu und suchte ihn neugierig nach dem Grab seiner Eltern ab. Bei einem ersten Rundgang konnte er es nicht entdecken, alle Gräber trugen fremde Namen. Er blickte sich noch einmal verwundert um. Hatte Seidenschnabel ihn etwa zum falschen Friedhof gebracht? Er musterte die Kirche und die Inschrift über dem Eingangsportal. Dort stand in goldenen Buchstaben geschrieben: "Für die Einwohner von Godric’s Hollow". Also musste es der richtige Friedhof sein. Er ging noch einmal um die Kirche herum in einen kleinen Seitengang, in dem einige besonders verwilderte Grabstellen angesiedelt waren, von denen die Inschriften kaum zu lesen waren. Harry wurde jetzt erst wieder bewusst, dass es außer ihm und Tante Petunia ja keine weiteren Verwandten seiner Eltern mehr gab und sich wohl niemand in den letzten 16 Jahren um deren Gräber gekümmert hatte. ??Also machte Harry sich daran, die Gräber ein wenig vom Wildwuchs und Schmutz zu befreien, um die Inschriften besser erkennen zu können. Nachdem er auf den ersten beiden Steinen nur fremde Namen erkannte, las er auf dem dritten einen ihm vertrauten Namen. "Hier ruht Peter Pettigrew, Opfer eines gemeinen Mordanschlages. Man fand von ihm nur noch einen Finger." ??„Schön wäre es." dachte Harry bei sich. Das Grab dürfte wohl mit Ausnahme des Fingers leer sein. ??Am nächsten Grabstein saß der Schmutz besonders fest und Efeu wucherte fast über den gesamten Stein. Doch als Harry die Schrift freilegte, klopfte sein Herz plötzlich schneller. "James & Lily Potter. Sie boten dem Unnennbaren die Stirn und gingen viel zu jung aus dem Leben." Hier war es also. Zu seinen Füßen lagen die Gebeine seiner Eltern. Harry packte eine unbändige Wut auf seine Verwandten, dass sie diese Grabstätte so haben verkommen lassen. Er spielte einen Moment lang mit dem Gedanken, seinen Zauberstab einzusetzen, rupfte dann aber mit der Hand das Unkraut heraus und säuberte den Grabstein mit einem Eimer und einem Lappen, den er hinter einem der umliegenden Grabsteine gefunden hatte. ??Als er den gröbsten Schmutz beseitigt hatte, hielt er einen Moment lang inne und kniete vor dem Grab seiner Eltern nieder. Tränen waren in seine Augen geschossen, als er plötzlich diese ungewohnte Nähe zu seiner Mutter und seinem Vater spürte. ??Dann holte er zitternd die Truhe von Dumbledore hervor und legte sie auf den Grabstein. Er zückte seinen Zauberstab und sprach mit tränenerstickter Stimme: "Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin." Als Harry die Truhe mit dem Zauberstab berührte, begann sie Funken zu sprühen und ein gleißend helles Licht abzugeben. Harry hielt sich die Augen zu, weil er durch Dumbledores Worte vorgewarnt war. Wäre er unvorbereitet gewesen, dann hätte er durch dieses Licht womöglich erblinden können. Als das Licht erloschen war, schaute Harry neugierig auf die Truhe, aber sie sah genauso aus wie zuvor. ??Harry klappte sie auf und fand im Innern die gleiche Anordnung vor, bis auf eine kleine Pergamentrolle und einen messingfarbenen Schlüssel. Mit zitternden Händen entrollte er die Pergamentrolle und las in einer Handschrift, die von seinem Vater stammen musste: ???
An den Erben der Familie Potter ??
In gar stürm'gen Zeiten lebten wir, ?
mit lauernder Gefahr, ?
drum mussten uns verstecken wir, ?
und sind nun nicht mehr da. ??
Für unsren Erben sichern wir, ?
nun das was wir besaßen, ?
und so irgendwann belohnen wir, ?
die, die uns nicht vergaßen. ??
Zwei Freunden nur vertrauten wir, ?
die Geheimniswahrer machten uns Mut, ?
doch unserem Erben nur vermachen wir, ?
unser letztes Hab und Gut. ??
Nur unserem Erben hinterlassen wir ?
die Botschaft dieser Truhe, ?
und ihm stellen ein Rätsel wir, ?
und geben dann auf ewig Ruhe. ??
In Liebe ?
James und Lily Potter, ?
Im Herbst 1981. ??
Harrys Tränen tropften auf das Pergament. Er hatte einen Brief von seinen Eltern bekommen, wahrscheinlich auf der Flucht verfasst, im Wissen, von einem Vertrauten verraten worden zu sein und um im Angesicht der tödlichen Gefahr, in der sie schwebten. ??Er suchte das Pergament weiter nach einem Rätsel ab, von dem im Text die Rede gewesen war, doch er konnte nichts dergleichen entdecken. Er begriff nicht, worin das Rätsel liegen sollte, denn auf dem Pergament war sonst nichts zu sehen. Er fragte sich schon, ob der Brief noch vollständig war, oder schon ein Teil fehlte und wozu wohl der alte Schlüssel wohl passen würde. Erst dachte er an ein weiteres Schließfach von Gringotts, doch der Schlüssel sah komplett anders aus, als der, den er von seinem Schließfach dort bereits kannte. ??Harry saß noch eine ganze Weile am Grab seiner Eltern und als er schließlich aufblickte, entdeckte er am Stand der Sonne, dass es offenbar schon Nachmittag sein musste. Es war Zeit für die Rückreise nach Hogwarts, er hatte wohl die Zeit völlig vergessen. Harry verließ den Friedhof und hielt nach Seidenschnabel Ausschau. Der saß noch immer in der Nische der Mauer und war dort im Schatten eingeschlafen und fast nicht zu erkennen. Harry verbeugte sich vor ihm und tätschelte ihn liebevoll. Seidenschnabel genoss die Berührung scheinbar und öffnete dabei langsam die Augen. ??"Komm, wir müssen zurück nach Hogwarts.", sagte Harry zum Hippogreif. Er saß auf und blickte wenige Augenblicke später von oben wehmütig auf den Friedhof, auf dem seine Eltern begraben lagen. Irgendwie kam ihm diese Reise vor, wie ein Ausflug in seine eigene Vergangenheit, wie er sie noch nie hatte erleben dürfen. ??Als er am frühen Abend wieder bei Hagrids Hütte eintraf, war diese verlassen und von Hagrid keine Spur. Harry schrieb ihm eine kurze Nachricht auf ein Stück Pergament und schob sie unter der Tür hindurch. Dann band er Seidenschnabel fest und verabschiedete sich von ihm. Er ging er hinauf zum Schloss, aß in der Küche etwas und blieb für den Rest des Abends in seinem Schlafsaal. Immer und immer wieder las er die Verse durch, die seine Eltern ihm hinterlassen hatten. ??Er fragte sich, warum sie ihn nicht mit seinem Namen angeredet hatten, und ihm wurde klar, dass sie ja nicht sicher sein konnten, dass er überleben würde und wann die Truhe überhaupt gefunden werden würde. Möglicherweise wollten sie auch keine direkten Hinweise auf Harry geben, um ihn zu schützen. Offenbar war Dumbledore eingeweiht gewesen und hat sie nach der Ermordung seiner Eltern in deren zerstörtem Haus sichergestellt. ??Mit dem Pergament in der Hand schlief Harry an diesem Abend in seinem Bett ein. ?
Kapitel 14:
Einkäufe in der Winkelgasse ??
Molly Weasley wurde von Tag zu Tag hektischer. Sie hatte vor der Hochzeit noch so vieles vorzubereiten und dann war das Haus auch noch voll mit ihren Kindern. ??Heute würde nun noch Hermine dazukommen und Harry wurde eigentlich auch für jeden Tag erwartet. Sie hatten seit einiger Zeit nichts mehr von ihm gehört und Rons Eule war ohne eine Nachricht von Harry zurückgekehrt. ??Plötzlich trat eine grüne Staubwolke aus dem Kamin und Hermine saß hustend mittendrin. ??"Oh, Hermine, du bist ja überpünktlich.", sagte Molly ein wenig erschöpft. ??"Ja, ich bin sehr gut durchgekommen. Ich hoffe, ich störe nicht?" ??"Nein nein, schon gut." Mit einer leichten Bewegung ihres Zauberstabes beseitigte sie den Schmutz, den Hermines Ankunft hinterlassen hatte. Ron und Ginny sind noch oben, müssten aber gleich so weit sein. Komm, setz dich erstmal, und lass mich dein Gepäck nach oben bringen. Magst du einen Tee?" ??"Oh ja, sehr gern.", sagte Hermine und setzte sich und bedankte sich für den heißen Tee. Sie liebte den Tee, den Mrs. Weasley nach Muggelart kochte. ??Mit ihrem Zauberstab brachte Mrs. Weasley Hermines Koffer in einen Schwebezustand und ging mit ihm die Treppe hinauf. Hermine hörte oben ein paar Türen klappen und dann eilige Schritte die Treppe herunterkommen. Ron kam ihr mit offenen Armen und errötetem Kopf entgegen gelaufen. ??"Hermine", sagte er, lief auf sie zu und umarmte sie herzlich zur Begrüßung. "Ich freu mich so, dich zu sehen." ??Hermine wurde durch die ungewohnt stürmische Begrüßung Rons etwas verlegen, ließ sich das aber gerne gefallen. Ein leichtes Schmunzeln konnte sie sich nicht verkneifen. Verlegen gab sie ihm einen Kuss auf die Wange, wodurch sich Rons Gesichtsfarbe noch verdunkelte. Einen Moment lang wusste Ron nicht, was er nun tun sollte und war dann ganz froh, hinter sich die Schritte von seiner Mutter und Ginny zu hören, woraufhin er die Umarmung allmählich löste. ??„Hallo Hermine, endlich mal eine angenehme Überraschung!“, stieß Ginny hervor. Die beiden Mädchen umarmten sich. ??„Na Ginny, wie geht es dir?“, fragte Hermine. ??„Frag lieber nicht, hier regiert Schleim in jeder Hinsicht.“ ??„Also Ginny, sei nicht so frech! Du wirst dich mit deiner neuen Schwägerin abfinden müssen.“, warf Mrs. Weasley ein. ??Ginny ging darauf nicht weiter ein, obwohl sie sich sicher war, dass ihre Mutter im Grunde genauso dachte wie sie, dies nur nicht offen sagen konnte. ??„Wenn du deinen Tee ausgetrunken hast, dann können wir gleich aufbrechen zur Winkelgasse.“, sagte Ginny. „Wir nehmen den Kamin.“ ??Ron nickte zustimmend und Hermine trank eilig ihren Tee aus. ??„Bis später, Mum.“, sagte Ron schließlich, nahm etwas Flohpulver in die Hand, sprach laut „Winkelgasse!“ und verschwand in den auflodernden grünen Flammen. ??Ginny und Hermine folgten ihm. In der Winkelgasse angekommen liefen sie die Geschäfte auf- und abwärts ab und stöberten alles nach möglichen Geschenkideen für Bill und Fleur durch. ??Zunächst konnten sie sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Geschenk einigen und ruhten sich schließlich nach einigen Stunden im Tropfenden Kessel bei einem Butterbier aus, um die Auswahl der Geschenke in Ruhe zu besprechen. Plötzlich rief Hermine: “Schaut mal, da kommt Hagrid rein!“ und zeigte mit dem Finger auf die Tür. Als hinter Hagrid sich die Tür ein weiteres Mal öffnete stieß Ginny einen Freudenschrei aus und sprang sofort zur Tür. „Harry!“, rief sie völlig begeistert lief ihm schon in die Arme. ??Harry, dem diese stürmische Begrüßung hier, wo er eigentlich kein Aufsehen erregen wollte, sichtlich unangenehm war, lächelte sanft und umarmte Ginny. „Nicht hier“, flüsterte er ihr ins Ohr und sie nickte sofort. „Komm mit, da drüben sind Ron und Hermine.“, sagte sie. Nach einer kurzen Begrüßung sagte Harry: „Ich habe Euch sehr vieles zu erzählen, das geht aber nicht hier. Ich will hier heute übernachten, darum frage ich Tom gleich nach einem freien Zimmer. Dorthin können wir uns dann zur Besprechung zurückziehen.“ ??Harry stand auf und fragte an der Theke nach, musste aber erfahren, dass im Tropfenden Kessel für die ganze Woche alle Zimmer ausgebucht waren. ??„Dann komm doch mit in den Fuchsbau.“, sagte Ron schließlich. „Dort haben wir unsere Ruhe und Hermine ist ja auch schon da.“ Nach erstem Widerstand ließ sich Harry schließlich davon überzeugen und willigte ein. Dann informierten ihn Ginny und Hermine über den Stand der Suche nach einem Hochzeitsgeschenk. Schließlich zogen sie noch einmal gemeinsam durch die Geschäfte, um sich für ein gemeinsames Geschenk zu entscheiden. ??Bei Flourish & Blotts fand Hermine schließlich ein höchst nützliches Buch zu allen möglichen Formen von Werwolfbissen und Rezepten für wirksame Zaubertränke gegen die unterschiedlichen Symptome. Für Fleur wollte Ginny erst ein Selbsthilfe-Lehrbuch „Wie spreche ich akzentfrei Englisch?“ kaufen, Ron, Harry und Hermine fanden dieses Geschenk jedoch ein wenig zu boshaft. Schließlich haben sie in einem kleinen Laden, der sehr viele nützliche Einrichtungsgegenstände für Zaubererwohnungen im Angebot hatte einen Gutschein erworben, zu dem Harry von seinem Geld einen recht hohen Betrag dazugab. Auch Hagrid leistete seinen Beitrag und konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, als Hochzeitsgeschenk nicht ein Drachenbaby aus der Nocturngasse zu erwerben. Nachdem alle Einkäufe erledigt waren, verabschiedete sich Hagrid schließlich und sagte Harry, dass er sein Gepäck aus Hogwarts durch Seidenschnabel in den Fuchsbau bringen lassen würde. Ron blickte Harry ungläubig an, doch Harry nickte: „Habe von Hagrid Seidenschnabel zum Geburtstag bekommen.“ ??„Oh Gott, da wird Mum ja Angst um unsere Hühner haben, wenn ein Hippogreif bei uns im Garten haust.“, sagte Ron nachdenklich. „Und was werden wohl die Nachbarn dazu sagen?“ ??„Wir werden ihn schon im Zaum halten.“, sagte Harry gelassen. „Gestern hat er mir voll gehorcht.“ ??Nachdem Hagrid weg war, machten sie noch einen Abstecher zu Fred und Georges Scherzartikelladen „Weasleys zauberhafte Zauberscherze“ und bestaunten die neuesten Entwicklungen von Rons und Ginnys Brüdern. ??Als sie vor Lachen schon nicht mehr konnten, reisten Hermine, Ron, Ginny und Harry aus dem Tropfenden Kessel schließlich mit Flohpulver zurück in den Fuchsbau. Harry wollte nicht damit angeben, dass er auch hätte apparieren können, darum benutzte auch er den Kamin. ??Im Fuchsbau angekommen wurde Harry herzlich von Mrs. Weasley begrüsst. Beim Abendessen erzählten sie dann alle angeregt von ihren Erlebnissen und bereiteten Mrs. Weasley auf Seidenschnabels Ankunft vor. Glücklicherweise waren Bill und Charly auch da und kümmerten sich darum, ein Quartier für Seidenschnabel im Schuppen einzurichten. ??Harry erzählte am Abend am Kamin noch von seinen Erlebnissen in Little Whinging und von McGonagalls Brief. Die Einzelheiten zu seinem Brief und seinem Besuch in Little Whinging besprach er anschließend allein mit Hermine, Ginny und Ron. Hermine erzählte auch von dem, was sie in Irland von Victor Krum über Igor Karkaroffs Tod und eine mögliche Verwicklung von Snape erfahren hatte. Dann berichtete Harry von seinem Traum und davon, dass er glaubt, dass Draco Malfoy ihn in Little Whinging überfallen wollte und dass der sich offenbar von Dudley und seinen Eltern hatte überwältigen lassen. ??Da Mr. Weasley den ganzen Abend über nicht zu sehen gewesen war, beschlossen sie, ihn am nächsten Morgen gleich zu fragen, ob er etwas über das Verhör und die Bestrafung von Draco Malfoy gehört hatte. ??Als Harry schon eine gewisse Bettschwere fühlte und ein paar Mal gegähnt hatte, flüsterte ihm Ginny ins Ohr, ob er nicht noch Lust auf einen kleinen Abendspaziergang zu zweit hätte. ??Harry blickte ihr in die Augen und konnte trotz seiner Müdigkeit gar nicht anders, als zu nicken. ?
Kapitel 15:
Unterm Sternenhimmel ??
Als Ginny und Harry zehn Minuten später den Fuchsbau verließen und bei sternenklarer Nacht den Waldweg entlang gingen, schwiegen beide. Harry wusste, dass er sich nichts auf der Welt so sehr wünschte, als wie ein ganz normaler Junge mit seiner Freundin zusammen sein zu können, doch er wusste, dass es nie so sein konnte. ??"Warum genau willst du nicht zurück nach Hogwarts?", fragte Ginny schließlich. ??"Weil ich dort nun nicht mehr sicher wäre, wie wir ja gesehen haben und weil ich nach der Prophezeiung die verdammte Pflicht habe, Voldemort zu töten. Das ist nach Dumbledores Tod wichtiger denn je.", sagte Harry und legte seinen Arm zärtlich um Ginnys Schulter. ??"Voldemort läuft dir doch nicht weg, und Dumbledore hatte doch gesagt, dass die Prophezeiung nicht unbedingt eintreffen muss.", antwortete Ginny. ??"Das stimmt, aber es genügt leider schon, dass Voldemort die Prophezeihung ernst nimmt und mich jagen lässt, wie wir ja grade kürzlich erst wieder gesehen haben. Seinen Todessern hat er befohlen, mich ihm persönlich zu überlassen. Und das alles nur wegen dieser Prophezeihung. Wäre also schlecht für mich, wenn ich das einfach ignoriere." Ginny musste unwillkürlich lachen und lehnte ihren Kopf auf Harrys Schulter an. ??"Vielleicht hast du mit deiner Entscheidung ja Recht. Dann werde ich die Schule auch verlassen und an deiner Seite kämpfen. Wenn du in Hogwarts nicht sicher bist, bin ich es auch nicht." Ginny blickte Harry bei diesen Worten direkt in die Augen. ??"Ginny, ich will nicht, dass dir etwas passiert. Deswegen wäre es gut, wenn wir unsere Liebe nicht an die große Glocke hängen und du so normal wie möglich weiterlebst." ??"Glaubst du im Ernst, dass Snape und Draco unsere Verbindung nicht längst an Voldemort weitergegeben haben? Auch wenn wir uns jetzt trennen würden, könnte Voldemort dennoch versuchen, mich zu benutzen, um an dich heranzukommen." ??"Ja, da hast du vielleicht Recht. Das habe ich noch gar nicht bedacht. Aber ich finde es reicht, wenn ich mein Leben riskieren muss, ich will nicht, dass auch noch meine Freunde dabei draufgehen." ??"Ich will und muss dir aber helfen, Harry. Ob du es willst oder nicht. Und Ron und Hermine denken genauso. Denn das ist bei Weitem nicht nur dein Kampf. Wenn du scheiterst, wird das Leben in unserer Welt für sehr lange Zeit nicht mehr lebenswert sein. Wir alle kämpfen für unsere Zukunft und für die unserer Kinder." ??Harry blickte Ginny in die Augen. Plötzlich war ihm bewusst geworden, wie erwachsen Ginny schon geworden war. Aus dem kleinen Mädchen, dass er vor ein paar Jahren aus der Kammer des Schreckens befreit hatte, war eine selbstbewusste junge Frau geworden. "Ja, das ist ja richtig.“, sagte er schließlich. „Aber was würde denn deine Mutter sagen, wenn nach Fred und George auch noch Ron und du die Schule nicht zu Ende machen werden?" ??"Es kann jetzt keine Rolle spielen, was sich meine Mutter wünscht. Außerdem mache ich die letzten zwei Jahre gerne nach, wenn alles vorbei ist und du Voldemort vernichtet hast." ??"Nein. Ich muss diese Last tragen. Ich nehme sie auf mich, damit meine Freunde wenigstens verschont bleiben.", antwortete Harry stur. ??"Aber hat Dumbledore nicht in seiner Botschaft zu dir gesagt, dass du dir von deinen Freunden helfen lassen sollst und Voldemort durch die Kraft der Liebe besiegt werden muss? Dazu bin ich bereit und ich glaube, dass meine Liebe zu dir stark genug dafür ist." ??Harry blieb stehen und sah Ginny im Mondschein wieder an. Er strich ihr mit seiner rechten Hand übers Haar und näherte sich mit Tränen in seinen Augen ihrem Gesicht. Als seine Lippen ihre Lippen in einem zärtlichen Kuss berührten, schloss er langsam die Augen und genoss den Augenblick. ??Ginny umarmte ihn und spürte seine Nähe. So standen sie einige Zeit eng umschlungen da und sprachen nicht. Schließlich unterbrach Harry das Schweigen im Flüsterton: ??"Danke für dein wunderbares Gedicht, das hat mich sehr glücklich gemacht. So ein schönes Geschenk habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht bekommen." ??Ginny öffnete ihre Augen, legte ihren Zeigefinger auf Harrys Lippen und flüsterte nur "Pssst..., schon gut". Sie blickte ihm tief in die Augen und kuschelte sich sanft noch dichter an ihn heran. Harry schwieg und ging schließlich mit Ginny im Arm langsam ein paar Schritte weiter zu einer Parkbank. Sie nahmen Platz und betrachteten stumm den Sternenhimmel. Ginny legte ihren Kopf nach einer Weile auf Harrys Schulter und flüsterte: "Ich liebe dich. Und ich will nie einen anderen Mann lieben, egal was passieren wird." ??"Ich liebe dich auch, Ginny.", flüsterte Harry und küsste Ginny auf ihre zarten Lippen. "Aber trotzdem müssen wir vorsichtig sein." ??Ginny nickte und schloss die Augen. Wieder schwiegen beide lange Zeit und Harry dachte schon, Ginny wäre eingeschlafen. Dennoch traute er sich kaum eine Bewegung zu machen, weil der Moment, hier mit Ginny in dieser wunderschönen Sommernacht zu sitzen, einfach nur unbeschreiblich schön für ihn war. ??Diesmal unterbrach Ginny das Schweigen. "Weisst du, was ich als kleines Kind geglaubt habe?" ??"Nein", sagte Harry, "was?" ??"Dass für alle Menschen, die gestorben sind, am Himmel ein neuer Stern aufleuchtet und dass die Sterne für die Seelen der Verstorbenen am Himmel stehen." ??"Eine wunderbare Vorstellung.", antwortete Harry mit warmer Stimme und gab Ginny einen Kuss auf die Wange. "Dann ist das da", er zeigte auf den hell leuchtenden Abendstern, "der Stern von Dumbledore." ??"Ja", sagte Ginny. "Und der da" - sie deutete auf den hellsten Stern aus dem Sternbild des großen Wagen - "das muss Sirius sein." ??"Gut", sagte Harry. "Dann können meine Eltern aber nicht weit von ihm weg sein. Sie müssen dann auch im Sternbild des großen Wagens zu finden sein." ??"Ja, natürlich. Geh doch von Sirius nach links von den Rädern weg. Der etwas schwächere, von so einer wunderschönen und intensiven Farbe, fast jugendlicher Schönheit, das muss deine Mutter sein, wenn sie wirklich die gleichen Augen hatte wie du." ??"Stimmt", ergänzte Harry lächelnd, "und der leuchtende starke Stern am Beginn des Sternbildes, der den Weg weist und vorangeht, dass kann nur mein Vater James sein." Harrys Stimme zitterte, als er so von seinen Eltern sprach. Er fühlte sich an den Moment vor ein paar Tagen erinnert, als er auf dem Friedhof die Nachricht seiner Eltern gelesen hatte. ??Ginny bemerkte, dass Harry davon sehr ergriffen war und nahm ihn wieder in den Arm um ihn noch einmal zu küssen. "Ich glaube wir sollten langsam zurück gehen, sie werden bestimmt bald nach uns suchen." Ginny lächelte Harry zu. ??"Ja, da könntest du Recht haben.", sagte Harry und erhob sich langsam. "Es ist wunderschön hier. Lass uns diesen Platz immer wieder aufsuchen als Symbol für unsere Liebe." ??"Ja, das werden wir tun." flüsterte Ginny ihm ins Ohr und schmiegte sich im Gehen wieder eng an Harry. Als es auf dem Rückweg etwas kühler wurde, legte Harry seinen Umhang um Ginny, um sie warm zu halten. Im Fuchsbau war es schon ruhig, als Ginny und Harry wieder das Haus betreten wollten. Kurz vor der Tür bemerkten sie jedoch plötzlich ein Rascheln im Gebüsch neben sich. Harry umschloss sofort mit der rechten Hand seinen Zauberstab in seiner Tasche und rief: "Hallo, wer ist da?" ??Es gab keine Antwort, nur ein weiteres Rascheln im Gebüsch. Harry wollte schon einen Fluch auf das Gebüsch abfeuern, da kam ihm Ginny zuvor und sprach "Lumos". Aus der Spitze ihres Zauberstabes trat ein Leuchten hervor, das das Gebüsch erhellte und Harry musste lachen. ??"Seidenschnabel, du bist das. Natürlich. An dich habe ich ja gar nicht mehr gedacht." Erleichtert verbeugten sich Harry und Ginny vor dem Hippogreif, der sich daraufhin die Gepäckstücke abnehmen und zu dem von Bill und Charly für ihn vorbereiteten Platz führen ließ. Harry gab ihm noch etwas zum Fressen, damit er sich gar nicht für die Hühner von Mrs. Weasley interessierte und verabschiedete sich dann von Seidenschnabel. ??Ginny hatte sein Gepäck schon mit einem Schwebezauber nach oben gebracht und wartete vor ihrem Zimmer. Als Harry hinaufkam, verabschiedete sie sich an der Treppe mit einem langen und zärtlichen Kuss von Harry und flüsterte: „Danke für den wundervollen Spaziergang.“ ??"Wenn du eben nicht dabei gewesen wärst, hätte ich Seidenschnabel wahrscheinlich einen Fluch auf den Hals gehetzt. Danke, Ginny.", flüsterte er. ??"Siehst du, ich sage dir doch, dass du meine Hilfe brauchst.", sagte Ginny grinsend und erwiderte leidenschaftlich Harrys Kuss. Als er sich wenige Minuten später in das Bett unter dem schon schnarchenden Ron legte, fühlte Harry sich so glücklich wie noch nie in seinem Leben. Er wusste nun, woran er in Zukunft denken würde, wenn er wieder einmal einen Patronuszauber benötigen würde. ?
Kapitel 16:
Hermines Entdeckungen ??
Am nächsten Morgen kam Harry als Letzter unten in der Küche am Frühstückstisch an. Ginny und Hermine warfen ihm ein verlegenes Lächeln zu, während Ron seinen Blick zu meiden schien. Harry setzte sich an den Tisch und spürte, dass er einen Bärenhunger hatte. ??Hermine war offenbar mit dem Essen bereits fertig und stöberte noch im Tagespropheten. Ron kaute noch auf beiden Backen und sagte kein Wort. Plötzlich schrie Hermine auf: "Seht mal, das ist es! Heute ist im Tagespropheten eine Liste mit allen bisher bekannten noch lebenden und schon toten Anhängern von Voldemort veröffentlicht worden." ??"Und? Was ist daran so spannend?", fragte Ron gelangweilt und kaute weiter auf seinem Brötchen herum. ??"Na, ich meine, wir brauchen doch nur zu schauen, ob einer davon die Initialen RAB hat oder hatte, oder?" ??"Stimmt, Hermine, das ist genial. Die meisten haben aber keine drei, sondern nur zwei Initialen.", warf Harry ein. ??"Was ja nicht bedeutet, dass sie nicht außerdem einen zweiten Vornamen gehabt haben können, oder?", antwortete Hermine gleichgültig. ??"Du meinst, wir suchen jemanden, dessen Initialen R.B. sind und dessen zweiter Vorname mit A beginnt?" fasste Ginny zusammen. ??"Endlich mal jemand, der mich versteht.", sagte Hermine und lachte. ??Harry riss Hermine die Zeitung aus der Hand und studierte nun intensiv die dort abgedruckte Liste. "Da fehlen drei Namen! Peter Pettigrew, Severus Snape und Draco Malfoy!" ??"Das kann uns ja jetzt egal sein, oder. Schließlich passen die schon deshalb nicht auf die Botschaft von R.A.B., weil sie ja alle noch am Leben sind, oder?", bemerkte Hermine. ??Ron verfolgte das Gespräch gespannt, ließ dabei seinen Teller jedoch nicht aus den Augen. ??"Von diesen Namen hier würde nur einer passen, aber wie gesagt, die Liste ist bestimmt nicht vollständig und der eine Name ist es bestimmt nicht.", schloss Harry. ??"Warum? Wer ist es denn?", wollte Ginny wissen. ??"Regulus Black." ??Ron fiel das Messer aus der Hand auf seinen Teller und er verschluckte sich fast. ??"Sirius Bruder?", fragte Ginny ungläubig. Hermine starrte Harry mit offenem Mund an und sagte plötzlich: "Aber natürlich. Das ist es! Dass ich da nicht von selbst darauf gekommen bin.". Sie schlug sich mit der flachen Hand auf die Stirn. ??"Kann mir jemand erklären, wovon sie spricht?", fragte Ron in die Runde. "Oder bin ich etwa nicht der einzige hier, der gerade geistig überfordert ist?" ??"Wir müssen zum Grimmauldplatz. Sofort!", sagte Hermine und sprang von der Bank auf. ??"Kannst du uns nicht erst einmal erklären, was du meinst?", fragte Harry ruhig. "Außerdem habe ich Hunger und würde gerne noch zu Ende frühstücken." ??Ron verschluckte sich fast vor Lachen, schließlich war er so viel Solidarität in den vergangenen Wochen nicht mehr gewohnt gewesen. ??Beleidigt setzte sich Hermine wieder hin. "Mensch, alles passt doch zusammen. Regulus könnte R.A.B. sein, wenn sein zweiter Name mit A beginnt. Wenn ich mich recht erinnere, hießen seine Großväter Arcturus und Alphard. Gut möglich also, dass sein zweiter Vorname ihm nach einem seiner Großväter gegeben wurde. Das war früher in Familien wie den Blacks so üblich. Erinnert ihr Euch nicht mehr an den Wandteppich mit dem Stammbaum der Blacks im Grimmauldplatz? Nur dort können wir jetzt herausfinden, ob wir richtig liegen." ??"OK. Nehmen wir einmal an, Regulus wäre R.A.B. gewesen. Warum sollte er von Voldemorts Horcruxen gewusst haben?", fragte Harry. ??"Wer weiß. Sicher ist, dass er Todesser war und zu Voldemorts Vertrauten zählte. Vielleicht war er einmal bei einem wichtigen Mord dabei und hat gesehen, wie Voldemort einen Horcrux erzeugt hat. Vielleicht wollte er aussteigen und Voldemort damit schaden, dass er wenigstens einen Horcrux beseitigt.", fuhr Hermine fort. ??"Aber ist er nicht auf der Flucht von Todessern ermordet worden?" fragte Ginny. ??"Ja, so etwas stand damals im Tagespropheten. Aber da ist noch etwas. Der falsche Horcrux war ja ein Medaillon, nicht wahr Harry?" ??"Ja, Hermine, das ist richtig." ??"Dann dürfen wir also davon ausgehen, dass der echte Horcrux auch ein Medaillon ist?" ??"Ja, ich denke schon." ??"Klingelt es bei euch immer noch nicht?", fragte Hermine verdutzt. ??Ron, Ginny und Harry warfen sich fragende Blicke zu. ??"Wisst ihr das nicht mehr, als wir vor drei Jahren zum ersten Mal im Grimmauldplatz 12 gewesen sind, dass wir da eurer Mum beim Aufräumen geholfen haben?" ??"Doch, natürlich haben wir das.", sagte Harry. ??"Und da hatten wir doch ein schweres goldenes Medaillon in der Hand, das niemand öffnen konnte, oder?" ??Ron, der seine Tasse gerade zum Mund führen wollte, ließ diese plötzlich fallen und verursachte damit einen lauten scheppernden Knall. ??"Reparo", murmelte Hermine gelangweilt und sagte in das Schweigen der anderen hinein: "Also, können wir jetzt gehen?" ??Harry und Ginny erhoben sich. "Wenn ich nicht die einzige mit bestandener Apparierprüfung wäre...", begann Hermine den Satz. ??"Bist du nicht.", sagte Harry trocken. "Ich habe sie letzte Woche in Hogwarts abgelegt und kann Ginny seit-an-seit mitnehmen, wenn du Ron mitnimmst." ??Ron öffnete den Mund. "Du hast letzte Woche was? Und das sagst du so nebenbei? Wollten wir nach den Ferien nicht gemeinsam..?" ??"Doch, Ron. Wollten wir und wenn mich Professor McGonagall letzte Woche nicht förmlich dazu gedrängt hätte..." ??"Könnt ihr das nicht ein anderes Mal klären?", fragte Hermine ungeduldig und packte Ron am Arm. "Wir sehen uns gleich vorm Grimmauldplatz 12." ??"In Ordnung.", sagte Harry und nahm Ginnys Arm. Als Hermine und Ron mit einem lauten Plopp verschwunden waren, gab Harry Ginny zuerst einen zärtlichen Kuss und apparierte dann mit ihr zum Grimmauldplatz Nummer 12. ??Bei ihrer Ankunft musste Ginny immer noch lächeln. Harry war als neuer Hausherr nun der Geheimniswahrer für das Gebäude und kannte daher den neuen Schutzzauber, den Alastor Moody mit Remus Lupin hier implementiert hatte. Er sprach einen Zauber, um die Eingangtür sichtbar zu machen und zu öffnen. Ron, Ginny, Hermine und Harry traten ein und mussten zuerst das Portrait von Sirius Mutter beruhigen, das jeden Eindringling erst einmal mit wilden Beschimpfungen empfängt. ??"Da vorne, da muss es sein.", Hermine zeigte den Flur entlang auf den alten Wandteppich mit dem Stammbaum der Familie Black. ??"Lumos", sprachen Ron und Harry gleichzeitig und ihre Zauberstäbe gaben plötzlich ein helles Licht ab. ??"Also hier habe ich Sirius, und da drüben sind die Malfoys und Bellatrix Lestrange.", sagte Ron. ??"Du musst weiter nach links, da kommen die Brüder von Sirius.", drängte Hermine. Ron leuchtete mit seinem Zauberstab nach links und dort erschienen die Namen Rudolphus Balthazar Black und Regulus Alphard Black. ??"Seht ihr! Also habe ich Recht gehabt. Regulus Alphard Black, R.A.B.", rief Hermine aufgeregt. ??"Ja, Hermine. Manchmal bist du einfach genial.", sagte Ron und als Harry ihm mit einen breiten Grinsen einen Blick zuwarf, errötete er leicht. ??"Also dann lasst uns nach oben gehen und das Medaillon suchen.", warf Ginny ein und zog Harry am Arm. ??"Wisst ihr noch, in welchem Zimmer das Medaillon gelegen hat?", fragte sie. ??"Ich glaube, im ersten Stock. Im Musikzimmer.", sagte Ron zögerlich. ??"Aber nein, das war auf jeden Fall im zweiten Stock im Zimmer mit in dieser großen Kommode. Ich hoffe es war nicht bei den Sachen, die deine Mum wegwerfen wollte." ??"Also gut, sehen wir nach!", sagte Harry und gab dem Druck von Ginny an seinem Arm nach. Ron und Hermine folgten ihnen nach oben. ??Oben im Zimmer angekommen öffnete Hermine die Kommode und durchsuchte alle Fächer, doch vom Medaillon gab es keine Spur. Harry jedoch fand etwas anderes in einer Schublade, es war der zweite Spiegel, der zu dem passte, den Sirius ihm einst geschenkt hatte. Harry erinnerte sich daran, dass er über den Spiegel im letzten Jahr versucht hatte, Kontakt zu Sirius nach dessen Tod aufzunehmen, was nicht funktioniert hatte. Nun nahm er auch den zweiten Spiegel an sich. Vielleicht könnte der ihm ja doch noch nützlich werden. ??Nachdem sie das ganze Zimmer erfolglos durchsucht hatten, machte sich ein wenig Ratlosigkeit unter ihnen breit. ??"Tja, das wäre wohl zu einfach gewesen. Glaubst du, deine Mum kann sich noch daran erinnern, wo sie das Medaillon hingelegt hat, Ron?", fragte Harry. ??"Ich bezweifle, dass sich meine Mum überhaupt an das Medaillon erinnert. Sie kann dir 1000 peinliche Geschichten über meine Kindheit erzählen, aber sowas kann sie sich einfach nicht merken.", sagte Ron mit hängenden Schultern. ??"Letztes Jahr habe ich einmal Mundungus Fletcher dabei erwischt, wie er Sachen von Sirius einfach verkauft hat. Ich hoffe für ihn, dass das Medaillon nicht dabei war, obwohl... Wartet mal. Ich habe noch eine andere Idee.", sagte Harry plötzlich und ging aus dem Zimmer. "Kommt mal mit in die Küche." ??Hermine und Ginny runzelten die Stirn. "Ach ja, natürlich. Ich weiß, was du meinst, Harry.", sagte Hermine plötzlich und rannte ihm nach. Ron und Ginny sahen sich nur fragend an und Ginny musste lachen, weil Ron Hermine mit einer breiten Grimasse nachäffte. ??Harry lief direkt in die Küche, machte das Licht an und öffnete die Tür zu Kreachers Versteck. Und tatsächlich lag in der Nische unter der Spüle ein kleines Säckchen mit allerlei wertvollen Sachen. Er packte das Säckchen und leerte es auf dem Küchentisch aus. ??"Darin waren ein paar Teile des silbernen Familienbestecks, ein paar alte Fotos von den Blacks, eine alte Malstaffelei und ... das goldene Medaillon. "Das ist es! Wir haben es gefunden!", rief Hermine. In dem Moment traten Ron und Ginny ein und Ron bemerkte nur mürrisch. "Schön, dass ihr auf uns gewartet habt." ??Harry berührte das Medaillon und tastete es vorsichtig ab. Wieder schaffte er nicht, es zu öffnen. ??"Das muss er sein, der dritte Horcrux.", sagte Harry. "Wegen dieses Dings musste Dumbledore sterben, dabei lag es die ganze Zeit hier vor unserer Nase." ??"Kommt.", sagte Hermine. "Lasst es uns zu Slughorn oder McGonagall bringen. Die werden hoffentlich wissen wie man es zerstört." ??Ron und Harry nickten. Ginny blickte skeptisch. "Seid ihr sicher, dass man Slughorn vertrauen kann?" ??"Wen sollen wir den sonst fragen?", erwiderte Hermine. ??"Wie wäre es mit Remus Lupin?", schlug Harry vor. "Ich habe sowieso schon darüber nachgedacht, ihn in die Sache mit den Horcruxen einzuweihen." ??"Gut, wie ihr meint.", antwortete Hermine. "Habt ihr eine Ahnung, wo wir Remus finden können?" ??"Das wird mein Dad wissen.", sagte Ron "spätestens nächste Woche bei der Hochzeit werden wir ihm ohnehin begegnen." ??"Gut", sagte Harry "dann lasst uns hier wieder verschwinden. Der Ort ist nicht mehr sicher, seit wir wissen, dass Snape auf der anderen Seite steht." ??Sie liefen wieder hinunter zur Eingangshalle und öffneten die Tür. Harry spähte vorsichtig durch den Türspalt und als die Luft rein war, schlüpften alle vier hinaus und apparierten zurück in den Fuchsbau. ?
Kapitel 17:
Tatsachen und Theorien ??
Am Abend saßen die vier zusammen im Zimmer von Harry und Ron auf den Betten und diskutierten aufgeregt über die neuen Erkenntnisse. ??"Wenn Regulus tatsächlich R.A.B. gewesen ist, dann heißt das ja, dass er sich vor seinem Tode von Voldemort und den Todessern abgewandt hatte. Er muss also irgendwie hinter Voldemorts Geheimnis gekommen sein.", fasste Ron zusammen. ??"Ja, und er muss gewusst haben, wo der Horcrux versteckt war und wie er an ihn herankommen würde.", sagte Harry "und noch etwas." Harry legte die beiden Medaillons nebeneinander. "Wenn man sie direkt vergleicht, sieht man den Unterschied deutlich. Dennoch ist das Imitat dem Original täuschend ähnlich." ??"Du meinst, Regulus muss vorher gewusst haben, wie das Medaillon aussieht? Das heißt, er war vielleicht dabei, als Voldemort es in der Höhle versteckt hat.", sagte Hermine. ??"Oder er war dabei, als Voldemort den dazu gehörenden Mord begangen hat.", folgerte Ginny. ??"Für mich ist aber noch eine weitere Frage offen.", sagte Harry nach einer Weile. "Wie hat es Regulus geschafft, nach dem Trank ohne fremde Hilfe wieder aus der Höhle herauszukommen und den Horcrux zum Grimmauldplatz zu schaffen?" ??"Nun, er hat wohl mit seinem Tode gerechnet, wie aus der Botschaft ja hervor geht. Vielleicht hatte er ein Gegenmittel, um den Trank für eine Übergangszeit aufzuhalten.", stellte Hermine zur Diskussion. ??"Du hast Dumbledore nicht gesehen, nachdem er das Zeug getrunken hatte. Er wollte einfach nur sterben. Hat mich angefleht ihn von den Schmerzen zu erlösen und ihn zu töten. Und ich musste ihn zwingen, Schluck für Schluck weiterzutrinken und das gegen seinen Willen. Harrys Stimme zitterte. „Einer alleine hätte das niemals fertig gebracht, der wäre an Ort und Stelle umgekommen. Für den Rest hätten dann die Inferi gesorgt“, fuhr er fort. „Nein, Regulus muss einen Komplizen gehabt haben und den müssen wir herausfinden, es sei denn..." ??"Es sei denn was?" fragten Ron und Hermine gleichzeitig. ??"Was wäre, wenn es das Gift damals noch gar nicht in dem Kelch gegeben hätte? Was, wenn es erst nachträglich durch jemanden dort hineingefüllt wurde?" ??"Wer sollte so etwas machen?", fragte Ginny. ??"Da fällt mir nur einer ein, der es überhaupt könnte.", sagte Harry verbittert. ?"Du meinst Snape? Aber warum sollte er das tun?", entgegnete Ron. ??"Schon vergessen, dass er für Voldemort arbeitet?" ??"Nein, aber dann muss er von den Horcruxen gewusst haben und den Auftrag gehabt haben, den Schutz der Horcruxe zu kontrollieren und zu verbessern." ??"Hm, könnte sein", sagte Hermine schließlich, "aber das werden wir jetzt hier nicht weiter klären können. Mal sehen, was Remus dazu sagt." ??"Genau.", sagte Harry. "Helft mir lieber bei den Rätseln, die mir meine Eltern hinterlassen haben." Er holte das alte Pergament hervor und entfaltete es. Aufmerksam lasen sie alle das Gedicht durch und schwiegen, als plötzlich die Tür aufsprang und Arthur Weasley in der Tür stand. ??"Hallo Dad.", riefen Ron und Ginny fasst gleichzeitig und begrüßten ihren Vater. ??"Guten Abend, meine Lieben. Molly bat mich, heute früher nach Hause zu kommen, damit ich mit euch zusammen essen kann. Sie sagte, ihr hättet ein paar Fragen an mich?" ??"Hallo, Mr. Weasley.", antwortete Harry "eigentlich habe nur ich eine Frage und sie betrifft den Überfall auf das Haus meiner Verwandten letzte Woche. Ich habe den Artikel im Tagespropheten gelesen und ich habe wage Informationen, dass es sich bei dem festgenommenen Todesser um Draco Malfoy handeln soll. Ist das zutreffend?" ??Arthur Weasley wurde blass. "Harry, woher hast du diese Information? Da gilt die höchste Sicherheitsstufe und ich kann mir nicht erklären, wie das bis zu dir durchsickern konnte." ??"Nun ja, ich hatte mal wieder einen meiner schlechten Träume.", sagte Harry. ??"Beängstigend.", erwiderte Mr. Weasley. "Harry, es tut mir leid. Dabei handelt es sich um ein schwebendes Verfahren und ich darf dazu nichts sagen. Auch wenn ich gerne würde und ohnehin nicht viel weiß." ??"Soso. Finden sie das gerecht? Voldemort hat im Ministerium seine Spitzel und ist bestens über alles informiert und ich darf mir anhören, dass man mir wegen irgendeiner Sicherheitsstufe nichts sagen darf." ??"Spione im Ministerium? Wer sagt das?" Mr. Weasley klang jetzt ein wenig verärgert. ??"Professor Dumbledore. In seinem Testament." Auch Harrys Stimme klang jetzt aufgebracht. ??"Harry. Du musst mich verstehen. Mein Job hängt da mit dran." ??"Na und. Bei mir hängt mein Leben dran und nicht nur meins.", sagte Harry und blickte traurig zu Ron, Hermine und Ginny. ??"Also gut.", seufzte Arthur Weasley." Ich weiß nur, dass es tatsächlich Draco war und dass er unter Veritaserum ausgesagt hat, dass Voldemort ihn gezwungen habe, dich lebend zu ihm zu bringen, weil der sonst Dracos Mutter töten würde. ??Leider hat Voldemort diese Drohung inzwischen wahr gemacht, wir haben die übel zugerichteten sterblichen Überreste von Narzissa Malfoy heute morgen in der Nähe von Malfoy Manor am Ufer gefunden. ??Draco Malfoy sitzt nun genau wie sein Vater in Askaban, und das wohl für sehr lange Zeit. Um Aufsehen zu vermeiden wurden diese Informationen aber bewusst zurückgehalten und ich flehe euch an, sagt darüber zu Niemandem ein Wort." ??Harry schluckte. "Sie wollen mir damit allen Ernstes sagen, dass Voldemort versucht mich kidnappen zu lassen und das Ministerium es nicht einmal für nötig hält, mich darüber zu informieren? Bloß kein Aufsehen, sie haben schon Recht. Narzissa Malfoy ist tot? Die Todesser scheinen sich schon gegenseitig umzubringen und was wollten Sie tun? Mit mir in der nächsten Woche seelenruhig Hochzeit feiern? Nachdem ich nur knapp diesem Entführungsversuch entgangen bin, ohne davon zu wissen?“, Harry wirkte schockiert. ??“Danke Mr. Weasley. Das hat uns sehr geholfen. Aber da wäre noch etwas.", schaltete sich Hermine in die Unterhaltung ein. ??"Was ist denn nun noch. Mehr weiß ich nun wirklich..." entgegnete Mr. Weasley genervt. ??"Wir müssen nur wissen, wo wir Remus Lupin finden.", unterbrach ihn Hermine. ??"Remus? Da könnt ihr hier bleiben und auf ihn warten. Bill ist für morgen mit ihm und Nymphadora Tonks hier im Fuchsbau verabredet, weil ihm Lupin noch Tipps wegen des Umgangs mit dem Werwolfbiss geben wollte", sagte Mr. Weasley. Und zu Harry gewandt ergänzte er. "Übrigens werdet ihr ab morgen fürs erste auf Eure Frühstückseier verzichten müssen, denn dein Hippogreif hat unseren ganzen Hühnerstall heute früh geplündert. Ich würde an deiner Stelle Molly für ein paar Tage aus dem Weg gehen." ??Mit diesen Worten machte Mr Weasley kehrt und ging wieder zur Tür hinaus. Als die Tür hinter ihm ins Schloss fiel musste Ron prustend loslachen. ??"Alter, das hätten ja Fred und George auch nicht besser hingekriegt! Der Hühnerstall, auch das noch!" ??"Sehr witzig.", sagte Harry und errötete. ??"Ist doch nicht deine Schuld", sagte Ginny sanft und umarmte Harry von hinten. "Hagrid hat ihm halt keine richtigen Manieren beigebracht." ??Hermine las inzwischen das Pergament von Harrys Eltern immer und immer wieder durch und konnte auch kein Rätsel darauf entdecken, obwohl sie es sorgfältig untersuchte und auch keine Spur von Zaubertinte darauf finden konnte. ??Dann hatte sie eine Idee. "Lasst uns doch morgen mit Remus auch darüber reden. Vielleicht müssen wir einfach wieder damit nach Godric’s Hollow, und dort weiter suchen damit es funktioniert." ??"Das könnte sein.", sagte Harry und lehnte seinen Kopf an Ginnys Schulter an. Ron beobachtete die beiden argwöhnisch, sagte aber nichts weiter dazu.
Kapitel 18:
Begegnungen in Askaban ??
Lucius Malfoy dachte an diesem Morgen, er könne seinen Augen nicht trauen. Als er im Innenhof des Gefängniskomplexes von Askaban in Ketten zum täglichen Wandelgang geführt wurde, stieß er auf ein allzu bekanntes Gesicht und erschrak furchtbar. Es war Draco, sein eigener Sohn, den er hier nie und nimmer sehen wollte und auch nicht erwartet hatte. Das Blut gefrier förmlich in seinen Adern und er erstarrte beim Anblick seines Sohnes, denn Draco wirkte gebrochen und ausgemergelt. Nie zuvor hatte er seinen Sohn so verzweifelt erlebt. ??Noch hatte Draco seinen Vater nicht bemerkt und blickte stumm zu Boden, während er quer über den Hof geführt wurde. ??Lucius war in seinem Leben selten so ratlos gewesen wie in diesem Augenblick. Ein Gefühl der Hilflosigkeit hielt ihn nun fest gefangen. Nachdem er gehört hatte, dass Dumbledore ermordet worden war, ist er fest davon überzeugt gewesen, dass sein Sohn seine ihm vom dunklen Lord gestellte Aufgabe erfüllt hätte und der Familie Malfoy damit Ruhm und Ehre unter den Anhängern des dunklen Lords verschaffte. Wie konnten sie ihn nun bloß gefasst haben? Er müsste doch unter dem persönlichen Schutz von Voldemort stehen. War er etwa unvorsichtig und übereifrig geworden? ??Draco blickte plötzlich auf und erkannte seinen Vater. Aus voller Verzweiflung schrie er: „Dad, es ist alles aus, ich hab es vermasselt! Er hat Mutter umgebracht, er hat sie einfach umgebracht, nur weil ich versagt habe....“ schluchzend brach er zusammen und musste von den Gefängniswärtern zurück in seine Zelle getragen werden. ??Lucius blickte ihm fassungslos hinterher. Er konnte nichts sagen. Wie konnte sein Sohn in Gegenwart der Wärter so offen reden? War er wahnsinnig geworden? Und was hatte Draco da gesagt? Narzissa tot? Wie konnte das sein? Und wer sollte sie getötet haben? Und warum? Sie hatte doch niemandem etwas getan. Der Junge musste den Verstand verloren haben oder unter einem geistigen Verwirrungszauber leiden. ??Lucius hatte Narzissa zum letzten Mal zwei Wochen zuvor in Askaban gewesen, als sie gekommen war, um ihn zu besuchen. Er hatte schon darüber nachgedacht, woran das liegen mochte, dass sie seitdem nichts von sich hatte hören lassen, aber dass ihr etwas Ernsthaftes zugestoßen sein könnte, nein damit hatte er nicht gerechnet. ??Er musste irgendwie Kontakt zu Bellatrix aufnehmen, um sich von ihr berichten zu lassen, was vorgefallen war. Einige Tage überlegte er, was er tun konnte, dann fiel ihm ein, dass Snape ja jetzt auf ihrer Seite stand und ja ein hervorragender Legilimentiker war. Er legte sich in der Zelle auf seine Pritsche, konzentrierte sich auf Snape und sprach in Gedanken immer wieder die Worte „Ich muss wissen, was passiert ist! Ich muss wissen, was passiert ist! Er öffnete seinen Geist und gab die Okklumentik gegenüber den Auroren für ein paar Stunden auf, obwohl er wusste, dass das sehr riskant war. ??Ein paar Tage später schon hatte er dieses Vorhaben fast aufgegeben, als er eines Nachts unter seinem Bett plötzlich ein Rascheln vernahm. Lucius beugte sich vor und erblickte unter seinem Bett eine kleine Ratte. Wütend warf er ein Kissen nach ihr. Was hätte er darum gegeben, jetzt einen Zauberstab in den Händen zu halten, dann hätte er sie immerhin ein wenig quälen und sich damit die Langeweile vertreiben können. ??Die Ratte fiepte leise und lief unter dem Bett hervor und blieb in der Mitte des Raumes stehen. Ein untypisches Verhalten für eine Ratte, dachte Lucius noch bei sich, als die Ratte langsam immer größer zu werden schien und schließlich eine menschliche Gestalt annahm. „Peter!“, stieß Lucius hervor und wich zurück. ??Er wusste zwar, dass Wurmschwanz ein Animagus war, doch war er noch nie unmittelbar in seiner Nähe gewesen, wenn er sich verwandelt hatte. ??„Sei leise“, flüsterte Wurmschwanz, „du willst doch nicht, dass ich in deiner Zelle entdeckt werde. Du wirst mit mir kommen, der dunkle Lord wünscht dich zu sehen.“ ??„Sehr gut!“, flüsterte nun auch Malfoy “aber wir müssen Draco mitnehmen.“ ??„Nein!“ Wurmschwanz widersprach energisch und wurde dabei unwillkürlich etwas lauter, „Das ist keine gute Idee. Dein Sohn ist im Moment hier sicherer als an jedem anderem Ort. Und jetzt komm mit.“ ??Pettigrew packte Lucius am Arm und zog ihn von seinem Bett hoch. Er reichte ihm einen Zauberstab und zog einen Stuhl zu sich heran. Mit seinem eigenen Zauberstab deutete Wurmschwanz auf den Stuhl und murmelte: „Portus.“ Er und Lucius legten jeder eine Hand auf den Stuhl und verschwanden mitsamt dem Stuhl wenige Sekunden später aus dem Raum. ??Am nächsten Morgen saßen Ron und Hermine noch allein am Frühstückstisch und hatten vor lauter Hunger schon mit dem Frühstück begonnen, als von draußen eine Eule gegen das Fenster pochte. Hermine sprang auf und nahm der Eule den Tagespropheten ab und überflog die Titelseite. Sie blieb augenblicklich stehen und starrte mit offenem Mund auf das große Bild des blonden Mannes mit glatten langen Haaren, dass sie von der Titelseite her hämisch anstarrte. ??Ron bemerkte, dass etwas nicht stimmte. „Was ist los? Hast du bei der Herbstverlosung von Gringott’s etwas gewonnen?“, spottete er. Doch Hermine war gar nicht nach Spaß zumute. „Lucius Malfoy ist aus Askaban geflohen. Und das ohne die Tür der Zelle zu öffnen und obwohl er keinen Zauberstab hatte. Das Ministerium steht vor einem großen Rätsel.“ ??Ron starrte sie mit offenem Mund an. „Wie ist das möglich? Man kann die Dementoren mögen oder nicht, aber seit sie nicht mehr dort sind, scheint das Gefängnis nicht mehr ausbruchssicher zu sein.“ ??„Papperlapapp, Bellatrix Lestrange und die anderen sind damals ja auch geflohen von dort“, erwiderte Hermine. ??„Aber erst, nachdem Voldemort die Dementoren auf seine Seite gebracht hatte“, blieb Ron stur. ??Sie hätten sich wohl noch weiter lautstark darüber gestritten, wenn nicht plötzlich Harry und Ginny auf der Treppe gestanden hätten und sie aufmerksam gemustert hätten. „Was ist denn hier los? Ist etwas passiert?“, fragte Harry und Ginny schmiegte sich an seine Schulter. ??„Das kann man wohl sagen. Dracos Vater ist letzte Nacht aus Askaban getürmt und wird nun überall gesucht.“ ??„Und was ist mit Draco selbst? Ist der auch entwischt?“, wollte Harry wissen. ??„Nein, davon steht hier nichts“, entgegnete Hermine. „Es ist immer nur von Lucius Malfoy die Rede.“ ??„Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das ohne fremde Hilfe geschafft haben kann“, sagte Harry und setzte sich mit Ginny an den Frühstückstisch. „aber es war ja auch nicht zu erwarten, dass die Todesser Ruhe geben würden, schon gar nicht jetzt, wo Dumbledore nicht mehr da ist.“ ??„Meint ihr, Lucius Flucht könnte mit dem Tod seiner Frau zu tun haben? Ist es nicht merkwürdig, dass diese Ereignisse zusammengefallen sind?“ Ginny blickte fragend in die Runde. ??„Du hast Recht. Von der Seite habe ich das noch gar nicht gesehen.“, erwiderte Hermine nachdenklich. ??Harry und Ron kauten noch auf beiden Backen, als Molly Weasley eintrat und sie ohne überhaupt jemanden zu beachten begann, den Frühstückstisch abzuräumen. „Hey Mum, wir sind noch lange nicht fertig. Hab noch einen Bärenhunger!“, rief Ron sofort. ??„Dann wirst du in Zukunft früher aus dem Bett steigen müssen, mein Junge“, sagte sie schroff. „Hier wird jetzt pünktlich abgeräumt, so oder so. Habe schließlich noch andere Sachen zu tun heute.“ Molly Weasley wirkte in diesen Tagen noch hektischer als sonst. ??„Heute Nachmittag erwarten wir auch eine Delegation aus Beauxbaton, die sich hier umsehen wird und die Sicherheitsmaßnahmen für die bevorstehende Hochzeit begutachten soll. Als ob ich nicht schon genug zu erledigen hätte.“
Kapitel 19:
Lupin und die Suche nach dem Rätsel ??
Nachdem der Frühstückstisch durch den Zauberstab von Rons Mutter schließlich leergeräumt war, gingen Ron, Hermine, Ginny und Harry nach oben in das Zimmer der Jungen. Harry holte noch einmal die Nachricht seiner Eltern hervor und suchte gemeinsam mit den anderen nach einem Rätsel auf dem Pergament. ??„Meinst du nicht, dass wir doch Fred und George einweihen sollten? Schließlich haben sie auch herausgefunden, was es mit der Karte des Rumtreibers damals auf sich hatte!“, schlug Ron vor. ??„Ich weiß nicht.“, antwortete Hermine skeptisch. „Meinst du nicht, dass sie sich wieder einen Spaß mit uns erlauben und uns überhaupt nicht Ernst nehmen würden?“ ??„Nein, ich finde auch, dass wir es vorerst allein zu lösen versuchen sollten“, stimmte Harry ihr zu. In diesem Augenblick klopfte es laut an der Tür zu ihrem Zimmer. ??„Herein.“, rief Ron sofort. In der Tür standen Bill Weasley und Remus Lupin, die von Harry, Ron, Ginny und Hermine herzlich begrüßt wurden. Harry bat Lupin um ein vertrauliches Gespräch unter vier Augen. Lupin nickte und daraufhin verließen Ron, Hermine und Ginny mit Bill den Raum und gingen wieder hinunter in die Küche. Sie waren kaum unten, da teilte sie Mrs. Weasley in Gruppen ein, damit sie ihr bei den Vorbereitungen für die Hochzeit helfen konnten. Vor allem bei Ron und Ginny löste diese Idee sehr wenig Begeisterung aus. ??Oben setzte sich Remus Lupin neben Harry aufs Bett und blickte ihn erwartungsvoll an. „Nun, Harry. Was hast du auf dem Herzen?“ ??„Professor, sie wissen doch, dass mir Professor Dumbledore vor seinem Tod einige vertrauliche Dinge über Voldemort anvertraut hat?“ ??Unwillkürlich zuckte Lupin immer noch zusammen, wenn Harry seinen Feind so direkt bei seinem Namen nannte. „Bist du dir sicher, dass du mir das anvertrauen willst, Harry? Dumbledore hatte doch sicher seine Gründe...“ ??„Ich weiß, was ich tu, keine Sorge, Herr Professor. Darf ich sie mal etwas fragen, wissen Sie eigentlich, was Horcruxe sind?“ ??Lupin sah Harry mit ernstem Blick an und wurde leichenblass im Gesicht. „Harry, willst du damit sagen...?“ ??„Sie wissen es also. Ja, Professor Dumbledore hatte Hinweise darauf, dass Voldemort zur Sicherung seiner Unsterblichkeit vor langer Zeit bereits mehrere davon angefertigt hat und dabei seine Seele in mehrere Teile geteilt hat.“ ??„Mehrere Teile?“ Lupin erstarrte. „Wieviele?“ ??„Dumbledore ging von sieben Teilen der Seele Voldemorts aus, das heißt, er müsste sechs Horcruxe erschaffen haben. Zwei davon wurden aber bereits zerstört und ich glaube, einen weiteren gefunden zu haben. Ich weiß aber nicht, ob das stimmt und wenn ja, wie man ihn zerstören könnte. Könnten sie mir dabei helfen?“ Harry sah Lupin mit fragendem Blick an. ??„Ich weiß es nicht. Ich habe mich zwar mit dunkler Magie in der Theorie intensiv befasst, die praktische Anwendung ist aber immer eine andere Sache. Denk doch nur an die unverzeihlichen Flüche und wie sehr ihr Gelingen von der Konzentration des Zauberers abhängig ist. Aber natürlich will ich versuchen, dir zu helfen, Harry. Aber was du da erzählt hast, das wäre ja furchtbar. Ein Zauberer, der seine Seele in sieben Teile sprengt. Aber das würde so einiges erklären.“ Lupin blickte aus dem Fenster. „Glaubst du, er hat beim Mord an deinen Eltern auch einen Horcrux erschaffen?“ ??Harry konnte sehen, dass Lupin nun Tränen in seinen Augen hatte. ??„Das kann ich nicht mit Sicherheit sagen. Soweit ich weiß, hatte er aber vor allem vor, mich aus dem Weg zu räumen, vielleicht wollte er dabei einen Horcrux erschaffen. Dumbledore hatte aber keine genauen Informationen dazu, welche Gegenstände einen Horcrux beinhalten könnten. Er konnte nur Vermutungen anstellen. Einer ist wohl Tom Riddle’s Tagebuch gewesen, das ich vor fünf Jahren mit einem giftigen Zahn des Basilisken zerstört habe. Ein weiterer war der Ring von Salazar Slytherin. Der wurde von Professor Dumbledore im vergangenen Jahr aufgespürt und vernichtet. Dabei muss aber etwas schief gegangen sein, denn seitdem wirkte Dumbledores Hand abgestorben.“ ??Lupin nickte nachdenklich. „Davon habe ich gehört, dass seine Hand irreparabel verletzt war. Und was die Zerstörung der Horcruxe angeht, gehe ich davon aus, dass es für jeden Horcrux eine ganz eigene Zerstörungsmethode gibt. Aber im Augenblick weiß ich es offen gestanden nicht.“ Lupin blickte Harry in die Augen und bemerkte seinen traurigen und enttäuschten Gesichtsausdruck. ??„Schade, Professor. Ich hatte gehofft, sie könnten mir dabei mehr helfen.“ Harry wandte sich resigniert ab. ??„Warte mal kurz, Harry. Vielleicht gibt es doch eine Möglichkeit.“ Remus Lupin hielt kurz inne und schaute Harry mit ernstem Blick an. ??Er holte tief Luft und sagte: „Ich kenne jemanden, von dem ich sehr viel im Hinblick auf die dunklen Künste gelernt habe – allerdings haben wir schon längere Zeit keinen Kontakt mehr gehabt und es wäre eine sehr lange und beschwerliche Reise, ihn wiederzufinden.“ ??„Wirklich? Und sie glauben, er kann uns den richtigen Zauber verraten?“ ??„Wenn es jemand weiß oder herausfindet, dann er.“ ??„Wie ist sein Name? Wo finde ich ihn? Kenne ich ihn?“ ??„Nein, sein Name ist nicht wichtig und er war auch nicht ganz unumstritten. Vielleicht ist es besser, wenn du den Namen erst einmal nicht kennst. Er wurde nämlich schon vor sehr langer Zeit aus der Zauberergemeinde ausgeschlossen und verschiedener Taten beschuldigt, doch bewiesen werden konnte keine der Taten. Ich habe ihn immer für unschuldig gehalten und er hat mir sehr geholfen, mit meiner zweiten Identität als Werwolf zurecht zu kommen. Er lebt heute sehr zurückgezogen irgendwo in den Bergen in einer Höhle. Muss inzwischen sehr alt geworden sein.“ Lupins Blick wanderte von Harry zum Fenster. „Es wird nicht leicht, Harry, aber ich werde versuchen, ihn für dich zu finden. Gleich nach der Hochzeit werde ich aufbrechen, wenn der Orden mich lässt.“ ??„Danke, Professor. Ich wusste, dass auf sie Verlass sein würde.“ Harry wollte schon aufstehen. ??„Warte bitte noch, Harry.“ Lupin zögerte ein wenig und fuhr umso eindringlicher fort „ich kann dir nichts versprechen aber ich muss dich bitten, über alles, was ich dir eben anvertraut habe, mit niemandem zu reden.“ ??„Selbstverständlich, Professor. Ich werde schweigen wie ein Grab.“ ??Sie gingen gemeinsam hinunter in die Küche zu den anderen, wo Bill schon auf Remus Lupin wartete und mit ihm nach draußen in den Garten verschwand. ??Die Vorbereitungen für die Hochzeit liefen in den kommenden Tagen weiter auf Hochtouren. Molly Weasley war deshalb kaum ansprechbar. Fleurs Schwester war am Tag vor der Hochzeit angekommen und sollte bei den letzten Vorbereitungen für die Hochzeit helfen, was Ginny überhaupt nicht gefiel. Auch Ginny und Ron mussten ihrer Mutter immer wieder helfen, wobei die immer größer werdende Hektik dafür sorgte, dass vieles durcheinander ging.
Kapitel 20:
Auf den Spuren der Potters ??
Am Morgen der Hochzeit saßen Harry und Ginny gelangweilt in der Küche und grübelten wieder über dem Gedicht von Harrys Eltern. „Wir müssen irgend etwas übersehen haben!“, sagte Harry. ??„Wollen wir nicht schauen, dass wir hier nochmal für ein paar Stunden weg können, bevor sich hier alle in den Armen liegen?“ flüsterte Ginny Harry zu. ??„Ja“, lachte Harry. „deine Mutter ist im Augenblick schwer zu ertragen und ich will sowieso noch einmal nach Godric’s Hollow wegen diesem Rätsel hier. Ich frage Ron und Hermine, ob sie nicht mitkommen wollen.“ ??Nach wenigen Minuten trafen sie sich draußen im Garten und Harry wollte noch kurz Seidenschnabel besuchen und ihn füttern. Er bevorzugte dieses Mal aber das Apparieren als Fortbewegungsmittel und verschwand mit Ginny im Arm. Hermine und Ron folgten den beiden und standen plötzlich neben ihnen vor dem Friedhof von Godric’s Hollow. ??„Kommt, schnell, hier entlang“, flüsterte Harry und ging zielstrebig voran auf den Friedhof. Ron, Ginny und Hermine folgten ihm, wobei Ginny kurz hinter dem Eingang fast mit einer älteren Frau zusammengestoßen war, die mit einer Gießkanne auf dem Weg zu einem Wasserhahn war. ??„Nanu, können sie nicht Acht geben, junge Frau?!“, murmelte die Alte. ??„Entschuldigen Sie bitte, ich habe sie wohl übersehen.“, murmelte Ginny und eilte ihren Freunden nach. ??„Hast du das Pergament mit dem Rätsel dabei?“, fragte Hermine. ??„Ja, sicher, ich habe die komplette Truhe dabei. Los, hier den Weg rein, da vorne ist es.“ Harry eilte so flink voraus, dass die anderen ihm kaum folgen konnten. Als sie am Grab von Harrys Eltern ankamen, da hatte Harry schon den Brief mit dem Rätsel in der Hand. ??„Sieht ja wirklich ganz schön verwildert aus“, sagte Ron erschüttert. „Das Grab daneben dürfte leer sein“, ergänzte er und blickte grimmig auf den Grabstein von Peter Pettigrew. ??„Da könnt ihr mich dann mal begraben, falls Voldemort mich auch noch ermordet oder ich im Kampf fallen werde. An der Seite meiner Eltern, da würde ich mich endlich einmal zu Hause fühlen.“ ??Ginny, Hermine und Ron starrten Harry entsetzt an. „Vergiss es!“, sagte Ron entschlossen. „Wenn er dich erwischen will, muss er vorher uns erledigen.“ ??Hermine schielte Harry über die Schulter. „Und, hat sich an der Schrift irgend etwas verändert?“, fragte sie neugierig. ??„Nein, leider nicht.“, entgegnete Harry „das wäre auch zu leicht gewesen. Was für ein Rätsel können sie nur gemeint haben? Wofür ist der Schlüssel? Passte er am Ende zu irgendeiner Tür oder versteckten Kammer im Haus meiner Eltern? Dann wäre die Suche ohnehin vergebens, denn das Haus wurde ja komplett zerstört.“ ??„Aber damit, dass sie gezwungen sein könnten, ihr Haus zu verlassen, mussten sie doch zum Zeitpunkt der Nachricht rechnen.“, erwiderte Hermine. „Er muss zu irgend einem geheimen Versteck passen. Hier jedenfalls scheinen wir nicht weiter zu kommen.“ ??„Weißt du denn, wo das Haus deiner Eltern hier im Ort gestanden hat“, fragte Ron an Harry gewandt. ??„Nein, keine Ahnung.“ ??„Meinst du nicht, wir könnten jemanden danach fragen?“ ??„Wer könnte so etwas denn nach so vielen Jahren noch wissen?“ ??„Jemand, der schon sehr lange hier lebt.“, antwortete Ginny und hatte augenblicklich eine Idee. Sie drehte sich hektisch um und lief um die Kirche herum zurück zum Eingang des Friedhofes. ??Ron blickte Harry und Hermine fragend an. „Wisst ihr, was sie plötzlich hat?“ ??„Eine Idee, schätze ich mal“, erwiderte Hermine mit hochgezogener Nase, „aber das kann dir ja nicht passieren.“ Mit diesen Worten stolzierte sie an Ron vorbei und ließ ihn stehen. ??„Pah, das hat gesessen! Harry, sag du doch auch mal was!“ Ron errötete. ??„Streitet euch nicht schon wieder“, sagte Harry und steckte das Pergament ein. „Wir haben jetzt wirklich Wichtigeres vor.“ ??Als Ron, Hermine und Harry am Ausgang des Friedhofes eintrafen, da war Ginny bereits mit der älteren Dame in ein Gespräch vertieft. ??„... ja, wissen sie, junge Frau, lassen sie sich eines gesagt sein. Die meisten Menschen hier lassen die Gräber ihrer Angehörigen verkommen und kümmern sich nicht mehr darum. Dabei ist dieses Stück Stein doch das Letzte was wir von unseren Lieben noch haben. Nehmen wir meinen Edward, wissen sie? Das war so ein lieber Mann, der Beste den man sich wünschen kann, er war so ein guter Mensch. Und viel zu früh musste er gehen. Aber ich sage ihnen, seit er tot ist, habe ich keinen anderen Mann auch nur angesehen.“ ??Die alte Dame holte erst einmal tief Luft. Diese Gelegenheit ließ sich Hermine nicht entgehen. „Verzeihen sie, Mrs..?“ ??„Sheldon. Martha Sheldon.“ ??“Angenehm. Mein Name ist Hermine Granger und das sind meine Freunde Ron und Ginny Weasley und Harry Potter.“ ??„Potter? Sagten sie grade Potter? Da lebte vor vielen Jahren mal eine junge Familie mit diesem Namen oben am Waldrand. Und mit einem Mal waren sie alle verschwunden. Es hieß, sie seien auf mysteriöse Weise ums Leben gekommen, als ihr Haus eingestürzt ist. Sind sie mit ihnen verwandt?“, fragte sie, nun Harry zugewandt. ??„Ja, Mrs. Sheldon. Das sind wohl meine Eltern gewesen. Aber es war kein Unfall... – Autsch!“ ??Harry bemerkte den stechenden Schmerz, den Hermines heftiger Tritt gegen sein Schienbein verursacht hatte. ??„Sagen sie, Mrs. Sheldon“, säuselte sie mit einem übertrieben freundlichen Lächeln, „können sie sich noch erinnern, wo das Anwesen der Familie Potter sich genau befunden hat?“ ??„Aber wissen sie das denn nicht selbst, wenn sie zur Familie gehören?“ Sie blickte Harry misstrauisch an. ??„Nun ja, ich habe meine Eltern nicht kennen gelernt, ich bin nach ihrem Tod bei ...“ Harry blickte fragend zu Hermine, um nicht wieder einen Tritt gegen sein Schienbein zu riskieren. „ähm – Pflegeeltern aufgewachsen. Und nun, da ich alt genug bin, würde ich gerne sehen, wo meine Eltern gelebt haben.“ ??„Nun, aber wie ich bereits erwähnt habe, steht dort kein Haus mehr. Das Haus ihrer Eltern, die weiß Gott Menschen von einem merkwürdigen Schlag waren, wurde nach der Zerstörung nicht wieder aufgebaut. Wissen sie, die Menschen hier im Ort sind sehr abergläubig. Einige behaupten sogar steif und fest, am Tag der Zerstörung ihres Elternhauses am Himmel einen riesigen Totenkopf und ein Ungeheuer auf einem fliegenden Motorrad gesehen zu haben. ??Die Einwohner von Godric’s Hollow halten den Platz da oben am Waldrand seit jenem Tag für verflucht und so wurde das Grundstück schließlich von der Stadt übernommen, um die Verwüstungen in Ordnung zu bringen. Heute befindet sich dort ein Parkplatz für Wanderer und ein kleiner Kiosk. Sie müssen wissen, dass die Wälder dort oben ja auch besonders für Wanderer geeignet sind. Zum Wohnen ist es doch sehr einsam und beschwerlich, immer die steile Straße hinauf. Ach, ich könnte ihnen Geschichten erzählen, was ich dort mit meinem Edward für tolle Touren gemacht habe, als wir noch jünger und besser zu Fuß waren...“ ??„Gewiss, Mrs. Sheldon. Vielen Dank für ihre Hilfe, ich denke wir plaudern ein anderes Mal weiter“, sagte Ginny „wenn sie uns nur noch den Weg zu dem Parkplatz erklären könnten?“ ??„Was denn. Sie wollen gleich wieder gehen? Warum? Habe ich etwas Falsches gesagt? Die jungen Leute hetzen heutzutage doch immer von einem Termin zum nächsten. Wollen sie nicht noch mit auf ein Tässchen Tee zu mir kommen? Ich könnte ihnen noch ein paar Bilder von meinem Edward zeigen, wissen sie... Er war ja so ein lieber Mann, so einen gibt es kein zweites Mal.“ ??„Gewiss, Mrs. Sheldon. Ein anderes Mal würden wir sie sicher sehr gern begleiten,“ sagte Harry und sah im Augenwinkel, dass Hermines Fuß schon wieder verdächtig in die Richtung seines Schienbeins zuckte. „aber heute sind wir etwas in Eile. Wenn sie uns nun den Weg dorthin beschreiben könnten?“ ??„Den Weg... also gut, mal sehen. Mein Orientierungssinn ist ja nicht der Beste. Wissen sie, früher beim Wandern, da hat mein Edward immer die Wanderkarten gelesen, der brauchte da nur einmal draufschauen und er wusste sofort, wo er war und wo er hinmusste. Aber ich...?“ Mrs. Sheldon hielt einen Moment lang inne und blickte die vier jungen Leute nacheinander an. Nachdem sie von allen erwartungsvoll angestarrt wurde und Ron schon anfing, nervös auf die Uhr zu blicken, sagte sie schließlich: „Also gut, ich will ihnen helfen. Wenn sie hier die Straße nach rechts hinunter gehen, dann kommen sie an einem großen dunkelblauen Haus auf der linken Seite vorbei. Dort wohnt unser Herr Bürgermeister, wissen sie? Also über den könnte ich ja auch so manche Geschichte ...“ ??„Und wohin müssen wir bei diesem Haus weiterlaufen?“ Hermines Stimme klang langsam aber sicher gereizt. ??„Wohin?, Ach ja, natürlich. Also hinter dem Haus des Bürgermeisters müssen sie links in eine kleine Gasse hinein, da führt der Weg zwischen den Häusern hindurch und geht schon leicht bergauf. Folgen sie diesem Weg immer weiter bis er zu einer Treppe gelangt. Diese Treppe führt auf direktem Weg den Berg hinauf, während die Hauptstraße in Serpentinen den Hang hinauf verläuft. Nach einer Weile kommen sie an einer kleinen Kapelle vorbei, dort müssen sie unbedingt eine Pause machen und den Ausblick über den Ort genießen. Ist ein wunderschöner Platz für ein Picknick, das sage ich ihnen. Mein Edward und ich haben dort so manches Mal...“ ??Hermine hustete laut und räusperte sich. Mrs. Sheldon warf ihr einen grimmigen Blick zu und fuhr fort: „Hinter der Kapelle führt der Weg in den Wald hinein und trifft nach circa 2 Kilometern auf die Hauptstraße. Dort müssen sie sich links halten und dann kommen sie nach weiteren 500 Metern zum Parkplatz mit dem Kiosk.“ ??„Vielen Dank, Mrs. Sheldon, sie haben uns sehr geholfen. Und noch etwas. Bitte erzählen sie in der nächsten Zeit niemandem, dass sie uns hier begegnet sind und was sie uns erzählt haben“, sagte Harry. ??„Was? Aber warum denn nicht?“ ??Harry wollte Hermine noch zurückhalten, doch da hatte diese schon ihren Zauberstab gezogen, ihn auf Mrs. Sheldon gerichtet und „Obliviate!“ gerufen. Die alte Dame wurde von einem gelben Blitz aus Hermines Zauberstab getroffen und begann leicht zu schielen. Nach einigen Sekunden musterte sie Hermine, Harry, Ginny und Ron nacheinander und fragte: „Wer sind sie? Haben sie auch Verwandte, die hier auf dem Friedhof begraben sind?“ ??„Nein, haben wir nicht, wir haben uns verirrt!“, sagte Ron geistesgegenwärtig und zog Harry und Hermine davon. Ginny folgte ihnen. Kopfschüttelnd blickte Mrs. Sheldon ihnen hinterher, als sie den Friedhof verließen. ??„Das wäre nun wirklich nicht nötig gewesen.“, sagte Harry zu Hermine in vorwurfsvollem Ton. ??„Nicht nötig? Willst du, dass die alte Tratschtante bis übermorgen dem ganzen Ort erzählt hat, dass sie den Sohn der Potters getroffen hat, als er nach seinem Elternhaus gesucht hat?“ ??Wortlos gingen sie die Straße hinauf und bogen an dem dunkelblauen Haus nach links in die kleine Gasse ab. Als sie die Treppe erreichten keuchte Ron. „Meint ihr nicht, dass wir umkehren sollten? Ich mein, wir kommen sonst noch zu spät zur Hochzeit. Meine Mum wird uns sicher umbringen.“ ??„Lieber deine Mum, als Voldemort!“, sagte Harry und ging allen voran auf die Treppe zu. „Jetzt, wo wir schon einmal hier sind, da will ich auch den Ort sehen, an dem meine Eltern gelebt haben und an dem sie gestorben sind.“ Darauf fiel Ron keine kluge Antwort ein, wortlos folgte er Harry mit Ginny und Hermine. ??Als sie die Kapelle passierten, blickten sie sich kurz um, gingen aber sofort weiter. Mrs. Sheldon hatte nicht übertrieben, man hatte von hier oben tatsächlich einen fantastischen Ausblick auf den ganzen Ort. ??Sie folgten dem Weg in den Wald hinein und kamen schließlich nach einer ganzen Weile auf die große Straße. Wenige Minuten später erreichten sie schließlich den Parkplatz, ohne dass einer von ihnen etwas sagte. Harry hielt die Luft an und sah sich um. Hier war es also geschehen. Der Ort gefiel ihm außerordentlich gut, direkt am Berg mit einer schönen Aussicht und Waldzugang am Grundstück. Er konnte seine Eltern verstehen, dass sie sich einmal diesen Ort für ihr Zuhause ausgesucht hatten. Der Kiosk am Parkplatz war geschlossen. Am Rande des Parkplatzes war eine große Wanderkarte aufgestellt, die interessante Ausflugsziele in der Nähe auflistete und erläuterte. ??„Tja, da sind wir nun. Nach einem so langen Fußmarsch könnten wir ja eigentlich mal eine Pause machen und etwas essen, dummerweise haben wir aber gar keinen Proviant dabei.“, bemerkte Ron. „Hier scheint es ja nichts mehr zu sehen zu geben. Wir sollten nun umkehren, sonst heiratet unser Herr Bruder heute noch ohne uns.“ ??„Psst, sei mal leise“, sagte Ginny angespannt. „Hattet ihr nicht auch das Gefühl, dass uns seit dem Ortsausgang von Godric’s Hollow jemand verfolgt?“ ??„Was? Und das sagst du erst jetzt?“, antwortete Ron aufgebracht. ??„Leise“, flüsterte Hermine. „Ich habe vorhin hinter uns auch etwas rascheln gehört, dachte aber ich hätte mich getäuscht. Aber wenn du es auch bemerkt hast, sollten wir es Ernst nehmen und zumindest überprüfen. Kommt, lasst uns hinter dem Kiosk verstecken und einen Moment abwarten.“ Hermine zückte ihren Zauberstab und eilte hinter den Kiosk. Harry und Ginny folgten ihr bevor Ron ihnen missmutig hinterher trottete. ?
Kapitel 21:
Ein zauberhaftes Fest ??
Minerva McGonagall war sichtlich erschöpft, dabei hatte das neue Schuljahr noch nicht einmal angefangen. Auf ihrem Schreibtisch stapelte sich die Arbeit. Die Durchsicht der Post, in erster Linie ängstliche Briefe besorgter Eltern beanspruchte täglich mehr von ihrer kostbaren Zeit. Sie fragte sich, wie sie diesen Papierkram möglichst souverän erledigen konnte, ohne ihre weiteren Aufgaben nicht zu vernachlässigen. Was hätte wohl Albus Dumbledore in ihrer jetzigen Lage getan? Sie warf dem Portrait Dumbledores einen traurigen Blick zu. Sicher hätte er diese Probleme gemeistert und allen anderen gegenüber energisch, aber mit einem Lächeln auf den Lippen bestritten, dass es überhaupt ein Problem gäbe. Tag für Tag wurde ihr bewusster, wie unersetzlich er für diese Schule war und wie schmerzlich der Verlust dieses einzigartigen Schulleiters wirklich war. ??Ein Klopfen an ihrer Tür riss Professor McGonagall aus ihren Gedanken. „Herein.“, murmelte sie abwesend. Die Tür sprang auf und Horace Slughorn kam in ungewohnter Kleidung in ihr Büro gestürmt: „Minerva, wo bleiben Sie denn um alles in der Welt? Sie haben sich ja noch nicht einmal umgezogen! Wir müssen doch noch rüber nach Hogsmeade, bevor wir zur Hochzeit apparieren können.“ ??„Beim Merlin! Die Hochzeit. Wie konnte ich das vergessen? Dabei habe ich doch gestern noch eine Eule von Madame Maxime erhalten.“ Hektisch räumte sie die Papiere auf ihrem Schreibtisch zusammen. „Wo ist Hagrid?“ ??„Er wartet unten in der Eingangshalle.“ ??„Gut. Ich habe zwar kein besonders gutes Gefühl, Filch mit Sibyll Trelawney und Madam Pomfrey hier mit den Hauselfen und Geistern ganz allein im Schloss zurück zu lassen, aber es geht wohl heute nicht anders. Der Minister, Madame Maxime und Molly Weasley würden mir mein Fernbleiben heute wohl nicht verzeihen.“ Minerva McGonagall holte tief Luft. „Gut, Horace. Warten Sie bitte draußen vor der Tür, noch brauche ich keine Hilfe beim Umziehen!“ ??„Oh natürlich, Minerva - meine Teuerste, selbstverständlich!“ Slughorn machte kehrt und schloss die Tür hinter sich. ??Zwanzig Minuten später erschienen Slughorn, McGonagall und Hagrid in Festumhängen am Fuchsbau. Sie wurden von Arthur und Molly Weasley am Gartentor herzlich begrüßt. Dabei ist ihnen nicht entgangen, dass Molly immer wieder nervös zur Uhr blickte und in alle Richtungen Ausschau nach Jemandem hielt. Eine Schülerin aus Beauxbaton führte sie zu einem großen Zelt, das im Garten des Fuchsbaus aufgebaut war. ??„Professor, gehen sie ruhig schon hinein, ich muss vorher noch einen Freund begrüßen.“, sagte Hagrid zu McGonagall. ??„Oh gewiss, Rubeus. Sie müssen nach Seidenschnabel schauen. Wir gehen schon voraus. Kommen sie nicht zu spät zur Eröffnung der Feier.“ ??„Nein, nein, keine Sorge, Professor. Will ihm nur kurz guten Tag sagen.“ Als Hagrid zu Seidenschnabel kam, war der Hippogreif kaum zu beruhigen. Er fütterte und streichelte ihn kurz und sagte: „Ja, mein Guter. Nach der Feier werde ich nochmal nach dir sehen. Sorgt Harry auch gut für dich?“ Seidenschnabel verbeugte sich und wurde von Hagrid zum Abschied noch einmal liebevoll getätschelt. ??Einige Minuten später trat Hagrid durch den Eingang in das Festzelt ein. Innen war das Zelt viel größer als von außen zu erkennen war. Das Zelt war so groß wie ein Theatersaal mit einer großen Bühne und einer freien Fläche davor. An der linken Seite war ein großes festliches Buffet aufgebaut und an der rechten Seite saß ein fremdländisches Zaubererorchester und spielte leise Musik zur Untermalung. Sie war durch das allgemeine Stimmengewirr im Zelt kaum deutlich zu vernehmen. Mitten im Raum waren unzählige Tische aufgereiht, die zum allergrößten Teil schon belegt waren. ??Hagrid blickte sich um und sah den Tisch, an dem sich Horace Slughorn und Minerva McGonagall niedergelassen hatten. Es war der Tisch des Zaubereiministers Rufus Scrimgeour, neben dem Percy Weasley mit stolz geschwellter Brust saß. Man sah ihm an, dass er es genoss, als Offizieller des Ministeriums hier an der Seite des Ministers zu sitzen, während der eigentliche Anlass, nämlich die Hochzeit seines Bruders ihn weniger zu interessieren schien. Sonst hätte Percy sicher am Tisch der Familie Weasley Platz genommen, der wie bei Zaubererhochzeiten üblich, vorne links vor der Bühne als lange Tafel aufgereiht stand. Die Familie des Bräutigams war in Zaubererkreisen für die Ausrichtung der Feier zuständig, sorgte für eine Örtlichkeit und für das leibliche Wohl, während der Familie der Braut die Gestaltung der Feier und die Unterhaltung der Gäste oblag. ??Hagrid war gespannt, was diese Feier heute für interessante Einblicke in die doch auch für ihn noch fremde Kultur aus Beauxbaton bieten würde. Seine Augen suchten den Tisch der Weasleys ab, doch er konnte Harry, Ron und Hermine dort nicht entdecken. Neben Arthur und Molly Weasley, die noch immer äußerst beunruhigt wirkte, saßen Fred, George und Charly Weasley. Auch Ginny war nirgends zu sehen. ??Als Hagrid den Blick nach rechts wandern ließ, erkannte er am Tisch der Delacours Madame Maxime, die schon zu Hagrid herüberwinkte. Hagrid erwiderte das Winken kurz und schritt dann nach vorne durch die Reihen und begegnete Remus Lupin. ??„Hallo Hagrid, schön dich zu sehen!“, wurde er von Lupin begrüßt. ??„Hallo Remus, sag mal, weißt du, wo Harry und seine Freunde stecken? Die müssten doch eigentlich auch längst hier sein.“ ??„Keine Ahnung, soweit ich weiß, schon. Heute morgen waren sie noch da, wollten am Vormittag nur einen kurzen Ausflug machen und sind bis jetzt noch nicht wieder aufgetaucht.“ ??„Beunruhigt dich das nicht?“, fragte Hagrid und blickte wieder zu der völlig aufgelöst wirkenden Molly Weasley hinüber. ??„Zuerst schon“, sagte Lupin, „doch dann hat Nymphadora auf die verzauberte Uhr der Weasleys geschaut und sowohl bei Ginny als auch bei Ron stand da „Keine Gefahr“. Außerdem haben die vier schon so viel erlebt, ich glaube wirklich, dass sie schon sehr gut auf sich selbst aufpassen können. Sie werden sicher gleich hier eintreffen. Oder wer weiß?“ Lupin lächelte „Vielleicht planen sie ja eine Überraschung?“ ??„Ja, wahrscheinlich hast du Recht. Ähm, sach mal, Remus?“, Hagrid zögerte. ??„Ja?“ Lupin zog die Augenbrauen hoch. ??„Ist bei euch am Tisch noch ein Plätzchen für mich frei?“ ??„Aber natürlich.“ antwortete Lupin und führte Hagrid mit an seinen Tisch, an dem neben Tonks auch Alastor Moody und Neville Longbottom mit Luna Lovegood saßen. ??Als er am Tisch Platz genommen hatte, ging wenig später langsam das Licht aus und die Trompeter im Orchester spielten eine laute Fanfare. ??Auf der Bühne erschien nun Arthur Weasley und ergriff das Wort. ??„Meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Gäste und liebe Freunde! ??Meine Frau und ich sind sehr glücklich, Sie alle hier heute willkommen heißen zu dürfen, um mit uns die Vermählung unseres ältesten Sohnes Bill mit Fleur Delacour aus Beauxbaton zu feiern. Ganz besonders freuen wir uns darüber, dass so viele Gäste aus Beauxbaton hier angereist sind. Wenige Minuten zu Fuss von hier, auf dem Quidditch-Trainingsplatz, haben wir entsprechende Zelte für unsere Gäste zur Übernachtung eingerichtet. Es ist also alles vorbereitet, um diese Feier so richtig zu genießen. Lasst uns nun traditionell das Brautpaar beim Einzug in das Festzelt begrüßen. Unsere Gäste aus Beauxbaton haben dazu das Schulballett mitgebracht, dass uns hier nun den berühmten „Tanz der Verliebten“ aufführen wird.“ ??Unter großem Applaus verließ Arthur Weasley die Bühne. Er machte kurz Halt am Tisch des Ministers und wechselte einige Worte mit Ludo Bagman, Cornelius Fudge und Kingsley Shacklebolt, als das Orchester mit voller Lautstärke wunderbare weiche Klänge aus Beauxbaton zu spielen begann. Von rechts betraten die Schülerinnen und Schüler aus Beauxbaton die Bühne und bewegten sich wunderbar sinnlich und geschmeidig im Rhythmus der Musik. Zum Ende des Liedes hin bildeten sie eine Gasse und der Vorhang am Ende der Bühne öffnete sich einen Spalt breit. ??Bill Weasley, gekleidet in einem edlen violetten Festumhang mit weißen Rüschen, trat aus der Öffnung im Vorhang unter donnerndem Applaus hervor, verneigte sich vor dem Publikum und streckte seine Hand in Richtung des Vorhangs aus. Bill hatte offenbar dem Drängen seiner Mutter nachgegeben und heute auf seinen Ohrring verzichtet und auch seine glatten roten Haare schienen nicht ganz so lang zu sein wie sonst. Er machte einen sehr gepflegten Eindruck. Langsam trat nun auch Fleur auf die Bühne und ihr schneeweißes Hochzeitskleid, das auf wunderbare Weise ihre Figur betonte, saß perfekt. Hagrid hielt die Luft an und war von Fleurs Anblick geradezu entzückt. Das Brautpaar trat langsam durch die Gasse nach vorne. Nun standen die meisten Hexen und Zauberer auf und applaudierten. Der Hochzeitswalzer ertönte und Bill und Fleur tanzten traditionell auf der Bühne den ersten Tanz. Nach einiger Zeit gesellten sich die Eltern und Verwandten der Brautleute hinzu und die Tanzfläche füllte sich mit den übrigen Gästen. ??Hagrid hatte bemerkt, dass Madame Maxime ihn ein paar Mal auffordernd angesehen hatte, er tat nun aber so, als wäre ihm das entgangen. ??Das Brautpaar nahm bis zur eigentlichen Trauungszeremonie noch getrennt am jeweiligen Tisch der eigenen Familie Platz. Nach dem Eröffnungstanz spielte das Orchester weiter leichte Tanzmusik und auf den Tischen erschien ein Aperitif. Einige der Gäste traten auf die Tanzfläche und eine gelöste Stimmung breitete sich im Festzelt aus. ??Allmählich wuchs in Hagrid die Beunruhigung wegen Harrys Fehlen immer weiter und so übersah er nun tatsächlich, dass Madame Maxime ihm inzwischen enttäuschte und verärgerte Blicke zuwarf. ??Nach dem Vorprogramm trat schließlich Ludo Bagman auf die Bühne und alles wurde für die eigentliche Trauung hergerichtet. Molly Weasley tupfte sich zum wiederholten Male mit dem Taschentuch ihre Tränensäcke ab und hielt Arthurs Hand nun fest in der ihren. Bagman berührte mit seinem Zauberstab seine Stimmbänder und seine Stimme erklang jetzt in erheblicher Lautstärke. ??„Meine Damen und Herren, ??wir haben uns heute hier versammelt um die Hochzeit der Zauberer Bill Weasley und Fleur Delacour zu feiern. Ich darf nunmehr die Väter des Bräutigams und der Braut bitten, die Zauberstäbe der Brautleute zu mir zu bringen, damit sie auf die Zeremonie vorbereitet werden können.“ ??Arthur Weasley und ein älterer Herr aus Beauxbaton erhoben sich und traten jeweils mit den auf einem samtenen Kissen abgelegten Zauberstäben ihrer Kinder nach vorne. Ludo Bagman überreichte die Zauberstäbe nacheinander Cornelius Fudge, der sie daraufhin eingehend untersuchte und neu vermaß. Das Orchester begann wieder zu spielen und einige der Zauberer tanzten. ??Hagrid nutzte die Gelegenheit, um kurz zum Tisch der Weasleys hervorzutreten. ??„Molly, Arthur, was is’n mit Harry, Ron und Hermine los? Wisst ihr, wo die bleiben?“ ??Molly blickte Hagrid mit tränengefüllten Augen an und zuckte nur kurz mit den Schultern. Arthur strich ihr besänftigend über die Haare und sagte zu Hagrid: „Na, wenn mir die in die Finger kommen, die können was erleben und Ginny auch! Ich habe ihnen dreimal gesagt, sie sollen ihren Ausflug auf morgen verschieben, aber nein, sie ließen sich wie immer nicht davon abbringen und schworen Stein und Bein, dass sie rechtzeitig zurück sein würden.“ ??Hagrid schüttelte nur seinen Kopf. „Das ist so gar nich die Art von Hermine, Ron, Ginny und Harry. Irgendwas ist da faul.“ ??Nach dem Tanz ergriff Ludo Bagman wieder das Wort und Hagrid eilte zurück an seinen Tisch. ??„Nun, ich darf jetzt das Brautpaar bitte nach vorne bitten.“ ??Bill und Fleur erhoben sich an ihren jeweiligen Tischen und traten aufeinander zu, nahmen sich bei den Händen und gingen auf Ludo Bagman zu und setzten sich nebeneinander auf ein kleines Sofa, dass direkt neben dem Rednerpult stand. Vor ihnen stand ein kleiner Tisch, auf dem die Zauberstäbe auf rot-goldenen Seidenkissen lagen. ??„Jetzt mögen bitte auch die Trauzeugen zu mir kommen.“, fuhr Ludo Bagman fort. ??Charlie Weasley und Gabrielle Delacour erhoben sich ebenfalls und traten links und rechts neben das Sofa. ??Hagrid hörte Ludo Bagman grade noch sagen: „Die Gäste mögen sich nun für die Zeremonie erheben.“ und war im nächsten Moment schon dabei, das Festzelt zu verlassen. ??Er schaute sich draußen vor dem Zelt um und konnte weit und breit niemanden entdecken. Schließlich ging er hinein in den Fuchsbau, um einen Blick auf die verzauberte Uhr der Weasleys zu werfen. Doch die Zeiger bei Ginny und Ron standen noch immer auf „keine Gefahr“. Hagrid schüttelte ratlos den Kopf und während er aus dem Fenster blickte, grübelte er noch, wo die vier Schüler stecken konnten. ??Doch plötzlich gefror ihm das Blut in den Adern, als sein Blick wieder auf die Uhr fiel und er sah, dass die Zeiger von Arthur, Molly, Bill, Charlie, Fred und George Weasley sich alle ganz langsam in Bewegung setzten und schließlich auf der Anzeige „Tödliche Gefahr“ stehen geblieben waren.
Kapitel 22:
Das Geheimnis des Waldes ??
Harry, Ron, Hermine und Ginny hatten 15 Minuten hinter dem Kiosk gestanden und gebannt auf die Straße gestarrt. Nichts war passiert. Tief in seine Gedanken versunken holte Harry noch einmal das Pergament seiner Eltern hervor und entfaltete es. ??„Also nachdem hier, wo das Haus meiner Eltern gestanden hat, auch keine Hinweise mehr zu finden sind“, Harry warf einen flüchtigen Blick auf das Pergament und zuckte dabei plötzlich zusammen. „Da, das ist es! Schaut mal her!“ ??Ginny, Ron und Hermine blickten auf das Pergament, auf dem nun klar und deutlich ein Pfeil unterhalb des Gedichtes zu erkennen war. Harry war sich ganz sicher, dass dieser Pfeil beim letzten Mal noch nicht da gewesen ist. ??„Das ist Magie! Egal, wie ich das Blatt drehe, der Pfeil zeigt immer in die selbe Richtung“, sagte Harry aufgeregt. ??„Wow, das ist so etwas wie ein magischer Kompaß!“, stieß Ron begeistert hervor. „Aber meint ihr nicht, dass wir jetzt endlich zurück zum Fuchsbau müssen?“ ??Hermine blickte auf ihre Uhr. „Verflixt! Ich glaube, wir werden nicht mehr pünktlich zur Hochzeit dort sein können.“ Sie sah die anderen entsetzt an. „Seit dem Friedhof haben wir total die Zeit vergessen, diese Mrs. Sheldon hat uns einfach zu viel Zeit geraubt. Was sollen wir jetzt tun? Umkehren oder die Suche fortsetzen?“ ??„Egal. Lass uns jetzt dem Pfeil folgen, zur Feier können wir noch später dazukommen. Eure Mutter wird uns schon erzählen, wie die Trauung war.“ Harry war kaum zu bremsen. Und auch Ron nickte. „Auch wenn sie uns vorher sicher die Rübe abreißen wird.“ ??„Das Rätsel hier, das läuft uns doch nicht weg! Aber die Hochzeit. Die ist einmalig und kommt nicht wieder.“ Hermine war erbost über die Gleichgültigkeit von Harry und Ron. „Es geht hier schließlich um deinen Bruder, Ronald Weasley!“ ??„Ja, schon. Aber auch um meinen besten Freund. Und wenn der mich genau jetzt braucht, dann wird mein Herr Bruder auch ohne mich unter die Haube kommen, was soll’s ? ??Ginny blickte skeptisch. „Das kann ich unserer Mutter nicht antun, auch wenn ich verstehen kann, dass Harry nun, wo sich das Rätsel seiner Eltern endlich zu lösen scheint, die Suche nicht so gerne abbrechen wird.“ ??„Richtig.“ Harry nickte. „Dann laßt Ron und mich die Suche fortsetzen und du kehrst mit Hermine zum Fuchsbau zurück, um den anderen Bescheid zu geben, dass wir etwas wichtiges entdeckt haben und erst später zur Hochzeit kommen können. Große Tänzer sind wir sowieso nicht.“ Ron musste grinsen und nickte. „Ja, Harry hat Recht. Wir sollten uns trennen. Das hier ist jetzt einfach zu wichtig.“ ??Zähneknirschend willigte Hermine ein, nahm Ron und Harry aber das Versprechen ab, keine Risiken einzugehen und lieber umzukehren, bevor sie sich in Gefahr bringen würden. ??Harry verabschiedete sich von Ginny mit einem Kuß und kurz darauf waren die beiden Mädchen verschwunden. ??„Komm“, sagte Harry. „hier den Weg entlang in den Wald hinein.“ Ron und Harry folgten dem Pfeil einige Zeit. Kurz vor Abzweigungen änderte er manchmal ganz plötzlich die Richtung und Harry ging der Sicherheit halber noch einmal ein paar Schritte zurück, um sicher zu sein, welches der richtige Weg ist. Es kam ihnen ewig weit vor und sie mußten einige Stunden gelaufen sein, als sie merkten, dass es langsam dunkel wurde. ??„Meinst du, es war wirklich eine gute Idee, hier einfach drauf los zu suchen? Ich bekomme nämlich so langsam Hunger.“ ??„Egal“, sagte Harry grimmig „das hier ist viel wichtiger als die Hochzeit. Bill kommt auch ohne uns unter die Haube. Und am Ende tun wir das doch für unser aller Zukunft, also auch für seine.“ ??„Ja, aber mir knurrt der Magen. Wenn ich nur an das leckere Hochzeitsbuffet denke, an dem sich jetzt Ginny und Hermine satt essen können...“ Ron seufzte. ??„Huch?“ Harry erschrak. „Der Pfeil ist plötzlich weg! Was hat das zu bedeuten?“ ??„Vielleicht ist es inzwischen zu dunkel, um ihn zu erkennen?“ ??„Quatsch!“, sagte Harry schroff. „Ich glaube eher, dass es hier irgendwo sein muss.“ ??„Hier? Mitten im Wald?“, Ron blickte sich ängstlich um und erschauderte. „Nicht, dass du uns wieder in so ein Spinnennest führst...“ ??„Nein. Aber schau doch mal. Die Karte sollte uns zu diesem Ort führen, und wenn auf einmal kein Pfeil mehr da ist, dann kann das doch nur bedeuten, unsere Position ist richtig und das Ziel ist erreicht.“ ??Harry blickte sich um. Er sah viele sehr alte Bäume in der Umgebung und ein paar Meter entfernt ein paar hohe, mit Moos bedeckte Steine. „Lass uns mal da drüben schauen“, sagte er und deutete auf die Steine. Die Steine waren in einem Viereck angeordnet und mit Moos und Laub übersät. Harry stieg über den ersten Stein hinüber und schob das zwischen den Steinen liegende Laub etwas beiseite. „Also, wenn ich hier etwas verstecken wollte, würde ich es hier unter den Steinen vergraben. Die findet man immer wieder, wo doch sonst hier eine Lichtung wie die andere aussieht. Komm, hilf mir bitte mal.“ ??Ron sammelte mit Harry das Laub zwischen den Steinen ein und warf es auf die Fläche außerhalb des Stein-Rechtecks. ??„Hier! Da ist wirklich etwas.“, Ron war unter dem Laub auf ein Gitter gestoßen, das im Boden eingelassen war. Als er es berühren wollte, erschien ein roter Blitz und Ron wurde in die Luft geschleudert. ??„Ron! Um Himmels Willen!“, schrie Harry erschrocken auf. Er blickte Ron hinterher, der im hohen Bogen über einen der Steine flog und auf dem mit Laub bedeckten Boden landete. „Gut, dass wir gerade das Laub da hinüber geworfen haben, sonst wäre die Landung wohl schmerzhafter gewesen.“, lachte Harry. ??Ron blieb zunächst regungslos liegen und stammelte dann noch völlig durcheinander. „Krass. Mann, hatte das Gitter eine Power. Da muss aber ein mächtiger Abwehrzauber darauf liegen.“ ??„Bist du OK? Wenn ja, dann werde ich es auch mal versuchen, rück also schon einmal etwas beiseite, falls ich neben dir lande...“ Harrys Hand näherte sich zitternd dem Gitter, doch diesmal passierte nichts. Er zog das Gitter nach oben, doch es saß fest und leise klapperte etwas. „Oh, ein Schloss. Meinst du, da könnte unser Schlüssel aus der Truhe passen, oder?“ Harry blickte Ron an. ??„Ich verstehe nicht, warum ich hier mit roten Blitzen durch die Luft geschleudert werde und du das einfach anfassen kannst, ohne dass dir etwas passiert.“ Ron blickte Harry fassungslos an. ??„Vielleicht liegt es daran, dass ich zur Familie gehöre und du nicht. Harry holte den Schlüssel aus der Truhe und steckte ihn in das verrostete Schloss und drehte ihn herum. Das schloss glühte kurz rot auf und sprang schließlich auf. „Ja, schau nur. Er paßt. Das hier ist also wirklich das Versteck meiner Eltern.“ ??Er zog das Gitter hoch und warf es beiseite, nachdem er seinen Schlüssel wieder gut in der Jackentasche verstaut hatte. Eine kleine Treppe führte in die Tiefe und verbarg einen dunklen Gang. ??„Komm“, sagte Harry und stieg rasch die Treppe hinunter. „Lumos!“, rief er. ??„Warte mal.“, sagte Ron und blickte dem Gitter hinterher. „Sollen wir nicht das Gitter wieder an seinen Platz legen und absperren, damit uns hier keiner folgen kann?“, fragte Ron skeptisch. ??„Du hast Recht, das ist wohl eine gute Idee.“, sagte Harry. Ron hob das Gitter auf und legte es von unten wieder auf die Öffnung des Geheimganges. Das Schloss ließ sich auch ohne Schlüssel wieder verriegeln. Dann folgte er mit ebenfalls erleuchtetem Zauberstab Harry die Treppe hinab. ??„Dieser Gang erinnert mich an den Geheimgang von Hogsmeade nach Hogwarts. Der ist genauso eng.“ ??Eilig liefen die beiden Schüler den Gang entlang, der immer weiter leicht bergab verlief. Ein modriger Geruch stieg ihnen in die Nase. ??„Wo der Gang wohl hinführen mag. Meinst du wirklich, dass uns hier noch etwas erwartet?“ Rons Stimme wirkte unsicher. ??„Natürlich!“, erwiderte Harry. „Dumbledore hat in seinem Testament gesagt, dass mir durch den Schlüssel in der Truhe nützliche Dinge für meinen Kampf gegen Voldemort in die Hände fallen werden und weißt du nicht mehr, was im Gedicht meiner Eltern stand?: ??
Für unsren Erben sichern wir, ?
nun das was wir besaßen, ?
und so irgendwann belohnen wir, ?
die, die uns nicht vergaßen. ??
Zwei Freunden nur vertrauten wir, ?
die Geheimniswahrer machten uns Mut, ?
doch unserem Erben nur vermachen wir, ?
unser letztes Hab und Gut. ??
Ich bin überzeugt, dass wir hier das Geheimversteck meiner Eltern gefunden haben und Dumbledore muss es gekannt haben.“ ??Der Weg machte einen Knick nach links und plötzlich standen sie vor einer alten verschlossenen Holztür. Ein Schloss oder eine Türklinke waren nirgends zu sehen. ??„Hier scheint es nicht mehr weiter zu gehen. Geht sie nicht auf?“, fragte Ron. ??„Sieht nicht so aus.“ Harry überlegte. „Vielleicht ist es ein Zauber, den wir ausführen müssen, oder ein Passwort, wie beim Portrait der fetten Dame?“ ??„Schau mal da oben im Türrahmen, ist da nicht so etwas wie ein Symbol hinein geschnitzt worden?“ ??„Stimmt, Ron. Das sieht aus wie ein Hirsch. Der Hirsch ist der Animagus meines Vaters und mein Patronus. Meinst du, ich muss einen Patronus hervorbringen, um die Tür zu öffnen?“ ??„Das glaube ich nicht. Aber wie wäre es mit dem Zauberspruch der Rumtreiber?“ ??„Stimmt. Das könnte sein.“ Harry richtete seinen Zauberstab auf die Holztür und sprach: „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!“ ??Nichts geschah. „Mist“, sagte Ron „das war wohl nicht das Richtige. Lumos!“ Er schaute sich den eingeschnitzten Hirsch mal genauer an. Dabei kam er mit seinem Zauberstab ganz dicht an die Schnitzerei und als der Zauberstab versehentlich das Holz berührte, gab es einen lauten Knall und einen roten Lichtblitz. Ron wurde ein paar Meter zurück geschleudert und auf der Tür war in brennenden Buchstaben zu lesen: „Ihr seid nicht die Person, für die dieses Geheimnis bestimmt ist.“ ??„Wow!“, sagte Ron. „Irgendwie scheint mich hier keiner zu mögen. Ich wette, dass es bei dir wieder klappen wird, Harry.“ ??Harry versuchte es. Er nahm seinen Zauberstab in die rechte Hand und berührte damit vorsichtig den Hirsch im Türrahmen. Mit der Berührung durch den Zauberstab glühte der Hirsch golden auf und auf der Tür erschienen nun in gleißendem Licht die Worte: ??„Willkommen im Versteck der Geheimniswahrer!“ Die Tür schwang ganz langsam und knarrend auf.
Kapitel 23:
Der neue Auftrag ??
Severus Snape hatte in Spinner‘s End gerade noch an einem seiner selbst entwickelten Gifttränke gebraut, als er an seinem Unterarm einen stechenden und fürchterlich brennenden Schmerz verspürte. Er hatte von Wurmschwanz zuletzt gehört, dass der dunkle Lord Lucius Malfoy aus Askaban befreit hatte, um ihm eine besondere Aufgabe zu stellen. Seitdem hatte er einige Zeit nichts gehört und wunderte sich nun, dass der dunkle Lord ihn noch so spät am Abend zu sich rief. Wenn seine Mitwirkung bei den Plänen des dunklen Lords nötig sein würde, dann hätte er sich schon gewünscht, etwas rechtzeitiger in diese Pläne eingeweiht zu werden, aber die Rücksichtnahme auf andere gehörte ja nicht zu dessen primären Eigenschaften. ??Mit gemischten Gefühlen verkorkte er die Flasche mit dem eben gebrauten Trank, verstaute sie mit den restlichen Zutaten in einem verschließbaren Schrank und legte seinen Reiseumhang an. Er zückte seinen Zauberstab und apparierte in das Hauptquartier der Todesser nahe Little Hangleton. Als er auf dem großen Platz vor der alten Fabrikhalle ankam, da bemerkte er, dass die Dementoren nicht mehr zugegen waren und auch sonst nur sehr wenige Todesser sich hier aufhielten. Er überlegte, wohin die alle verschwunden sein konnten und marschierte schnurstracks auf die Tür zu der großen alten Maschinenhalle zu, in der sich der dunkle Lord und Nagini in letzter Zeit häufig aufhielten. Beim Betreten der Halle bemerkte er neben Nagini und Voldemort auch Wurmschwanz, der vor seinem Herrn mit gesenktem Haupt niedergekniet war. ??Snape machte eine tiefe Verbeugung und sprach leise: „Herr, ihr habt nach mir gerufen?“ ??„Severus, mein getreuer Todesser. Setz dich. Ich habe dich nach deiner großen Tat nun einige Zeit dir selbst überlassen, damit du neue Kräfte sammeln kannst. Nun jedoch ist die Zeit gekommen, wo ich dich mit einer neuen und äußerst wichtigen Aufgabe betrauen will.“ ??Snape setzte sich auf einen kleinen Stuhl und musterte den dunklen Lord, dessen kalte rote Augen durch ihn hindurch zu starren schienen. Längst hatte Snape seinen Geist verschlossen, damit Voldemort nicht in seine Gedanken eindringen konnte. „Was genau kann ich für euch tun, eure Lordschaft?“ ??„Es handelt sich um eine Aufgabe, die wie für euch gemacht zu sein scheint. Damit werde ich meinen Zielen einen weiteren großen Schritt näher kommen, doch das werde ich nur mit deiner Hilfe, Severus. Niemand sonst könnte mir dabei helfen wie du, mein getreuer Diener und wenn du Erfolg hast, wirst du es gewiß nicht bereuen. Du wirst schon in Kürze aufbrechen müssen.“ ??„Aufbrechen? Wohin?“ Snape hob die linke Augenbraue und malte sich besser nicht aus, was wohl geschah, wenn er keinen Erfolg haben würde. ??„Nagini, Wurmschwanz und ich werden dich begleiten. Sei darauf vorbereitet, dass wir schon bald größere Mengen an Vielsafttrank herstellen müssen und richtet euch beide darauf ein, dass ihr für längere Zeit nicht in euer aktuelles Domizil zurückkehren werdet.“ ??„Ihr sprecht ein wenig in Rätseln, mein Herr. Sollte ich nicht genauere Informationen dazu erhalten, was ich wann und wo tun soll? Ich denke, nur dann kann ich alle meine Kräfte gezielt für diese Sache einsetzen.“ ??„Nein, Severus, habe Geduld. Fürs erste genügen die Informationen, die ich dir gerade gegeben habe. Heute Nacht wird noch viel geschehen, wenn alles nach Plan laufen wird. Während wir hier sprechen, arbeiten unsere Brüder und Schwestern bereits an unserer großen Sache. ??Ich erwarte dich und Wurmschwanz zwei Stunden vor Morgengrauen wieder hier und zur Abreise bereit. Dann werdet ihr weitere Informationen erhalten. Geht nun und bereitet alles Notwendige für eure Abwesenheit vor.“ ??Severus Snape erhob sich und deutete erneut eine Verbeugung an, bevor er – ohne Wurmschwanz eines weiteren Blickes zu würdigen – kehrt machte und mit forschem Schritt die Halle verließ. ??Als Snape die Halle verlassen hatte fiel der Blick des dunklen Lords erneut auf Wurmschwanz. „So, nun sind wir wieder unter uns. Was wolltest du mir noch an vertraulichen Beobachtungen mitteilen, Wurmschwanz?“ ??„Ich habe heute etwas beobachtet, was für euch sicherlich interessant sein wird, mein Herr.“ ??„Lass dich nicht lange bitten und schieß los, Wurmschwanz!“ ??„Als ich mich heute morgen seit langer Zeit gerade wieder einmal als Ratte in meinem Grab auf dem Friedhof von Godric’s Hollow verkrochen hatte, erhielt das Grab daneben plötzlich Besuch, mein Lord.“ ??Der dunkle Lord musste bei dem Gedanken daran fast grinsen, dass sich Wurmschwanz als Ratte in seinem eigenen Grab verkroch. „Mach es nicht so spannend. Ich war bis jetzt nur einmal in diesem dreckigen Nest. Und da bin ich nicht auf dem Friedhof gewesen, wäre aber wohl dort gelandet, wenn ich nicht vorgesorgt gehabt hätte. Wer liegt dort begraben, außer dir?“ ??„Lily und James Potter. Und ratet mal, wer dieses Grab heute besucht hat? Harry Potter und drei seiner Freunde. Sie haben irgendein Rätsel zu lösen versucht und suchten nach dem ehemaligen Haus der Potters.“ ??„Das kann nicht sein. Potter und seine Freunde haben heute doch einen Pflichttermin bei dieser erbärmlichen Hochzeit. Sie können heute unmöglich dort gewesen sein. Also geh mir aus den Augen, Wurmschwanz und verschone mich mit deinen Lügenmärchen!“ ??Wurmschwanz schluckte. „Herr, ich belüge euch nicht. Ich bin ihnen doch sogar gefolgt, bis oben an den Platz, wo das Haus der Potters damals wirklich gestanden hat.“ ??„Schweig, sonst werde ich dir Schmerzen breiten müssen!“ Voldemorts Stimme war tonlos und glich mehr einem Zischeln. Wurmschwanz erkannte an dieser Tonlage, dass jedes weitere Wort sinnlos wäre und ihn nur in Gefahr brächte-„Wie ihr meint, mein Herr.“, sagte er schließlich demütig. ??„Wir sehen uns also hier im Morgengrauen, bereit zur Abreise. Alles Weitere wirst auch du erst dann erfahren.“ ??Nachdem Snape zurück in Spinner‘s End war, lief er lange in seinem Arbeitszimmer auf und ab und überlegte fieberhaft welche Pläne der dunkle Lord haben könnte und warum er ihm nicht mehr Vertrauen entgegen brachte. Es schmeckte ihm ganz und gar nicht, dass er vor vollendete Tatsachen gestellt werden würde. ??Er befürchtete, dass die anderen Todesser Harry Potter in dieser Nacht gefangen nehmen könnten und ihm selbst eine besondere Rolle dabei zuteil werden sollte, dass er ihn am Ende sogar foltern und töten sollte. Er wusste, dass dies das Ende aller Pläne Dumbledores bedeuten würde und das machte ihm merkwürdigerweise Angst. Er musste sehr lange zurückdenken, um sich zu erinnern, wann er ein derartiges Gefühl zuletzt verspürt hatte. ??Wenn er sich nicht allzu sehr täuschte, dann war das in der Nacht vor dem Tag gewesen, an dem Lily & James Potter ermordet wurden und auch damals ist er machtlos gewesen.
Kapitel 24:
Eine gelungene Hochzeitsüberraschung ??
Als Hagrid noch darüber nachdachte, was das zu bedeuten hatte, kam plötzlich Luna Lovegood zur Tür hineingestürzt und rief „Professor, Hagrid! Harry und die anderen dürfen auf gar keinen Fall hierher zurückkehren.“ ??Luna holte tief Luft und fuhr fort. „Im Zelt sind Todesser, sie haben Nevilles Eltern, seine Großmutter und Mr. Lockhart unter den Imperius-Fluch gesetzt und befehlen ihnen nun, die Hochzeitsgäste anzugreifen.“ Lunas Glubschaugen waren weit hervorgetreten und schienen Hagrid zu durchdringen. „Ich habe gehört, wie einer von denen zu seinem Komplizen gesagt hat, dass er Harry Potter und seine Freunde suchen und nach Möglichkeit lebend finden soll.“ ??Hagrid schluckte. Todesser auf Bill Weasleys Hochzeit. Das hätte sich zu Dumbledores Lebzeiten keiner getraut. „Wie viele Todesser sind es?“ ??„Keine Ahnung. Plötzlich kamen sie hinter der Bühne mit ihren dunklen Kapuzen hervor und Bellatrix Lestrange lenkte die Longbottoms mit ihrem Zauberstab vor sich her. Unfassbar, dass sie nun die Gelegenheit hat, ihre einstigen Opfer erneut zu quälen. Neville hat mir einmal erzählt, was sie ihnen damals angetan hatte. Oh Gott, wie furchtbar muss das jetzt für ihn sein.“ ??„Lockhart und die Longbottoms? Aber die sind doch schon ewig im St. Mungo – Hospital.“, sagte Hagrid bestürzt. „Sie müssen sie entführt haben.“ ??„Ja, und Neville wollte direkt mit seinem Zauberstab auf Bellatrix Lestrange losgehen, doch er wurde von Mad-Eye Moody festgehalten.“ Luna war völlig außer Atem. „Zum Glück konnte ich nach dem großen Knall, den Madame Maxime im Duell mit Fenrir Greyback heraufbeschworen hat, unbemerkt aus dem Zelt fliehen. Aber nun müssen wir Harry und die anderen warnen!“ ??Hagrid runzelte die Stirn. „Harry ist nicht hier und gemäß dieser Uhr auch im Augenblick nicht in Gefahr. Aber du kannst Pigwidgeon sicherheitshalber zu ihm, Ron und den anderen schicken. Kannst du rasch die Nachricht für sie schreiben? Ich muss ins Zelt zurück, um zu sehen, ob ich im Kampf gebraucht werde.“ ??„Ja, das werde ich tun. An Pigwidgeon habe ich jetzt gar nicht gedacht.“ ??„Versteck dich am besten hier oder noch besser, nimm dir Seidenschnabel und flieh mit ihm nach Hogwarts. Du kannst vorerst in meiner Hütte warten und dir dort einen Tee kochen. Wenn das hier vorbei ist, komme ich nach.“ ??Hagrid eilte aus der Tür hinaus. Luna schrieb hastig ein paar Zeilen auf ein Pergament und band die Botschaft oben in Rons Zimmer dem heftig flatternden Pigwidgeon ans rechte Bein. „Bring das zu Ron, wo immer er auch sein mag.“ Die Eule biss Luna in den Finger und flatterte wild los und verschwand am Himmel. ??Daraufhin ging Luna ums Haus herum und verbeugte sich vor Seidenschnabel. Der Hippogreif erwiderte die Verbeugung und ließ sich von Luna streicheln. „Bring mich bitte nach Hogwarts, Seidenschnabel.“ Der Hippogreif kniete sich vor Luna hin, damit diese aufsteigen konnte und stieg darauf hin mit ihr in die Lüfte auf. Aus der Ferne konnte Luna noch erkennen, dass jemand das Dunkle Mal über dem Fuchsbau heraufbeschworen hatte. ??Ginny und Hermine erschienen kurz darauf auf einem Feld in der Nähe des Fuchsbaus mit einem lauten „Plopp“ und wurden von Luna schon nicht mehr bemerkt. „Komm schnell“, sagte Ginny und zog Hermine am Arm. „das letzte Stück müssen wir zu Fuß gehen, die Feier hat bestimmt schon begonnen und wir müssen uns auch noch umziehen.“ ??„Vergiß es!“, sagte Hermine mit tonloser Stimme. ??„Wie bitte?“, Ginny blickte Hermine verständnislos an. Wortlos deutete Hermine mit ihrem Zauberstab, den sie vom Apparieren noch in der Hand hatte zum Himmel hinauf. Ginny fuhr herum und dachte, ihr Herz würde stehen bleiben, denn am Himmel war riesengroß und genau über dem Fuchsbau das Dunkle Mal zu sehen. ??Die beiden Schülerinnen standen einige Sekunden wortlos und geschockt da und schauten sich entgeistert an. „Was sollen wir jetzt tun? Sollen wir zurück nach Godric’s Hollow apparieren?“, fragte Ginny. ??„Nein. Und wenn wir ins Zelt gehen würden, könnten wir damit auch niemandem helfen. Da sind zahlreiche Auroren und begnadete Zauberer anwesend. Ich fürchte, dass die Todesser wegen Harry hier sind und deshalb müssen wir uns in Sicherheit bringen und unentdeckt bleiben. Denn wenn sie uns Veritaserum einflößen, wäre Harry nicht mehr sicher. Und wir können nicht zu weit weg von hier, denn wir müssen versuchen, Ron und Harry zu warnen, falls sie zurückkehren und zur Hochzeit gehen wollen.“ ??„Du hast Recht, Hermine. Auch wenn ich am liebsten runter zum Fuchsbau eilen würde, um an der Seite meiner Familie zu kämpfen. Die Gefahr, den Todessern direkt in die Arme zu laufen ist einfach zu groß.“ Lass uns nach oben zum Quidditchfeld apparieren, da kenne ich in der Nähe einen verlassenen Hochstand, von dem aus wir das ganze Tal überblicken können.“ ??„Gute Idee, Ginny.“ Hermine fasste Ginny bei der Hand, und mit einem weiteren „Plopp“ waren die beiden wieder verschwunden. ??Als Hagrid das Festzelt wieder betrat, bot sich ihm ein Bild der Verwüstung. Vor dem Orchester hatten sich Frauen und Kinder verschanzt und zwischen Stühlen und Instrumenten Schutz gesucht. ??Nevilles Großmutter prügelte auf Arthur und Molly Weasley ein und Bellatrix Lestrange und Fenrir Greyback schienen sich darüber köstlich zu amüsieren. Tische und Stühle waren umgestoßen und Leute liefen durcheinander. Auf der linken Seite des Zeltes hatten einige Ordensmitglieder, darunter Minerva McGonagall und Remus Lupin, versucht, ein paar Todesser mit Schockzaubern in die Enge zu treiben. Horace Slughorn und der Zaubereiminister waren jedoch nirgends zu sehen. ??Auf der Bühne quälte ein verbissen kämpfender Lucius Malfoy verschiedene Familienmitglieder von Fleur Delacour mit dem Cruciatus-Fluch. Madame Maxime versuchte verzweifelt, zum Geschehen vorzudringen, doch sie wurde permanent von Frank und Alice Longbottom körperlich daran gehindert. Völlig außer Kontrolle stand Gilderoy Lockhart auf der Bühne, neben ihm lag das gefesselte Brautpaar auf dem Boden, und feuerte wahllos Flüche in alle Richtungen ab. Hagrid musste einige Male ducken, um diesen Angriffen ausweichen zu können. ??Hagrid überlegte, ob Voldemort und Snape hier wohl persönlich auftauchen würden und schaute sich noch einmal in alle Richtungen um. Sie waren nirgendwo zu sehen. Dabei entdeckte er in einer Ecke unter zwei umgestoßenen Tischen den Zaubereiminister mit seinem Assistenten. Als er sich noch wunderte, warum es schien, dass sich Percy Weasley und Rufus Scrimgeour bewußt unbeteiligt im Hintergrund hielten und den doch sehr in Bedrängnis geratenen übrigen Weasleys nicht zur Hilfe kamen. Charlie, Fred und George kämpften verzweifelt gegen eine Übermacht an Todessern, denen Bellatrix Lestrange und Fenrir Greyback inzwischen Deckung gewährten. Hagrid entschied, sich dorthin durchzuschlagen, weil seine Hilfe dort wohl am nötigsten gebraucht würde. ??Er stieg über umgestürzte Tische und Stühle, was ihm aufgrund seiner Größe nicht sonderlich schwer viel. Allerdings war es schwierig, in dem Chaos nicht auf am Boden liegende Personen zu treten. Im Augenwinkel sah er noch, dass Alastor Moody und Tonks dabei waren, sich aus sicherer Deckung heraus dem sehr viel Unruhe stiftenden Gilderoy Lockhart anzunähern, um ihn zu bändigen, da drehte sich Hagrid zur Bühne um, und das was er sah, ließ ihm das Blut in den Adern stocken. ?
Kapitel 25:
Die Entführung der Braut ??
Hinter dem Vorhang der Bühne trat ein dichter, eisiger Nebel hervor, der immer undurchdringlicher wurde. Hagrid ahnte, was das bedeutete und als die erste Schar Dementoren aus dem schmalen Spalt im Vorhang hervorglitten, da wusste er, dass sie diesen Kampf wohl verlieren würden. ??Arthur, Fred und George Weasley versuchten verzweifelt, sich mit dem Patronuszauber gegen die sie erreichenden Dementoren zur Wehr zu setzen, doch es waren einfach zu viele. Charlie war unwillkürlich ein paar Schritte zurückgewichen und plötzlich waren er und die anderen Ordensmitglieder vom Tisch der Weasleys wie abgeschnitten. ??Die Dementoren hatten die Menge von der Bühne und vom Tisch der Weasleys zurückgedrängt und verharrten schließlich in ihrer Position. Hagrid sah, dass Tonks sich zum Tisch der Weasleys durchkämpfen wollte, aber von Alastor Moody zurückgehalten wurde. ??Lucius Malfoy trat nun auf die Bühne, tippte mit dem Zauberstab gegen seine Stimmbänder und rief. „Wo ist Harry Potter? Gebt ihn heraus und keinem von euch wird etwas geschehen!“ Schlagartig wurde es ruhiger im Saal und alle blickten gespannt nach vorne. Bellatrix Lestrange stellte sich neben Lucius und richtete ihren Zauberstab auf die Eltern und die Großmutter von Neville Longbottom und danach auf Gilderoy Lockhart. ??Diese hörten augenblicklich mit dem auf, was sie grade taten, drehten sich zur Bühne, liefen wie ferngesteuert auf Bellatrix zu und blieben neben Bellatrix stehen. Diese sprach zu den Versammelten: „Ach so, ihr wollt es uns also nicht sagen, wo diese miese kleine Potter - Ratte steckt, nicht wahr? Mal sehen, was der werte Herr Longbottom junior dazu sagt, wenn ich jetzt nacheinander seinen verbliebenen Familienmitgliedern hier das letzte Lebenslicht auslöschen werde! Willst du da nicht doch lieber reden, mein süßes, kleines Neville-Schätzchen?“ ??Als Nevilles Name gefallen war, schien es, als ob Alice Longbottom kurz zusammengezuckt wäre und für einen Moment lang innegehalten hätte. ??Neville selbst hatte das nicht bemerkt und wollte etwas erwidern, doch Mad-Eye Moody erhob sich und wandte sich direkt an Bellatrix: „Er ist nicht hier und niemand hier weiß, wo sich Harry Potter im Augenblick aufhält. Mein magisches Auge irrt sich nicht und würde ihn auch unter einem Tarnumhang sehen. Er ist ohne nähere Begründung heute der Einladung zur Hochzeit nicht gefolgt. Und lassen Sie die Longbottoms los, weitere Verbrechen an Unschuldigen werden Sie ihrem Ziel nicht näher bringen. Es reicht, dass Sie sie bereits vor Jahren einmal sinnlos gequält haben. Ich dachte, Sie hätten in Askaban genug Zeit gehabt, Ihre Fehler zu bereuen, als sie nun einfach zu wiederholen.“ ??„Du lügst!“, schrie Bellatrix und richtete ihren Zauberstab auf das Herz des nun wieder abwesend wirkenden Frank Longbottom. „Avada Kedavra!“ ??„Nein!“, schrie plötzlich jemand und warf sich blitzschnell zwischen Bellatrix Lestranges Zauberstab und Frank Longbottom. Es war Alice Longbottom, die, vom tödlichen Fluch getroffen, vor den Augen ihres Mannes zusammenbrach und zu Boden fiel. ??„Alice! Nein, nicht du!“, stieß dieser mit fassungslosem Blick hervor. Die Abwesenheit und Gleichgültigkeit in seinem Blick schien auf einen Schlag zu verschwinden und wich einem Ausdruck blanken Entsetzens. ??Auch Bellatrix Lestrange und die anderen Todesser waren überrascht. Bellatrix sagte an Neville gewandt: „Tja, eigentlich war der Fluch für deinen Vater gedacht, deine Mutter konnte ihren Tod aber offenbar gar nicht mehr abwarten und hat sich vorgedrängelt. Ts, ts, ts...“ ??Sie schüttelte den Kopf und lachte doch ließ sie Neville dabei nicht aus den Augen. Zu sehr genoß sie es, ihn leiden zu sehen und kostete jeden Moment aus. ??„Nur wird es das traurige Leben deines Vaters nicht um mehr als um ein paar Minuten verlängern, es sei denn du erzählst mir endlich, wohin sich dein Freund Harry Potter verkrochen hat?“ ??„Ich weiß es nicht, und selbst wenn ich es wüßte, würde ich Harry niemals an sie verraten!“, stieß Neville mit Tränen in den Augen hervor. ??„Wie du meinst, Schätzchen. Du bist ja wohl ganz heiß darauf, endlich Vollwaise zu sein. Du scheinst den gleichen Fehler wiederholen zu wollen, den deine Eltern damals auch schon gemacht haben, Die wollten nämlich damals auch nicht auspacken und dir wird das genauso wenig nützen, wie es ihnen genutzt hat.“ ??Bellatrix richtete, während sie noch in Nevilles Richtung blickte, den Zauberstab erneut auf Frank Longbottom und sah nur aus dem Augenwinkel, wie dieser – mit inzwischen ungewohnt entschlossener Miene - dem neben ihm stehenden Gilderoy Lockhart plötzlich den Zauberstab aus der Hand riß, ihn blitzschnell auf Bellatrix richtete und „Expelliarmus!“ rief. ??Der Zauberstab der Todesserin flog im hohen Bogen über die Bühne und Bellatrix verlor vor lauter Überraschung fast das Gleichgewicht. Noch ehe einer der anderen Todesser reagieren konnte, packte Frank Longbottom seine Mutter am Arm und disapparierte augenblicklich mit ihr. ??Ein lautes Raunen ging durch die versammelte Hochzeitsgesellschaft und die zuvorige Totenstille wich einem angeregten Gemurmel und Getuschel. ??„Verdammt, Bella! Musste das sein? Das war sinnlos!“, zischte Lucius Malfoy. ??Auch Mad-Eye Moody und Remus Lupin waren völlig verdutzt. Schließlich sagte Moody zu Neville: „Das hätte ich nicht für möglich gehalten, aber dein Dad scheint mit einem Schlag wieder ganz der Alte zu sein. Das da eben auf der Bühne, das war der Auror Frank Longbottom, den ich aus früheren Zeiten kenne. Er war immer für seine blitzschnellen Reaktionen bekannt.“ ??„In St. Mungo haben sie in all den Jahren kein Mittel gefunden, wie sie Frank und Alice Longbottom helfen konnten. Sie hielten sie für geistig irreparabel geschädigt.“, ergänzte Lupin. ??Neville selbst war außer Stande, auch nur einen weiteren Ton heraus zu bringen. Er blickte mit Tränen in den Augen auf den leblosen Körper seiner Mutter, wie er dort auf der Bühne lag, doch war sie ja all die Jahre schon irgendwie leblos gewesen, obwohl sie noch gelebt hatte. Mit all ihrer letzten Kraft und Verzweiflung hatte sie ihrem Mann das Leben gerettet und ihr eigenes für ihn geopfert. ??Damit war das geschehen, wovon Neville all die Jahre immer geträumt hatte. Dass er irgendwann Eltern haben würde, die nicht nur stumm und regungslos in einem Krankenzimmer dahin vegetieren. Dass er nicht nur allein mit seiner Großmutter leben würde. ??Auch wenn nach dem Tod seiner Mutter nur ein Elternteil übrig blieb, so spürte Neville, dass ihn die Veränderung seines Vaters mehr freute, als ihn der Schmerz über den endgültigen Verlust seiner Mutter betrübte. Er fragte sich, wohin sein Vater wohl so eilig appariert war und ob er dort wirklich lange sicher sein würde. ??Noch während Neville in Gedanken darüber grübelte, ertönte erneut die Stimme von Lucius Malfoy: „Wenn Harry Potter wirklich nicht hier ist, dann werden wir stattdessen das Brautpaar und diese vier erbärmlichen Mitglieder unserer Zaubererzunft“ er deutete auf Arthur, Molly, Fred und George Weasley, „mitnehmen. Wir werden sie gefangen halten und ab heute gerechnet jede Woche einen von ihnen umbringen, so lange nicht Harry Potter sich uns freiwillig stellt oder an uns übergeben wird.“ ??„Nein“, schluchzte Molly Weasley und brach zusammen. „Sie werden uns alle umbringen. Warum hilft uns denn hier niemand?“ ??Arthur Weasley hob sie auf und nahm sie in den Arm. „Bleib ruhig, Molly. Alles wird wieder gut werden, glaub mir.“, sagte er. ??Malfoy richtete seinen Zauberstab auf die Weasleys und sprach „Incarcerus“. Seile schossen aus der Spitze seines Zauberstabes hervor und fesselten die Weasleys. Greyback sprach einen Schwebezauber und die gefesselten Körper der Weasleys und von Fleur Delacour schwebten hinter den Vorhang der Bühne, hinter dem dann auch die Todesser und nach einiger Zeit auch die Dementoren wieder verschwanden. ??Lupin, Moody und Tonks liefen augenblicklich auf die Bühne und hinter den Vorhang, doch dar war niemand mehr zu sehen. Als Tonks an den Tisch von Minerva McGonagall zurückkehrte, sagte sie: „Sie müssen disappariert sein., da haben die Sicherheitsvorkehrungen des Ministeriums heute ja mal wieder ganz vorzüglich gegriffen!“ ??„Wo sind Remus Lupin und Alastor Moody?“, fragte Mc Gonagall. ??„Die bringen den Leichnam von Alice Longbottom weg.“, antwortete Tonks. „Wir müssen Harry Potter finden, bevor es die Todesser tun. Und wir müssen ihn warnen. Weiß denn wirklich niemand, wo er stecken könnte?“ ??„Nein“, erwiderte McGonagall „aber in letzter Zeit scheint er einen besonderen Instinkt zu entwickeln, Orte zu meiden, an denen ihm eine Falle gestellt wird. Das ist das einzige, was mir ein wenig Mut macht.“ ??Rufus Scrimgeour und Percy Weasley kamen ebenfalls an den Tisch und Scrimgeour sagte: „Ich erwarte, dass sie alle im Interesse der Rettung aller Geiseln möglichst schnell den Potter – Jungen finden und ihn zum Austausch gegen die Geiseln an uns übergeben werden, notfalls mit Gewalt.“ ??„Aber Herr Minister...“, brachte McGonagall geschockt hervor. „Dumbledore hätte einen solchen Tausch niemals zugelassen, schon gar nicht bei Harry Potter! Wir dürfen uns doch nicht von solchen Elementen erpressen lassen!“ ??„Da irren sie, meine Liebe. Lassen sie das nur meine Sorge sein, schließlich trage ich hier die Verantwortung. Und Harry Potter hätte schon viel früher mit uns zusammen arbeiten sollen, dann hätten wir wohl so einiges verhindern können! Aber er musste ja unbedingt Dumbledores Helden spielen!“ ??„Ach, sie meinen ungefähr so, wie sie heute hier verhindert haben, dass die Hochzeit überfallen wurde?“, Tonks hatte sich plötzlich mit hoch rotem Kopf in die Unterhaltung eingeschaltet. ??„Es bleibt dabei. Ein Menschenleben zu geben ist nicht schlimm, wenn ich damit sechs andere im Tausch retten kann. Wir werden im ganzen Land nach Harry Potter suchen lassen und eine Belohnung für seine Ergreifung aussetzen.“ Scrimgeour und Percy Weasley ließen die anderen mit diesen Worten stehen und verließen das Festzelt. ??Hagrid schüttelte betroffen den Kopf und kramte sein großes Taschentuch aus seiner Hosentasche hervor. „Um Gottes Willen, arme Weasleys, armer Harry!“, sagte er betroffen und schnäuzte sich.
Kapitel 26:
Der Schatz ist in Gefahr ??
Harry und Ron traten durch die geöffnete Tür hinein in einen großen dunklen Raum. ??„Lumos!“, sprachen sie fast gleichzeitig und erblickten einen großen, gemütlich eingerichteten Wohnraum. Hier hatte sich offenbar jemand darauf eingerichtet, sich für längere Zeit versteckt zu halten. An den Wänden befanden sich Schränke und Regale mit vielen verschiedenen Büchern und Schriften. In der Mitte des Raumes stand ein großes, altes Metallbecken auf einem verzierten Sockel. ??„Was ist das?“, fragte Ron verdutzt. ??„Ich glaube, ich weiß, was das ist.“, sagte Harry. „Das sieht so ähnlich aus, wie das Denkarium in Dumbledores Büro. Siehst du die zwei kleinen Fläschchen, die dort auf seinem Rand verschlossen stehen?“ ??„Ja, ich sehe sie.“ ??„Die dürften für uns bestimmt sein. Lass uns mal sehen, welche Erinnerungen man für uns hier hinterlassen hat.“ ??„Erinnerungen?“ Ron betrachtete die beiden Flaschen mit großer Skepsis. ??Harry nahm die kleinere der beiden Flaschen in die Hand und entkorkte sie. Er goss die darin befindliche dicke, silbern glänzende Flüssigkeit in das Denkarium und schaute zu, wie sie sich darin um sich selbst zu drehen begann. ??„Bist du bereit?“, fragte er Ron. ??„Bereit? Bereit wozu?“, fragte Ron mit verwirrter Miene. ??„Wir müssen kopfüber in das Becken hineinspringen, um die Erinnerung zu betrachten. Hast du verstanden? Also komm, bei drei! Eins..., zwei...“ Harry machte eine Pause und blickte Ron an. Der erwiderte seinen Blick ängstlich und sagte laut und deutlich „ DREI!“. Dabei stürzten Ron und Harry kopfüber in das Denkarium und landeten plötzlich in Dumbledores Büro gegenüber von seinem Schreibtisch auf den beiden leeren Stühlen. Harry blickte sich um und orientierte sich. Plötzlich hörte er Rons Aufschrei neben sich und zuckte zusammen. ??„Ah, - ähem, Harry. D-d-da, ist D-d-d-dumble- d-d-dore!“ ??Ron war leichenblass und dachte, er würde ein Gespenst sehen. Albus Dumbledore lief in seinem Büro auf und ab und sprach mit den Portraits in seinem Büro. ??„Psst, nein.“, sagte Harry, „wir sind in einer Erinnerung von Dumbledore und da ist er natürlich lebendig. Wir sind also in der Vergangenheit, als Dumbledore noch lebte. Lass uns versuchen, zuzuhören, was hier beredet wird. Das ist bestimmt wichtig, sonst wäre diese Erinnerung nicht extra ausgewählt worden. Du brauchst keine Angst mehr zu haben. Uns kann niemand sehen.“ ??Ron schluckte, blickte Dumbledore ängstlich an und nickte. ??Professor Dumbledore machte einen erschöpften und sehr gestressten Eindruck. Harry sah an der Hand des Professors, dass es sich um eine Erinnerung aus dem vergangenen Jahr handeln musste, denn die Verletzung war schon deutlich zu erkennen. ??„Wenn sich die allgemeine Lage hier weiter verschlechtert und Voldemort immer mehr an Macht gewinnt, dann kann ich das Geheimnis von Godric Gryffindor nicht länger hier in Hogwarts verstecken und schützen. Vom Ministerium ist keine nennenswerte Hilfe mehr zu erwarten und auch der Zauberergamot und v.a. der internationale Zaubererrat handeln viel zu zögerlich und schwerfällig. Dort geschieht nichts, bis die Zauberer aller Nationen sich einig werden. Niemand scheint das gesamte Ausmaß der von den Todessern ausgehenden Bedrohung erkennen und wahrhaben zu wollen. Die ursprünglichen Geheimniswahrer des Schatzes der Hogwartsgründer sind ja heute nicht mehr am Leben, genauso sind viele ihrer Nachfolger bereits tot, wie zum Beispiel James und Lily Potter oder Hepzibah Smith.“ ??Ein alter bärtiger Zauberer aus einem abseits gelegenen Portrait erwiderte: „Aber die Zahl der Geheimniswahrer kann doch nicht abnehmen, wenn jeder das Geheimnis ordnungsgemäß zu Lebzeiten an einen geeigneten Nachfolger weitergibt, oder? Dazu haben sich die Geheimniswahrer doch in ihrem Schwur verpflichtet! Nicht auszudenken, wenn der Schatz in die falschen Hände geraten würde!“ ??„Völlig richtig, mein Lieber, das wäre eine Katastrophe und mit Sicherheit der Untergang der Zaubererwelt, wie wir sie heute kennen und schätzen. Die Zahl der Geheimniswahrer sollte normalerweise nicht abnehmen, du vergisst aber, dass der Sohn von Lily und James Potter gerade mal ein Jahr alt, als seine Eltern überraschend starben, daher hüte ich das Geheimnis der Potters seit jenem Tag an seiner Stelle, bis ich es eines Tages an Harry Potter als vorbestimmten Geheimniswahrer weitergeben kann. So lange Harry aber noch immer von Voldemort als Erzfeind und ernsthafte Bedrohung angesehen wird, wäre es töricht, ihm nun auch noch diese schwere Bürde als Geheimniswahrer für Godric Gryffindors Schatz aufzuerlegen. Dann würde ´Voldemort nur noch einen Grund mehr haben, Harry jagen zu wollen.“ ??„Das stimmt.“, nickte der Alte in seinem Portrait. „Und an wen hat doch gleich Hepzibah Smith ihr Geheimnis übertragen?“ ??„Das weiß ich nicht mit Sicherheit.“, erwiderte Dumbledore, „sie wurde ebenfalls unerwartet ermordet, war aber schon in einem sehr hohen Alter, in dem es eigentlich schon fast töricht gewesen wäre, nicht Vorkehrungen für den Fall des eigenen Todes zu treffen. Zu meiner Beunruhigung ermordete sie allem Anschein nach sogar Voldemort persönlich. Und das, weil sie ihm zu sehr vertraut hat. Nicht auszudenken, wenn sie ihm auch das Geheimnis anvertraut hätte.“ ??„Aber hinsichtlich der Potters ist das Geheimnis beim Schulleiter von Hogwarts ja gut aufgehoben, oder? Dann ist doch in soweit schon einmal alles in Ordnung.“, warf Phineas Nigellus ein. ??„Nein, ist es nicht.“, entgegnete Dumbledore. „Ich habe mir bei der Zerstörung eines von Voldemorts Horcruxen irreparable Schäden an meiner Hand zugezogen, die ganz langsam, aber unaufhaltsam meinen Körper weiter zerstören werden. Niemand kann diesen Prozess aufhalten oder verhindern. Mein Leben wird daher ein sehr absehbares Ende finden und ich werde das Geheimnis zuvor weitergeben müssen. Ich weiß nur noch nicht, an wen und wie. Für Harry ist es meiner Meinung nach noch zu früh, er hat andere wichtige Aufgaben zu lösen, um überhaupt eine entfernte Chance zu haben, Voldemort eines Tages zerstören zu können.“ ??„Wie konntet ihr als einer der mächtigsten lebenden Zauberer euch nur eine solch hässliche Verletzung zuziehen? Wart ihr etwa übereifrig oder unvorsichtig?“, wollte ein anderer ehemaliger Schulleiter von der anderen Seite des Büros wissen. ??Dumbledore drehte sich um und lächelte. „Dieser Schutzzauber des Horcruxes war nur zu überwinden, wenn der potentielle Zerstörer des Horcruxes selbst dazu bereit ist, sein eigenes Leben als Preis für die Zerstörung des Horcruxes zu bezahlen. Lord Voldemort konnte sich nicht vorstellen, dass es jemanden geben könnte, der bereit wäre, diesen hohen Preis für die Zerstörung eines der vielen Horcruxe zu bezahlen. Nun ja, wie auch immer. Mein Opfer ist ohne Zweifel nötig gewesen, damit die Bekämpfung Voldemorts überhaupt erst weiter möglich ist. Und glücklicherweise habe ich ja noch ein paar Wochen, vielleicht sogar Monate Zeit, um alle notwendigen Vorkehrungen zu treffen.“ ??„Aber ihr könnt doch nicht einfach alles aufgeben! Ihr seid der mächtigste aller Zauberer der Gegenwart. Ohne euch wird die Zaubererwelt wesentlich gefährlicher und weniger lebenswert sein. Und auch in Hogwarts wird es bei weitem nicht mehr so sicher und geordnet zugehen wie unter eurer Leitung.“ ??„Alles hat seine Zeit, mein Lieber. Es gibt aber mehr als einen guten Grund für meine Entscheidung, die ja im übrigen bereits jetzt schon nicht mehr rückgängig gemacht werden kann.“ Dumbledore blickte auf seine verkohlte Hand. ??„Aber Dumbledore, ihr tut so, als wüsstet ihr nicht genau, dass diese Schule ohne euch nie und nimmer so sicher und stabil geführt werden kann, egal, wer euer Nachfolger ist.“ ??„Ach nein. Man darf sich selbst niemals zu wichtig nehmen und außerdem bin ich ja schon in den Genuss eines ungewöhnlich langen Lebens gekommen, so dass ich kein sonderlich großes Opfer bringe. Ich habe keine Angst vor dem Tod. Meine Frage an sie alle hier ist aber eine ganz andere und entscheidendere: Soll ich das Schwert von Godric Gryffindor, welches für das von mir gehütete Geheimnis ja nun ohne Zweifel der Schlüssel zum Schatz der Geheimniswahrer ist, vor meinem Ableben noch von hier fortbringen lassen? Lord Voldemort hat mehr als nur einmal reges Interesse an diesem Büro gezeigt und auch an dem Schwert gezeigt. Bereits lange Zeit vor dem Tod von Lily und James Potter war er ja hinter dem Schatz der Geheimniswahrer her.Ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, dass er versuchte hier als Lehrer zu arbeiten und ich bin mir sicher, dass er das wieder versuchen wird, wenn ich nicht mehr Schulleiter von Hogwarts bin. Nicht auszudenken, wenn ausgerechnet er das Schwert von Godric Gryffindor in die Hände bekäme. Falls er das Schwert in einen Horcrux verwandeln würde, könnte seine Seele es ganz kontrollieren und er hätte, wenn er sich nicht allzu sehr selbst im Wege steht, bald einen der vier Bausteine zum Zugang zum Schatz der Geheimniswahrer gefunden.“ ??„Dazu benötigt er doch aber alle vier Geheimnisse und muss das Rätsel lösen.“, warf Nigellus gelangweilt ein. „Das von Gryffindor kennt er noch nicht, ein neuer Geheimniswahrer ist noch zu bestimmen, auch wenn es nicht Harry Potter sein soll. Das von Hufflepuff könnte ihm durch Hepzibah Smith zugänglich gemacht worden sein, wobei wir das nicht sicher wissen. Bleibt die Frage nach den Geheimniswahrern aus Slytherin und Ravenclaw. Ist ihnen die Identität dieser Personen aktuell bekannt, Dumbledore? Werden sie dafür sorgen können, dass ihre Geheimnisse sicher verwahrt bleiben?“ ??„Ja und nein.“, antwortete Dumbledore mit besorgter Miene. „Was Slytherin angeht, da bin ich mir absolut sicher, dass das Geheimnis nicht in Gefahr ist, da Severus Snape als Geheimniswahrer nach meiner persönlichen Überzeugung absolut loyal zu uns ist. Er würde es nicht einmal im Angesicht seines Todes preisgeben.“ ??„Pah!“, sagte Harry leise zu Ron, „ich mach jede Wette, dass Snape das alles längst an Voldemort verraten hat. So wie er Dumbledore selbst auch verraten hat.“ ??Dumbledore holte tief Luft und fuhr mit besorgter Miene fort: „Was den Geheimniswahrer von Ravenclaw angeht, besteht zumindest eine gewisse Ungewissheit, denn Mr. Ollivander ist seit einiger Zeit verschwunden. Vermutlich wurde er entführt und womöglich getötet. Auch hier ist unklar, ob er sein Geheimnis noch wahren konnte. Im schlimmsten Fall verfügt Voldemort also bereits über die geheimen Informationen aus Hufflepuff und Ravenclaw. Daher halte ich es für besser, das Schwert vorsichtshalber an einen sicheren Ort zu bringen. Hier könnte dann weiterhin ein Duplikat des Schwertes aufbewahrt werden.“ ??„Kein Ort ist so sicher wie Hogwarts“, antwortete ein Portrait von der gegenüberliegenden Seite. „Aber ich stimme euch zu, dass der Schatz in der Hand der dunklen Magie das Ende für unsere Grundordnung in der Zaubererwelt bedeuten würde.“ ??Ron hätte schwören können, dass eben dieses Porträit eben noch tief und fest geschlafen und sogar ein leises Schnarchen von sich gegeben hatte. ??„Heute ist Hogwarts relativ sicher, aber ich fürchte, das wird in der Zukunft nicht mehr so sein.“ Dumbledore sprach weiter, seine Stimme wurde jedoch immer leiser und konnte von den Jungen schließlich kaum noch verstanden werden. Die Umgebung um sie herum wurde plötzlich verschwommen und begann, sich zu drehen. Ron und Harry landeten schließlich wieder auf dem steinigen Höhlenboden vor dem Denkarium. ??„Boah, ist das krass gewesen!“, sagte Ron. Harry nickte. ?„Ein Schatz! Was könnte das sein?“ ??„Keine Ahnung.“ ??„Glaubst du, die halten wirklich Gold und Edelsteine irgendwo versteckt?“ ??„Nein, die wären ja bei Gringotts sicher. Es muss da etwas viel wichtigeres dahinter stecken, etwas das seinem Inhaber sehr viel Macht und Einfluss verschaffen würde. Die Erinnerung ist an dieser Stelle offenbar zu Ende. Dumbledore wollte, dass wir das sehen, aber warum?“ ??„Ich denke, damit wir wissen, dass Snape mit diesem Wissen äußerst gefährlich ist, falls er doch ein Verräter ist.“ Ron wirkte nachdenklich. ??„Nein, Dumbledore hat ihm uneingeschränkt vertraut. Er wollte, dass wir über den Schatz und die Geheimniswahrer Bescheid wissen. Denn solange wir Voldemort noch nicht vernichten können, müssen wir zumindest helfen, dass dieser Schatz nicht in seine Hände gerät.“, folgerte Harry. „Und wir müssen herausfinden, wen er wirklich zum Geheimniswahrer von Gryffindor gemacht hat.“ ??„Müssen wir das?“, fragte Ron. ??„Natürlich. Damit wir mithelfen können, zu verhindern, dass der Schatz in die Hände der Todesser gerät. Denn jetzt, wo wir wissen, dass Snape ein Todesser ist und immer war, müssen wir damit rechnen, dass Voldemort inzwischen alle Geheimnisse außer dem von Godric Gryffindor kennt.“ Er ballte seine Hand zu einer Faust. „Dieser elende Verräter und Mistkerl. Wie konnte Dumbledore nur auf ihn hereinfallen? Ich konnte ihn seit meinem ersten Schultag in Hogwarts nicht ausstehen. Warum hat Dumbledore nie auf meine Warnungen gehört?“ ??Plötzlich legte Ron seinen Finger auf seine Lippen und flüsterte: „Hey Harry, hast du auch gerade das Rascheln vom Eingang des Ganges her gehört? Ich glaube, da ist jemand. Vielleicht ist uns doch jemand gefolgt. Lass uns den Raum wieder verschließen und hier ein anderes Mal weiter stöbern.“ ??Harry nickte. Ron und er zückten die Zauberstäbe, verschlossen den Raum wieder und gingen durch den dunklen Gang zurück zum Höhleneingang, wo das Rascheln immer lauter zu hören war. ?
Kapitel 27:
Interessante Beobachtungen ??
Ginny und Hermine saßen eine ganze Weile regungslos in ihrem Hochstand. Das Zelt und das Dunkle Mal veränderten sich äußerlich kaum, nur stieg rings um den Fuchsbau plötzlich ein dichter Nebel auf. „Dementoren!“, zischte Hermine. „Dann hatte Harrys Traum wohl doch wieder einen realen Kern. Sie stehen scheinbar tatsächlich auf der Seite der Todesser.“ ?Ginny nickte zustimmend. Inzwischen war es dunkel geworden und sie konnten nicht mehr viel erkennen. ??Plötzlich erkannten sie jedoch am hinteren Ende des Zeltes eine Gruppe von Zauberern mit schwarzen Kapuzen und erhellten Zauberstäben, die einige leblose und gefesselte Körper vor sich her schweben ließen.. ??„Da, das müssen die Todesser sein, die das dunkle Mal heraufbeschworen haben. Sie scheinen jemanden mit sich zu nehmen, wen, das kann ich von hier aus nicht mit bloßem Auge erkennen. Ich würde sagen, die Todesser haben mehrere Gefangene mitgenommen, denn die Personen scheinen gefesselt zu sein.“, sagte Hermine traurig. ??Ginny ergänzte. „Und alle Auroren und Ministeriumszauberer die anwesend waren, konnten scheinbar nichts gegen die Todesser ausrichten. Wozu haben diese Ministeriumsheinis wochenlang alle möglichen Sicherheitsvorkehrungen rund um den Fuchsbau getroffen, wenn die Todesser dann hier doch so einfach hereinspazieren können?“ ??„Ich habe gehofft, dass ich nie in diese Situation geraten würde, aber nun werde ich Victor doch noch um Hilfe bitten müssen. Die Situation wird irgendwie immer aussichtsloser. Voldemort und die Todesser tyrannisieren alle und haben vor nichts mehr Respekt. Da können gar nicht genug fähige Zauberer für den Orden kämpfen.“, sagte Hermine, beschwor ihren Patronus herauf und sprach eine Nachricht für Victor Krum. ??Der Patronus verschwand anschließend rasend schnell in der Ferne. ??„Hoffentlich haben die Dementoren deinen Patronus nicht bemerkt.“, sagte Ginny, „die Todesser zumindest schienen bereits zuvor mit ihren Geiseln verschwunden zu sein.“ ??Wieder warteten die beiden Mädchen lange Zeit ab und der Nebel schien sich nun so langsam zu lichten. Plötzlich kamen Lupin und Alastor Moody zum Vorschein, die einen leblosen Körper neben sich herschweben ließen und am Hinterausgang des Festzeltes am Boden ablegten. Nachdem die beiden in das Zelt zurückgekehrt waren, flüsterte Hermine: „Ich fürchte, es hat beim dem Kampf im Zelt mindestens einen Toten gegeben.“ ??„Kannst du erkennen, wer es ist? Hoffentlich ist es nicht jemand aus meiner Familie“, erwiderte Ginny mit tränenerstickter Stimme. ??„Nein, kann ich nicht genau erkennen.“, sagte Hermine. ??Schließlich begannen die Hochzeitsgäste langsam, das Festzelt durch den Haupteingang zu verlassen und in den Garten des Fuchsbaus zu drängen. Sie versammelten sich und wurden offenbar einzeln oder in kleinen Gruppen von Mitarbeitern des Ministeriums und von Auroren verhört. Nach einiger Zeit waren auch einige Heiler aus St. Mungo appariert und kümmerten sich um Verletzte. ??Hermine erkannte auch Hagrid in der Menge und wollte schon hinuntereilen, doch Ginny hielt sie davon ab, um die Situation zuerst weiter aus der sicheren Entfernung zu beobachten, bevor sie über die weiteren Schritte entscheiden würden. ??„Schau mal, da drüben!“, sagte Ginny und deutete auf den Hinterausgang des Festzeltes. „Da ist ein einzelner Zauberer, der sich schon mehrfach umgesehen hat. Ist das nicht wieder Remus Lupin?“ ??„Ja.“, kam es von Hermine im Flüsterton. „ich glaube schon. Der scheint gerade zu versuchen, sich unbemerkt aus dem Staub zu machen, ist das nicht merkwürdig?“ ??„Meinst du nicht, dass er die Verfolgung der Todesser aufnehmen will?“ ??Als die Mädchen nach wenigen Augenblicken wieder zu der Stelle sahen, war Lupin merkwürdigerweise verschwunden. Er musste wohl disappariert sein. ?
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??Es hatte leicht zu regnen begonnen und Luna wehte der nasskalte Wind um die Ohren. Seidenschnabel schien so schnell zu fliegen, wie er konnte und der Flug kam Luna deutlich kraftvoller vor, als bei ihrer Reise mit den Thestralen zwei Jahre zuvor. Als ihr festliches Kleid und ihr Reiseumhang schon völlig durchnässt waren, erblickte sie am Horizont bereits Hogsmeade, dann den verbotenen Wald und schließlich die Umrisse von Hogwarts. ??Seidenschnabel reduzierte ganz langsam die Höhe und das Tempo, als Luna plötzlich erschrak, weil sie auf dem Weg von Hogsmeade nach Hogwarts von oben drei Gestalten mit schwarzen Kapuzen entdeckte. Sie zog Seidenschnabel augenblicklich wieder nach oben, um nicht entdeckt zu werden und landete schließlich erst, als sie hinter Hagrids Hütte wieder außer Sichtweite war. ??Luna band Seidenschnabel hinter Hagrids Hütte fest und legte sich am Rand des verbotenen Waldes auf die Lauer. Es dauerte nicht lange und die drei Zauberer mit den Kapuzen kamen den Weg zum Schloss hinauf. ??Der erste von ihnen hatte seinen Zauberstab erleuchtet und als er sich kurz umschaute, fiel der Lichtschein auf sein Gesicht. Luna erschauderte, denn sie kannte dieses Gesicht. Niemals würde sie diese Hakennase vergessen, es war tatsächlich ihr früherer Lehrer Severus Snape. ??Dass der sich wenige Wochen nach seinem Mord an Albus Dumbledore noch einmal nach Hogwarts wagen würde, das verwunderte und überraschte Luna sehr. Sie konnte sich noch sehr gut daran erinnern, wie Snape sie und Hermine im vergangenen Jahr an seinem ‚Büro ausgetrickst hatte. Noch immer konnte sie es nicht fassen, dass eben dieser Snape nur wenige Augenblicke später das Unfassbare getan haben soll. ??Snape und seine zwei Begleiter stiegen zum Eingangsportal des Schlosses hinauf. Er läutete am Tor und wartete geduldig, während seine beiden Begleiter miteinander sprachen. Der eine von den beiden schien auf etwas wichtiges zu warten, denn er drehte sich immer wieder um und schaute in Lunas Richtung. Aus Angst, entdeckt zu werden, versteckte sich Luna schließlich hinter Hagrids Hütte. ??Als sie noch darüber nachdachte, was das alles zu bedeuten haben könnte, raschelte es plötzlich zwischen den Sträuchern, ganz in ihrer Nähe und als sie sich umdrehte, zuckte sie vor Schreck zusammen, weil sie bemerkte, wer da am Waldrand plötzlich neben ihr stand. ?
Kapitel 28:
Die Offenbarung ??
„Wer könnte das sein?“ ??„Keine Ahnung. Jemand muss uns gefolgt sein und uns beobachtet haben.“ ??„Wer ist so mutig und traut sich so etwas?“ ??„Ich weiß es nicht, aber er wird es sicher bereuen, wenn wir mit ihm fertig sind!“ ??„Könnten es auch mehrere sein?“ ??„Nein, das glaube ich nicht. Das hätten wir sicher bemerkt.“ ??„Aber er könnte Verstärkung holen.“ ??„Das könnte zwar sein, ich halte das aber für unwahrscheinlich, weil wir ihn uns vorher schnappen werden!“ ??„Sollen wir ihn einfach umbringen?“ ??„Nein, erst werden wir ihn uns vorknöpfen und genau befragen.“ ??„Darf ich ihn mir vornehmen? ??„Nein, das mach ich schon selbst, schließlich habe ich hier jetzt das Hausrecht!“ ??„EXPELLIARMUS!“ ??Durch diesen einfachen aber energiegeladenen Zauber wurde sehr viel Laub und Staub aufgewirbelt, so dass zunächst niemand zu sehen war. Dann war da wieder ein leises Rascheln und zwischen zwei großen Blättern erschien mit verängstigter Miene ein kleiner runder gefiederter Kopf mit zwei großen Knopfaugen. ??„Pigwidgeon, ach du bist das!“, lachte Ron erleichtert. „Was führt dich denn zu uns? Ich dachte schon, Harry würde dich umbringen.“ ??„Schau, er hat eine Botschaft am Bein, sicherlich wollen uns Ginny und Hermine daran erinnern, dass man uns bei der Hochzeit nun doch so langsam vermisst. Vielleicht sollten wir uns nun doch auf den Weg zum Fuchsbau machen und später hierher zurückkehren.“ ??Harry öffnete das Schloss und hob das Gitter ein wenig hoch, damit die kleine Eule zu ihnen hereinflattern konnte. Dann gab Ron ihm einen Eulenkeks und entfernte die Pergamentrolle von seiner Pfote. ??„Das ist aber nicht die Schrift von Hermine oder Ginny!“, sagte Ron verwundert und blickte auf das Pergament. ??„Na komm, lies es schon vor!“, sagte Harry ungeduldig. ??
„Lieber Ron, Ginny, Harry & Hermine, ??Wo immer ihr auch stecken mögt, es ist ein guter Ort, um dort noch einige Zeit zu verweilen. Macht es wie ein Einhorn auf der Flucht. ??Bei der Hochzeitsfeier wurdet ihr von allen vermisst und das Fest war auch ganz schön, bis überraschenderweise eine merkwürdige Gästegruppe von Kapuzinern in Begleitung von entlaufenen Patienten auftauchte, um nach dem in der Prophezeiung erwähnten Auserwählten zu suchen. Ab dem Zeitpunkt war die Feier ungenießbar und nichts mehr wie es sein sollte. ??Es war nur noch chaotisch und wenig feierlich und als diese merkwürdigen Gäste einen Totenkopf anbeten wollten, hatte ich keine Lust mehr und bin heimlich gegangen. Ihr könnt mir also glauben, dass ihr da nichts mehr verpassen werdet. ??
Wir sehen uns in H., ??L.L.“ ?
?Ron blickte verdutzt auf. „Verstehst du das?“ ??„Ja.“, sagte Harry. „L.L. passt eigentlich nur auf Luna Lovegood, und ich glaube auch, das könnte ihre Handschrift sein. Offenbar sind Hermine und Ginny nicht mehr rechtzeitig bei der Hochzeit angekommen, sonst wäre die Nachricht nicht auch an sie adressiert worden. Der Rest der Botschaft scheint aber verschlüsselt zu sein.“ ??„Hmm, das mit der Anrede ist mir gar nicht aufgefallen.“ Ron kratzte sich verlegen am Hinterkopf. ??„Was macht ein Einhorn auf der Flucht?“ ??„Keine Ahnung. Es läuft davon, versteckt sich und hofft, dass es unentdeckt bleibt.“ ??„Sehr gut, Ron. Genau das sollen wir also auch tun. Wir sollen uns verstecken und aufpassen, dass uns niemand sieht,“ ??„Ja, und wir sollen an dem Ort verweilen, d.h. bleiben wo wir sind und nicht auf die Idee kommen, noch zur Hochzeit zu gehen. Ich werde meiner Mum nie wieder unter die Augen treten können.“ ??„Abwarten, aber der Rest ist aber sehr schwer. Was sollen das denn bitte für Gäste sein, diese Kapuziner in Begleitung von entlaufenen Patienten? Meinst du, das sind vielleicht entfernte Angehörige von Fleur aus Beauxbaton? Oder sind das wieder solche Hirngespinste von Luna aus dem Klitterer?“ ??„Nein, das glaube ich nicht.“, sagte Harry. „Merkst du nicht, dass sie die Botschaft aus Angst davor, dass sie abgefangen werden könnte, bewusst verschlüsselt hat? Wer könnte eine derart ängstliche und vorsichtige Reaktion auf der Hochzeit ausgelöst haben?“ ??„Haben nicht die Todesser immer Kapuzen getragen?“, fragte Ron vorsichtig. ??„Ja Ron, natürlich. Todesser mit entlaufenen Patienten. Da könnten auch entlaufene Häftlinge aus Askaban gemeint sein, vielleicht will sie uns damit sagen, dass Lucius und Draco Malfoy dabei gewesen sind?“ ??„Ich weiß es nicht, aber da steht, dass sie den Auserwählten gesucht haben und einen Totenkopf anbeten. Ich denke, die haben genau wie Draco in Little Whinging versucht, an dich heran zu kommen, denn der Auserwählte bist nach der Prophezeiung ja wohl du. Und wenn da ein Totenkopf war, haben sie wohl das dunkle Mal heraufbeschworen und vielleicht sogar einen oder mehrere Morde verübt. Um Himmels Willen, meine armen Brüder und meine armen Eltern, hoffentlich geht es allen gut, das hätten sie nun wirklich nicht verdient.“ ??„Stimmt, da könntest du Recht haben. Also du meinst, es gab einen Todesserüberfall bei der Hochzeit, aber noch bevor Ginny und Hermine dort eingetroffen sind, und Luna muss den Todessern entkommen sein, hoffentlich unbemerkt, und sich im Fuchsbau versteckt haben, denn dort war Pigwidgeon.“ ??„Aber sollen wir nicht trotzdem dorthin apparieren und schauen, ob wir nicht irgendwie helfen können?“ ??„Nein, das wäre zu gefährlich. Außerdem suchen sie nach mir und dann würde ich ihnen ja direkt in die Arme laufen. Luna scheint nach Hogwarts unterwegs zu sein, was sonst soll mit „Wir sehen uns in H.“ gemeint sein? Ich frage mich nur, wie sie vom Fuchsbau aus allein dorthin kommen soll? Sie kann doch noch gar nicht apparieren.“ ??„Keine Ahnung. Aber wir müssen trotzdem so schnell wie möglich zum Fuchsbau, denk mal dran, dass da noch der Horcrux versteckt ist! Um Gottes Willen, wenn die Todesser den Fuchsbau durchsuchen und deine Sachen dort finden mit dem Horcrux.“ ??„Irrtum, mein Lieber, du kannst dich beruhigen. Das Medaillon trage ich immer bei mir, bis wir es zerstört haben. Im Fuchsbau ist außer Seidenschnabel und Hedwig nichts von meinen Sachen, um das es mir ernsthaft leid tun würde im Vergleich zu den tollen Sachen, die sich hier im Versteck meiner Eltern befinden.“ ??Harry holte tief Luft. „Außerdem glaube ich, Luna hat noch etwas gut bei uns und wir sollten vorerst wirklich hier bleiben. Außer Dumbledore und meinen Eltern scheint niemand diesen Ort gekannt zu haben, also sollten wir hier sicher sein. Das hier ist mein neues Zuhause, und so lange meine Mission noch nicht erfüllt ist, werde ich mich hier versteckt halten und du sollst der einzige bleiben, der diesen Ort außer mir kennt. Ich hoffe nur, Hermine und Ginny werden den Todessern nicht direkt in die Arme laufen.“ ??„Lass mal.“, sagte Ron beruhigend. „Die beiden können ganz gut auf sich aufpassen. Aber hier sollen wir wirklich bleiben? Und wovon sollen wir uns bitte ernähren?“ Ron verzog das Gesicht und blickte sich um. „Von Käfern? Und von Regenwürmern?“ ??„Ja. Oder von Spinnen!“, sagte Harry und grinste frech. „Aber wenn du möchtest, kannst du auch gerne nach Hogwarts gehen, zum Beginn des neuen Schuljahres nächste Woche.“ ??„Nein, Harry. Die Entscheidung steht. Die Schule kann und muss warten.“ ?
Kapitel 29:
Die Rückkehr des Halbblutprinzen ??
Argus Filch war schon immer ein sehr misstrauischer Mensch gewesen. Er brauchte hin und wieder auch etwas länger als andere, um die Zusammenhänge zu begreifen. Deshalb liebte er es ganz und gar nicht, wenn man ihn vor vollendete Tatsachen stellte. Er wusste immer gern im vorhinein, was auf ihn zukommen wird und welches Verhalten wohl von ihm erwartet wird. Wenn die Schüler im Schloss waren, dann passierten immer unvorhergesehene Dinge. Und das war es, was ihn an seiner Arbeit am meisten störte. Argus Filch hasste unvorhergesehene Ereignisse. Sie würden ihm nur Probleme bereiten und er durfte es nicht zeigen, wenn er sich unsicher war. Diese Rotzgören würden jede Schwäche, die er zeigte, gnadenlos ausnutzen. Deshalb hielt er es für angemessen, alle Schüler, die für diese unerfreulichen Dinge verantwortlich waren, auch ausgiebig bestrafen zu dürfen. Das war ja wohl das Mindeste, was er im Gegenzug erwarten durfte. Professor Dumbledore hatte dies nie zulassen wollen. Voller Wehmut dachte er an die viel zu kurze Amtszeit von Dolores Umbridge als Schulleiterin zurück. Sie schien ihn als einzige verstanden zu haben. ??Im Augenblick aber waren in Hogwarts Ferien. Ferien waren das schönste, was es für Argus Filch gab. Im ganzen Schloss war es ruhig, keine störenden Schüler waren unterwegs. Nur mit Peeves musste er sich hin und wieder herumplagen, doch darin hatte er schon Routine. Doch im Augenblick ließen sich sogar die Geister kaum blicken. ??So ruhig hatte er Hogwarts am liebsten. Endlich konnte er mal all die aufgeschobenen Arbeiten erledigen, zu denen er während des Schuljahres nicht gekommen war. Mrs. Norris konnte sich ebenso frei im Schloss bewegen, ohne dass er befürchten musste, dass sie wieder einmal von irgendwelchen rotzfrechen Gören mit einem Fluch oder Zauber belegt werden würde. Nachdem Dumbledore ermordet worden war, sah es ja zunächst so aus, dass der Schulbetrieb für einige Zeit eingestellt werden würde. Ihm wäre das nur Recht gewesen, dann hätte er Ferien ohne absehbares Ende gehabt. ??Heute war es besonders ruhig im Schloss gewesen, weil auch die Lehrer zum größten Teil nicht zugegen waren. Sie waren zu einer Hochzeit eingeladen und Filch hatte eigentlich an diesem Abend noch nicht wieder mit ihrer Rückkehr gerechnet, denn sie wusste nur, dass sie irgendwo auf einem Quidditchfeld in Zelten übernachten wollten. Umso verwunderter war er, als es am Tor geläutet hatte, offenbar mussten sie ihre Pläne geändert haben. ??Als er die Treppe hinunterstieg, dachte er noch daran, wie sehr er unvorhergesehene Ereignisse hasste und Mrs. Norris schaute so grimmig zu ihm auf, dass Argus sicher war, dass sie wieder einmal - wie so oft - genau seiner Meinung war. ??Argus Filch hielt eine flackernde Petroleumleuchte in der Hand und ging mit leicht gekrümmtem Rücken langsam auf das Eingangstor zu. Er entriegelte es und öffnete es und sagte hinaus in die Dunkelheit: „Guten Abend, Professor. Warum sind sie so früh zurück? Habe ich euch nicht gleich gesagt, dass diese Hochzeit ein Reinfall werden würde?“ ??Argus Filch erschien im Torbogen, und hielt seine Petroleumleuchte etwas höher, um die draußen stehenden Personen besser erkennen zu können. Die Sehkraft seiner Augen hatte in den letzten Jahren ein wenig nachgelassen, auch wenn er das selbst nie zugeben würde. Er bemerkte, dass sich das Fell von Mrs. Norris aufrichtete und kniff die Augen zusammen, um genau erkennen zu können, wer dort vor dem Tor stand. ??Filch erstarrte und sein Gesichtsausdruck versteinerte sich augenblicklich bei dem unerwarteten Anblick, der sich im bot. „Ihr?“, fragte er voller Entsetzen. ??Das Scheppern, das seine Petroleumlampe verursachte, als sie zu Boden gefallen war, nahm er schon nicht mehr war, ebenso wie den dumpfen Aufprall seines Körpers auf dem Boden. Sehen konnte er nach diesem hellen Blitz sowieso nichts mehr. Von Mrs. Norris war noch ein Fauchen und Kreischen zu hören, doch dann war es plötzlich absolut still im Schloss. ??„Kommt herein, beeilt euch!“, zischte eine Stimme, „wir müssen das Tor schließen, bevor uns noch jemand bemerkt.“ ??„Moment.“, sagte einer von Snapes Begleitern und drehte sich um und rief etwas in einer fremden Sprache in die Dunkelheit. Daraufhin kam aus dem verbotenen Wald eine riesige Schlange aus dem Wald gekrochen und folgte den drei Zauberern in die Eingangshalle von Hogwarts. ??„Was machen wir jetzt mit Filch?“, wollte Wurmschwanz wissen. Er hat uns doch erkannt. Sollen wir ihn nicht gleich endgültig erledigen? Den konnte ich nämlich noch nie leiden!“ ??„Sei nicht töricht, Wurmschwanz. Hier beginnt nächste Woche das neue Schuljahr. Meinst du nicht, man würde den Hausmeister da vermissen?“, sagte der dunkle Lord leise. „Severus, verändere du sein Gedächtnis, damit er nichts mehr von unserer Gegenwart weiß. Nagini, Wurmschwanz und ich werden dich in unserem Versteck erwarten!“ Voldemort blickte sich um und holte tief Luft. „Ich bin lange nicht hier gewesen, doch das Warten hat sich gelohnt. Endlich wird nun die Zeit kommen, wo die Kammer des Schreckens ihrem Namen wieder gerecht werden wird.“ Voldemort lachte leise und ging die Treppe nach oben, gefolgt von Wurmschwanz und der Riesenschlange Nagini. ??Snape murmelte Filch zugewandt mit seinem Zauberstab in der Hand gelangweilt ein paar Zauberformeln. Daraufhin schwebten Filch und Mrs. Norris kurz in der Luft und glitten dann den Flur entlang in Filchs Büro. Snape verschloss die Tür leise, blickte sich noch einmal um und als niemand zu sehen war, folgte er Wurmschwanz und dem dunklen Lord nach oben in den zweiten Stock zum Eingang in die Kammer des Schreckens. ??
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???„Habt Ihr gesehen, was da gerade aus dem Wald gekommen und im Schloss verschwunden ist?“, fragte eine Stimme, die Luna kannte. ??Vor ihr stand Firenze, der Zentaur, der seit dem vergangenen Jahr von seiner Herde getrennt lebte und in Hogwarts unter Albus Dumbledore als Ersatz für Professor Trelawney das Fach Wahrsagen unterrichtet hatte. ??„Oh, ihr seid es, Professor Firenze. Haben sie mich aber erschreckt.“ Luna blickte wieder hinaus zum Schloss. „Nein,.“, sagte sie, „ich habe nichts sehen können, ich musste mich doch hinter Hagrids Hütte verstecken.“ ??„Nun, ich will sie ja nicht beunruhigen, Fräulein,“ fuhr Firenze fort, „aber nun ist mir klar, welches Unheil die Sterne seit Wochen angekündigt haben. Wenn die Schüler demnächst hierher zurückkehren, dann wird es wohl zur Katastrophe kommen.“ ??„Ja.“, sagte Luna, „Ich habe Professor Snape erkannt, der führt bestimmt nichts Gutes im Schilde. Egal was er vorhat, wir müssen das unbedingt verhindern.“ ??Firenze schwieg. ??„Aber wie können wir das nur anstellen?“, Luna wirkte verzweifelt und ratlos. „Ich bin soeben von einer großen Hochzeitsfeier geflohen, weil es auch dort heute schon einen Überfall der Todesser gegeben hat.“ ??„Ist das die Hochzeitsfeier, an der auch die Schulleiterin und die Professoren Slughorn und Hagrid teilgenommen haben?“ Firenze strahlte plötzlich gar nicht mehr die gleiche Ruhe aus wie zuvor. Im Gegenteil, er wirkte mit einem Mal äußerst beunruhigt. „Todesser sagt ihr? Seid ihr wirklich sicher? Wie viele waren es? Gab es Opfer?“ ??„Ich kann nicht genau sagen, wie viele, da ich ziemlich hastig geflohen bin. Auch über die Zahl der Opfer weiß ich nichts. Hagrid hat mich mit dem Hippogreif Seidenschnabel hierher geschickt und gebeten, in seiner Hütte auf ihn zu warten.“ ??„Da sie hier bereits von der nächsten Gefahr erwartet wurden, rate ich ihnen dringend davon ab, sich nun in Hagrids Hütte aufzuhalten, Miss Lovegood.“ ??Luna blickte Firenze überrascht an. „Aber ich glaube nicht, dass Snape nach mir in der Hütte suchen wird.“ ??„Snape ist das geringste Problem, fürchte ich. Dafür aber umso mehr seine Begleiter. Ich bin mir sicher, dass zumindest der Schlange unsere Anwesenheit hier nicht entgangen ist und dass man zu gegebener Zeit nach uns suchen wird. Außerdem müssen wir damit rechnen, dass hier in Kürze noch mehr Todesser eintreffen werden und auch da wären sie in der Hütte des Wildhüters alles andere als sicher.“ ??Luna erstarrte. Meinte Firenze etwa wirklich, dass der dunkle Lord persönlich nach Hogwarts gekommen war? ??„Ja, das meine ich, Miss Lovegood. Es war offensichtlich. Die Riesenschlange, die ihm eben in das Schloss gefolgt ist, sie heißt Nagini und ist äußerst gefährlich. Kommen sie jetzt mit mir in den Wald, ich kenne dort ein Versteck, wo ich sie vorerst sicher verstecken kann. Hier in der Hütte werden sie für Nagini heute Abend womöglich noch als Zwischenmahlzeit enden.“ ??„Also gut, Professor Firenze, ich begleite sie, aber nur, wenn ich Seidenschnabel mitnehmen darf. Wenn man ihn hier allein vorfindet, dann wird man nur noch mehr nach mir suchen. Und zur Not kann ich mit ihm vielleicht leichter fliehen.“ ??„Gut, Miss Lovegood, holt ihn, aber beeilt euch. Es wird Zeit, dass wir hier verschwinden.“ ?
Kapitel 30:
Die zweite Erinnerung ??
Als Ron und Harry zurück in das Versteck der Geheimniswahrer gingen, schwiegen beide. Zu viele Gedanken zu der plötzlichen Nachricht von dem Überfall der Todesser auf die Hochzeit schossen ihnen durch den Kopf. Als Harry mit seinem Zauberstab die Holztür öffnete, hielt Ron lieber etwas Sicherheitsabstand, denn die Schmerzen an seinem Rücken waren von seiner letzten unfreiwilligen Landung noch gut zu spüren. Nachdem die Buchstaben in der Tür verschwunden waren, schwang die große, schwere Holztür wieder auf. Ron und Harry schlüpften hinein und verschlossen sie hinter sich. „Nun lass uns mal sehen, was mir meine Eltern so alles hinterlassen haben.“, sagte Harry erwartungsvoll. ??„Glaubst du, wir finden hier noch mehr Erinnerungen?“, fragte Ron ihn erwartungsvoll. „Vielleicht sogar welche, in denen deine Eltern vorkommen?“ ??Harry zuckte mit den Schultern und spürte ein merkwürdiges Ziehen im Bauch bei diesem Gedanken. Wenn er ehrlich zu sich war, musste er zugeben, dass er insgeheim darauf hoffte. Ein komisches Gefühl war das, mit seinen Eltern in deren Gedanken möglicherweise in einem und demselben Raum zu sein und Situationen aus deren Leben mitzuerleben. Er konnte sich noch sehr gut an seine Empfindungen in dem Moment erinnern, als er in Snape’s Erinnerung seinem Vater begegnet war. Das Verhalten seines Vaters hatte ihn damals ein wenig verunsichert. „Ich hoffe es.“, gab er schließlich zu. ??„Lumos“, sagte Ron und schaute sich in dem nun erhellten Raum vorsichtig um. Er sah sich die Bücher in den Regalen aufmerksam an. Harry erhellte seinen Zauberstab ebenfalls und ging auf einen der Schränke zu, um dort ein Foto zu betrachten, auf dem vier junge Menschen in Hogwarts-Uniformen abgebildet waren. Sie mussten in dem gleichen Alter sein, wie Harry jetzt war und winkten freudig in die Kamera. ??Harry musste sofort wieder an die Erinnerung von Snape denken und erkannte nun seinen Vater James und dessen Freunde Sirius, dahinter Peter Pettigrew und Remus Lupin. Wieder hatte Harry bei diesem Anblick Tränen in den Augen. ??„Wow, schau mal hier...“, rief Ron plötzlich und Harry fuhr augenblicklich herum. Ron stand vor einem geöffneten Schrank, der voll mit kleinen Fläschchen mit silbernem Inhalt war. „Meinst du, das sind alles Erinnerungen?“ ??„Ich denke schon. Sie sind mit kleinen Zetteln beschriftet. Das scheint die Erinnerungssammlung meiner Eltern zu sein.“ gab Harry zu bedenken. „Aber da fällt mir ein, dass wir uns die zweite Flasche noch ansehen müssen, die hier auf dem Denkarium stand.“ ??„Ja, richtig. An die habe ich gar nicht mehr gedacht. Aber wie bekommen wir die andere Erinnerung wieder in die Flasche?“ Ron blickte Harry fragend und ein wenig hilflos an. ??„Ich habe einmal gesehen, wie Dumbledore eine Erinnerung mit seinem Zauberstab eingefangen hat. Lass es mich mal versuchen.“ Harry zückte seinen Zauberstab und berührte damit die silbrig schimmernde Flüssigkeit. Sofort begann die Flüssigkeit an der Spitze seines Zauberstabes haften zu bleiben und Harry bewegte sie langsam auf die leere Flasche zu. Dann tippte er mit seinem Zauberstab leicht gegen den Flaschenhals und tatsächlich verschwand die Erinnerung wieder darin. ??„Gut gemacht.“, sagte Ron. „Dann lass uns jetzt die andere Erinnerung anschauen.“ Harry nickte zustimmend und verschloss noch die kleinere Flasche. Anschließend nahm er die größere Flasche in die Hand, öffnete sie und gab den Inhalt in das Denkarium. Erwartungsvoll blickte er zu Ron hinüber. „Wieder bei drei?“ ??„Nein, lass uns nacheinander hineingleiten, ich weiß ja jetzt, wie es geht und was mich ungefähr erwartet. Solange das nicht eine Erinnerung an Aragogs letzten Geburtstag ist.“ Ron verzog sein Gesicht zu einer Grimasse. Harry musste lachen und ging voran in das Denkarium und tauchte kopfüber in die silbrige Flüssigkeit ein. Ron wartete, bis Harry vollständig verschwunden war und folgte ihm dann. ??„Huch“, sagte Ron, „diesmal hat es wohl nicht funktioniert. Genau da, wo ich eben gestanden habe, sitze ich nun. - Neben dem Denkarium.“ Harry saß einen Meter neben Ron und blickte scheinbar durch Ron hindurch. „Wir sind nicht allein, Ron“, sagte er und zeigte an ihm vorbei auf etwas. ??„Was..?“ Ron drehte sich um und sah, dass hinter ihm in einem gemütlichen Schaukelstuhl Albus Dumbledore saß und vergnügt lächelte. ??
„Lieber Harry“ , sagte er plötzlich. ??
„Ich hoffe doch sehr, dass dich diese Botschaft erreicht und ich muss sagen, dass es mich doch sehr überraschen würde, wenn es dir nicht gelänge, diese Erinnerung zu finden. Ich will dir den Raum, in dem wir uns gerade befinden näher erklären und hoffe, dass du ihn nicht schon auf eigene Faust erforscht hast.“ ??Dumbledore schmunzelte. ??„Dies war einige Jahre das Versteck und der einzige sichere Zufluchtsort für deine Eltern. Hier haben sie ihre wertvollsten und nützlichsten Gegenstände verwahrt und auch einige Erinnerungen aus ihrem Leben wirst du hier finden. Ich habe sie damals überredet, sicherheitshalber wichtige Teile ihres Gedächtnisses hier zu deponieren, damit für den Notfall die Erinnerungen und Beweise nicht verloren gehen.“ ??Dumbledore holte tief Luft und stand auf. Ron blickte wieder zu Harry und begriff, dass dies eine Erinnerung aus genau demselben Raum war, in dem das Denkarium stand, nur, dass Dumbledore auch da war, weil er die Erinnerung offenbar hier gespeichert hat. ??Dumbledore stand nun genau vor dem Schrank, in dem Ron grade die vielen Flaschen gefunden hatte und öffnete die Schranktür langsam. ??„Hier findest du eine Sammlung der Gedanken deines Vaters und deiner Mutter. Ich bin in den letzten Jahren während deiner Schulzeit häufig für einige Tage nicht in Hogwarts gewesen, falls du dich erinnerst, Harry. Oft habe ich dann hier nach dem Rechten gesehen und dabei an deine Eltern, die ohne Frage zwei der liebenswürdigsten Menschen waren, die mir in meinem langen Leben begegnet sind, zurückgedacht. Ich denke, du bist nun alt genug Harry, um diese Erinnerungen selbst sehen zu können. Als du noch jünger warst, habe ich dir davon nichts erzählt, weil ich denke, dass du viele Dinge noch nicht hättest begreifen können und vielleicht gar nicht oder falsch verstanden hättest. Wie du ja weißt, waren deine Eltern beide in Hogwarts und auch nach ihrer Schulzeit im Beruf sehr erfolgreich. ??Deine Mutter Lily Potter war eine begnadete Expertin für Zaubertränke und übertraf darin häufig deinen ebenso sehr begabten Zaubertränkelehrer Severus Snape. Vielleicht hat er dich deshalb hin und wieder ungerecht behandelt, was mir natürlich nicht entgangen ist. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen, dass ich damals nicht eingeschritten bin, um dir eine möglichst unaufgeregte und sichere Kindheit zu verschaffen. ??Wenn meine Pläne nicht fehlgeschlagen sind, dann wirst du inzwischen Horace Slughorn kennengelernt haben und von ihm auch einiges über dieses Talent deiner Mutter erfahren haben. Nach ihrem Abschluss war Lily für ein paar Jahre im Ausland und hat in verschiedenen Teilen der Welt sehr viel dazugelernt. Als sie wiederkam, war sie eine anerkannte Mischerin von Heiltränken und Gegengiften. Ihr gelangen Tränke, die kaum ein anderer Zauberer so hinbekommen hätte. Sie hätte überall eine große Karriere machen können, doch sie entschied sich dafür, in der Nähe von Godric’s Hollow in einer kleinen Muggelapotheke zu arbeiten und den einfachen Menschen mit einfachen Heiltränken das Leben zu erleichtern. ??Dem Ministerium war das alles andere als Recht, wandelte Lily doch ständig am Rande der Legalität. Die Erfolge ihrer Heiltränke erlangten in der nichtmagischen Welt schnell eine gewisse Bekanntheit, zumal sich die medizinischen Labors gewisse heilende Wirkungen ihrer Arzneien nicht erklären konnten.“ ??Wieder musste Dumbledore schmunzeln. ??„Die Muggel ahnten natürlich nicht, dass die Medikamente, die sie in dieser Apotheke kaufen konnten, in Wirklichkeit magische Kräfte hatten und ihnen deshalb so gut halfen. Lily hatte ständig neue Pläne und wollte sogar Tränke gegen unter Muggeln als unheilbar geltende Krankheiten verkaufen. Da musste ich sie hin und wieder ein wenig bremsen, denn der Wirbel, den diese zweifellos lobenswerte Initiative in der magischen und nichtmagischen Welt verursacht hätte, wäre wohl nur schwer zu kontrollieren gewesen. ??Manch einer sagte später, Lily hätte aus ihrer Begabung zu wenig gemacht. Ich teile diese Ansicht nicht. Sie hat ihre Begabung für eine gute Sache eingesetzt und das ist doch großartig.“ ??„Wow, deine Mum war ja eine richtige Wohltäterin.“, sagte Ron zu Harry. ??Dumbledore wandte sich nun dem geöffneten Schrank zu. ??„Die obersten zwei Reihen von Flaschen sind Originalerinnerungen von deiner Mutter aus der Schulzeit, von ihren Reisen und von der Hochzeit mit James. In den beiden mittleren Reihen stehen Erinnerungen, die von mir stammen und meine Begegnungen mit deinen Eltern betreffen. In der unteren Reihe ganz rechts erwartet dich ein Fläschchen, das du dir erst anschauen solltest, wenn du dich wirklich dazu bereit fühlst. Die Erinnerung stammt von Hagrid und zwar von dem Tag, an dem deine Eltern von Voldemort ermordet wurden. Sie zeigen das zerstörte Haus deiner Eltern nach dem Mordanschlag durch Voldemort und auch du bist darin als Baby zu sehen, schließlich hat Hagrid dich ja auf Sirius Motorrad in Sicherheit gebracht. Ich habe sie mir zuletzt angeschaut, nachdem du in deinem vierten Schuljahr das trimagische Turnier gewonnen hast und mir von dem Priori Incantatem – Phänomen berichtet hast. Auch mir ist das sehr nahe gegangen, obwohl mich so schnell nichts aus der Fassung bringt. ??Hier unten findest du noch zwei Reihen mit Erinnerungen deines Vaters. Auch er hatte einen sehr interessanten Beruf. Er arbeitete für die internationale Zauberervereinigung als Auror und führender Experte für Animagi in ganz Großbritannien. Wie du ja weißt, hat er auf diesem Gebiet ja schon zu seiner Schulzeit reichlich praktische Erfahrungen gesammelt. ??In diesen Erinnerungen wirst du auch einiges über deine Familie erfahren, und vielleicht tauchen das eine oder andere Mal sogar deine Großeltern darin auf. Aber ich denke, du wirst in den Erinnerungen leider nicht viel Neues über Voldemorts Geheimnisse lernen. Daher will ich dich ermahnen, bei aller durchaus verständlichen Neugier nun nicht zu viel Zeit mit den Zeugnissen von deiner Vergangenheit zu verbringen. Deine Aufgabe, die übrigen Horcruxe zu finden und zu zerstören ist nach wie vor von allergrößter Wichtigkeit und sollte auch für dich absolute Priorität haben. Bedenke immer, dass sonst der Tod von mir, von Sirius, Cedric und von deinen Eltern sinnlos gewesen wäre und auch dein eigenes Leben davon abhängt.“ ??Die Umrisse des Raumes verschwammen plötzlich und Ron und Harry blickten sich an. Dumbledore war verschwunden, die Erinnerung war offenbar vorüber. ??In Harrys Blick lag noch eine leichte Enttäuschung über Dumbledores letzten Satz. Ron bemerkte, dass diese letzte Bitte Harry sehr schwer fallen würde, stand auf und klopfte Harry aufmunternd auf die Schulter. ??„Phantastische Eltern hast du gehabt, ein Jammer, dass wir beide sie nie richtig kennen lernen konnten.“ ??Harry umarmte Ron kurz und sagte nur: „Danke Ron, es ist gut, dass du jetzt hier bei mir bist.“
Kapitel 31:
Nach der Hochzeit ??
„Und? Sind sie noch in der Nähe?“, fragte Horace Slughorn neugierig, als Alastor Moody zur Menge im Garten des Fuchsbaus zurückkehrte. ??„Ich denke nein.“, entgegnete Moody „aber wir müssen wohl damit rechnen, dass sie den Fuchsbau beschatten werden, um an Harry oder die restlichen Weasley-Kinder heranzukommen.“ ??„Ein Glück, dass Harry Potter, Ronald und Ginny Weasley sowie Hermine Granger heute nicht hier gewesen sind.“, sagte Minerva McGonagall. „Alle anderen bis auf Mr. Potter werden ja in wenigen Tagen in Hogwarts zum Beginn des neuen Schuljahres erwartet.“ ??„Mr. Potter etwa nicht?“, fragte Slughorn überrascht. ??Nein, Harry Potter hat mir mitgeteilt, dass er die Schule in einem späteren Jahrgang abschließen will und eine Auszeit von Hogwarts nehmen wird. Erst war ich ja dagegen, aber wahrscheinlich ist das jetzt ganz gut so.“ ??Mad-Eye Moody und Slughorn nickten. ??„Wenn wir den Jungen und seine Freunde doch nur besser schützen könnten.“, sagte Moody nach einer kurzen Pause. „Nicht genug, dass Voldemort und die Todesser hinter ihm her sind, jetzt jagt ihn wohl bald auch noch das Ministerium und ein ganzer Haufen von Kopfgeldjägern.“ ??„Sehen sie mal!“ unterbrach ihn Hagrid plötzlich und zeigte in die andere Richtung: „Da oben am Waldrand! Da kommen zwei Mädchen auf den Fuchsbau zu. Wenn mich nicht alles täuscht, dann sind das doch Hermine und Ginny! ??Horace Slughorn und Minerva McGonagall drehten sich um und folgten Hagrids Blick. „Tatsächlich“, sagte die Schulleiterin, „aber Mr. Potter ist bei ihnen nicht zu sehen. Kommen sie! Wir müssen mit den beiden rasch im Haus verschwinden, bevor ihre Ankunft hier noch für großes Aufsehen sorgt.“ Sie ging mit entschlossenem Schritt auf Ginny und Hermine zu, gefolgt von Hagrid, Moody und Professor Slughorn. ??„Miss Weasley und Miss Granger, warten sie! Lassen sie uns rasch hineingehen, hier draußen müssen nicht alle auf sie aufmerksam werden.“ ??„Oh, Professor“, stieß Ginny hervor. „wo sind meine Eltern, sie erwarten uns sicher und sorgen sich, aber ich kann sie nirgends entdecken?“ ??„Nicht hier draußen. Kommen sie mit hinein, ich werde ihnen alles erklären, wenn wir ungestört sind.“ ??„Hagrid!“ rief Hermine, „Schön dich wiederzusehen, ich habe dich vermisst.“ Hermine und der Halbriese umarmten sich. „Was ist denn hier nur passiert? Wir haben vorhin das dunkle Mal über dem Fuchsbau gesehen.“ ??„Genug. Wenn sie beide nicht umgehend still sind und mit uns hineingehen, dann werde ich sie mit einem Stummhalte - Zauber belegen müssen!“ ??Ginny und Hermine erkannten am Ton ihrer früheren Hauslehrerin, dass es ihr äußerst Ernst damit war. Wie oft war ihnen diese Tonlage in den vergangenen Jahren in Hogwarts als letzte Warnung vor der Verhängung von Strafarbeiten oder Punktabzügen für ihr Haus begegnet? Ohne ein weiteres Wort gingen sie dehalb mit den drei Lehrern und Alastor Moody hinein in den Fuchsbau. ??Ginny ahnte, dass etwas Schlimmes passiert sein musste. Ängstlich blickte sie Hagrid an und flüsterte: „Hagrid, meine Eltern, sie sind doch nicht etwa?“ Sie schluckte und traute sich nicht weiterzusprechen. ??„Nein, Ginny. Deine Eltern leben. Bis jetzt zumindest.“ ??„Lüg mich nicht an, hörst du?“, sagte Ginny schluchzend. „Wir haben gesehen, wie ein lebloser Körper aus dem Zelt getragen wurde.“ ??„Richtig, Ginny. Es hat ein Todesopfer gegeben. Das war aber kein Mitglied der Familie Weasley, sondern der Familie Longbottom.“, sagte McGonagall trocken. ??„Neville?“, keuchte Hermine. Ihr blieb vor Schreck fast das Herz stehen. ??„Nein, nein! Nicht Neville. Seine Mutter.“, stellte Hagrid richtig. „Die Todesser müssen sie, Mr. Lockhart und Nevilles Vater und seine Großmutter im St. Mungo entführt haben. Dann haben sie sie unter den Imperiusfluch gesetzt, um auf der Hochzeit ordentlich Unruhe zu stiften.. Alice Longbottom ist gestorben, um ihren Mann vor dem Tode zu bewahren.“ ??„Frank Longbottom konnte am Ende sogar fliehen.“, ergänzte Professor Slughorn. „Aber deine Eltern befinden sich genau wie deine drei Brüder und Fleur Delacour in der Gewalt der Todesser.“, sagte Professor Slughorn mit ernster Miene. ??„Sie wurden entführt?“, fragte Hermine. „Aber warum?“ ??Minerva McGonagall blickte Hermine an und in ihrem Blick lag eine große Portion Traurigkeit und Resignation. Man spürte, dass die Botschaft, die sie nun überbringen musste, ihr sehr nahe ging. „Sie verlangen, dass wir ihnen im Austausch für die Geiseln Mr. Potter ausliefern.“ ??„Nein!“, stieß Ginny empört hervor. ??„Das Schlimme daran ist, dass die Vertreter des Zaubereiministeriums bereits Maßnahmen eingeleitet haben, um nach Harry zu suchen. Offenbar sind sie fest entschlossen, ihn zu fassen und dann den Todessern auszuliefern.“, erklärte Slughorn. ??„Ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis sie ein Kopfgeld auf Harrys Ergreifung aussetzen werden.“, ergänzte Hagrid. ??„Das wäre Wahnsinn, das darf der Phönixorden nicht zulassen!“ Hermines Stimme zitterte. „Wir müssen die Geiseln befreien, bevor sie Harry und Ron finden. Und vor allem müssen wir Harry und Ron warnen und sie von Mitgliedern des Ordens beschützen lassen!“ ??„Richtig. Und nicht nur Mr. Potter und Mr. Weasley, sondern auch sie beide.“, sagte McGonagall, „Haben sie eine Ahnung, wo die beiden stecken könnten und warum sie nicht zur Hochzeit erschienen sind?“ Zu Ginny gewandt ergänzte sie: „Man hat ihrer Mutter vorhin deutlich anmerken können, dass ihre Abwesenheit für sie mehr als unerwartet kam und sie sich offenbar große Sorgen gemacht hat.“ ??„Nun ja“, sagte Ginny und blickte Hermine fragend an. ??„Wir wissen nicht genau, wo Ron und Harry jetzt sind.“, sagte Hermine schnell. „Wir wollten zur Hochzeit zurückkehren und haben uns deshalb getrennt. Harry und Ron haben in Godric’s Hollow noch etwas gesucht und wollten dann später zur Hochzeit nachkommen.“ ??„Um Himmels Willen. Das muss verhindert werden.“, sagte McGonagall. ??„Ähm, ich glaub, das haben Miss Lovegood und ich bereits in die Wege geleitet.“, sagte Hagrid, „Luna hatte es geschafft, unbemerkt aus dem Zelt zu fliehen und ich hab sie dann mit Seidenschnabel nach Hogwarts geschickt. Vorher wollte sie jedoch einen Brief an Harry und Ron schreiben und mit Rons Eule losschicken.“ ??„Eine Eule?“, mischte sich Slughorn ein und blickte Hagrid eindringlich an, „willst du damit sagen, Harrys Leben hängt im Augenblick davon ab, ob jemand diese Eule abgefangen hat oder nicht?“ ??„Keine Sorge, Mr. Slughorn“, beruhigte Ginny ihn. „Pigwidgeon ist zwar eine sehr kleine Eule, aber äußerst pfiffig, clever und zuverlässig. Die lässt sich von Niemandem so schnell abfangen und sie findet Ron, wo immer er auch stecken mag.“ Hagrid musste bei Ginnys Worten schmunzeln, doch Slughorn schien nach wie vor wenig überzeugt davon zu sein. ??„Wie dem auch sei“, sagte Minerva McGonagall, „wir müssen nun erst einmal ihrer beider Sicherheit garantieren. Da sie hier nicht bleiben können und das neue Schuljahr ohnehin in wenigen Tagen beginnen wird, schlage ich vor, dass sie uns noch heute nach Hogwarts begleiten werden. Miss Lovegood ist ja offenbar ohnehin schon dorthin unterwegs oder erwartet uns schon im Schloss.“ ??Ginny und Hermine blickten sich fragend an und wussten, dass sie nun ein Problem hatten. Eigentlich wollten sie ja Harry beistehen und nicht zum neuen Schuljahr nach Hogwarts zurückkehren, nur hatten sie dies der neuen Schulleiterin noch nicht mitgeteilt, Da dieser Augenblick für ausgiebige Diskussionen aber äußerst ungeeignet war, nicke Hermine zaghaft und sagte zur Professorin: „Einverstanden. Dann müssen wir aber zuvor noch nach oben in unser Zimmer, um unsere Sachen zu holen.“ ??„Ich werde die Sachen von Ron auch gleich mitnehmen, die von Harry lasse ich am besten hier.“ ??„Gut. In Hogwarts können wir sie schließlich am allerbesten schützen.“, ergänzte Minerva McGonagall. ??„Nein, das glaube ich nicht.“, widersprach ihr Hermine energisch. „Nicht einmal Dumbledore war in Hogwarts zuletzt noch sicher, wie sollten wir es dann sein?“ ??Die Schulleiterin legte ihre Stirn in Falten. Ihr besorgter Blick sprach Bände. Niemand konnte die Sicherheit ihrer Schüler in Hogwarts noch wirklich garantieren und das machte ihr selbst am meisten Sorgen. Wie viele Nächte hatte sie wach gelegen und darüber nachgedacht, ob es richtig war, die Schule zum kommenden Schuljahr wieder zu öffnen. Sie wusste, dass Dumbledore es so gewollt hätte, aber um welchen Preis? ??„Also gut.“, sagte sie schließlich. „Holen sie nun bitte ihre Sachen und sein sie bitte in 15 Minuten fertig zur Abreise nach Hogwarts, draußen vor der Haustür.“ ??Hermine und Ginny nickten und eilten die Treppe hinauf und um eilig ihre Sachen zusammen zu packen. Weil die Luft in ihrem Zimmer sehr schlecht war (Krummbein zeigte bisweilen schlechte Manieren) öffnete Hermine zuerst alle Fenster. Einige Minuten lang packten sie hektisch alle Schulsachen in ihre Koffer, als plötzlich ein Patronus in Form eines ausländischen Drachens in das Zimmer schoss und zu husten begann. Dabei entwichen aus seinem Maul kleinere Rauchwölkchen. ??„Meine Güte, wer ist denn das?“, fragte Ginny, „Ein Drache? Nicht dass er sich verschluckt. Ein Feuer hier im Fuchsbau können wir jetzt wirklich nicht gebrauchen.“, sagte Ginny. ??„Das muss ein Patronus sein!“, rief Hermine. ??Nachdem der Drache sich beruhigt hatte, fing er leise aber sehr deutlich zu sprechen an: „Liebe Herrminne! Habe euren Hilferuf erhalten. Kann drei Tagen nachdem ihr diese Botschaft erhalten habt in Hogwarts sein. Bringe meine zwei besten Kollegen mit. Haltet durch!“ ??Mit den letzten Worten hatte Victor Krum’s Patronus nochmals eine beachtliche Rauchwolke ausgestoßen und sich darin anschließend zu einem hellen Nebel aufgelöst. Erleichtert atmete Hermine auf. „Dann werde ich in Hogsmeade gleich drei Zimmer im Eberkopf reservieren lassen. Auf Victor ist scheinbar tatsächlich Verlass. Das werde ich ihm sicher niemaks vergessen!“ ??Von unten hörten sie Hagrid die Treppe hinauf rufen: „Hermine! Ginny! Beeilt euch, die Viertelstunde ist schon um und wir müssen nun wirklich los!“ ??„Wir kommen gleich!“, riefen Hermine und Ginny im Chor sahen einander an und mussten im gleichen Augenblick beide lachen. ?
Kapitel 32:
Bei Nacht und Nebel ??
Remus Lupin lief allein durch eine weite Moorlandschaft. Er war froh, dass es keine Vollmondnacht war, denn er hatte keinen Trank dabei, der ihn vor einer Verwandlung in einen Werwolf geschützt hätte. Es waren sicher noch ein oder zwei Stunden bis zum Morgengrauen und er überlegte, ob er noch eine längere Rast einlegen sollte, um am nächsten Tag ausgeruht besser voranzukommen. Er wusste, dass er eine längere Suche vor sich haben würde, denn er kannte den genauen Aufenthaltsort der Person, die er suchte nicht. Ihm war klar, dass derjenige nicht dauerhaft an einem Ort geblieben sein konnte, sondern in regelmäßigen Abständen nach einer neuen Bleibe suchte. Das letzte Mal hatte er diese Person gemeinsam mit Sirius besucht. Sirius und er hatten ihn immer scherzhaft „den Wanderer“ genannt, um seinen wahren Namen nicht offen aussprechen zu müssen. Damals ging es ihnen ja darum, ihn möglichst geschickt versteckt zu halten, weil er in großer Gefahr geschwebt hatte. Er wusste nicht einmal, ob der Wanderer heute überhaupt noch lebte. Vom Alter her war das wohl wahrscheinlich, falls ihm nichts zugestoßen ist. ??Nach dem Sturz von Voldemort hatte Remus eigentlich damit gerechnet, dass das Versteckspiel nicht mehr nötig sein würde. Durch Sirius Verhaftung hat Remus die Sache dann aber aus den Augen verloren. Er hatte keine Ahnung, ob und wie man so lange allein und zurückgezogen überleben konnte. Der Orden hatte dem Wanderer damals über Mittelsmänner seine Hilfe angeboten, aber er hatte sie abgelehnt. Seit bekannt war, dass die Todesser im Orden mindestens einen Spion hatten, wollte er nicht, dass irgendjemand davon wusste, dass er überhaupt noch am Leben war. Deshalb haben Remus und Sirius ihm dann mit Hilfe von Dumbledore beim Untertauchen geholfen. Und es schien tatsächlich funktioniert zu haben, denn Remus und Sirius haben nie wieder etwas von ihm gehört. ??Als Harry Remus aber vor ein paar Tagen von den Horcruxen erzählt hatte, da wusste Remus, dass es nur einen geben konnte, der hier weiterhelfen konnte und das war der Wanderer. ??Lupin lief immer weiter durch die Moorlandschaft und trat mit seinem Fuß hin und wieder neben den Weg in den Morast. Ein dichter Frühnebel lag über der Landschaft und er konnte den Wegverlauf vor ihm schon kaum noch erkennen. Er vermutete, dass die Dementoren wieder einmal Nachkommen ausbrüteten, möglicherweise sogar auf Anweisung von Voldemort. Remus hatte sonst keine Angst vor den Dementoren, aber seit er von Sirius erfahren hatte, wie es in Askaban wirklich zugegangen war stand er ihnen durchaus misstrauisch gegenüber. Seine schlimmsten Befürchtungen hatten sich ja heute im Fuchsbau bestätigt und nun, da er in diesem verlassenen Moorgebiet allein unterwegs war, konnte es ihm leicht passieren, dass er mit einem Mal einer Übermacht von Dementoren allein gegenüberstehen würde. Und dann würde ihm sein bester Patronus nicht helfen. ??Allerdings gab es für ihn keinen anderen Weg, er musste durch dieses verfluchte Moor hindurch, um in diesen verlassenen Gebirgszug zu kommen, in dem er den Wanderer vermutete. Ab dem Eingang des Moores ist das Apparieren nicht möglich, deshalb gab es viele Sagen und Geschichten über Schätze, die hier im Moor und in den dahinter liegenden Bergen angeblich versteckt sein sollten. Remus glaubte nicht an diese Geschichten, er wusste aber, dass sich diese Landschaft in der Tat vortrefflich als Versteck eignete. Nicht umsonst nutzten die Dementoren dieses Moor bevorzugt als Brutstätte, dachte er bei sich. ??Dieser Gefahr war er sich von Anfang an bewusst gewesen, aber für Harry musste er sie einfach auf sich nehmen. Aber noch etwas bereitete ihm zunehmend Sorgen. Seit dem Zugang zum Moor hatte er irgendwie das Gefühl, dass ihm jemand folgte. Remus konnte das nicht mit irgendeiner konkreten Beobachtung belegen, er vertraute nur auf das Gefühl, das ihm sein Instinkt vermittelte, denn der hatte ihn noch nie getäuscht. Dies war einer der wenigen Vorteile, den das Dasein als Werwolf für Remus mit sich gebracht hatte. Er schien von Zeit zu Zeit andere Personen in seiner Nähe zu wittern und konnte so manche Gefahrenquelle vor allen anderen erkennen. ??Was seinen Verfolger anging, so war er sich noch nicht ganz sicher, was er von ihm halten sollte. Er hielt stets den gleichen sicheren Abstand zu Remus ein, blieb gezielt außerhalb seiner Sichtweite. Offenbar folgte er einfach den Fußspuren, die Remus hinterließ. ??Vielleicht war ihm der Fremde auch schon vorher gefolgt, denn am Eingang des Moores konnte man in alle Richtungen ohne Sichtbehinderung recht weit schauen, da hätte Remus sicherlich etwas sehen können. Entweder musste er also unter einem Tarnumhang stecken oder er hatte genau wie Remus den geheimen Portschlüssel zum Eingang des Moores genutzt. Davon wussten nach Remus Wissensstand allerdings nur Ordensmitglieder, obwohl man sich dessen wegen dem Spionageverdacht ja nicht wirklich sicher sein konnte. ??Plötzlich knackte unter seinem rechten Fuß eine laut Wurzel und gab nach. Er hatte in der Dunkelheit nicht bemerkt, dass unter der Wurzel sich kein befestigter Weg, sondern nur Wasser befand. Noch ehe Remus wusste, was geschehen war, verlor er das Gleichgewicht und landete seitwärts im eiskalten Wasser. Mit dem rechten Arm versuchte er noch den Sturz abzufangen, dabei rutschte ihm sein Zauberstab aus der Hand und fiel ebenfalls ins Wasser. Remus tauchte durch die Wucht des Aufpralls kurz unter Wasser und spürte unter seinen Füßen keinen Boden. Mit aller Kraft versuchte er mit den Armen zurück an die Wasseroberfläche zu kommen. Das eiskalte Wasser verursache einen beißenden Schmerz auf seinem Brustkorb, seine Beine konnte er kaum noch fühlen. Das Licht des Zauberstabs war offenbar sofort erloschen, denn er konnte ihn nirgends mehr sehen. Der Nebel war so dicht, dass Lupin im Dunkeln nicht einmal mehr das Ufer erkennen konnte. ??Mit großer Anstrengung versuchte er, in die Richtung zu schwimmen, aus der er meinte, gerade gekommen zu sein, doch ein Ufer war weit und breit nicht in Sicht. Lupin keuchte und schnappte verzweifelt nach Luft. Unter seinen Füßen konnte er noch immer keinen Boden spüren und er hätte auch nicht auf die Tragfähigkeit des Bodens vertraut, denn zu viele waren in diesem Moor schon versunken und wurden nie wieder gefunden. Remus wusste, dass er schnell das Ufer finden musste, weil sein Körper diese Kälte nicht mehr lange aushalten würde. Verzweifelt kämpfte er gegen die drohende Unterkühlung und Bewusstlosigkeit an und schwamm immer weiter. Schon überlegte er, ob er umkehren sollte, da lichtete sich der Nebel ein wenig. ??Vor seinen Augen kreisten plötzlich drei Dementoren über ihm und schienen schon auf ihn zu warten. Sofort wollte er umkehren, da bemerkte er, dass hinter ihm zwei weitere Dementoren kreisten und ihm auflauerten. Er saß in der Falle und stand kurz vor der Unterkühlung. Er war den Dementoren ohne Zauberstab hilflos ausgeliefert und bezweifelte, dass in diesem eiskalten Wasser seine Kräfte überhaupt zu einem Patronus gereicht hätten. Remus schloss die Augen und realisierte, dass ihm wohl ein schrecklicher Tod bevorstand, denn die Dementoren würden sicherlich versuchen, ihn zu küssen, wenn er erst bewusstlos geworden war. Zusätzlich zu der von außen kommenden Kälte stieg in ihm nun auch eine gefühlte Kälte auf und er verlor mehr und mehr das, was ihn ihm noch an Mut und Zuversicht verblieben war. ??„Entschuldige, Harry. Leider war ich dir keine große Hilfe mehr“, stammelte Remus und zitterte am ganzen Leib. Die Dementoren kreisten immer noch etwa zwei Meter über ihm wie Geier, die nur darauf warteten, dass sie ihre wehrlose Beute auffressen konnten. Immer wieder fielen Remus die Augen zu und er wusste, dass es bald vergeblich war, gegen die Unterkühlungserscheinungen anzukämpfen. Jegliches Gefühl der Freude war aus ihm gewichen, obwohl er versucht hatte, sich auf Tonks und seine Gefühle für sie zu konzentrieren, um gegen die Gefühlskälte der Dementoren anzukämpfen. Allmählich wünschte er sich nur noch einen schnellen und schmerzlosen Tod. Mit allerletzter Kraft konnte er sich noch über Wasser zu halten, als ihm einer der Dementoren immer näher kam und sich langsam über seinen Kopf beugte. Von den anderen Dementoren vernahm er noch ferne, merkwürdige Geräusche. Die Bewegungen der Kreaturen konnte er nur noch in Zeitlupe wahrnehmen, als plötzlich von ganz weit her eine Stimme an sein Ohr drang. ??„ EXPECTO PATRONUM! “; ertönte sie. Lupin hörte sie wie in Zeitlupe und realisierte ihre Bedeutung zunächst nicht. Ein mächtiger Patronus in der Gestalt eines Pumas kam über der Wasseroberfläche angerast und stellte sich schließlich zwischen Remus und den Dementor, der ihm am nächsten gekommen war. Die Dementoren traf dies offenbar völlig unvorbereitet. Sie zogen sich zurück und beobachteten Remus und den Puma nur noch aus sicherem Abstand. Mit ihnen lichtete sich auch der Nebel und die Gefühlskälte wich aus Lupins Körper. Remus öffnete seine Augen wieder und hustete. „Hilfe!“, krächzte er mit letzter Kraft. „Hier...“.Wieder fielen ihm die Augen zu und er sank unter die Wasseroberfläche, als ihn schließlich eine kräftige Hand am Arm packte und aus dem Wasser an Land zog. ??Remus blieb zunächst bewusstlos liegen. „Incendio!“, hörte er in weiter Entfernung eine Stimme sagen. Schlagartig spürte er eine wohltuende Wärmequelle in seiner Nähe. Als er später langsam wieder zu sich kam, konnte er nicht mehr sagen, ob er nur ganz kurz oder längere Zeit bewusstlos gewesen war. Er wusste nun aber, wer ihn auf seinem Weg verfolgt hatte und er wusste, dass er seinem Verfolger sein Leben verdankte. Er hat in seinem ganzen Leben nur einen einzigen Zauberer gekannt, dessen Patronus ein Puma gewesen ist und der zu einem solch kraftvollen Zauber imstande gewesen wäre. Umso erstaunter war er, dass dieser starke Patronus offenbar mit einem fremden Zauberstab zustande gebracht wurde. ??Noch bevor er die Augen wieder öffnete sagte er „Danke, Frank!“ ??„Gern geschehen, Remus.“ ??Remus drehte den Kopf in die Richtung, aus der die Stimme gekommen war und öffnete langsam die Augen. Frank Longbottom saß mit bloßem Oberkörper an einem Lagerfeuer mitten auf dem schmalen Moorweg und rieb sich mit einer Decke den nassen Oberkörper ab. ??„Du solltest auch die nassen Klamotten ausziehen, Remus, dann können sie ein wenig trocknen.“, sagte Frank. „Was in aller Welt hat dich in dieser gottverdammten Nacht an diesen trostlosen Ort geführt, Remus?“ ??Lupin blickte seinen alten Freund an und sagte „Was bin ich froh, dass du vorhin nicht von Bellatrix erledigt wurdest, sonst wäre ich jetzt wohl auch nicht mehr hier.“ Er zog seinen Umhang aus und streifte sein Hemd über den Kopf. „Ich suche jemanden, der sich seit vielen Jahren in den Bergen des Vergessens versteckt hält. Ich muss ihn finden, um Harry Potter zu helfen. Aber du hast ja wohl die letzten fünfzehn Jahre verpasst und weißt nicht, was seitdem passiert ist, oder?“ ??„Harry Potter? Das ist doch der Junge, der im gleichen Monat geboren wurde wie Neville, oder? Es ist richtig, ich habe wohl vieles nicht mitbekommen. Ich habe den jungen Mann vorhin auf dem Fest erkannt, weil Bellatrix Lestrange ihn mit Neville ansprach und doch war er mir seltsam fremd. Was zur Hölle haben diese miesen Schweine all die Jahre mit uns und unserem Kind gemacht?“ ??„Sie haben euch damals bis zur Besinnungslosigkeit gefoltert. Es hieß, sie wollten Informationen über Voldemorts Aufenthaltsort aus dir und Alice herauspressen, aber ihr beiden habt nichts verraten und konntet das wohl überhaupt nicht, da ihr den Aufenthaltsort des dunklen Lords gar nicht kanntet. Bellatrix, Rodolphus und Rabastan Lestrange wollten euch das nicht glauben und offenbar aus lauter Enttäuschung hörten sie einfach nicht auf, euch zu foltern. Das war jedenfalls das, was Barty Crouch jr. in seinen Verhören unter Veritaserum ausgesagt hat. Die Ärzte im St. Mungo haben hinterher gesagt, dass sie solche Folterschäden an Körper und Seele noch nie erlebt hätten und niemand sagen könne, ob ihr jemals wieder gesund werden könntet oder auf ewig den Verstand verloren habt. Über viele Jahre hinweg blieb euer Zustand unverändert schlecht, bis heute. Dein Sohn kennt dich nicht anders als im Zustand geistiger Verwirrung. Deine Mutter Augusta war seine einzige Bezugsperson all die Jahre lang. Wo hast du sie eigentlich gelassen, nachdem du vorhin mit ihr geflohen bist?“ ??„An einem sicheren Ort. Sie wollte es so. Sie hat mir aber meinen Zauberstab von damals wiedergegeben und wie du ja vorhin gesehen hast, kann ich damit auch noch umgehen.“ ??„Das stimmt wohl“, sagte Lupin mit einem Lächeln. „Was hast du jetzt vor?“ ??„Ich selbst wollte mich in den Bergen verstecken, die nun auch dein Ziel sind. Als ich auf dem Weg zu dem Portschlüssel war, da sah ich dich plötzlich vor mir und wunderte mich. Deshalb bin ich dir erst einmal nur gefolgt.“ Frank blickte Lupin an und plötzlich ihm kam eine Idee. „Remus, was hälst du davon, wenn ich dich auf deinem Weg begleite? Dann kannst du mir all das erzählen, was ich in den vergangenen Jahren versäumt habe und vielleicht kommst du ja noch einmal in eine Situation, in der du Hilfe brauchen kannst.“ ??„Einverstanden. Allein weitergehen würde ich ohne Zauberstab ohnehin nicht wollen.“ ??„Ach, das hätte ich fast vergessen. Du kannst doch den Zauberstab von Lockhart nehmen, den habe ich ja noch in meinem nassen Umhang.“ Frank Longbottom erhob sich und ging hinüber zu seinen nassen Kleidern. Mit dem Zauberstab in der Hand kehrte er zurück zu Remus und ihn ihm. ??„Danke. Was hätte ich heute nur ohne dich getan, Frank.“, sagte Lupin lächelnd. „Lass uns noch ein paar Stunden hier zur Rast bleiben, das Feuer sollte uns die Dementoren noch eine Zeit lang vom Leibe halten. Kurz nach Morgengrauen brechen wir dann am besten wieder auf.“ ??„In Ordnung.“
Kapitel 33:
Wieder in Hogwarts ??
Bei ihrer Ankunft in Hogsmeade wurde es bereits hell und sie waren alle sehr müde. Minerva McGonagall sagte zu den beiden Schülerinnen: „Bitte gehen sie direkt durch den Gryffindor - Gemeinschaftsraum in ihren Schlafsaal. Schlafen sie sich richtig aus. Morgen werden wir dann alles weitere sehen und entscheiden. Hagrid?“ ??Rubeus Hagrid drehte sich zur Schulleiterin um. „Du schickst mir bitte Miss Lovegood ebenfalls zum Schloss hinauf und dass du dich um die Versorgung des Hippogreifs von Mr. Potter kümmerst, brauche ich ja wohl nicht zu erwähnen, oder?“ ??„Nein, Professor“, sagte Hagrid knapp. ??„Wir haben in den nächsten Tagen noch jede Menge Arbeit vor uns, wenn nächste Woche der Schulbetrieb beginnen soll. Wollen sie beide mir dabei helfen?“ ??Hermine und Ginny sahen einander an und nickten langsam. „Wir wollen es versuchen“, sagte Ginny. ??Als sie kurz vor dem Eingang zum Schloss waren, verabschiedete sich Hagrid und wünschte den anderen eine gute Nacht. Tief in Gedanken lief er den Weg hinunter zu seiner Hütte kurz vor dem Eingang zum verbotenen Wald. Er dachte daran, dass er gestern Mittag von hier aufgebrochen war und da die Welt noch in Ordnung gewesen ist. Doch nun war alles anders. Die Hochzeitsgesellschaft überfallen, die Weasleys gekidnappt und Harry in größter Gefahr. Wo sollte das noch alles enden? ??Leise öffnete Hagrid die Tür zu seiner Hütte. „Luna?“, flüsterte er und ließ seinen Zauberstab die Hütte mit schwachem Lichtschein erhellen. Hagrid bemerkte, dass niemand da war und ging einmal außen um die Hütte herum. Auch Seidenschnabel war nirgends zu sehen. Ob Luna den Weg hierher gar nicht gefunden hatte? Oder war sie von den Todessern oder Dementoren abgefangen worden und ihr war am Ende etwas zugestoßen? Eilig lief Hagrid noch einmal zum Schloss hinauf, um Professor McGonagall zu informieren. Eine Zeit lang saßen die beiden mit Professor Slughorn noch zusammen im Büro der Schulleiterin und berieten sich. Hagrid schaute immer wieder hinüber zu Dumbledores Portrait. „Was hätte unser lieber Albus Dumbledore denn in dieser vertrackten Lage nur gemacht? Schließlich wussten sie sich auch keinen anderen Rat, als den nächsten Tag abzuwarten und dann das Gelände nach Luna und Seidenschnabel abzusuchen. Missmutig kehrte Hagrid zu seiner Hütte zurück und legte sich nun auch erst einmal ein paar Stunden in sein Bett. ?
~
??Einige Tage vergingen und in der magischen Welt wuchs spürbar die ohnehin bestehende Beunruhigung, nachdem der Tagesprophet über die Ereignisse bei der Hochzeit von Bill Weasley und Fleur Delacour berichtet hatte. Die Entführung der Weasleys, die Ermordung von Alice Longbottom sowie die Flucht Frank Longbottoms sorgten für ausgiebigen Gesprächsstoff und zu allem Überfluss hatte das Ministerium in ganzseitigen Anzeigen im Tagespropheten zur Suche und Ergreifung von Harry Potter gegen eine beträchtliche Belohnung aufgerufen. Als Hermine an diesem Morgen den Tagespropheten mit Tränen in den Augen aus der Hand legte, fasste sie den Entschluss, dass sie Harry irgendwie warnen musste, ohne ihn in Gefahr zu bringen, doch wie sollte sie das nur tun? ??Einige Tage waren nun schon vergangen und es gab noch immer kein Lebenszeichen von Harry und Ron. Wo sie nur stecken mochten? Ob ihre Suche sie weit fort geführt haben mochte? Hagrid hatte ihr zwar davon berichtet, dass Luna eine Warnung an Harry übermitteln wollte, doch hatte diese Warnung sie wirklich noch erreicht? Immerhin war auch Luna noch immer verschwunden und es wäre nicht das erste Mal gewesen, dass Pigwidgeon sich verirrt hätte. ??Gedankenverloren starrte Hermine auf die Titelseite des Tagespropheten und dann kam ihr wie aus heiterem Himmel eine Idee. Sie zog ihre Feder und etwas Tinte aus der Tasche und kritzelte oben auf die Titelseite des Tagespropheten die Worte: An Ronald Weasley, liebe Grüße aus unserem Gemeinschaftsraum, H.G. ??Dann verstaute sie ihre Sachen, lief hinauf in die Eulerei und band den Tagespropheten einer Schuleule ans Bein. ??„Bring das zu Ron Weasley und pass auf dich auf!“, flüsterte sie der Eule zu. ?
~
??Draco Malfoy hatte ein breites Grinsen auf seinem Gesicht. In seinen Händen hielt er die aktuelle Ausgabe des Tagespropheten und hatte gerade den Bericht über die Hochzeitsfeier im Fuchsbau gelesen. Einmal pro Woche durfte er in Askaban in Ketten in die Gefängnisbibliothek zum Zeitung lesen. ‚Geschieht diesen Schlammblütern ganz recht.’, dachte er bei sich. Doch es waren auch gemischte Gefühle, die in ihm aufkamen. Er sah die ganzseitigen Anzeigen des Ministeriums, in denen zur Ergreifung von Harry Potter aufgerufen wurde. ‚Mensch, das wär es doch gewesen. Warum habe ich nicht noch ein wenig gewartet, dann könnte ich jetzt sogar noch die Belohnung absahnen für Potter.’, dachte er. Doch dann kamen diese ihm fremden Gefühle des Mitleids und der Angst in ihm hoch, er fragte sich, wo Potter sich da draußen wohl versteckt hielt und wie er sich fühlen mochte, jetzt, wo ihn sogar seine eigenen Leute jagten. Niemandem würde er mehr vertrauen können. Sein Leben hätte keinen Ausweg mehr. ??Es schien ihm ganz so, als würde der dunkle Lord sein Ziel sehr bald erreichen. Er hat gelesen, dass sein Vater, der ihn hier im Gefängnis einfach ohne ein Wort zurückgelassen hatte, offenbar bei dem Angriff auf die Hochzeit dabei gewesen ist, denn mehrere Hochzeitsgäste hatten ihn erkannt und hinterher gleichlautend beschrieben. Auch seine Tante Bellatrix und sein Onkel Rudolphus waren wieder einmal mit von der Partie. Oft hat Draco in den letzten Tagen darüber nachgedacht, was wohl mit ihm passieren würde, wenn er mit seinem Vater geflohen wäre oder jetzt einfach freigelassen werden würde. Der dunkle Lord würde wohl kaum Gnade ihm gegenüber zeigen. Vielleicht wäre er dann genauso auf der Flucht wie jetzt Potter? Er würde vom Ministerium und vom Orden als entflohener Häftling und vom dunklen Lord als Versager und Verräter gesucht werden. Er würde niemandem mehr vertrauen können, hätte keinen Zufluchtsort mehr. Sein Leben hätte dann keinen Ausweg mehr, das war ihm in den letzten Tagen bewusst geworden. ??„Malfoy, die Zeit ist um. Aufstehen!“ ??Draco Malfoy nickte, legte den Tagespropheten beiseite und erhob sich. Er schwieg, als der Gefängniswärter ihm die Handschellen wieder verschloss und ihn in Ketten wieder hinaus auf den Gang und dann zurück in seine Zelle führte. Er wusste es genau. Sein Leben hatte keinen Ausweg mehr. ?
~
??Hermine ging von der Eulerei direkt zurück in den Gryffindor-Gemeinschaftsraum. In einem Sessel neben dem Kamin saß Ginny und las ein Buch. ??„Hey, du hast es dir ja schon schön gemütlich gemacht hier.“, sagte Hermine zu ihr. ??„Tja, was soll ich schon tun. Bevor ich vor Untätigkeit und Langeweile hier noch wahnsinnig werde, dann lese ich lieber etwas, um mich abzulenken.“ ??Hermine dachte bei sich, dass es gut war, dass sie Ginny nicht die Zeitung gezeigt hatte, denn die Anzeigen mit denen das Ministerium nach Harry suchte, hätten sie wohl nur beunruhigt. ??„Hast du denn schon vergessen, welcher Tag heute ist?“ ??„Heute?“, Ginnys Blick fiel auf den Kalender. „Hm, 30. August, warum? Das neue Schuljahr beginnt doch erst übermorgen.“ ??„Ja, das stimmt schon. Aber heute hatten wir doch eine Verabredung in Hogsmeade, schon vergessen?“ Hermine grinste Ginny breit an. ??„Oh, richtig. Victor Krum wollte ja heute hier eintreffen.“ Sie blickte auf die Uhr. „Den habe ich ja ganz vergessen.“ Sie sprang aus dem Sessel und eilte zum Mädchenschlafsaal hinauf, um sich etwas anderes anzuziehen. Zehn Minuten später liefen die beiden Mädchen durch die Eingangshalle und begegneten dort Professor Slughorn. ??„Nanu, wohin so eilig?“, frage er. ??„Ach, wir gehen nur zu Hagrid, um ihn zu besuchen“, antwortete Ginny schnell. „Gibt es was Neues von Luna?“ ??„Nein, nicht dass ich wüsste. Keine Spur von ihr weit und breit. Na dann bestellt dem lieben Hagrid mal einen schönen Gruß von mir“, sagte Slughorn und ging weiter an den beiden Mädchen vorbei. ??„Mensch Ginny, musste das sein?“ flüsterte Hermine ihr zu. „Wir sind doch schon so spät dran, nun müssen wir auch noch zu Hagrid. Es wäre doch sehr auffällig, wenn wir nun plötzlich in die andere Richtung gingen und Slughorns Grüße ihren Empfänger nicht erreichen würden, weil wir gar nicht bei ihm waren.“ ??Ginny zuckte mit den Schultern und sagte „Na und, vielleicht mag Hagrid ja auch mit uns mitkommen.“ ??„Die Idee ist gar nicht schlecht. Na komm, wir fragen ihn.“ ??Hagrid war gerne bereit, die Mädchen nach Hogsmeade in den Eberkopf zu begleiten. Als sie das Wirtshaus betraten, begrüßte Hagrid den Wirt herzlich und fragte, ob Hermines Gäste bereits eingetroffen waren. Aberforth Dumbledore nickte ihnen leicht zu, deutete mit seiner Hand auf einen abseits liegenden, freien Tisch, an dem sie offenbar Platz nehmen sollten und verschwand kurz darauf durch eine Tür. Wenige Augenblicke später kam er mit drei jungen Männern in den Gastraum des Eberkopfes zuürck. ??„Victor! Schön, dich wiederzusehen!“, Hermine war von ihrem Sitz aufgesprungen und begrüßte Victor Krum herzlich. „Hagrid kennst du ja sicher noch, und das hier ist Ginny Weasley, die kleine Schwester von Ron. Ich weiß nicht, ob du dich an sie noch erinnern kannst.“ ??„Sicher kann ich das.“ Victor Krum begrüßte die beiden höflich und wandte sich dann zu seinen beiden hoch gewachsenen Begleitern um, damit er sie ebenfalls vorstellen konnte. „Meine liebe Herrmine, wie ich dir bereits angekündigt habe, begleiten mich zwei der begabtesten jungen Zauberer aus Durmstrang. Beide sind wahre Meister in der Verteidigung gegen die dunklen Künste und ich bin sehr stolz darauf, dass sie bei mir sind. Sie haben beide neben dem Wunsch, euch und mir zu helfen, auch persönliche Gründe hier zu sein. Sie heißen Boris und Leonid Karkaroff und sind die beiden Söhne von Igor Karkaroff!“ ?
Kapitel 34:
In der Finsternis ??
Arthur Weasley hätte sich seinen schrecklichsten Alptraum nicht schlimmer ausgemalt. Gefesselt lag er neben Molly, Fleur Delacour und seinen Söhnen Bill, Fred und George auf dem nasskalten Boden eines dunklen Kerkers. Er konnte Fleur und Molly hin und wieder leise schluchzen und wimmern hören. Einmal alle zwei bis drei Stunden kam ein Todesser herein und sah nach ihnen. Arthur vermutete, dass es meistens Rabastan oder Rudophus Lestrange waren, konnte sich dessen aber nicht sicher sein, weil das Gesicht durch eine schwarze Kapuze verdeckt war. Arthur konnte nur die Stunden zählen, die vergangen waren, seit sie an diesen Ort gebracht wurden. Er war sich nicht ganz sicher, wo sie genau waren, da sie in Begleitung der Dementoren gereist waren, ist es sehr nebelig und dunkel gewesen. Am meisten hatte Fleur unter der Gegenwart der Dementoren gelitten, schließlich sollte dies ja ursprünglich der schönste Tag in ihrem Leben werden, dachte Arthur bei sich. ??Zum fünfundzwanzigsten Mal kam nun ein Todesser und schaute nach den Gefangenen. Also mussten mindestens fünfzig Stunden vergangen sein, seit sie hierher gebracht wurden. Arthur vermutete, dass dieser Kerker sich auf dem Anwesen von Malfoy Manor befand. Lucius Malfoy hatte die Gruppe von Todessern angeführt und Arthur glaubte, die Gegend, die sie kurz vor dem Betreten der Gänge zu diesem Kerker passiert hatten, wiedererkannt zu haben. Er fragte sich, wie lange sie wohl warten würden, bis sie den ersten von ihnen umbringen würden. Arthur war fest entschlossen, darauf zu bestehen, selbst als erstes an der Reihe zu sein, schließlich musste er doch seine Kinder schützen und er war ja der Älteste unter den Geiseln. Auf dem Weg hinab zu den Kerkergewölben mussten sie eine lange Treppe hinabsteigen, was mit zusammengebundenen Füßen kaum möglich war. Aus irgendeinem Grunde wollten die Todesser aber keine Zeit verlieren und haben sie immer wieder zur Eile gedrängt. Dabei ist Molly dann auf der Treppeh gestürzt und hatte deshalb nun einen dicken Knöchel. ??Wortlos überprüfte der Todesser die Fesseln der Gefangenen und stellte ihnen etwas Wasser hin. Vor zwei Stunden hatte Arthur noch versucht, ihm begreiflich zu machen, dass seine Frau ärztliche Hilfe benötigte. Doch das hatte ihn überhaupt nicht interessiert, er hat noch nicht einmal geantwortet oder seine Kapuze abgenommen. ??Seit der letzten Stunde hatte Arthur bemerkt, dass Fred und George irgendetwas aushecken mussten, doch Arthur hatte nicht die geringste Ahnung, was sie in dieser ausweglosen Situation unternehmen wollten. Sie hatten immer wieder getuschelt und geflüstert, doch Arthur konnte nichts davon verstehen. Er hoffte, dass sie nichts unüberlegtes Tun würden, was ihre Situation womöglich noch weiter verschlimmern würde. ??Als der Todesser nach Arthur und Molly auch die Fesseln von Bill und Fleur überprüft hatte und sich gerade Fred und George zuwenden wollte, kam von George plötzlich ein Schluchzen und Jammern. Der Todesser blickte überrascht zu George hinüber, der auf dem Bauch lag und dessen Gesicht nicht zu erkennen war. Er beugte sich über George und drehte seinen Körper herum. Als der Todesser mit seinem erleuchteten Zauberstab auf das Gesicht von George leuchtete, konnte Arthur erkennen, dass es furchtbar aussah und völlig blutüberströmt war. ??„Was ist denn hier los? Verdammt nochmal!“, stieß dieser hervor und beugte sich noch tiefer über George, um die Ursache der Verletzung auszumachen. ??In diesem Augenblick versetze ihm George einen kräftigen Kopfstoß. Vor Schreck glitt dem Todesser der Zauberstab aus der Hand, sein Körper wurde durch die Wucht zurückgeschleudert und blieb direkt neben Fred liegen. Diese Gelegenheit ließ sich George nicht entgehen, packte den Zauberstab mit den gefesselten Händen, richtete ihn blitzschnell auf den noch benommen am Boden liegenden Todesser und brüllte „STUPOR!“ ??Der Schockzauber verfehlte seine Wirkung nicht und Fred löste mit Hilfe des Zauberstabes seine und die Fesseln seiner Brüder George und Bill. George reichte er noch eine kleine Tablette und grinste ihn an: „Hier ist das Gegenmittel! Ich würde sagen, das Nasblutnugat hat seinen Zweck erfüllt und seinen Praxistest mehr als bestanden! Los, wir müssen uns beeilen, bis der Todesser wieder zu sich kommt. Ich werde ihn sicherheitshalber fesseln.“ Er murmelte „Incarcerus“ und mit einem Schlenker von dessen eigenen Zauberstab wurde der Todesser von Fred Weasley gefesselt. Anschließend befreite er auch Fleur ebenfalls von ihren Fesseln. Er ging auf seine Eltern zu, um auch sie zu befreien, doch er sah, dass sein Vater abwinkte. ??„Flieht! Lasst uns hier zurück!“, rief Arthur. „Molly kann mit ihrem verletzten Fuß nicht schnell laufen und wir wären nur eine Last für euch. Und alleine werde ich sie hier nicht zurücklassen. Lieber sterbe ich mit ihr Hand in Hand. Geht jetzt, Hauptsache, ihr könnte versuchen euch selbst zu retten! Viel Glück!“ ??Bill sah seinen Vater und dann seine Brüder an und sagte: „Dad hat Recht. Und wenn sie uns alle kriegen, dann haben wir nichts gewonnen. So können wir wenigstens versuchen, Hilfe zu holen und Mum und Dad später hier rauszuholen. ??Fred blickte seine Mutter und seinen Vater traurig an und nickte. „Haltet durch, wir holen euch hier später raus!“ zu Fleur und seinen Brüder zugewandt sagte er: „Kommt jetzt, schnell!“ ??Dann nahm er dem Todesser seinen Schlüssel zur Kerkertür ab und eilte mit Fleur, Bill und George hinaus. Sie blickten nach links und rechts in den Gang und als niemand zu sehen war, rannten sie den Gang entlang bis zu der Treppe, auf der Molly zuvor gestürzt war und die hinauf ins Freie führte. ??Als sie in dem großen Garten an der Oberfläche angekommen waren, rief Bill plötzlich: „Hier entlang, wenn mich nicht alles täuscht, ist das hier das Anwesen der Malfoys. Dann kenne ich den Weg hier raus. Folgt mir!“ ??Bill lief voraus und seine Brüder und Fleur folgten ihm mit einigem Abstand. Nach einer ganzen Weile konnten sie in der Ferne das Eingangstor sehen und dachten schon, sie wären so gut wie entkommen, als sie hinter sich in einiger Entfernung plötzlich aufgeregte Stimmen und Rufe hörten. ??„Hey, da hinten.“ - „Ja, das sind sie! Sie laufen auf das Tor zu! Haltet sie auf!“ – „Sie dürfen uns nicht entkommen!“ Bill erkannte die Stimme von Lucius Malfoy an ihrem Klang. George Weasley drehte sich um und konnte sehen, wie Fenrir Greyback, Rabastan Lestrange, Lucius Malfoy und Bellatrix Lestrange auf sie zu rannten und Flüche in ihre Richtung abzufeuern begannen. „Lauft!“, brüllte George und versuchte mit dem Zauberstab des Todessers die anderen durch Abwehrflüche zu schützen, was ihm anfangs aufgrund der großen Entfernung auch recht gut gelang. ??Bill und Fred kamen kurze Zeit später als erste am Eingangstor zum Grundstück an und waren schon halb über den Zaun geklettert, während George Fleur noch beim Hochklettern half. Schließlich sprangen Bill und Fred auf der anderen Seite hinunter und Bill wartete darauf, dass Fleur oben angekommen war, um ihr dann seine Hand zu reichen. ??„Los, Schatz, beeil dich! Du schaffst es, gleich kannst du springen, dann fang ich dich auf.“, sagte Bill. Schließlich konnte auch George damit beginnen, über den Zaun zu klettern, nachdem Fred ihm durch das Gitter den Zauberstab abgenommen hatte, um ihnen von der anderen Seite weiter etwas Rückendeckung zu geben. ??George hörte, wie sein Herzschlag immer schneller und lauter wurde, denn die Todesser waren schon nicht mehr weit entfernt. Langsam stieg er an dem eiskalten Zaun Sprosse für Sprosse nach oben. Gleichzeitig konnte er hören, wie die Todesser in seinem Rücken immer näher kamen und weiter Flüche auf sie abzufeuern versuchten, die ihn jedoch links und rechts knapp verfehlten. Fred hatte offenbar keine Chance mehr, die Flüche wirksam abzuwehren. Als George schon fast oben war und Fleur gerade oben auf der Spitze des Zaunes angekommen sein musste, hörte er wie direkt hinter ihm Rabastan Lestrange mit hasserfüllter Stimme brüllte: ??„AVADA KEDAVRA!“ ??George konnte ihn nicht sehen, doch der grüne Lichtblitz des Fluches erhellte für einen Moment die Nacht. Das war’s, dachte er noch bei sich, ehe er realisiert hatte, was überhaupt um ihn herum passiert war. Er rechnete reden Moment damit, von hinten tödlich getroffen zu werden und blickte verzweifelt und Hilfe suchend nach oben zum Sternenhimmel, da bemerkte er plötzlich, dass über ihm von der Spitze des Zaunes ein lebloser Körper wie in Zeitlupe hinab fiel und direkt auf ihn zukam. Blitzartig schnellte er zur Seite und hing nun nur noch mit dem rechten Arm am Gitter des Tores, als mit einem dumpfen Geräusch der Körper unten auf dem Boden aufschlug. ??Der markerschütternde Schrei seines Bruders holte ihn in die Gegenwart zurück. ??„NEEEIIIIN! FLEEEUUUUR!“, schrie Bill und in seiner Stimme lag eine Wut und Verbitterung, die nicht von dieser Welt zu sein schien. Geistesgegenwärtig riss Bill seinem Bruder Fred den Zauberstab aus der Hand, richtete ihn auf Rabastan und brüllte nun voller Hass in seiner Stimme: ??„AVADA KEDAVRA!“ ??George glaubte kaum, dass das wahr sein konnte, was er da sah und hörte. Wieder war ein grüner Lichtblitz zu sehen zischte unter George hindurch durch die Gitterstäbe und traf hinter Georges Rücken sein Ziel. Wieder hörte er das dumpfe Geräusch, dass etwas schweres zu Boden fiel. Mit allerletzter Kraft kletterte er die letzten Sprossen bis zur Spitze des Zaunes hinauf und wollte gerade hinübersteigen, als er Freds warnenden Ruf vernahm. ??„Kopf runter!“, schrie Fred und George zog sofort den Kopf ein und duckte sich, und sah einen gelben Lichtblitz um Haaresbreite an seinem Kopf vorbeizischen. Später erzählte Fred ihm, dass es sich dabei um einen Fluch von Fenrir Greyback gehandelt hatte. Mit einem großen Satz sprang George über den Zaun hinab in die Tiefe. Beim Aufprall spürte er einen stechenden Schmerz in seinem rechten Knie, doch das war ihm jetzt egal. Er konnte ein paar Meter vor sich sehen, wie Bill und Fred unter den zahlreichen auf sie nun einstürmenden Lichtblitzen einfach nur davonliefen so schnell sie nur konnten und George tat es ihnen gleich. Er rannte so schnell er konnte hinter seinen Brüdern her, und hörte hin und wieder das Krachen umliegender Bäume, als diese von den Flüchen der Todesser getroffen wurden. George hatte nur noch eines im Kopf, nämlich nur so schnell und so weit wie möglich weg von diesem Ort zu kommen. ??„Er ist tot“, sagte Greyback, als er an der Stelle angekommen war, wo Rabastans lebloser Körper auf dem Boden lag. ??„Ja. Das werden sie uns büßen, diese dreckigen Mistkerle. Seit wann ist ein dreckiger Weasley dazu imstande, einen unverzeihlichen Fluch auszusprechen?“, Malfoys Stimme klang mehr als nur überrascht. ??„Ich bin mir nicht sicher, Lucius, aber es könnte damit zu tun haben, dass ich ihn vor ein paar Wochen in Hogwarts mit meinem Biss verletzt habe. Dadurch könnte er Fähigkeiten eines Werwolfs entwickelt haben, die für die Anwendung der dunklen Magie zumindest günstige Umstände schaffen dürften.“ Greyback grinste so breit, dass seine hässlichen gelben Zähne zu sehen waren. ??„Sollen wir ihnen nun nicht folgen und sie endgültig erledigen?“, warf Bellatrix Lestrange keuchend ein. „Wenn sie unser Versteck und das der Gefangenen verraten, dann wird hier bald eine Armada von Auroren auftauchen!“ ??„Nein. Sie sind schon zu weit weg und das würde noch zu großes Aufsehen bedeuten. Lass uns lieber überlegen, wo wir die tote Braut platzieren, damit sie morgen früh auch gleich entdeckt wird.“ Neugierig blickte er die anderen beiden Todesser an. ??„Vielleicht erhöht das noch einmal den Druck auf Potter und auf das Ministerium.“ Lucius drehte sich herum und blickte zurück zum Eingang in die Kellergewölbe. Mit einem Grinsen fügte er hinzu: „Außerdem haben wir ja noch zwei Geiseln. Vielleicht sollten wir sie nun für die Taten ihrer Kinder erst einmal angemessen bestrafen.“ ??„Gut. Ich werde zwei Leute mit der Leiche des Mädchens in die Stadt schicken.“, sagte Greyback. „Ein Jammer, dass dieser Tölpel sie einfach kalt gemacht hat. Ich hätte sie zu gerne vorher noch gebissen, sie sieht so jugendlich, hübsch und unschuldig aus.“ Greyback fletschte die gelben Zähne. ??„Lass das“, sagte Lucius, „wenn ihr sie noch bis Morgengrauen vor dem Ministerium ablegt, dann sollte das seine Wirkung nicht verfehlen.“ Greyback nickte und Lucius Malfoy drehte sich dem Haus zu. Bellatrix begleitete ihn stumm. Schon im Gehen rief er dem Werwolf noch zu: „Ach ja und du kannst deinen beiden Leuten gleich noch sagen, dass sie anschließend die Leiche von Rabastan irgendwo hier auf dem Grundstück vergraben sollen. Sie sollen nur tief genug graben, damit niemand das Grab entdecken kann. Kehrt nicht hierhin zurück, ich werde die Geiseln holen und mit Rodolphus und Bellatrix das Anwesen verlassen. Das Haus werden wir vorher noch in Brand setzen, damit sie hier nichts verdächtiges finden. Wir treffen uns dann auf dem verlassenen Fabrikgelände von Little Hangleton!“
Kapitel 35:
Gute und schlechte Nachrichten ??
Es war ein wunderschöner Spätsommertag. Die Sonne hatte noch genug Kraft, dass man vor den Drei Besen und dem Eberkopf draußen im Freien sitzen konnte. Die Welt schien in Ordnung zu sein an diesem Samstag im September, am dem die Geschäfte von Hogsmeade zum ersten Mal seit langem voll waren vor lauter Schülern aus Hogwarts, die sich hier die Zeit vertrieben, durch die Straßen bummelten und fleißig in den Geschäften einkauften. Zwei ältere Schüler kamen gerade lachend aus dem Honigtopf und rempelten hier und da schon einmal einen anderen jüngeren Schüler zum Spass an. ??„Hast du das Gesicht von der völlig verwirrten Hexe gesehen, als wir plötzlich im Raum neben ihr standen?“, sagte einer von ihnen. ??„Ja, die hatte keinen blassen Schimmer, dass wir durch einen Geheimgang aus Hogwarts gekommen sind.“, antwortete ein anderer. „Wahrscheinlich dachte sie, wir wären appariert.“ ??„Genau. Ist doch wunderbar, wenn man so unauffällig und ganz unvermittelt hier in Hogsmeade aufschlagen kann.“ Der junge Mann mit der wilden Frisur blickte sich um. „So richtig tanzt der Bär hier heute aber noch nicht. Wo sind denn all die hübschen jungen Damen hin?“ ??„Vielleicht bei Derwish & Banges?“ ??„Kann sein. Sicher nicht in Zonkos Scherzartikelladen, der ist noch geschlossen und macht erst im Winter wieder auf.“ ??„Oh, schau mal, siehst du die große Rothaarige da hinten?“ ??„Hm, ja. Die hat unübersehbar gute Argumente. Die habe ich in Hogwarts aber noch nie gesehen.“ ??„Nein, ich glaube, sie arbeitet als Bedienung im Eberkopf. Ich frage mich, ob ich sie ansprechen soll und eine romantische Nacht mit ihr in der heulenden Hütte verbringen soll, aber was soll ich danach mit ihr tun?“ ??„Ich weiß es nicht. Ihr Gedächtnis verändern? Vielleicht fällt sie dann beim nächsten Mal wieder auf die gleiche Masche rein.“ ??Die beiden jungen Männer mussten gleichzeitig laut losprusten und schallend lachen. Auf der Straße drehten sich die Leute bereits nach ihnen um und musterten sie kritisch. ??„Wo warten die anderen? In den Besen oder im Eberkopf?“ ??„Besen!“ ??„Schade. Mal sehen, ob sie wenigstens einen anständigen Tisch freigehalten haben, wo uns die Damen der Schöpfung in voller Schönheit bewundern können“, sagte James erwartungsvoll. ??„Ich denke schon“, antwortete Remus Lupin „wenn sie rechtzeitig da gewesen sind, sollte das kein Problem sein. Aber wie ich Sirius kenne, hatte er sicher wieder etwas anderes im Kopf.“ ??„Ja“, sagte James, „das sieht ihm ähnlich. Und ich weiß auch schon was dem Schurken den Kopf verdreht hat“, sagte James und musterte breit grinsend sehr aufmerksam eine sehr hübsche, schlanke, brünette junge Frau mit rehbraunen Augen, die ihm aus der Richtung der drei Besen mit einem kurzen Sommerkleid und hohen Absatzschuhen entgegen kam. ??„Pass auf, dass dir die Augen nicht rausfallen, Krone!“ Remus und James mussten wieder lachen und ernteten dafür von der jungen Frau, die offenbar gemerkt hatte, dass es um sie gegangen war, ein verlegenes Lächeln. ??Plötzlich rief Remus Lupin: „Hey, da sitzen sie doch schon! Der Tisch ist nicht schlecht, so weit vorne haben wir lange nicht gesessen. Da hast du ihm wirklich Unrecht getan, James.“ ??Remus und James schritten auf den Tisch zu, an dem Peter Pettigrew, Sirius Black und ein dritter junger Mann saßen. ??„Wer mag der dritte Mann am Tisch sein?“, flüsterte Ron Harry leise zu. Der zuckte wortlos mit den Schultern. ??Nach einer herzlichen Begrüßung setzten sich Remus und James zu Sirius vor den Tisch in die Sonne, damit sie die auf dem Weg entlang laufenden Personen perfekt beobachten und mit frechen Kommentaren bedenken konnten. Peter und der Unbekannte saßen etwas weiter zurückversetzt am anderen Ende des Tisches. Sie bestellten eine Runde Butterbier und genossen die angenehm warmen Sonnenstrahlen. Peter und der Fremde schienen sich vertieft über etwas zu unterhalten. Der Fremde öffnete nun seine Tasche, holte ein Büchlein heraus und schien sich etwas zu notieren. ??„Schade, dass wir nicht verstehen können, was die reden.“, sagte Harry. ??„Warum denn? Ich finde die Sprüche von Sirius und deinem Vater köstlich. Ich mach mir gleich in die Hose vor Lachen!“, sagte Ron mit tränenden Augen. ??„Ja, aber mich interessiert im Moment irgendwie eher dieser Unbekannte, der mit Wurmschwanz heimlich in der Ecke sitzt. Der tut so, als hätte er etwas zu verbergen!“ Harry beobachtete die Szene mit den beiden noch eine Weile argwöhnisch, während Ron sich köstlich darüber amüsierte, wie sich James und Sirius die Pointen gegenseitig nur so zuspielten und auch Remus Lupin vor lauter Lachen kaum noch konnte. ??Plötzlich fühlte Ron Harrys festen Griff an seinem rechten Oberarm. „Komm jetzt, Ron. Ich muss etwas mit dir besprechen., denn ich weiß jetzt, wer der Unbekannte neben Wurmschwanz ist.“ ??„Ich äh, aber lass uns noch bleiben, von deinem Dad kann man wirklich noch eine Menge lernen.“ ??„Los, Ron, nun komm schon. Wir müssen gehen. Es ist wirklich wichtig.“ ??Wenige Augenblicke später fanden sie sich auf dem Boden neben dem Denkarium wieder. Ron fasste sich auf seinen Bauch. „Mensch Harry, hörst du, wie mir schon der Magen knurrt? Ich habe seit mehreren Tagen nichts gegessen und dann all den Leuten zuzusehen, wie sie in den drei Besen sich die Bäuche füllen und diese leckeren Düfte einzuatmen, das ist wirklich schwierig gewesen.“ ??„Stimmt. Wir müssen uns irgendwo her etwas zum Essen besorgen. Auch unsere Trinkflaschen sind inzwischen leer.“ ??„Wir hätten einen Hauselfen mitnehmen sollen“, sagte Ron lachend und formte mit seinen Händen um seinen Mund einen Trichter. „Doooobbbbyyyyy, Hilf uns, wenn du uns hören kannst: Wir hätten bitte gerne eine Schlemmerplatte für zwei Personen und Butterbier bis zum Abwinken!“, schrie Ron vor lauter Verzweiflung. Harry konnte sein Lachen nicht unterdrücken. ??PENG! ??„Sir Ron, sie haben nach Dobby gerufen?“ ??Harry und Ron hielten die Luft an. Wie aus dem Nichts stand plötzlich mitten im Raum der Hauself Dobby, dem Harry einst seine Socke und damit die Freiheit geschenkt hatte. ??„Dobby!“, keuchte Harry und wich zurück „wo kommst du denn auf einmal her?“ Er traute seinen Augen nicht. „Du bist unsere Rettung! Wie konntest du uns hören?“ ??Dobby schaute ein wenig verlegen drein bei dieser Frage. „Nun, Professor Dumbledore hat sich in den vergangenen Jahren hin und wieder an diesen geheimen Ort hier zurückgezogen und Dobby gerufen. Deshalb gibt es von hier aus eine direkte Verbindung zur Küche von Hogwarts. Wir Hauselfen können es dort hören, wenn einer unserer Gebieter uns von hier aus ruft.“ Dobby blickte sich vorsichtig um. ??„Das ist ein merkwürdiger Ort hier, alles dunkel und niemand weiß, wo dieser Ort genau liegt. Was hat euch denn nur an diesen geheimnisvollen Ort verschlagen und wie habt ihr ihn gefunden, Sir Harry?“ ??„Das ist jetzt nicht so wichtig, Dobby. Außerdem muss ich sagen, dass du keinen Gebieter mehr hast. Schon vergessen, dass du frei bist?“ ??„Oh nein, Sir Harry Potter. Wie könnte ich das je vergessen?“ ??„Hör zu, Dobby. Du darfst keinem auch nur ein Sterbenswörtchen davon erzählen, dass du uns hier gesehen hast, hörst du? Aber wir haben im Augenblick wirklich ein Problem, denn wir haben seit Tagen nichts gegessen und du bist nun unsere letzte Hoffnung, Dobby. Egal was, aber kannst du uns mit irgend etwas zum Essen und zum Trinken versorgen?“ ??„Natürlich kann ich das, Sir Harry!“, Dobby grinste und schnippte mit dem Finger. Im nächsten Augenblick war er mit einem Plopp verschwunden. ??„Das glaube ich aber jetzt nicht!“, sagte Ron. „Harry, sag mir bitte, dass das gerade eben keine Fata Morgana und keine Halluzination war.“ ??„Nein, Ron“, sagte Harry ruhig. „Ich habe ihn auch gesehen und ich denke, er war echt und unser Hungerproblem wird bald gelöst sein. Aber bis Dobby wieder da ist, will ich dir noch schnell erzählen, warum ich dich so energisch aus der Erinnerung meines Vaters gezerrt habe.“ ??Ron blickte Harry erwartungsvoll an. ??„Hast du das Notizbuch bemerkt, das der Unbekannte in den drei Besen aus seiner Tasche zog?“ ??„Du meinst, der mit dem Wurmschwanz die ganze Zeit geredet hat? Ja, ich habe gesehen, dass er eins aufgeschlagen hat und etwas hineingekritzelt hat.“ ??„Hast du auch gelesen, welche Initialen auf dem Buchdeckel eingestickt waren und wessen Werbung auf dem Kugelschreiber zu sehen war?“ ??Ron schüttelte mit dem Kopf. ??„Es waren auf dem Buchrücken die Buchstaben R.A.B eingraviert und der Kugelschreiber trug das Wappen des Ladens von Borgins & Burkes aus der Nokturngasse. ??Je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr wird mir bewusst, dass Sirius zu der Verabredung in Hogsmeade einfach seinen Bruder mitgebracht hat. Ob dieser zum damaligen Zeitpunkt schon ein Todesser war und Pettigrew vielleicht dort an diesem Tage angeworben hat?“ ??„Möglich wäre es. Allerdings kann der Kugelschreiber auch aus dem Black’schen Familienbesitz stammen oder einfach nur ein Werbegeschenk gewesen sein. Im Übrigen war er damals wohl noch zu jung um schon etwas über die Horcruxe und ihre Bedeutung zu wissen.“ ??„Da magst du Recht haben.“, sagte Harry. „Jedenfalls wissen wir jetzt aber, wie Regulus Black aussieht, falls er uns noch einmal in einer der anderen Erinnerungen begegnen wird.“ ??PLOPP ??Dobby war mit zwei großen Schlemmerplatten und einem mobilen Wasserspeier erschienen. ??„Sir Harry wird stolz auf mich sein.“, quiekte der Hauself, „Dobby hat sein Möglichstes getan, damit ihr und Sir Ron heute Abend so richtig satt werdet. Butterbier habe ich nicht mitgebracht, das haben wir ja in Hogwarts nur bei besonderen Festen und Feiern. Dafür bringe ich euch diesen magischen Wasserspeier, der einem so viel Wasser spendet, wie man nur trinken mag und das überall, wohin man ihn mitnehmen mag, also auch hier unten an diesem geheimnisvollen Ort.“ Wieder blickte sich Dobby ängstlich um und fuhr im Flüsterton fort: „Damit werden Sir Harry und Sir Ron zumindest so schnell nicht mehr durstig sein. Und bei den Schlemmerplatten haben sich die Hauselfen aus Hogwarts wieder einmal selbst übertroffen. Da die meisten Schüler noch nicht wieder in Hogwarts sind, stand mir fast die gesamte Küche zur Verfügung. Ich hoffe es wird euch schmecken.“ ??„Danke Dobby!“ riefen Harry und Ron gleichzeitig. „Wahnsinn.“, stieß Ron hervor. „Das dürfte mit dem Hochzeitsbuffet meiner Mum locker mithalten.“ ??„Ähm, und noch etwas. Bevor ihr euch dem Essen widmet, sollte Sir Ron doch einmal zum Eingang der Höhle gehen, denn da erwartet ihn wohl eine ziemlich verstörte Eule.“ ??PENG ??Schon war Dobby wieder verschwunden. Ron und Harry blickten sich verdutzt an. ??„Ich hab so einen Hunger, da kann die Eule auch noch bis nach dem Essen warten.“ sagte Ron. Harry nickte und sagte. „Ja, ich bin auch zu hungrig. Ich werde erst mal was essen und dann kann ich ja gleich mal nachsehen.“ ??„Nein.“, sagte Ron entschieden. „Hast du denn nicht gehört, dass die Eule für mich ist?“ ??„Doch, hab ich. Aber ich muss doch mitkommen, da du alleine nicht das Gitter und die Tür aufbekommst, oder?“ Harry konnte sich ein leichtes Grinsen nicht verkneifen und Ron schien das gar nicht zu amüsieren. Er schien sogar ein wenig eingeschnappt zu sein. ??Sie machten sich über die verschiedenen Leckereien her, die Dobby aufgetischt hatte und genossen die Mahlzeit so richtig. Nach einiger Zeit stand Ron auf, nahm seinen Zauberstab in die Hand und blickte Harry auffordernd an. Die Teller waren noch halbvoll, doch schließlich gingen beide gemeinsam zum Gitter am Höhleneingang zurück. Als Harry es öffnete bemerkte er daneben sofort die große Schleiereule aus der Eulerei von Hogwarts mit dem Tagespropheten am Bein. Ron band wortlos die Zeitung vom Bein der Eule los und gab ihr einen Eulenkeks. „Du kannst gleich wieder zurückfliegen, ich habe keine neue Nachricht für dich.“, sagte Ron nur. Die Eule gab einen eigenartig klingenden Laut von sich, breitete missmutig die Flügel aus und verschwand zwischen den Bäumen des Waldes. Harry blickte sich noch einmal in alle Richtungen um, bevor sie wieder hinunter in ihr Versteck stiegen. Er konnte niemanden weit und breit entdecken, es war alles ruhig. Ron nahm die Zeitung in die Hand und während Harry das Gitter wieder verschloss, stieg Ron schon hinab in den Gang bis zum Versteck der Geheimniswahrer. ??„Und? Wer hat uns denn nun geschrieben?“, wollte Harry wissen, als er für Ron die Holztür öffnete. ??„Ich glaube, es war Hermine. Da steht: Für Ronald Weasley. Grüße aus dem Gemeinschaftsraum in Hogwarts, H.G.“ ??„Stimmt, das müsste Hermine sein. H.G. sind ihre Initialen und sie bezieht auch den Tagespropheten. Scheinbar will sie uns über die Neuigkeiten auf dem Laufenden halten, nachdem sie nun offenbar schon in Hogwarts angekommen sind. Immerhin geht es ihnen wohl gut und sie sind nicht in Gefahr.“ ??Ron setzte sich wieder an den gedeckten Tisch und mampfte munter weiter. „Ja, das ist doch wenigstens einmal eine gute Nachricht. Und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass das die Handschrift von Hermine ist. Ich habe zu oft von ihr abgeschrieben, diese Handschrift werde ich mein ganzes Leben nicht vergessen!“ Ron lief ein wenig rot an, während er das sagte und Harry musste lachen. ??„Geht mir ja genauso. Aber was steht denn nun so wichtiges im Tagespropheten? Hm, der ist zwei Tage alt, so lange war die Eule wohl unterwegs. Da muss irgendetwas drinstehen, was wir unbedingt lesen sollen.“, sagte Harry und nahm Ron die Zeitung aus der Hand. „Oh, hier ist ein Bericht über den Überfall bei der Hochzeit und mal sehen was auf der nächsten Seite...“ Harry blätterte um und verstummte schlagartig. ??„Was? Nun sag schon!“, sagte Ron und schaute Harry neugierig von hinten über die Schulter. Als er las, was auf der Seite stand, klappte ihm die Kinnlade herunter und er starrte den Tagespropheten mit offenem Mund an. „Um Gottes Willen! Sind jetzt alle verrückt geworden? Das Ministerium sucht dich und setzt auf deine Ergreifung eine Belohnung aus? Sind die wahnsinnig?“ ??Harry setzte sich hin und legte die Zeitung beiseite. „Weißt du, was das bedeutet?“, sagte er mit tonloser Stimme, „ich kann nichts unternehmen, außer mich hier versteckt zu halten und zu hoffen, dass mich niemand findet. Dabei muss ich doch die Horcruxe finden und vernichten und auch noch diesen Schatz vor Voldemort schützen.“ ??„Richtig. Dann bleibst du hier und ich werde losziehen und nach den Horcruxen suchen. Ich werde dich auf dem Laufenden halten, Harry. Du kannst ja so lange die Erinnerungen hier durchstöbern, ob du noch irgendwelche Hinweise findest. Aber ich werde morgen aufbrechen.“ ??„Dann komme ich mit dir, ich kann hier doch nicht die ganze Zeit untätig herumsitzen.“ ??„Harry, das ist viel zu gefährlich. Dein Bild ist in allen Zeitungen, alle suchen nach dir. Du wirst von Kopfgeldjägern gejagt werden. Willst du, dass sie dich festnehmen und an die Todesser ausliefern? Dann sind wir alle verloren.“ ??Harry nickte. Beide saßen noch eine Weile beisammen und schwiegen. Ab und zu aßen sie noch etwas von Dobby’s Schlemmerplatten und überlegten, wo Ron am besten mit der Suche beginnen sollte. Kurz bevor Harry an diesem Abend zu Bett gehen wollte sagte er zu Ron: „Ich muss dauernd darüber nachdenken, was Ginny gerade macht. Jetzt wo sie in Hogwarts sind, da habe ich eine Idee.“ ??„Harry, du willst doch nicht etwa...“ ??„Warum nicht, ich will doch nur schauen, wo sie gerade stecken, ob sie schon im Schlafsaal im Bett liegen oder noch im Gemeinschaftsraum sitzen.“ ??Er zog die Karte des Rumtreibers aus seinem Umhang und tippte sie mit dem Zauberstab an. „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin.“ ??Sofort erschien der Plan von Hogwarts auf dem Pergament. Im Schulleiterbüro sah Harry den Punkt mit dem Namen Minerva McGonagall auf und ab gehen. Sein Blick wanderte weiter nach rechts und er konnte auf einem Gang den Punkt von Argus Filch und noch etwas weiter rechts Rubeus Hagrid und Horace Slughorn in Slughorns Büro erkennen. Dann wanderte sein Blick zum Gryffindor-Gemeinschaftsraum, wo er am Kamin die Namen Hermine Granger und Ginny Weasley sah. Auf Harrys Gesicht fiel ein zufriedenes Lächeln. „Sie sitzen im Gemeinschaftsraum am Kamin.“ ??Harry wollte die Karte schon wieder schließen, als er am Rand der Karte, in einem Bereich, wo keine Räume eingezeichnet waren, plötzlich drei weitere Punkte bemerkte. „Du Ron, d-d-d-das i-i-ist nicht m-m-möglich!“, stammelte er. ??„Was ist nicht möglich? Dass sie jetzt im Gemeinschaftsraum sitzen?“ ??„Nein, ich meine, dass es nicht möglich ist, dass die Karte anzeigt, dass sich Severus Snape, Peter Pettigrew und Tom Riddle alias Lord Voldemort in Hogwarts befinden.“
Kapitel 36:
Nagini’s Ausflüge ?
Severus Snape war seit Tagen damit beschäftigt in der kalten und verlassenen Kammer des Schreckens flaschenweise Vielsafttrank zu brauen. Ihm erschloss sich noch nicht der Sinn und Zweck dieser spontanen und aus seiner Sicht völlig übereilten Aktion. Er hatte schon längere Zeit nicht mehr unter derart spartanischen und primitiven Bedingungen gearbeitet und dazu noch beachtliche Mengen eines komplizierten Trankes hergestellt und das, obwohl sein komplett eingerichtetes Büro und Labor hinter den dicken Mauern des Schlosses nur wenige Meter entfernt zum Greifen nahe waren. Doch der dunkle Lord hatte diesen Befehl gegeben und duldete auch von ihm keinen Widerspruch. ??Mit Lord Voldemort selbst und mit Wurmschwanz hatte er in den vergangenen Tagen seit ihrer Ankunft in Hogwarts kaum ein Wort gewechselt. Wurmschwanz wagte es nicht, den dunklen Lord mit Fragen zu löchern, wie es weitergehen würde und der dunkle Lord selbst war die meiste Zeit mit Nagini allein. Voldemort wusste sehr viel über Snape, aber er wusste nicht, dass er sich über die Jahre im Selbststudium heimlich Grundkenntnis in Parsel angeeignet hatte. Da das ein äußerst mühsames Unterfangen war, an dem vor ihm schon so manche namhafte Zauberer und Hexen bitter gescheitert waren, hatte er nie besondere Hoffnungen in das Gelingen seines Vorhabens gesetzt. Wie ungerecht war es da, dass dem Sohn des arrogantesten und überheblichsten seiner früheren Mitschüler diese Gabe einfach mit in die Wiege gelegt worden ist? ??Zumindest reichten Snapes Parsel-Kenntnisse aus, um hin und wieder ein paar von den Wortfetzen zwischen dem dunklen Lord und Nagini aufzuschnappen und deren Sinn und Hintergrund zu verstehen. Zwischendurch war Nagini immer wieder einige Stunden nicht in der Kammer des Schreckens gewesen, und Snape vermutete, dass sie durch den verbotenen Wald streunen und für den dunklen Lord die Lage ausspähen würde. ??„Severus?“ ??Snape schnellte herum. Hinter ihm stand Wurmschwanz und blickte ihn an. ??„Ja? Was gibt es, Peter?“ ??„Der dunkle Lord wünscht uns beide zu sehen.“ ??Snape nickte und erhob sich von seinem Schemel. Mit dem Zauberstab deutete er kurz auf die Flamme unter seinem Kessel, die daraufhin erheblich kleiner wurde und nur noch gemütlich vor sich in flackerte. Snape folgte Wurmschwanz durch die Gänge hin in die Halle, in der die Lehrer vor ein paar Jahren den toten Basilisken gefunden hatten. Dort stand nun Voldemort und neben ihm lag Nagini. ??„Da seid ihr ja endlich!“, sagte der dunkle Lord ungeduldig, „seit drei Tagen sind wir nun hier in Hogwarts und ich fühle mich schon wieder ganz wie zu Hause. Nun, da übermorgen die Schüler hier zum neuen Schuljahr erwartet werden, müssen wir uns allmählich auf die Dinge einstellen, die auf uns zukommen. Wie von mir geplant, ist unser Eindringen hier bislang fast unbemerkt geblieben. Ihr habt euch nicht verhört, ich sagte ‚fast’. Denn zwei Personen, ein Zentaur und ein Mädchen, haben uns am Rande des verbotenen Waldes heimlich beobachtet und verstecken sich nun tiefer im verbotenen Wald. Nagini hat mir gesagt, dass der Zentaur von seiner Herde ausgestoßen wurde und seit einiger Zeit ganz auf sich allein gestellt ist, ist das nicht tragisch?“ ??Snape holte tief Luft. Er wusste, dass es sich dabei nur um Firenze handeln konnte, doch wer konnte nur dieses Mädchen in seiner Begleitung sein? ??„Normalerweise habe ich großen Respekt vor Zentauren,“ fuhr der dunkle Lord fort „weil sie in der Gruppe stark, engagiert und oft unberechenbar sind, ganz zu schweigen von ihren doch bemerkenswert überdurchschnittlichen magischen Fähigkeiten. Es heißt, sie hätten eine außerordentliche Begabung, was die Wahrsagerei angeht. Doch sollte mich wirklich ein einzelner, von seiner Herde verstoßener Zentaur ängstigen? Ehrenwert, wie er versucht, dieses Mädchen zu schützen und vor uns zu verstecken. Aber ich frage euch: Gibt es bessere Opfer für uns als diese beiden Personen?“ ??Voldemort sagte leise etwas zu Nagini. Snape konnte nur den letzten Teil verstehen, der soviel bedeutete wie „...richte dabei nicht ein zu großes Chaos an. Und pass auf, dass dich niemand sieht.“ ??Wurmschwanz traute sich nicht, etwas zu erwidern und wollte sich schon abwenden, als der dunkle Lord abermals zu sprechen begann. ??„Warte“, fuhr er fort. „Ich bin noch nicht fertig. Um möglichst effektiv und zum besten Zeitpunkt zuzuschlagen, müssen wir von Zeit zu Zeit wissen, was im Schloss passiert. Wurmschwanz?“ ??Pettigrew blickte überrascht auf und sah direkt in Voldemorts kalte Augen. Dessen Blick durchbohrte ihn und begann seinen Geist nach fremdem und zweifelndem Gedankengut abzusuchen. Wurmschwanz hasste dieses Gefühl, war aber bereit, es für seinen Herrn zu ertragen. „Ja, mein Herr? ??„Du hast die ehrenwerte Aufgabe, als Ratte die Lehrer und Schüler von Hogwarts auszuspähen und Informationen darüber zu sammeln, was im Schloss vor sich geht. Damit hast du ja ausreichend Erfahrung, würde ich meinen, nicht wahr Wurmschwanz?“ ??Er nickte. ??„Und wenn dir Potter über den Weg laufen sollte, dann erhalte ich darüber unverzüglich deine Meldung, ist das klar?“ ??„Natürlich, mein Lord.“ ??„Also gut. Dann an die Arbeit. Und pass auf, dass du nicht bei den Hauselfen im Kochtopf landest.“ ??Snape und Wurmschwanz drehten dem dunklen Lord den Rücken zu und auch Nagini setzte sich in Bewegung. Severus Snape sah seine Vermutung bestätigt, dass es irgendwo noch einen zweiten Ausgang aus der Kammer des Schreckens geben musste. Einen Ausgang, der direkt ins Freie führen musste. Wie sonst wäre es möglich, dass Nagini in den verbotenen Wald gelangen konnte? Sie wird wohl kaum den Weg durch die Gänge des Schlosses genommen haben. ??Vor fünf Jahren, als Snape mit Dumbledore hier unten aufgeräumt und alles abgesucht hatte, da haben sie einen derartigen geheimen Ausgang vergeblich gesucht. Dennoch musste es ihn wohl geben. Rechts neben sich nahm Snape wahr, dass Peter’s Gestalt, langsam die einer Ratte annahm. ??Snape dachte noch einen Moment an Firenze und daran, dass er und dieses unbekannte Mädchen es jetzt mit Nagini zu tun bekommen würden. Eigentlich konnte er nichts gegen Firenze sagen, er war im vergangenen Jahr ein sehr zuverlässiger Kollege gewesen und war absolut loyal Dumbledore gegenüber. Dass er gerade deshalb von seiner Herde verstoßen wurde, das hatte Snape eben besser nicht erwähnt. ??Im nächsten Moment saß er schon wieder vor seinem Kessel und fachte das Feuer unter dem Kessel wieder an. Er fluchte, dass er nicht über seine viel bessere Ausrüstung verfügte. ?
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??Tagesprophet vom 31. August ??Rätselhafte Funde ??„An zwei verschiedenen Orten sind gestern grausame Entdeckungen gemacht worden. In London vor der Telefonzelle, die als Zugang zum Zaubereiministerium bekannt ist, wurde die Beauxbaton-Absolventin Fleur Delacour gestern früh tot aufgefunden. Offenbar wurde sie von den Todessern ermordet, die sie vor ein paar Tagen auf ihrer eigenen Hochzeitsfeier gekidnappt hatten. Weiter in der Gewalt der Entführer sind ihr Bräutigam Bill Weasley, sowie dessen Eltern und zwei seiner Brüder. Ein Lebenszeichen der Geiseln liegt bislang nicht vor. Die Entführer fordern die Auslieferung des Hogwartsschülers Harry Potter im Austausch für die Geiseln (wir berichteten). Offenbar war es ihnen mit der Drohung, die Geiseln nach und nach zu töten, Ernst, wie der Mord an Miss Delacour zeigt. ??Weitaus mysteriöser erscheint da der Fund der zweiten Leiche am gestrigen Tage. Im sogenannten verbotenen Wald in der Nähe der Zaubererschule Hogwarts wurde vom Wildhüter Rubeus Hagrid gestern in den frühen Morgenstunden der Leichnam des Zentaurs Firenze gefünden. Nach den Angaben des Wildhüters war der Zentaur übel zugerichtet und muss offenbar von einer sehr aggressiven magischen Kreatur angegriffen worden sein. Nicht auszuschließen ist auch, dass Teile der ehemaligen Herde des Zentaurs für diese grausame Tat verantwortlich sind, denn nach den Angaben des Wildhüters ist Firenze vor einigen Monaten aus der Herde ausgeschlossen worden, weil er sich auf Bitten des inzwischen verstorbenen Schulleiters Albus Dumbledore dazu bereit erklärt hatte, die Hogwartsschüler zu unterrichten. Morgen werden in Hogwarts Hunderte von Schülern zum Beginn des neuen Schuljahres erwartet. Minerva McGonagall, kommissarische Schulleiterin von Hogwarts erklärte abermals, dass die Sicherheit im Schloss gewährleistet sei und was immer dort im verbotenen Wald geschehen sei, würde keinen Einfluss auf die Sicherheit des Schulbetriebs nehmen. ??Wer den ermordeten Zentauren Firenze und den wegen des Mordes an Dumbledore gesuchten Professor Snape im kommenden Schuljahr ersetzen soll war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht bekannt.“ ??„Firenze tot? Hier ganz in unserer Nähe? Und Hagrid hat ihn gefunden und uns nichts erzählt? Und Fleur auch noch? Ich meine, gemocht habe ich sie ja nun wirklich nicht. Aber das hat sie nun wirklich nicht verdient. Wo sie doch meinen Bruder heiraten wollte.“ Ginny war völlig durcheinander. ??„Zeig mal her!“, sagte Hermine. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass die anderen Zentauren Firenze umbringen würden. Hoffentlich hat Grawp da nichts damit zu tun.“ ??„Warum sollte Grawp sich mit Firenze streiten oder ihn umbringen?“ ??„Naja, wenn er einmal in Fahrt ist und sich über etwas ärgert, dann hält ihn so schnell nichts auf, auch nicht Firenze.“ ??„Hmm. Trotzdem glaube ich da nicht daran.“ Ginny schüttelte den Kopf und kämpfte mit den Tränen. "Viel mehr Sorgen mache ich mir um meine Brüder und um meine Eltern und natürlich um Harry. Wo sie wohl alle gerade sind und wie mögen sie sich fühlen.“ ??Die Tür vom Gryffindor-Gemeinschaftsraum schwang auf und Rubeus Hagrid trat hinein. ??„Oh, Hagrid. Da bist du ja. Wir wollten dich sowieso heute noch besuchen kommen.“, sagte Hermine. Hagrids Blick fiel auf den Tagespropheten. „Hallo. Ihr habt es also schon erfahren. Armer Firenze so ein feiner Kerl. Es ist mir ein absolutes Rätsel. Wer tut denn nur sowas?“ ??„Vielleicht die anderen Zentauren, die ihn aus der Herde getrieben haben? Die Zeitung hat so etwas vermutet.“, sagte Ginny vorsichtig. ??„Nein, das würden sie nicht tun. Nicht so. Firenze wurde von einem Ungeheuer zu Tode gebissen. Er ist davongelaufen, doch das Vieh war schneller und hat ihn von hinten verschlungen." ??„Du Hagrid.“, Hermine zögerte, „bist du sicher, das Grawp da nichts damit zu tun hat?“ ??„Um Gottes Willen, Hermine!“, sagte Hagrid entrüstet. „Niemals wäre Grawp zu einer so entsetzlichen Tat auch nur fähig. Er ist übrigens gar nicht mehr auf den Ländereien von Hogwarts, denn ich habe ihn in den Ferien in seine Heimat zurückgebracht.“ ??Hermine und Ginny nickten stumm. „Aber wer ist es dann gewesen?“, fragte Ginny schulterzuckend. ??„Ich weiß es nicht, aber sicher bedeutet das alles nichts Gutes." Hagrid hielt kurz inne. "Und das Schlimmste an allem wisst ihr ja noch gar nicht, weil wir das den Reportern vom Tagespropheten nämlich gar nicht gesagt haben.“ ??Hermine blickte auf „Was denn? Nun erzähl schon, Hagrid!“ ??Hagrid blickte die beiden Mädchen traurig an. „Neben dem Leichnam von Firenze, da haben wir auf der Erde die kaputt getretene Brille von Luna gefunden. Aber von Luna selbst fehlt jede Spur.“
Kapitel 37:
Auf der Suche ??
Drei Tage und Nächte waren Remus Lupin und Frank Longbottom seit der Begegnung mit den Dementoren unterwegs gewesen und seit zwei Tagen hatten sie die Moorlandschaft verlassen und den Gebirgszug erreicht, hinter dem Remus den Wanderer vermutete. Ihm war freilich bewusst, dass es der Suche nach der Nadel im Heuhaufen gleich kommen würde, was er sich vorgenommen hatte, doch was sonst blieb ihm übrig? In einer Woche würde es Vollmond sein und seinen Trank hatte er nicht mitgenommen, so dass er eine Verwandlung in einen Werwolf in dieser Zeit nicht wird vermeiden können. Remus hasste diese unfreiwillige Verwandlung mehr als irgend etwas anderes in seinem Leben, und durch seinen Trank mit dem Gegenmittel gelang es ihm meistens, sie zu unterdrücken. Er war sich nicht ganz sicher, ob Frank davon wusste, dass Remus ein Werwolf war. Er hatte beschlossen, ihm das in jedem Falle noch rechtzeitig mitzuteilen, falls sich ihre Suche bis zur nächsten Woche hinziehen würde. ??„Nach wem genau suchst du eigentlich, Remus? Und warum?“, fragte Frank, während sie einen recht langen Anstieg hinauf stiegen. „Unter dem Namen ‚der Wanderer’ kann ich mir nämlich überhaupt keine Person konkret vorstellen.“ ??„Sachte.“, sagte Lupin. „Alles zu seiner Zeit. Er wäre heute seit langem tot oder in Askaban, wenn wir ihm damals nicht geholfen hätten. Er musste einfach untertauchen und Sirius Black, Albus Dumbledore und ich haben ihm dabei geholfen.“ ??„Heißt das, es ist jemand, den alle Welt für tot hält?“ Frank zog seine Stirn in Falten. ??„Du wirst es bald sehen.“, sagte Lupin. „wenn wir ihn finden. Wenn nicht, würde dich die Geschichte nur unnötig belasten und deshalb erzähle ich sie dir erst, wenn es soweit ist.“ ??Frank war durch diese Äußerung von Remus zwar ein wenig gekränkt, versuchte aber, ihn dennoch zu verstehen. Wortlos stiegen beide eine Weile nebeneinander her weiter den Berg hinauf. Die Sonne stand nun fast senkrecht am Himmel, es musste kurz nach der Mittagszeit sein. Auf Franks Vorschlag hin legten sie wie um diese Zeit üblich, eine kurze Rast ein. ??„Woher kennst du dich hier so gut aus?“, fragte er Remus schließlich. ??„Einerseits aus der Zeit damals, als wir den Wanderer regelmäßig besucht und mit neuesten Informationen aus der Zaubererwelt versorgt haben, aber andererseits habe ich hier auch einmal einige Jahre lang gelebt, und zwar kurz nach den Ereignissen um deine Frau und dich und um James und Lily Potter.“ Remus machte eine Pause und blickte Frank nachdenklich an. „Ich muss dir nun etwas sehr Wichtiges sagen, Frank. Kannst du ein Geheimnis für dich behalten? Obwohl, eigentlich ist es seit ein paar Jahren kein wirkliches Geheimnis mehr. Nicht, seitdem ich in Hogwarts als Lehrer entlassen worden bin, aber daran wirst du dich ja sicher nicht erinnern können.“ ??Frank schüttelte langsam mit dem Kopf. „Du warst einmal Lehrer in Hogwarts? Ist das dein Ernst? Und wie konnte man dich nur entlassen? Ich könnte mir kaum einen besseren Lehrer vorstellen!“ ??Lupin lachte. „Ja, ich war in Hogwarts als Lehrer, aber nur ein Jahr lang, danach war der Druck des Ministeriums und des Tagespropheten auf Dumbledore zu groß.“ ??„Welcher Druck?“ ??„Der Druck, den die Entrüstung der Eltern ausgelöst hatte, als sie erfuhren, dass ihre Kinder in Hogwarts ein Jahr lang von einem Werwolf unterrichtet worden sind.“ Lupin lächelte geheimnisvoll und Frank Longbottom musterte ihn überrascht. ??„Willst du damit sagen...?“ ??„Ja, genau das wollte ich dir sagen. Ich bin ein Werwolf und zwar schon sehr lange. Ich habe im Augenblick keinen Trank zur Unterdrückung der Verwandlung in meinem Gepäck und ab nächster Woche musst du in einigen Vollmondnächten damit rechnen, dass ich mich in eine wilde Bestie verwandle, falls wir dann so klares Wetter haben wie jetzt.“ ??Frank schluckte und blickte Remus mit ernster Miene an. ??„Ich dachte mir, es ist besser, wenn du es vorher weißt,“, fuhr Remus fort, „denn wenn ich erst einmal verwandelt bin, werde ich dich nicht erkennen und dich im Zweifel beißen oder sonst verletzen, wenn du dich nicht gegen mich schützt.“ ??„Danke, Remus. Wie lange bist du schon...?“ ??„Seit wann ich ein Werwolf bin? Schon sehr lange. Ich wurde als Kind gebissen und zwar von Fenrir Greyback. Er bevorzugt es ja immer wieder, unschuldige Kinder zu beißen.“ ??„Dieses Schwein. Ich habe ihn schon damals als Auror immer gejagt. Kaum ein Werwolf ist so aggressiv und böse gewesen wie er. Aber du hast offensichtlich Glück gehabt. Nicht alle seiner Opfer ließ er damals überleben, egal ob als Werwolf oder nicht.“ ??Lupin nickte. „Ich weiß. Schau mal, Frank. Dort oben,“, Remus Arm deutete den steilen Hang hinauf, „dieser Felsvorsprung da. Kannst du den erkennen?“ ??„Ja. Ich sehe ihn.“ ??„Von dort aus geht ein Weg hinab in die dahinter liegende Schlucht. In dieser Schlucht, habe ich vor vielen Jahren gelebt, nachdem alle meine Freunde nach dem Fall von Voldemort plötzlich entweder tot waren, oder für tot gehalten wurden und Sirius in Askaban festsaß. Es gibt in der Schlucht ein paar Höhlen und sogar eine kleine Hütte für Wanderer.“ ??„Und du glaubst nun, wir könnten den Wanderer, den du suchst, nun in dieser Schlucht oder sogar in dieser Hütte finden?“ ??„Ja. Das hoffe ich.“ ?
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??Bill, Fred und George Weasley kamen völlig erschöpft in der Winkelgasse am Scherzartikelladen der Weasley-Brüder an. Fred sperrte mit dem Zauberstab die Tür auf, die drei Brüder drängten hinein in den dunklen Laden und schlossen die Tür eilig hinter sich. ??„So. Hier sind wir erst einmal in Sicherheit!“, keuchte George. ??„Was tun wir jetzt als nächstes? Wir haben nur einen Zauberstab. Soll ich zum Fuchsbau apparieren und unsere Zauberstäbe besorgen?“, fragte Fred eilig. ??„Ich weiß nicht, ob der Fuchsbau nicht noch immer von Todessern überwacht wird, denn sie erwarten doch sicher, dass Harry dort irgendwann aufkreuzt. Er scheint ja noch immer verschwunden zu sein, was ja gleichzeitig Anlass zur Hoffnung und zur Sorge geben kann.“, sagte Bill nachdenklich ??„Harry ist mir im Moment allerdings ziemlich egal! Wir müssen zusehen, dass wir Mum und Dad aus den Händen der Todesser befreien. Wir brauchen dringend Hilfe und müssen dann mit gehöriger Verstärkung nach Malfoy Manor zurückkehren!“ Fred war kaum zu bremsen. ??„Gut, dann apparierst du nun zum Ministerium und schilderst dort dem Zaubereiminister, was passiert ist.“, sagte George, „Bill und ich werden hier auf dich warten. Vielleicht kannst du dir im Ministerium auch zwei Zauberstäbe für uns geben lassen oder veranlassen, dass ein Auror uns unsere Zauberstäbe aus dem Fuchsbau bringt. Dann werden wir uns alle gemeinsam wieder hier treffen und den Orden des Phönix informieren.“ ??„Ich denke trotzdem, dass es zu spät sein wird. Lucius Malfoy wird wohl kaum mit Mum und Dad in Malfoy Manor auf uns warten. Er kann sich ja denken, dass wir den Ort erkannt haben. Ich bin mir sicher, dass sie sich ein anderes Versteck suchen werden, bevor wir dort sind. Lasst uns doch einmal scharf nachdenken, welcher Ort dafür in Frage käme?“ ??„Tja, wenn wir das wüssten, Bill.“, sagte George ruhig. „Malfoy Manor scheint in jedem Fall nicht das Hauptquartier der Todesser zu sein, denn von Du-weißt-schon-wem und Severus Snape war in dem Versteck ja weit und breit nichts zu sehen.“ ??„Ihr meint also, es hat keinen Zweck, dass wir wenigstens versuchen, sie zu befreien?“ ??„Apparier du erst einmal zum Ministerium und sag denen, dass es uns Dreien gut geht und wir geflohen sind. Dann soll das Ministerium und die Auroren unsere Eltern befreien und endlich entscheiden, entscheiden, wie nun alles weitergehen soll und was zu tun ist.“, sagte Bill. ??„Ist das dein Ernst?“, Freds Stimme klang immer energischer, „wir sollen Percy und seinesgleichen die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Eltern überlassen? Niemals! Dann kannst du ins Ministerium apparieren, Bill. George und ich werden uns schon irgendwo Zauberstäbe besorgen und dann werden wir Mum und Dad befreien.“ ??„Ich will sie doch auch befreien, doch so eine unüberlegte Aktion hat doch gar keinen Sinn! Aber gut, gib den Zauberstab her, dann appariere ich eben selbst ins Ministerium.“ ??Bill erhielt den Zauberstab von Fred und war wenige Sekunden darauf verschwunden. ?
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??Victor Krum und die Karkaroff-Brüder streunten durch Godric’s Hollow. Hermine hatte ihnen von ihrer Begegnung mit Mrs. Sheldon erzählt und davon, dass sie dort zunächst den Eindruck hatten, dass sie verfolgt worden sind. Sie hatten vereinbart, dass sie sich in einem Gasthaus von Godric’s Hollow einmieten würden, bis Ron oder Harry wieder auftauchen würden, um die Lage dort zu beobachten und eventuell da zu sein, wenn Harry und Ron Unterstützung brauchen. ??„Dieser Friedhof hier ist so unscheinbar und doch interessant und ganz anders als die Friedhöfe bei uns in Durmstrang.“, sagte Leonid Karkaroff. Victor nickte. „Niemand würde denken, dass hier so bedeutsame Personen aus der Zauberergemeinschaft begraben liegen.“ ??„Wann werden wir heute zu dem Platz gehen, an dem das Haus der Potters stand? Sollen wir uns wieder gegenseitig ablösen mit der Wache, so wie gestern? Wenn uns Weasley oder Potter über den Weg laufen, oder vielleicht der eine oder andere Todesser und Kopfgeldjäger, die nach ihnen suchen, dann ja wohl da oben, oder?“ Die Stimme von Boris Karkaroff klang ungeduldig. Victor wusste, dass er seit dem Tod seines Vaters von Rachegedanken zerfressen war, mehr noch, als sein etwas älterer Bruder. ??„Wir müssen trotz allem vorsichtig sein und dürfen unsere Gegner nicht unterschätzen. Habt ihr den Tagespropheten heute gelesen? Die erste Geisel ist schon tot, deshalb können wir wohl davon ausgehen, dass sie Harry Potter noch nicht gefunden und gefangen haben.“ Victor schwieg kurz doch fuhr nach wenigen Augenblicken fort: „Im verbotenen Wald wurde ein Zentaur getötet. So etwas habe ich in Durmstrang noch nie erlebt. Zentauren trifft man fast nie alleine an, das sind ausgesprochene Herdentiere.“ ??„Ja, Victor. Das klang sehr mysteriös. Hoffentlich sind deine Freunde da in Hogwarts auch wirklich sicher.“ Leonid zog die Stirn in Falten. „Also gut. Lasst uns wieder aufbrechen zu diesem Parkplatz am Waldrand. Ich würde zwar lieber den einen oder anderen Horcrux suchen, aber vielleicht haben wir heute ja auch mal etwas Glück.“
Kapitel 38:
Einblicke in eine andere Welt ??
„Harry, mach bitte jetzt keine geschmacklosen Witze!“ Rons Stimme klang stark verärgert. „Mach ich nicht. Schau doch selbst!“ ??Ron stand auf, und schaute Harry über die Schulter. Die Karte des Rumtreibers zeigte tatsächlich die Namen der Zauberer Snape, Pettigrew und Riddle an. ??„Die Karte muss spinnen, das ist doch nicht möglich!“, sagte Ron entrüstet. ??„Die Karte hat sich noch nie geirrt. Weißt du noch, als ich Pettigrew zum ersten Mal darauf entdeckt habe? Da hat es auch gestimmt.“ ??„Aber da, wo die Namen stehen, das ist doch gar kein Raum.“ ??„Doch“, sagte Harry, „sie sind in der Kammer des Schreckens. ??„Dann müssen wir sofort nach Hogwarts, um die anderen zu warnen!“ ??„Du hast mir doch eben noch gesagt, es sei zu gefährlich, wenn ich das Versteck verlassen würde!“, sagte Harry mit einem leichten Grinsen. ??„Ja, stimmt, ähm, dann geh ich eben alleine! Wir können Ginny und Hermine doch nicht im Stich lassen!“ ??„Nein, das tun wir natürlich nicht. Ich habe aber eine bessere Idee. Das könnte auch eine Falle für uns sein. Vielleicht weiss Wurmschwanz, dass wir die Karte noch haben.“ Harry setzte sich an den Tisch, nahm ein Stück Pergament zur Hand und kritzelte etwas darauf. Dann nahm er seinen Zauberstab und berührte die Karte des Rumtreibers damit und sagte „Missetat begangen!“ Sofort verschwand die Schrift auf der Karte. Dann rief Harry: „DOBBY!“ ??PENG ??„Meister Harry haben Dobby gerufen? Hat es euch geschmeckt?“ Dobby machte sich daran, die Schlemmerplatten abzuräumen. ??„Nein, Dobby.“ ??„Was? Das kann ich mir nicht erklären, dass es nicht geschmeckt hat. Es waren doch die köstlichsten Sachen, die die Küche ....“ ??„Dobby, STOP!“, unterbrach Harry den Hauselfen. „Natürlich hat es vorzüglich geschmeckt. Ich wollte dir nur sagen, dass wir dich nun nicht wegen des Essens gerufen haben, sondern weil wir eine andere äußerst dringende Bitte für dich haben.“ ??„Oh“, sagte Dobby überrascht. „Sehr gern. Was kann Dobby euch tun?“ ??Harry reichte Dobby die Karte des Rumtreibers mit der zusammenfalteten Nachricht auf dem Pergament. „Das hier“, sagte er, „muss auf dem allerschnellsten Weg zu Hermine Granger gebacht werden.“ ??„Aber Dobby ist doch keine Eule. Morgen kommen alle Schüler nach Hogwarts, ich habe wirklich viel zu tun in der Küche.“ ??„Dobby bitte! Ich würde dich nicht darum bitten wenn es nicht äußerst wichtig wäre!“ ??„Also gut, Sir Harry.“, sagte Dobby schließlich und nahm die Karte und die Botschaft in die Hand. „Dobby versteht zwar nicht, warum ein Stück leeres und ein beschriebenes Pergament so wichtig sein können, doch ich werde Hermine suchen gehen.“ ??„Ich denke, um diese Uhrzeit müsste sie im Gryffindor-Gemeinschaftsraum sitzen.“, sagte Ron mit einem Grinsen im Gesicht. ??PENG ??Dobby war wieder verschwunden und Ron wandte sich wieder Harry zu. „Das war wirklich eine klasse Idee, Harry!“ ??Harry nickte. ??„Dennoch kann ich hier nicht länger tatenlos herumsitzen. Wenn wir wissen, dass Voldemort in Hogwarts ist, dann kann ich vielleicht ungestörter nach meinen Eltern und den Horcruxen suchen. Leihst du mir deinen Tarnumhang?“ ??„Ja, einverstanden.“, sagte Harry, „auch wenn ich dich äußerst ungern alleine gehen lasse!“ ??Ron wurde von Harry etwas später zum Eingang des Versteckes geführt und verschwand nach einer kurzen Umarmung mit Harry in die Dunkelheit. „Pass auf dich auf!“, rief Harry ihm hinterher. ??Dann ging er zurück in den Raum, in dem die Erinnerungen seiner Eltern so lange versteckt waren. ??Ob er sich nun einige der Erinnerungen seiner Eltern anschauen sollte? Jetzt, wo Ron in einer größeren Gefahr schwebte als er? Konnte er das mit seinem Gewissen vereinbaren? Doch andererseits, hier unten konnte er nichts ausrichten. Er hatte sich in diesem Versteck selbst zum Gefangenen gemacht, wie ein Kaninchen, dass in seinen Bau rennt, wohlwissend, dass sich der Fuchs in naher Entfernung auf die Lauer gelegt hat. ??Nein, er konnte nichts tun. Er würde aber etwas über seine Eltern erfahren können. Schließlich hat Dumbledore ihm an diesem Ort die Erinnerungen hinterlassen und das hätte er nicht getan, wenn er kein Recht dazu gehabt hätte, sie sich jetzt, in solch schlimmen Zeiten, anzusehen. Und vielleicht waren die Zeugnisse der Vergangenheit für seine große Aufgabe ja doch von Nutzen, vielleicht konnte er darin irgendetwas herausfinden, was ihn bei der Suche und Zerstörung der Horcruxe weiterbringen würde. ??Harry stand auf, ging zu dem Schrank, entnahm ihm eine Erinnerung und schritt zum Denkarium. ??Er öffnete das Fläschchen und ließ die Erinnerung in das Denkarium hinein gleiten. Als er sich leicht vornüber beugte, wurde er auch schon hineingesogen. ??Er blickte sich um. Er konnte nicht genau sagen, wo er war, nur, dass es ihm hier gefiel. Er stand in einem dunklen Raum, der nur von Kerzen erleuchtet wurde. Überall standen stilvolle Möbel, die allesamt ziemlich dunkel gehalten wurden, die Fenster hatten breite Vorhänge aus braunrotem Samtstoff, in einer Ecke brannte im Kamin ein kleines Feuer und in einer anderen, ja, erkannte er einen Tannenbaum – ‚Es wird also Weihnachten sein’, dachte sich Harry. ??Plötzlich, schnellte er herum und versteckte sich hinter einem Sessel. Im nächsten Moment fiel ihm wieder ein, dass ihn ja keine Seele sehen konnte. Er hörte die Schritte einer Person, die näher kam. ??Die Klinke der Tür wurde heruntergedrückt und ein Mann betrat den Raum, der nur sein Vater sein konnte. In seinem Bauch zog sich alles zusammen und Harrys Herz klopfte. Er war also tatsächlich im Haus seiner Eltern an dem Ort, an dem er vor kurzem nur einen kahlen Parkplatz gesehen hatte. Er war in dem Haus, das einst den Potters gehört hatte, seinem wahren Zuhause, von dem nun nichts mehr übrig war. ??James Potter war älter als in der letzten Erinnerung und machte einen deutlich besonneneren Eindruck als an dem Sommertag vor den drei Besen. ??„Ja Schatz“, hörte er ihn sagen. ??Harry beobachtete mit klopfendem Herzen, was sich vor ihm abspielte. Kurz nach dem sein Vater James ins Zimmer gekommen war, hatte auch seine Mutter Dieses betreten. Ihm fielen gleich die rotbraunen Haare von Lily Potter auf. ??James lächelte sie an und nahm ihr dann die beiden Gläser Milch, die sie mühsam in der einen Hand fest umklammerte, ab. In der anderen Hand, hielt sie einen Teller, auf dem noch dampfende Kekse lagen. Sie stellte ihn auf den riesengroßen Tisch, der festlich, wie alles in dem Zimmer, geschmückt war, schnappte sich einen Keks und setzte sich dann auf James Schoß. ??„Magst du den wirklich haben? Jaaa?“ Lily grinste ihn frech an und blickte ihn dabei fordernd in die Augen. ??James versuchte Lily den Keks zu stibitzen, war aber zu langsam! Schon hielt sie den Keks zwischen ihren Lippen fest umklammert. ??„Nun, um so besser“, sagte James liebevoll, „so bekomme ich beides, was ich will!“ ??Er schnappte sich die andere Hälfte des Kekses, biss ab, kaute zwei drei Mal schnell, schluckte ihn herunter und küsste Lily ganz sanft. ??Harry musste verlegen für einige Sekunden zu Boden schauen, lächelte dann aber und spürte noch immer sein Herzklopfen. ??James ließ von ihren Lippen ab und streichelte ihr dann eine Strähne ihres langen, roten Haares aus ihrem wunderschönem Gesicht. ??„ Liebling, du weißt, dass ich dich mehr liebe, als mein Leben. Dennoch gebe ich mich in der Sache noch nicht geschlagen!“ Neckisch sah er Lily an und schien überzeugt, dass er gewinnen würde. Was wohl? ??„ Schatz“, entgegnete sie ihm in dem gleichen süßen Ton, den er ihr entgegen gebracht hatte. „Ich bleibe dabei! Er wird Harry heißen!“ ??„ Aber, aber… der arme Junge! Können wir ihn nicht lieber Dennis nennen?“ ??Harry spürte einen Kloß in seinem Hals. Sie sprachen über ihn; jetzt gerade, just in dem Moment. Dennis? Hatte Harry gerade richtig gehört? Sein Vater wollte ihn ursprünglich Dennis nennen? ‚Dad, also bitte!’, dachte er bei sich. ??Doch zum Realisieren und Nachdenken blieb keine Zeit, denn er musste sich auf die Unterhaltung seiner Eltern konzentrieren und wollte nicht ein Wort verpassen. ??„Ich fande diesen Namen schon immer sehr hübsch, das weißt du doch. Wie kannst du nur auf die Idee kommen, einer schwangeren Frau einen Wunsch abschlagen zu können?“ Lily sah ihm tief in seine Augen, nahm seine Hand, zog ihren Pullover ein Stück nach oben und legte sie auf ihren Bauch. ??Harry starrte auf den schon leicht gewölbten Bauch seiner Mutter. Diese Wölbung da, dahinter konnte sich nur er selbst verbergen. Seine Mutter war nicht Kugelrund, nein, aber ein Ansatz eines Babybauches war schon zu erkennen. Ihm stiegen Tränen in die Augen, folglich sah er mit einem Mal alles nur noch verschwommen. Er nahm seine Brille ab, wischte sich mit seinem Handrücken und seinem Zeigefinger seine Tränen ab und setzte sich die Brille wieder auf die Nase. ??„Wie kann ich dir das am Weihnachtsabend abschlagen, mein Engel? Ihr Frauen wisst doch genau, wie ihr uns Männer rumkriegen könnt. Das wusstest du auch schon zu den Zeiten, als wir noch in Hogwarts zur Schule gegangen sind.“ ??Lily lachte und küsste ihn erneut. James erwiderte den Kuss und ein paar Minuten verstrichen. James streichelte seiner Frau über den Rücken und sprach dann: „Du, Lily, du solltest dich darum kümmern, dass du bald nicht mehr in der Apotheke arbeiten brauchst. Gerade die Muggel sollten möglichst früh Bescheid wissen, damit sie sich rechtzeitig um Ersatz kümmern können.“ Lily legte ihm ihren Finger auf die Lippen. „Ja, ich weiß. Ich werde mich bald darum kümmern, ich verspreche es dir, okay?“ Sie schaute ihn weiterhin an, ohne den Blick einmal abzuwenden und fuhr fort: „Aber nur, wenn du versprichst, dass du nun auch kürzer treten wirst. Du weißt, dass es gefährlich ist als Auror und noch dazu die Aufgaben für den Orden! Es werden sich auch andere Spezialisten für Animagi finden lassen. Wenn Harry erst einmal geboren ist, möchte ich nicht, dass du noch große Risiken eingehst, hörst du?“ ??James nickte, lehnte sich nach rechts und zog Lily auf sich. „Du spielst schon wieder alle Waffen der Frauen aus! Wo lernt man es, so unschuldig zu gucken?“ ??Im Schein des Kamins sah er seine Mutter seinen Vater mit einem verliebten Lächeln anhimmeln. Sie küssten sich immer wieder, lagen schließlich vor dem Kamin auf dem Teppich und begannen, einander langsam auszuziehen. ??Harry registrierte sofort, dass es für ihn nun Zeit war, die Erinnerung zu verlassen. Das Bild seiner Eltern verschwamm vor ihm und ging fließend in die Umrisse des Verstecks der Geheimniswahrer über. Mit seinem Zauberstab beförderte er die Erinnerung zurück in die Flasche und stellte sie wieder an ihren Platz zurück. ??Seine Augen glitten über die anderen Flaschen. Was, wenn eine von ihnen etwas über den Schatz der Geheimniswahrer berichten würde? Was, wenn eine den Schlüssel zum Sieg über Voldemort beinhaltete? Zögernd griff er zu einer anderen Flasche aus der mittleren Reihe. ??Harry öffnete die Flasche und gab die Erinnerung in das Denkarium. Wieder beugte er sich nach vorne und der Raum um ihn herum verschwamm und formte sich langsam um in einen Raum den Harry inzwischen sehr gut kannte. Es war Dumbledores Büro. ??Dumbledores Gemälde hing noch nicht an der Wand und alles kam ihm auf einmal so anders vor als bei seinen letzten Besuchen dort. Er blickte sich um und entdeckte Professor Dumbledore, der mit ernster, fast schon bedrückter Miene hinter seinem Schreibtisch saß und etwas las. Seine Stirn lag in tiefen Falten und er blickte immer wieder auf und musterte die Tür zu seinem Büro. Offenbar erwartete er jemanden. ???Es klopfte an der Tür und Dumbledores Stimme ertönte laut und deutlich: „Herein“. Die Tür ging knarrend auf und ein Mädchen mit feuerrotem Haar trat ein. Ihr folgte ein großer schlanker Junge mit rabenschwarzem Haar. Wieder erkannte Harry seine Eltern, um einige Jahre jünger als soeben. James war jedoch etwas älter als in der Erinnerung aus Hogsmeade. ??Dumbledore lächelte seine Besucher zufrieden an. „Miss Evans, Mr. Potter setzen sie sich doch!“, sagte er und Lily und James ließen sich auf zwei Stühlen vor dem Schreibtisch ihres Schulleiters nieder. ??Lilys Augen huschten neugierig über die Bilder der ehemaligen Schulleiter. James jedoch schenkte den Gemälden keine Beachtung er schien das Büro schon recht gut zu kennen. ??„Es freut mich sehr, dass sie beide meiner Einladung gefolgt sind.“, sagte Dumbledore und schaute Lily und James über seine halbmondförmigen Brillengläser freundlich an ??Lily nickte ihm höflich zu. James hingegen schien wenig Zeit zu haben: „Schon gut, Professor, worum geht es denn, wir - ähem – haben nicht viel Zeit und hätten noch eine wichtige Verabredung.“ brummte er und warf seiner Uhr einen kritischen Blick zu. ??Dumbledore blinzelte. „Verstehe, Mr. Potter ich habe auch nicht erwartet, dass ausgerechnet sie sich ihr letztes Hogsmeade - Wochenende in ihrer Schulzeit entgehen lassen würdem, also dann muss ich wohl zum Punkt kommen.“. ??James nickte zustimmend, während sich Dumbledore erhob und begann in seinem Zimmer auf und ab zu gehen. „Wie ihnen beiden ja sicherlich bekannt sein dürfte, halte ich große Stücke auf sie und bin davon überzeugt, dass sie, nachdem sie in wenigen Tagen bedauerlicherweise diese Schule verlassen werden, beide eine herausragende Stellung innerhalb der Zauberergemeinde einnehmen werden. Ganz gleich, was sie tun werden, ich bin mir sicher, dass sie es mit großem Erfolg tun werden.“ Dumbledore hielt kurz inne und blickte die beiden Schüler an. „Deshalb möchte ich ihnen ein Angebot machen!“, fuhr er fort und seine Augen leuchteten kurz verheißungsvoll auf. James blickte Dumbledore nun neugierig an und musterte ihn. „Ein Angebot?“, fragte James und man merkte ihm an, dass sein Interesse an dem, was Dumbledore zu verkünden hatte, spürbar gewachsen war. Harry beobachtete seinen Vater genau. Er wirkte so komplett anders als er ihn in der Erinnerung von Snape gesehen hatte. Immer noch verspielt und frech, aber zugleich reifer und erwachsener. Mit seiner Mutter schien er noch nicht so vertraut zu sein, wie in der Erinnerung, die Harry zuvor gesehen hatte. ??Dumbledores Stimme riss Harry aus seinen Gedanken: „Wie ihnen ja sicher ebenfalls bekannt ist, treibt seit nunmehr fast zwei Jahren ein Zauberer, der sich selbst Lord Voldemort nennt, sein Unwesen in England. Er versucht, stetig neue Gefolgsleute zu finden und seine Macht zu vergrößern. Er ist dabei, zu einem der mächtigsten dunklen Magier unserer Zeit aufzusteigen und wird zunehmend zu einer Bedrohung. Wie ich hörte, streben sie nach Abschluss ihrer Prüfungen eine Aurorenausbildung an, nicht wahr Mr. Potter?“ James nickte. ??„Nun, ich habe eine Vereinigung gegründet, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Lord Voldemort und die Todesser aufzuhalten, weil das Ministerium für Zauberei den Angriffen und Machenschaften Voldemorts bislang nicht viel entgegen zu setzen vermochte. Ich halte sie beide nach reiflicher Überlegung, für geeignet dem Orden des Phoenix, wie sich die von mir beschriebene Vereinigung nennt, beizutreten.“ ??Lily blickte auf. Ein Hauch von Stolz blitzte plötzlich in ihren katzengrünen Augen auf. ??„Selbstverständlich können sie mein Angebot in Ruhe überdenken, denn ein Mitwirken im Orden ist gewiss nicht ungefährlich.“, fügte Dumbledore mit ruhiger Stimme hinzu. ??„Überdenken?“, fiel ihm James ins Wort. Das brauche ich wirklich nicht zu überdenken. Ohne lange hin und her zu überlegen, kann ich für mich sagen: Selbstverständlich trete ich dem Orden bei!“ ??Eines sanftes Lächeln legte sich um Dumbledores Lippen, seine Augen loderten auf, als er sich Lily zuwandte. ??„Und sie Miss. Evans?“, Lily lächelte und nickte. „Ich schließe mich Mr. Potter an und bin ebenfalls bereit, den Orden des Phönix zu unterstützen.“, hörte Harry sie noch antworten, bevor wieder alles um sie herum verschwamm und er kurz darauf wieder vor dem Denkarium im Versteck der Geheimniswahrer stand. ??So waren seine Eltern also zu Ordensmitgliedern geworden, dachte Harry. Hätten sie doch damals bloß dankend abgelehnt. Wer weiß, vielleicht wären sie heute noch am Leben und würden mit ihm ein ganz normales Leben führen können. ??Harry blickte mit Tränen in den Augen auf und seine Augen glitten wieder hinüber zu dem Regal und plötzlich atmete er langsamer. ??Eine Flasche auf der oberen Ablage fiel ihm ins Auge. Er beförderte die Erinnerung aus dem Denkarium zurück in die zugehörige Flasche und öffnete die neue Flasche aus dem obersten Regal. Wenn es stimmte, was Dumbledore ihnen gesagt hatte, dann musste dies nun eine Erinnerung seiner Mutter sein. ??Sein Zauberstab zog den weißen Strang heraus und ließ ihn in das Denkarium wirbeln. Wieder versank Harry in den Gedanken. Der Raum um ihn herum nahm diesmal eine ganz andere Form an, aber auch diesen Raum kannte Harry bereits. Es war der kleine Laden in der Winkelgasse, der von oben bis unten voll gestopft war mit diesen schmalen und länglichen Schachteln. Er war im Geschäft von Mr. Ollivander. ??Die Tür schwang auf und eine junge rothaarige Frau trat ein. Sie schien um mindesten zwei Jahre älter, als das Mädchen das Harry noch Minuten zu vor in Dumbledores Büro gesehen hatte, von einer Schwangerschaft war bei ihr aber noch nichts zu bemerken. Hinter der Theke erschien ein kleiner Mann, an den Harry sich noch gut erinnern konnte. Mr. Ollivander begrüßte Lily Potter herzlich: „Oh, die junge Mrs. Potter erweist mir die Ehre. Was für eine Freude! Was kann ich für sie tun?“, fragte er nach. ??Lily blickte sich vorsichtig um. „Können wir ungestört reden?“ ??Ollivander nickte. „Gewiss.“, sagte er und deutete mit seinem Arm in Richtung des Raumes, aus dem er gerade gekommen war. „Kommen sie!“ ??Harrys Mutter folgte Ollivander in das Hinterzimmer und auch Harry lief den beiden nach. ??„Ich bin ernsthaft beunruhigt.“, sagte Lily zu Ollivander. Einer unserer Freunde hat mich neulich nach dem Schatz der Geheimniswahrer gefragt und ich habe keine Ahnung, wie er zu diesen Informationen gelangen konnte.“ ??Ollivander machte ein sehr ernstes Gesicht. „Ein Freund? Sind sie sicher?“ ??„Ja, absolut. Wir vertrauen ihm schon so lang, waren zusammen in Hogwarts und mein Mann teilt so viele Geheimnisse mit ihm. Er sagte, dass uns ja etwas zustoßen könnte und wir ihm unser Geheimnis anvertrauen sollten, damit es nicht in die falschen Hände geraten kann.“ ??„Hmm.“, machte Ollivander, „das mag gut gemeint sein. Ich würde ihnen allerdings trotzdem empfehlen, mit Dumbledore darüber zu reden. Mir ist nicht bekannt, wer die Geheimniswahrer von Hufflepuff und Slytherin sind und ich will es auch gar nicht wissen. Ich weiß nur, dass ich es schon lange nicht mehr wage, Rowena Ravenclaws Zauberstab hier im Laden aufzubewahren, seit diese Leute ihr Unwesen treiben. Nicht auszudenken, wenn er in die falschen Hände geraten würde. Vielleicht darf ich ihnen einen guten Rat geben für die Sache mit ihrem Freund.“ ??„Ja?“, fragte Lily. ??„Ich würde vorschlagen, sie vertrauen ihrem Freund ein anderes wichtiges Geheimnis an. Etwa den Ort eines Verstecks, in das sie sich auf der Flucht zurückziehen würden. Machen sie ihn in einer anderen Angelegenheit zu ihrem Geheimniswahrer, dann wird er sich geehrt fühlen und ihnen glauben, dass sie ihm nicht misstrauen und sie müssen ihm dennoch nichts über den Schatz offenbaren. Wenn er sich damit zufrieden gibt, dann sollten sie ihm weiter vertrauen können.“ ??Mit diesen Worten verschwamm Ollivanders Hinterzimmer und Harry fand sich wieder in seinem Versteck wieder. ?
Kapitel 39:
Unerklärliches ??
Hermine und Ginny saßen noch immer schweigend und ins Leere starrend im Gemeinschaftsraum von Gryffindor. Seit Hagrid wieder verschwunden war, hatten die beiden nicht viel miteinander gesprochen. Zu schockiert waren sie über die Nachricht über Firenzes Schicksal, das allem Anschein nach auch Luna erleiden musste. Warum mussten nur all diese furchtbaren Dinge geschehen? Ginny hatte Angst, dass es nun immer so weitergehen würde mit diesen Horrornachrichten. Was wäre, wenn zum Beispiel morgen im Tagespropheten nicht stehen würde, dass Firenze tot aufgefunden wurde, sondern ihre Mutter, Ron oder gar Harry? Es war doch alles aussichtslos und zum verzweifeln. Wie sollten sie sich bei all den schrecklichen Dingen nur auf das Schuljahr in Hogwarts konzentrieren können? Und wie sollte Harry es schaffen können all das aufzuhalten, jetzt, wo er doch selbst von allen gesucht und gejagt wurde. ??PENG ??Hermine zuckte zusammen und fuhr mit gezücktem Zauberstab in ihrer Hand herum. „Dobby!“, rief sie entrüstet, „musst du uns denn so erschrecken?“ ??„Verzeihung, Miss Hermine und Miss Ginny. Dobby wollte nicht, dass sich jemand erschreckt. Dobby hat nicht viel Zeit, aber Dobby hat Sir Harry und Sir Ron versprochen, euch dies hier zu überbringen. Sir Harry sagte, es sei sehr wichtig und könnte nicht mit der normalen Eulenpost befördert werden.“ ??„Harry?“, rief Ginny, „wo steckt er? Wie geht es ihm?“ ??„Dobby darf darüber nicht reden. Dobby darf nur das hier überbringen. ??„Zeig mal her!“, sagte Hermine, „danke, Dobby. Nur noch eins: Geht es Ron und Harry gut?“ ??„Ja, ich denke schon.“, sagte Dobby, „sie waren nur ein wenig in Sorge, dass ich euch auch diese Botschaft schicke.“ ??Hermine und Ginny blickten sich an und wollten noch etwas sagen, doch da war der Hauself schon wieder mit einem Knall verschwunden. Hermine blickte auf die zwei Stücken Pergament in ihrer Hand. Das eine war leer und das andere zusammengefaltet. Sie faltete es auseinander und las laut vor. ??„Wenn ihr die Missetat begangen habt, seht zu, dass ihr fliehen könnt!“ ??„Und weiter?“, fragte Ginny, als Hermine eine Pause gemacht hatte. ??„Nichts weiter. Mehr steht nicht auf dem Zettel.“ Hermine musterte das Stück Pergament misstrauisch. „Ob die Nachricht wirklich von Harry und Ron stammt? Die sind doch sonst nicht so kurz angebunden. Seltsam. Vielleicht ist ja noch irgendwo etwas verschlüsselt oder mit Zaubertinte geschrienen?“ Hermine musterte nachdenklich das Pergament und betrachtete es von allen Seiten. „Wenn sie schon zwei Blätter Pergament schicken, dann könnten sie doch wenigstens etwas draufschreiben, oder? Sind wir ihnen nicht einmal ein paar nette Zeilen, ein paar aufmunternde Worte wert? Können die sich nicht denken, dass wir neugierig auf das sind, was sie herausgefunden und entdeckt haben?“ ??„Zeig doch mal her!“, sagte Ginny und riß Hermine das Pergament aus der Hand. „Missetat?“, grübelte sie, „erinnert dich das nicht an etwas? Und warum sollten wir fliehen?“ ??„Natürlich“, rief Hermine plötzlich, „das leere Pergament, das muss die Karte des Rumtreibers sein! Die war auch so ähnlich gefaltet, wenn mich nicht alles täuscht.“ ??Augenblicklich tippte Hermine die Karte mit ihrem Zauberstab an und sagte: „Ich schwöre feierlich, dass ich ein Tunichtgut bin!“ ??Auf der Karte erschien der Grundriss von Hogwarts und neugierig musterte Hermine die kleinen Punkte auf der Karte. Da der Hogwarts-Express mit den Schülern noch nicht angekommen war, sind nur wenige Personen im Schloss und die Zahlt der Punkte auf der Karte noch sehr überschaubar gewesen. Hermine konnte sehen, wie Hagrid in seiner Hütte auf und ab ging und sie konnte Minerva McGonagall in ihrem Büro sitzen sehen. Auch Madam Pomfrey, die offenbar grade Professor Flitwick zu Gast hatte, war klar zu erkennen. ??„Du Ginny?“ ??„Ja.“ ??„Wo genau lag die Kammer des Schreckens nochmal?“ ??„Warte, ich zeig es dir!“ Ginny kam näher zu Hermine heran und blickte auf die Karte. Plötzlich wurde sie kreidebleich im Gesicht. ??„W-w-was hatte Harry auf dem Pergament geschrieben?“ ??„Wenn ihr die Missetat begangen habt, seht zu, dass ihr fliehen könnt!“ ??„Dann nichts wie weg hier!“ ??„Warte mal., sagte Hermine gefasst „morgen werden hier mehrere hundert Schüler erwartet. Wir können nicht einfach abhauen, wir müssen die Lehrer warnen!“ ??„Ja, aber sieh mal hier.“, sagte Ginny „Voldemort und Snape scheinen in der Kammer des Schreckens versteckt zu sein, aber Pettigrew spaziert ganz offen auf dem Flur, der zur Bibliothek führt herum.“ ??„Dann müssen wir eben zusehen, dass wir ihm nicht begegnen.“, sagte Hermine. ??„Aber wieso läuft er hier so offen herum, während sich die anderen versteckt halten? Er läuft doch Gefahr, entdeckt zu werden. Oder meinst du, er hat etwas bestimmtes vor?“ ??„Was weiß ich, womöglich trägt er einen Tarnumhang. Los jetzt. Wir müssen zu McGonagall und am besten danach gleich zu Hagrid.“ ??„Meinst du, Firenze und Luna wurden von Voldemort persönlich...“ Ginny schluckte.. ??„Ich weiß es nicht. Komm jetzt, lass uns beeilen. Ich gehe schnell in unseren Schlafsaal und hole Krummbein, nimm du die Karte an dich und pass auf sie auf, die ist jetzt überlebenswichtig für uns!“ ??„Gut, ich warte hier. Beeil dich!“ ??Wenige Augenblicke später kam Hermine mit Krummbein auf dem Arm zurück. Sie schlüpften durch das aufgeschwungene Portrait der fetten Dame und eilten den Gang hinunter. „Wurmschwanz ist jetzt auf dem Weg zur großen Halle. Es sieht so aus, als würde er nach etwas oder jemandem suchen.“ ??„Ist mir jetzt egal, wonach er sucht, so lange er uns nicht über den Weg läuft. Ich würde sagen, wir machen einen Umweg durch den vierten Stock. Los. Lass uns laufen! An den Unterrichtsräumen vorbei und dann rauf in den siebten Stock zum Schulleiterbüro!“ Hermine rannte mit Krummbein voran. „Sind Snape und Voldemort immer noch in der Kammer?“ ??„Ja, das sind sie.“, keuchte Ginny und kontrollierte im Laufen die Karte der Rumtreiber. „Snape hat sich gar nicht vom Fleck gerührt und Voldemort geht ab und zu von einer Ecke der Halle in die andere.“ ??Als sie am Wasserspeier ankamen, brauchten sie kein Passwort, denn die Tür zum Schulleiterbüro stand weit offen. ??„Professor, Professor, wir müssen sie dringend sprechen!“, rief Ginny völlig außer Atem. ??Minerva McGonagall stand mit dem Rücken zur Tür vor ihrem Schreibtisch und zuckte bei Ginny’s Rufen kurz zusammen. Sie drehte sich langsam um und musterte die beiden Mädchen mit einem Stirnrunzeln. „Oh, Miss Granger, Miss Weasley.”, sagte sie und holte tief Luft. „Heute mögen sie hier noch ungestraft so hereinplatzen können, aber ab morgen sollten sie sich wieder an die hier im Schloss stets zu befolgenden Schulregeln erinnern und auch bei offen stehenden Türen wenigstens anklopfen, bevor sie eintreten!“ ??Hermine ließ hinter sich die Tür ins Schloss fallen. „Aber das gilt wohl nicht, wenn sich Lord Voldemort mit mindestens zwei Todessern hier in Hogwarts herumtreibt, oder?“ ??Minerva McGonagall blickte Hermine an und schüttelte nur mit dem Kopf. „Liebe Miss Granger! Ich muss sagen, dass ich sehr überrascht bin, dass jemand wie sie angesichts der sehr ernsten Situation, in der sich die Familie Weasley und auch Mr. Potter derzeit zweifelsohne befinden, derart geschmacklose Scherze macht.“ ??„Leider ist das kein Scherz, Professor. Sehen sie selbst!“, sagte Hermine und deutete auf das Pergament in Ginny’s Hand. ??„Was steht auf diesem Zettel?“ ??„Das ist eine magische Karte von Hogwarts. Woher sie stammt ist im Augenblick nicht so wichtig. Sie zeigt aber nicht nur alle Räume und Gänge von Hogwarts an, sondern auch die Personen, die sich im Augenblick im Schloss befinden, jeweils mit ihrer aktuellen Position.“ Sehen sie zum Beispiel hier, in ihrem Büro. Da stehen jetzt unsere drei Namen. ??Und hier drüben. An der Stelle, wo vor fünf Jahren die Kammer des Schreckens lag, da stehen die Namen Severus Snape und Tom Riddle.“ ??„Das ist nicht möglich!“, stieß die Schulleiterin hervor. „Die Kammer des Schreckens wurde durch die Lehrer vor fünf Jahren zerstört, nachdem der Basilisk tot war.“ ??„Darf ich fragen, welcher Lehrer die Kammer damals zerstört hat und wie die Zerstörung durchgeführt worden ist?“, wollte Hermine wissen. ??„Aber sicher, es war Severus...“ McGonagalls Stimme geriet ins Stocken, sie hob den Kopf und blickte die zwei Schülerinnen an. ??„Snape also!“, ergänzte Hermine „wie es aussieht, hat er wohl nur so getan, als hätte er sie zerstört.“ ??„Aber diese Karte, sie muss sich irren, die dort verzeichneten Personen können in diesem Moment unmöglich in Hogwarts sein. Man kann hier nicht apparieren, die Kamine sind gesperrt, alle Eingänge bewacht und ich frage mich, wie sie sonst hätten sie denn ins Schloss gelangen könnenn?“ widersprach McGonagall. ??„Die Karte irrt sich nicht, Professor. Das hat sie noch nie getan!“, sagte Ginny mit einem kleinen Anflug von Verärgerung in ihrer Stimme. ??Die Schulleiterin warf Ginny einen besorgten Blick zu und betrachtete die Karte noch einmal genau. „Soso, die Karte irrt sich also nicht. Dann sitzt jetzt demnach in diesem Moment Peter Pettigrew, alias Wurmschwanz bei Madam Pomfrey im Krankenflügel und lässt sich seelenruhig von ihr behandeln, ohne das sie versuchen würde, den Raum zu verlassen, um mich zu unterrichten? Womöglich werden sie mir als nächstes erzählen wollen, dass Madam Pomfrey sicher unter dem Imperiusfluch steht oder gar selbst eine Todesserin ist? Ich weiß nicht, was das für eine Karte ist und woher sie stammt, ich befürchte fast, das ist wieder so ein geschmackloser Scherzartikel aus dem Geschäft ihrer Brüder. Fest steht aber, dass mir meine Zeit nun wirklich zu kostbar für solche geschmacklosen Späße ist! Sie sollten sich schämen.“ ??„Wir machen keine Späße, Professor!“, sagte Hermine ruhig, „Wurmschwanz ist wie Harrys Vater und Sirius ein Animagus. Wenn er nun im Schloss als Ratte herumstreunt, um uns auszuspionieren? Vorhin haben wir schon beobachtet, dass er kurz in der Bibliothek und in der Eingangshalle gewesen ist.“ ??Ginny ergänzte nach einem kurzen Moment des Schweigens: „Harry hat diese Karte vor einigen Jahren von Fred und George bekommen, ja das stimmt. Allerdings ist das keiner ihrer Scherzartikel und Professor Lupin hat die Karte damals sogar wiedererkannt als Karte der Rumtreiber.“ Die Schulleiterin blickte sie mit betrübtem Blick an und Hermine holte tief Luft. „Wir jedenfalls werden die Schule jetzt verlassen und so schnell nicht zurückkehren. Wenn sie die Verantwortung dafür übernehmen wollen, dass hier morgen Hunderte von Schülern geradewegs in die Arme von Du-weißt-schon-wem laufen, bitte, wir können sie wohl nicht daran hindern. Dann viel Glück dabei!“ ??Hermine reckte die Nase nach oben machte kehrt und stolzierte mit Krummbein auf die Tür zu. „Komm, Ginny!“, rief sie noch, „es hat keinen Zweck. Unsere Warnungen stoßen hier auf taube Ohren. Vermutlich muss erst wieder jemand sterben, bis man uns glaubt!“ ??Ginny faltete die Karte zusammen und folgte Hermine bis zur Tür des Schulleiterbüros. Hermine hatte den Türknauf schon in ihrer Hand, als sie erneut die Stimme der Schulleiterin hörte: Also gut, Miss Granger! Ich will versuchen, ihnen zu glauben. Deshalb werde ich nun Alastor Moody unterrichten, damit er den gesamten Orden und eine Mannschaft von Auroren hierher beordert. Die sollten dann auch Lord Voldemort und Severus Snape überwältigen und verhaften können und wenn nötig, sie für immer unschädlich machen können.“ ??„Niemand wird Tom Riddle, alias Lord Voldemort umbringen können, so lange Harry nicht alle seine Horcruxe gefunden und zerstört hat.“, sagte plötzlich eine Stimme, die ihnen allen mehr als nur vertraut war. Erschrocken fuhren alle herum und starrten auf den selben Punkt an der Wand des Büros. „Albus!“, stotterte Minerva McGonagall, „du sprichst mit uns – endlich!“ Mit einem Mal flackerte in ihren Augen wieder so etwas wie Hoffnung auf. Dumbledores Portrait schenkte ihr ein vergnügtes Lächeln, das nach wenigen Sekunden bereits wieder einem sehr ernsten Gesichtsausdruck wich. „Voldemort hat Teile seiner Seele in magischen Gegenständen gespeichert, Minerva. Die letzten Stunden meines Lebens verbrachten Harry und ich mit der Suche nach einem dieser Gegenstände. Harry muss sie erst alle finden und sie zerstören, denn erst dann wird Voldemort verwundbar sein. Seien sie also bitte äußerst vorsichtig.“ ??„Aber wir können diesem Gesindel doch nicht einfach das Schloss völlig ohne Gegenwehr überlassen, nicht wahr, Albus?“ Minerva McGonagall musterte das Portrait von Albus Dumbledore kritisch. ??„Das Wichtigste ist jetzt, dass Harry und alle Schüler in Sicherheit sind und bleiben.“, sagte Dumbledore ruhig. „Wenn Voldemort Hogwarts erobern will, dann sollte man besser nicht versuchen, ihn daran hindern. Das würde zu viele Opfer unter den Schülern nach sich ziehen.“ ??„Und was soll dann aus Hogwarts werden, Albus?“ ??„Keine Sorge, Minerva. Es gibt noch Hoffnung. Wenn ich Miss Granger vorhin richtig verstanden habe, dann ist Severus Snape ja in der unmittelbaren Nähe von Lord Voldemort.“
Kapitel 40:
Im Ministerium ??
Es waren anstrengende und unruhige Zeiten angebrochen und Percy Weasley war dies in den letzten Tagen immer stärker bewusst geworden. Nach den schockierenden Erfahrungen bei dieser missratenen Hochzeitsfeier seines Bruders musste er nun im Zaubereiministerium zusätzlich zu seinem ohnehin schon anstrengenden und zeitraubenden Job als persönlicher Assistent des Ministers auch noch die Arbeit seines Vaters mit erledigen. Dieser befand sich ja bekanntermaßen in den Händen der Todesser und Percy fand das im Nachhinein gar nicht so unpraktisch, denn so konnte er endlich einmal genauer überprüfen, was sein Vater in seinem Büro eigentlich den ganzen Tag trieb. Dessen Begeisterung für Muggelangelegenheiten hatte er noch nie zu teilen vermocht. ??Obwohl er die Drohungen der Todesser zu Beginn nicht sonderlich Ernst genommen hatte, wünschte er sich doch immer stärker, dass es ihm endlich gelänge, Harry Potter irgendwo ausfindig zu machen und schließlich festnehmen zu lassen, um ihn an die Todesser im Austausch für seine Verwandten ausliefern zu können. Die Befreiung diverser Geiseln wäre eine willkommene und dringend nötige Erfolgsmeldung für das Ministerium und könnte dazu beitragen die allgemeine Stimmung ein wenig zu beruhigen. Nebenbei würde er selbst dadurch sicher einige Pluspunkte für seine Karriere sammeln können und dürfte nebenbei von seiner Familie endlich die ihm bislang verweigerte Anerkennung und Dankbarkeit erwarten, wenn er sich als deren großer Retter erweisen würde. Zumindest könnte er ihnen dann groben Undank vorwerfen, wenn sie seine Leistungen weiterhin so stark missbilligen würden wie in den vergangenen Jahren. ??Dummerweise hatten die Todesser bereits Ernst gemacht und die erste Geisel getötet. Unangenehmerweise wurde die Leiche auch noch direkt vor dem Ministerium als zusätzliche Drohung deponiert. Die öffentlichen Aufforderungen zur Ergreifung von Harry Potter hatten bislang auch noch keinen nennenswerten Erfolg gebracht. Zwar gab es viele Hinweise, aber keinen wirklich brauchbaren, der seinen wirklichen Aufenthaltsort preisgegeben hätte. Zu allem Überfluss vermutete Percy, dass Potter sicherlich wie so oft sich an genau dem Ort aufhielt, an dem auch sein jüngerer Bruder Ron zu finden war und das machte ihn geradezu rasend. Warum konnten seine Familienangehörigen nicht endlich zur Vernunft kommen, nachdem der Minister den jungen Potter nun schon mehr als einmal im Namen des Ministeriums die Hand ausgestreckt hatte. Was konnte dieser Junge denn mehr verlangen, als die Unterstützung und Rückendeckung vom Minister höchstpersönlich? Nun würde seinen Eltern und Geschwistern hoffentlich klar sein, wohin ihre verbohrte Haltung sie geführt hatte. Dumbledore war tot und sie waren in der Gewalt skrupelloser Todesser. Da konnte ihnen auch ein Harry Potter nicht helfen. ??Das Tuten der Gegensprechanlage riss Percy aus seinen Gedanken. Offenbar wünschte ihn am Empfang jemand zu sprechen. ??„Ja, hallo? Hier Percy Weasley?“ ??„Mr. Weasley“, sagte eine Frauenstimme, „hier in der Empfangshalle ist ihr Herr Bruder eingetroffen, der sie dringendst zu sprechen wünscht. Darf ich ihn zu ihnen nach oben schicken?“ ??„Mein Bruder? Ist er allein?“ ??„Ja, das ist er.“ ??„Gut. Schicken sie ihn hinauf.“ ??Percys Herz machte Luftsprünge. Offenbar war Ron endlich zur Vernunft gekommen und würde ihm nun gegen die entsprechende Zahlung des Kopfgeldes den Aufenthaltsort von Harry Potter nennen. Schließlich ging es ja auch um seine eigenen Eltern und Geschwister, die gekidnappt wurden. Er stand auf und blickte aus dem Fenster. Sicher würde dieser Tag einen bedeutenden Meilenstein seiner außergewöhnlichen Karriere markieren, dachte er. Plötzlich wurde er durch ein Klopfen an seiner Tür aus den Gedanken gerissen. ??„Komm herein, Ron!“, rief Percy Weasley gut gelaunt mit dem Rücken zur Tür. ??Die Tür öffnete sich langsam und ein Kopf mit rotem langem Haar, zusammen gebunden zu einem Zopf, spähte hinein. „Ron? Wieso Ron? Hast du etwas von ihm gehört?” Mit fragendem Gesichtsausdruck trat Bill Weasley näher auf seinen Bruder zu. ??Das Entsetzen stand Percy ins Gesicht geschrieben. „Bill, du?“, stammelte er hilflos. ??„Es war mir ja klar, dass dir mein Anblick keine besonderen emotionalen Ausbrüche bescheren würde, aber dass du mich ansiehst, wie einen Geist, das überrascht mich nun doch. Offenbar hat das Ministerium uns wohl schon abgeschrieben gehabt.“, sagte Bill kopfschüttelnd. ??„Ähm, ich , äh – nein! Natürlich nicht!“, sagte Percy und versuchte, seine Gedanken zu sortieren. Bill stand vor ihm und schien unverletzt zu sein. Wie war das möglich? ??„Ist mir aber auch egal. Ich bin aus einem dringenden Grund hier und brauche die Hilfe des Ministeriums und sämtlicher Auroren, die du auftreiben kannst. Fred, George und ich sind den Todessern entwischt, auf unserer Flucht ist Fleur tödlich getroffen worden, das passierte auf Malfoy Manor, wo wir zuvor festgehalten wurden. Ihren Mörder braucht ihr nicht mehr suchen, denn ich habe den Mord an ihr an Ort und Stelle gerächt und ihren Mörder ein für alle Mal zur Strecke gebracht. Jedenfalls wissen wir nun, dass wir als Geiseln in den Kellergewölben von Malfoy Manor gefangen gehalten wurden. Mum und Dad konnten wegen einer Verletzung an Mums Fuß nicht mit uns kommen, aber sie könnten noch dort sein. Wenn du die Auroren schnell dorthin schickst, finden wir sie möglicherweise. Zumindest sollte man dort alles durchsuchen, um mögliche Beweise zu beschlagnahmen und Spuren zu sichern.“ ??„Äh, Bill, entschuldige. Habe ich dich eben richtig verstanden? Du kennst die Identität des Mörders von Fleur?“, unterbrach ihn Percy. ??„Ja natürlich, ich stand ja nur ein paar Meter davon entfernt. Es war einer von den Lestrange-Brüdern. Aber der wird dir kein Geständnis mehr schicken können, denn er ist jetzt genauso tot wie Fleur. Fred und George sind in der Winkelgasse, haben aber keine Zauberstäbe. Bitte schick doch jemanden zum Fuchsbau, um ihre Zauberstäbe dort abzuholen und ihnen in ihr Geschäft zu bringen, damit sie sich im Notfall wenigstens verteidigen können.“ ??„Was glaubst du eigentlich, wen du hier vor dir hast?“ ??„ Ich – äh - wie bitte?“ ??„Du platzt hier herein und erwähnst beiläufig, dass du einen Zauberer unter Anwendung dunkler Magie, wie ich vermute, ermordet hast, gehst ganz gemütlich zur Tagesordnung über und willst mir noch ein paar Botengänge für dich auftragen?“ ??„Percy. Es geht hier um unsere Eltern! Sie brauchen unsere Hilfe!“ ??„Ich habe keine Eltern mehr, und auch keine Geschwister. Schon gar nicht gebrauchen kann ich einen Bruder, der im Akt der Selbstjustiz unverzeihliche Flüche anwendet und zum Mörder wird. – INCARCERUS!“ ??Bill wurde völlig unvorbereitet von den Fesseln aus Percys Zauberstab getroffen. Seinen Zauberstab hatte er ja bereits unten am Zaubereiministerium abgeben müssen. Inzwischen würde die Sicherheitsabteilung des Ministeriums auch herausgefunden haben, dass es sich dabei um den Zauberstab von Rudophus Lestrange handelte, einen seit langem gesuchten Todesser. Wenn sie die letzten mit diesem Zauberstab ausgeführten Zauber überprüfen würden, dann könnte Bill den Mord an Rabastan Lestrange ohnehin nicht mehr leugnen. ??„Ich werde einige Auroren rufen, Bill! Aber nur, um dich nach Askaban schicken zu lassen. Und den Rest deiner Geschichte glaube ich nicht so recht. Mit Malfoy Manor, da müsst ihr euch irren. Nach dem Ausbruch von Lucius Malfoy aus Askaban haben wir es ständig überwacht und dort nie irgendwelche Aktivitäten bemerkt. Wie auch immer, wir werden eine Untersuchung einleiten und du wirst eine gerechte Verhandlung bekommen. Bis dahin solltest du aber besser in Askaban in Untersuchungshaft bleiben.“ ??„Das kannst du doch nicht machen, Percy! Fred und George sitzen wehrlos in der Winkelgasse, die Todesser werden nach ihnen suchen.“ ??„Keine Sorge, Bill. Fred und George werden zu gegebener Zeit als Zeugen vorgeladen, um auszusagen, wie Fleur genau ums Leben gekommen ist und welche Rolle du dabei gespielt hast. Und so lange wir diesen Potterjungen nicht ausliefern können, kann den Geiseln sowieso niemand helfen.“ ??Die Tür flog auf und zwei Auroren kamen hinein und schauten Percy fragend an. „Mr. Weasley, sie haben uns gerufen?“ ??„Ja, meine Herren. Bitte führen sie diesen Mann hier nach Askaban. Sein Name ist Bill Weasley und er hat mir gegenüber soeben einen Mord durch den Avada-Kedavra-Fluch gestanden.“ Percy drehte sich von Bill weg und blickte aus dem Fenster. ??„Percy, das wirst du noch bereuen! Spätestens ab heute bist du kein Weasley mehr und wirst es auch nie wieder sein.“, rief Bill voller Verzweiflung und versuchte vergeblich sich den eng anliegenden Fesseln zu entziehen. ??„Kommen sie, Mr. Weasley.“, sagte einer der Auroren und führte Bill hinaus auf den Gang. Sie durchquerten die langen Gänge des Ministeriums und warteten einen Moment vor einem Fahrstuhl. Als sich die Türen öffneten, kam ein Mädchen, das Bill von seiner Hochzeit her kannte mit einem Hippogreif aus dem Fahrstuhl heraus. Bill bemerkte, dass das Mädchen etwas anders aussah, als bei der Hochzeit. Als er bemerkte, dass sie ganz angestrengt die Augen zusammenkniff um die Schilder am Fahrstuhl lesen zu können fiel ihm auf, dass sie beim letzten Mal eine Brille getragen hatte, die sie heute nicht aufhatte. Er wollte es darauf ansprechen und holte tief Luft, da sprach der Auror zu seiner Rechten schon „SILENCIO!“ und deutete mit dem Zauberstab auf Bills Stimmbänder. So sehr er sich auch anstrengte, er brachte keinen Laut mehr heraus. ??Während er in den Fahrstuhl gedrängt wurde, hörte er hinter sich noch eine Stimme sagen: „Junge Frau, mit dem Hippogreif dürfen sie aber nicht zum Büro von Mr. Weasley. Bitte geben sie ihn zuvor im fünften Stock bei der Abteilung für magische Geschöpfe ab. Dort können sie ihn später wieder abholen.“ ??Die Fahrstuhltüren schlossen sich hinter Bill und er dachte an seine Mutter und seinen Vater und daran, dass deren eigener Sohn nun wohl dafür sorgen würde, dass ihre Überlebenschancen gegen Null tendierten, wenn nicht noch ein Wunder geschah. ?
Kapitel 41:
Begegnungen und Entdeckungen ??
Ron war im letzten Jahr so sehr gewachsen, dass er kaum noch ganz unter den Tarnumhang passte. Er dachte daran, dass sie diesen vor ein paar Jahren noch zu dritt benutzt hatten und dass das nun wohl kaum mehr möglich wäre. Wenn er sich nicht verlaufen hatte, dann musste er jeden Augenblick in Godric’s Hollow eintreffen. Es wurde nun nachts schon allmählich kühler, der Herbst kündigte sich so langsam an. Er überlegte noch, ob er den Tarnumhang auch im Ort tragen sollte oder ob er ihn ablegen sollte, um nicht noch Aufsehen zu erregen, falls er auf der Straße übersehen würde und mit jemandem zusammenstieß. Im nächsten Moment hatte sich diese Entscheidung erübrigt, denn der Fluch, der ihn getroffen hatte, riss ihn mit Gewalt zu Boden und ihm den Tarnumhang vom Leibe. ?
??Zwei Höhlen und die Hütte hatten Frank Longbottom und Remus Lupin in dieser riesigen Schlucht vergeblich durchsucht. Niemanden hatten sie gefunden und nirgends war ihnen jemand begegnet. Sollte ihr weiter Weg wirklich vergeblich gewesen sein? Eine allerletzte Chance gab es noch, eine weitere Höhle kannte Remus hier noch. Frank und Remus mussten einen gewaltigen Berg, der das Ende der Schlucht markierte, etwa bis zur Hälfte hinaufsteigen um diese Höhle zu erreichen. Apparieren war hier nicht möglich und auch kein Portschlüssel half, das Moor und die Berge hier zu überwinden. Das machte dieses Gebiet zu einem so überaus geeigneten Versteck für jeden, der sich auf der Flucht befand. Lupin hatte diese Höhle erst ein einziges Mal besucht gehabt. Er wusste noch, dass sich ihr niemand unbemerkt nähern konnte, weil man vom Eingang der Höhle aus einen optimalen Blick über die Schlucht und den hinauf führenden Hang hatte. Als sie um die letzte Biegung kamen, konnten sie den Höhleneingang schon sehen. Aber sie sahen ebenfalls, dass auch diese Höhle einen verlassenen Eindruck machte. ??Nach dem Betreten der Höhle hatten Frank und Remus ihre Zauberstäbe gezückt und sie zum Leuchten gebracht. Vorsichtig schauten sie sich um und gingen allmählich immer tiefer in die Höhle hinein. ??Plötzlich rief eine Stimme: „EXPELLIARMUS!“ ?
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??Schlagartig wurde Harry klar, dass dieses Gespräch seiner Mutter mit Mr. Ollivander, das er eben in der Erinnerung verfolgt hat, womöglich der Grund dafür gewesen ist, dass seine Eltern nicht Sirius, sondern Wurmschwanz als Geheimniswahrer für Godric’s Hollow ausgewählt hatten. Harry spürte, wie die Wut in ihm aufstieg. Wenn es dieses Gespräch nicht gegeben hätte, dann würden seine Eltern heute womöglich noch leben, so dachte er. Ob Mr. Ollivander das auch bewusst gewesen ist, als er ihm vor sechs Jahren als Erstklässler begegnet war, um einen Zauberstab auszuwählen? Was auch immer hinter diesem ominösen Schatz der Geheimniswahrer steckte, es hatte seine Eltern dazu getrieben, ihr Schicksal in die Hände eines Verräters zu legen. Hätten sie ihm doch stattdessen lieber ihr Geheimnis zu diesem blöden Schatz anvertraut, dachte Harry. ??Er blickte auf zu dem geöffneten Schrank mit all den Erinnerungen. Er starrte auch das Fläschchen unten rechts an, das, von dem Dumbledore gesagt hatte, dass es die Erinnerung an den Tag des Todes seiner Eltern zeigte. Tränen schossen ihm in die Augen und er dachte bei sich, dass er das wohl nicht schaffen würde, sich diese Erinnerung jemals anzusehen. ?
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??Das helle Licht über den Gleisen kam im dichten Nebel immer näher. Der Hogwarts-Express fuhr langsam in den Bahnhof von Hogsmeade ein. Der Dampf der Lokomotive breitete sich über den gesamten Bahnsteig aus. Als er sich langsam lichtete, staunten die Schüler, die sich auf den Weg hinauf zum Schloss machen wollten nicht schlecht. Am Ende des Bahnsteigs standen Minerva McGonagall, Rubeus Hagrid und Horace Slughorn mit einer großen Tafel, auf der stand: „Liebe Schüler! Hogwarts muss heute wegen eines Zwischenfalls leider vorübergehend geschlossen werden. Ein Unterricht ist hier im Moment nicht möglich. Bitte steigen sie umgehend wieder in den Zug ein und erregen kein Aufsehen, keine Panik und kein Lärm! Sie sind zur Zeit nicht in Gefahr.“ Hermine und Ginny kümmerten sich um die Schüler, die das nicht glauben wollten und geleiteten sie zurück in ihre Abteile. Neville Longbottom blieb ausnahmsweise auf dem Bahnsteig mit Hermine und Ginny zurück, während Slughorn als einziger Lehrer mit in den Zug eingestiegen war. Als der Zug mit fast allen Schülern den Bahnhof wieder in Richtung London verließ, gingen die drei zurück zu den Lehrern. ??Mit traurigem Gesichtsausdruck verfolgte die Schulleiterin, wie der Zug wieder aus dem Bahnhof ausfuhr. „Eigentlich müssten wir alle Eltern per Eule verständigen, ich will aber kein unnötiges Risiko eingehen. Dumbledore sagte, wir sollten die Todesser so lange wie möglich in Sicherheit wähnen.“ ?
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??Am nächsten Morgen trauten Fred und George ihren Augen nicht, als sie den Tagespropheten lasen. ??„Bill Weasley wegen akuten Mordverdachts verhaftet“ war dort zu lesen. Gebannt flogen die Augenpaare von Fred und George über die Zeilen des Artikels. ??„Das darf doch nicht wahr sein!“, rief Fred. „Ist Percy jetzt etwa von allen guten Geistern verlassen? Da steht kein Wort davon, dass er sich nur gegen die Todesser gewehrt hat. Nicht einmal, wen er umgebracht haben soll. Die Leute müssen ja denken, man würde ihm den Mord an Fleur zur Last legen.“ ??„Sieht ganz so aus!“, entgegnete George. „Damit sind wir beide jetzt wohl die letzte und einzige Überlebenschance für unsere Eltern. Komm, wir haben jetzt keine Zeit zu verlieren!“ ??„Aber man wird nach uns suchen. Und zwar einerseits die Todesser und andererseits das Ministerium. Es stand doch schon in dem Artikel, dass wir uns im Ministerium als Zeugen melden sollen.“ ??„Das können sie vergessen. Am Ende sperren die uns nur auch noch ein! Los jetzt, auf zum Fuchsbau! Apparieren können wir ohne Zauberstab leider nicht, also werden wir wohl zu Fuß dorthin gehen müssen.“ ?
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??Victor Krum war außer sich. Wie oft hatte er versucht, Boris Karkaroff davon zu überzeugen, dass er diese halblegalen Zauber aus Durmstrang im Ausland unter gar keinen Umständen einsetzen durfte, schon gar nicht ohne Not. ??„Was hast du dir nur dabei gedacht, Boris? Das war doch völlig überflüssig!“ ??„Nun sieh das mal nicht so eng. Es ist ja nichts weiter passiert.“, beruhigte ihn Boris und betrachtete neugierig den Tarnumhang. „So einen Umhang wollte ich schon immer mal haben.“ ??„Lass das, er gehört dir nicht.“, sagte Leonid schließlich und reichte dem noch am Boden liegenden Ron die Hand, um ihm aufzuhelfen. „Entschuldigen sie, Mr. Weasley.“ ??Ron wich zurück und war völlig verdutzt. Er zückte seinen Zauberstab, um sich verteidigen zu können. „Wer sind sie, was wollen sie von mir? Und wie konnten sie mich unter dem Umhang sehen?“ ??Leonid Karkaroff hob beschwichtigend die Arme. „Keine Sorge, wir wollten sie nicht angreifen. Wir wollen ihnen helfen. Bei uns in Durmstrang lernen die Auroren, wie man durch Tarnumhänge hindurchsehen kann.“ ??„Durmstrang?“ ??„Hermine Granger schickt uns. Mein Bruder ist ein wenig übers Ziel hinausgeschossen, als er ihnen eben seinen südkarpatischen Schleuderfluch an den Kopf warf. Mein Name ist Leonid Karkaroff, ich denke, sie kannten meinen Vater, den ehemaligen Schulleiter von Durmstrang. Das ist mein Bruder Boris und das“ - er deutete auf Victor, der nun aus Leonids Schatten trat - „ist Victor Krum, aber ich denke sie müssten sich bereits kennen, oder?“ ??„Victor?“, stammelte Ron, „was tust du denn hier in Godric’s Hollow?“ ??„Hallo Ron.“, sagte Victor und grinste. „Wie Leonid schon erwähnte, sind wir auf Hermines Wunsch aus Durmstrang angereist. Seit meinem Besuch in Hogwarts schreiben wir uns regelmäßig Briefe und da ich in Durmstrang zum Auror ausgebildet wurde habe ich Hermine meine Hilfe angeboten, nachdem sie mir berichtet hatte, dass Dumbledore ermordet wurde. Letzte Woche erhielt ich ihre Nachricht, als die Hochzeitsgesellschaft deines Bruders überfallen wurde und ich machte mich sofort auf dem Weg und brachte meine zwei besten Kollegen aus Durmstrang mit, Ron. Die Söhne von Igor Karkaroff. Wir haben vor drei Tagen Hermine in Hogwarts getroffen und auf ihren Rat hin haben wir uns hier an diesem Ort auf die Lauer gelegt, weil sich hier eure Wege getrennt hatten.“ ??„Schön, das ist nett von euch. Aber ich brauche keine Hilfe und Harry geht es auch gut. Im Gegenteil. Gerade jetzt in diesem Augenblick braucht Hermine selbst eure Hilfe sicherlich viel nötiger als wir, denn Voldemort und Snape haben es irgendwie geschafft, sich in Hogwarts zu verstecken.“ ??„Woher willst du das wissen? Du warst nicht in Hogwarts.“ Boris Karkaroff blickte Ron abfällig an. ??„Sagen wir, ich bin zu 1000% sicher, das sollte reichen. Und nun gebt mir meinen Umhang wieder und lasst mich gehen. Ich habe noch etwas wichtiges zu erledigen.“ ??„Etwas wichtigeres, als deinen Freunden zu helfen?“ Einen Augenblick lang musterte ihn Leonid Karkaroff misstrauisch, doch dann wandte er sich seinen Freunden zu. „Habt ihr gehört? Severus Snape versteckt sich in Hogwarts! Das ist der Moment, auf den wir all die Jahre gewartet haben. Kommt! Die Stunde der Rache ist nun endlich gekommen!“ Leonid Karkaroffs Augen funkelten in einer Weise, die Victor gar nicht mochte. ??„Und du bist dir sicher, dass du unsere Hilfe wirklich nicht brauchst?“ ??„Nein. Kümmert euch nur um Hogwarts, aber Vorsicht! Voldemort und Snape sind gefährlich. Und Voldemort könnt ihr nicht töten, das kann nur der Auserwählte. Also, passt auf euch auf! Wenn unser Plan aufgegangen ist, dann hat Hermine von uns auch schon eine Warnung erhalten.“ ??„Ihr seid doch nicht so töricht gewesen, ihr eine Eule zu schicken, oder?“ ??„Nein, haben wir nicht. Keine Sorge. Wir sind zwar noch keine Auroren wie ihr, aber deswegen sind wir noch lange nicht dumm!“, sagte Ron, riss Boris Karkaroff den Tarnumhang aus der Hand und disapparierte. ??„Auf nach Hogwarts!“, rief Leonid Karkaroff und auch die drei jungen Männer aus Durmstrang disapparierten. ?
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??Peter Pettigrew betrat die große Halle der Kammer des Schreckens schon wieder in menschlicher Gestalt. Als Ratte im selben Raum zu sein wie Nagini war ihm alles andere als geheuer. Als er Voldemort Bericht erstatten wollte, da betrat auch Snape wieder den Raum und blickte Wurmschwanz fragend an. ??„Also los. Was gibt es Neues, Wurmschwanz?“ Voldemorts Blick schien den Kopf seines Todessers buchstäblich durchbohren zu wollen. ??„Ich weiß nicht so recht, mein Herr. Das Schloss scheint noch immer wie ausgestorben zu sein, genau wie gestern. Mir ist auf den Gängen kaum einmal jemand begegnet, auch heute nicht. Dabei müsste der Zug mit den Schülern längst da sein.“, stammelte Wurmschwanz. ??„Das ist unmöglich!“ Voldemort wandte sich an Snape. „Severus, gab es in den letzten Jahren jemals einen ersten September, an dem keine Schüler in Hogwarts angekommen sind?“ ??„Nein, mein Lord.“, sagte Snape und deutete eine leichte Verbeugung an. „Ich fürchte, dass das Schuljahr womöglich abgesagt wurde. Vielleicht wegen des Überfalls auf diese Weasley-Hochzeit?“ ??„Abgesagt? Dann vergeuden wir hier ja unsere Zeit! Wieviel Vielsafttrank hast du gebraut, Severus?“ ??„Dreißig Rationen, mein Lord.“ ??„Das genügt vorerst. Wir werden noch zwei Tage abwarten, dann werden wir unseren Plan umsetzen, so oder so.“ ??Wurmschwanz und Snape erkannten am Tonfall des dunklen Lords, dass es nun Zeit war, zu gehen. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, zogen sich beide zurück.
Kapitel 42:
Der Mann in der Höhle ??
Remus und Frank saßen von einer auf die andere Sekunde im Dunkeln und ihre Zauberstäbe waren außerhalb ihrer Reichweite gelandet. ??„Wer ist da?“, fragte Remus. „Wir kommen in freundschaftlicher Absicht. Unsere Namen sind Remus Lupin und Frank Longbottom. Wanderer, bist du das?“ ??Plötzlich waren von vorne aus der Dunkelheit leise Schritte zu vernehmen, die langsam näher kamen. „Frank Longbottom?“, sagte eine Stimme, „Das soll ich glauben? Das ist doch gar nicht möglich. Man sagte über Jahre hinweg, dass sein Geist leer und sein Verstand dem Wahnsinn verfallen seien. Von irreparablen Schäden sprachen die Heiler des St. Mungo Hospitals immer wieder, wenn sein Name und der seiner Frau fielen.“ „Das ist richtig.“, sagte Lupin, „aber vor ein paar Tagen, da hat sich sein Zustand schlagartig verändert, als bei einem Überfall der Todesser ihm seine Frau das Leben rettete und an seiner Stelle selbst starb. Auf bislang ungeklärte Weise erlangte er durch diese tragische Konstellation seine früheren geistigen Fähigkeiten zurück. Zumindest so weit, um mich seitdem einmal aus den Händen der Dementoren zu befreien, aber das ist wohl eine andere Geschichte.“ ??„Soso, er ist also geheilt. Dann kann er doch gewiss auch für sich selbst sprechen, oder?“ ??„Ja, das kann ich.“, sagte Frank. „Ich kann auch hören und ich erkenne sogar eure Stimme wieder, denn sie ist mir vertraut. Es ist sehr lange her, und mir will euer Name noch nicht einfallen, aber ich weiß, dass wir uns vor langer Zeit schon einmal begegnet sind.“ ??„Tatsächlich? Interessant, interessant. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ihr es wirklich seid, darum werde ich zunächst einen kleinen Test machen müssen – ACCIO ZAUBERSTÄBE! “ ??Remus hörte, wie links und rechts etwas an seinem Kopf vorbeizischte. ??Einen Augenblick lang war es still in der Höhle. „Das hier“, sagte die Stimme nach einer Weile, „das ist kein Zauberstab, der zu Remus Lupin passen würde. Eine Gänsefeder mit Teakholzummantelung. Das mag ganz hübsch ausschauen und auch Eindruck schinden, ist aber zum Zaubern doch eher wenig praktikabel. Man merkt dem Zauberstab an, dass er seit einigen Tagen nicht mehr von seinem gewöhnlichen Inhaber bedient wurde, sondern von jemandem, der über weitaus höhere magische Fähigkeiten verfügt. Ich denke, der Stab wird das nicht mehr lange aushalten, ohne ernsthaften Schaden zu nehmen. ??Aber das hier ist – und daran bestehen in der Tat nicht die geringsten Zweifel - das ist der Zauberstab des ehrenwerten Auroren Frank Longbottom. Und da deutet nichts aber auch gar nichts auf eine Diskrepanz zwischen dem Stab und seinem Besitzer hin.“ ??Sie hörten, wie der Mann in der Dunkelheit tief Luft holte. „Mein Gott, das ist ja eine Ewigkeit her, seit ich diesen Zauberstab zuletzt in den Händen hielt. Ich kann mich noch gut an dieses komplizierte Anforderungsprofil des Ministeriums erinnern. Der für eure Gemahlin Alice ist sogar noch komplizierter in der Herstellung gewesen.“ ??„Ollivander!“, brach es aus Remus heraus. „Natürlich, jetzt habe ich auch eure Stimme erkannt. Ihr glaubt gar nicht, wie gut es tut, zu wissen, dass ihr am Leben seid. Euer Verschwinden vor einem Jahr hat ja im ganzen Land die wildesten Spekulationen ausgelöst, ob ihr entführt oder gar ermordet worden seid. So viele Zauberer verschwinden dieser Tage spurlos, da rechnet man jedes Mal gleich mit dem Schlimmsten.“ ??„LUMOS MAXIMA“ , sagte Ollivander und augenblicklich war die gesamte Höhle hell erleuchtet. Zehn Meter vor ihnen stand ein schlanker älterer Mann mit einem milchigen Blick und eingefallenen stoppeligen Wangen. Sein weißes Haar war schulterlang und zottelig. ??Remus und Frank hätten ihn wohl kaum erkannt, wenn er ihnen an einem anderen Ort begegnet wäre. Sie liefen auf ihn zu und begrüßten ihn herzlich. Ollivander lächelte und sagte: „Hier habt ihr die Zauberstäbe wieder. Entschuldigt mein Misstrauen, aber Vorsicht muss sein.“ ??„Seid ihr allein hier an diesem einsamen Ort?“, wollte Lupin wissen. „Ist euch hier nie jemand begegnet? Eigentlich suchte ich nach einer anderen Person, die sich hier irgendwo aufhalten müsste.“ ??„Ich weiß, du sagtest etwas von einem Wanderer“, sagte Ollivander ruhig. „Ich fürchte, da muss ich euch enttäuschen. Ich bin allein hier und das schon seit vielen Monaten. Aber ich glaube ich weiß, wen du meinst, Remus. Da kommst du allerdings leider um einige Wochen zu spät.“ Ollivander blickte traurig zum Ausgang der Höhle. ??„Ihr wisst, wen ich meine? Das heißt, er war noch hier, als sie hier vergangenes Jahr eintrafen?“ ??„Ja, das war er, aber er war durch eine schwere Krankheit schon sehr stark geschwächt. Ich habe ihn im Vergleich zu früheren Jahren gar nicht mehr wiedererkannt.“ ??„Das heißt, er ist...“, Lupin schluckte. ??Ollivander blickte ihn wehmütig an und nickte langsam. „Ja, er ist tot. Es muss Ende Oktober oder Anfang November gewesen sein. Die ersten Nächte mit Frost hier oben, er hat durch die Kälte sehr gelitten und sich davon letztendlich nicht mehr erholt. Wenn der Körper erst einmal geschwächt ist, dann ist so eine Krankheit ohne Erbarmen.“ Ollivander wandte sich ab und ging etwas tiefer in die Höhle hinein. „Ich habe ihn noch ein paar Wochen gepflegt, bis es endgültig mit ihm zu Ende ging. Er hat mir aber für dich eine Botschaft hinterlassen. Das heißt, er sagte für dich oder Sirius Black, je nachdem wer von euch jemals hier auftauchen würde.“ ??Remus Lupin hockte sich hin und vergrub den Kopf in seinen Händen. Frank meinte, ein leises Schluchzen zu vernehmen. Offenbar konnte er es sich nicht verzeihen, dass er zu spät gekommen war. ??„Darf ich auch erfahren, um wen es hier eigentlich geht?“, fragte Frank Longbottom schließlich. „Immerhin suche ich diesen Menschen mit dir seit Tagen, ohne zu ahnen, um wen es dabei geht?“ ??„Gleich“, sagte Lupin, „wenn ich den Brief gelesen habe.“ ??Ollivander überreichte ihm einen versiegelten und ungeöffneten Umschlag und setzte sich. „Ich habe ihn etwa zwanzig Meter oberhalb von dieser Höhle beerdigt. Das Grab ist an einem schlichten Holzkreuz zu erkennen, auf dem wie er es sich gewünscht hatte, lediglich seine Initialen eingeschnitzt sind.“ ??Lupin blickte auf und nickte. Frank konnte in seinen Augen reichlich Tränenflüssigkeit erkennen. Langsam öffnete Remus den Umschlag und spürte sein Herz schneller schlagen. ??Mein lieber Sirius und mein lieber Remus, ??ich werde wohl nicht mehr leben, wenn euch diese Nachricht von mir erreicht und ich weiß, dass ich nur durch eure Hilfe überhaupt so lange leben durfte. Es war mein Glück, dass Mr. Ollivander mich hier gefunden hat und mir während meiner letzten Tage eine so große Hilfe ist. So schöpfte ich neue Hoffnung, dass mein Opfer nicht vergebens sein wird und eines Tages doch einen Beitrag zur Zerstörung des dunklen Lords und seiner Diener leisten kann. ??Ich kenne seine finstersten Geheimnisse und ich habe sie lange Zeit für mich behalten, um Niemanden in ernste Gefahr zu bringen. Erst hatte ich nur um mich selbst Angst, später um meine Freunde und Vertrauten. Immer weniger Zauberern konnte und wollte ich noch vertrauen. Nun, im Angesicht meines unaufhaltsam herannahenden Todes bin ich froh, dass ich Mr. Ollivander diese Dinge, von denen ihn einige nicht besonders zu überraschen schienen, anvertrauen konnte. Gott schütze ihn, und wenn er einem von euch beiden je diese Nachricht übermitteln kann, bitte ich Euch, ihn mit allem zu beschützen und zu unterstützen, was ihr habt. Er hat so viel für mich getan und hält nun den Schlüssel zur Zerstörung des dunklen Lords in den Händen. Er braucht eure Hilfe und die aller Zauberer, die das Dunkle und Böse ablehnen und bereit sind, dagegen zu kämpfen. Viel zu lange hatte ich Gefallen an den dunklen Künsten und habe mir damit wohl eine schwere Schuld aufgeladen. Nun, da ich aus dem Leben gehe, hoffe ich, wenigstens einen kleinen Beitrag zur Wiedergutmachung geleistet zu haben. ??Ich werde die Menschen, die mich voller Liebe unterstützt haben, niemals vergessen. ??
Regulus A. Black“.
Bald gibts neues...
27.10.2007, 12:10 Uhr | in Allgemeines | kein Kommentar
wenn ich darf kkommt hier bald ne ganz super mega tolle geschichte rein (speziell füür hp fans...)
JAHAA HIER BIN ICH
21.10.2007, 20:10 Uhr | in Allgemeines | kein Kommentar
jahaa hallo hier bin ich dann auch mal.. iwann musst ich ja hier landen wo ich doch schon sonst überall angemäldät bin...
nu ja ich sag dann ma tschö für heute will noch en bissele hp lesen.. cucu
