14.10.2006, 10:10 Uhr | in Allgemeines | kein Kommentar

Liebevoll streichle ich über meinen gewölbten Bauch. Nicht mehr lange, nur noch 4 Wochen, und ich sehe mich vor der schwierigen Aufgabe, diesen in mein Hochzeitskleid zu zwängen. Wer konnte vor einem halben Jahr, nach dem Jeff mir den Antrag machte, auch ahnen, dass wir nicht zu zweit, sondern zu dritt vor dem Altar stehen würden? Ein leiser Seufzer entrinnt mir, als ich an meinen durch viele Entsagungen und kontinuierliches Training erarbeiteten flachen Bauch zurück denke. Naja, jeder muss seinen Preis zahlen. Und nichts tue ich lieber, wenn ich an die Familienidylle denke, die mich zukünftig erwartet: Jeff, ich und eine Miniausgabe von ihm ("Natürlich wird es ein Junge", sagt meine angehende Schwiegermutter immer mit tiefster Überzeugung, "schaut euch doch nur die Form ihres Bauches an!", ein kleines Familienhäuschen, ein Familienhund, Familienausflüge an den See, herzliche Familientreffen (Voraussetzung: unsere Familien bleiben weg)und überhaupt: alles läuft nur noch unter dem Namen Familie. Ich komme ins Schwärmen beim Gedanken an gemeinsame Barbecues mit den netten Nachbarn, gemütliche Feierabende vor dem Kamin, witzige Scrabbel-Sonntage mit meinen zwei Männern...Könnte das Leben schöner sein? Ich platze so voller Glück, dass ich es am liebsten aus dem Fenster unserer 2-Zimmer Wohnung geschrien hätte; statt dessen renne ich, beide Hände vor den Mund gepresst, in Richtung Badezimmer, um mein Frühstück der Toilette zu spenden. Leichenblass um die Nase schlurfe ich mit immer noch flauem Gefühl im Magen wieder in die Küche. Na dann sei mal froh, dass du deine Endorphiene nicht mit deiner Nachbarschaft geteilt hast... Im Wohnzimmer höre ich mir die Nachricht auf dem Anrufbeantworter an. "Hey Shannon, wie sieht's aus, ich dachte, du wolltest mich zurückrufen? Naja, wie auch immer, der Tremin heute Abend steht noch, ob nun willst oder nicht! Glaub mir Schätzchen, das gibt 'ne riesen Gaudi! Die Show muss echt der Hammer sein! Trinken kannst du zwar nicht, aber keine sorge, dass machen Sam und ich schon! (Gekicher) Genieße das Leben, solange du noch nicht den Umfang einer Melone auf zwei Beinen hast! (Gekicher) Um acht holen Marie und ich dich ab, und tu' uns den Gefallen und sei diesmal pünktlich! Wir sehen uns!" Melone auf zwei Beinen, sehr lustig. Wusste sie denn nicht, dass Schwangere für solche Art Witze nicht empfänglich sind? So schlimm sehe ich allerdings wirklich noch nicht aus. Obwohl ich schon Ende sechster Monat bin, könnte man meinen ich sei im vierten. Hätte sie sich aber trotzdem verkneifen können...Wieder mal im Gedanken, hatte ich gar nicht bemerkt, dass Jeff auch endlich aus dem Bett gestiegen ist. In der Küche kann ich ihn mit Teller und Besteck klappern hören. "Guten Morgen Häschen! Schon wach?" "Ja, und gegessen und mich übergeben habe ich auch schon." "Na, dann ist ja alles in Ordnung." Niedlich sieht er aus, mit seinem blondem, zerzaustem Haar,in den von seiner Mutter ausgesuchten Boxershorts (auch nach drei Jahren Beziehung konnte ich es ihr nicht abgewöhnen, ihren kleinen "Prinzen" einzukleiden) und dem nackten Oberkörper, wie er da am Küchentisch sitz und sich Toast und Marmelade in den Mund stopft, die ich durch hormonelle Schwankungen nicht mehr essen kann. Nein, neidisch bin ich nicht, dass er nicht nach jedem Bissen aufs Klo rennen muss, höchstens etwas eifersüchtig. "Ich gehe heute Abend mit Marie und Sam aus. Allerdings bin ich gegen 12 wieder zu Hause.", sage ich mit flöten-artiger Stimme, da ich weiß wieviel er besonders von Sam, alias Samantha, meiner besten Freundin, hält. "Trifft sich gut, ich bin heute Abend auch verabredet. Geh mit den Jungs 'ne Kleinigkeit trinken." Na komm, sag es schon, ich warte..."Muss Sam denn unbedingt mit? Ich finde, sie ist definitiv nicht die Art Freundin, die meine zukünftige Frau haben sollte." Und da ist er auch schon, der Satz, den ich jeden Tag zu hören bekomme. Mittlerweile könnte er sich mal etwas anderes überlegen. "Nur weil sie auf One-Night-Stands steht, heißt das noch lange nicht, dass ich zwangsläufig auch so veranlagt bin. Ich habe doch dich.", grinse ich ihn an und lege meine Arme um seine breiten Schultern. Ein grimmiger Seitenblick ist heute alles, was er noch erwidert. Glück gehabt. Am Abend bin gerade auf dem Weg in die Dusche, als Jeff sich hektisch die Autoschlüssel schnappt, mir einen Kuss auf die Wange drückt und sich mit den Worten "Warte nicht auf mich Häschen, es wird spät" verabschiedet. Ich schaue auf die Uhr. Mist, schon sieben Uhr und ich bin noch nicht mal geduscht. Seit dem ich schwanger bin achte ich besonders auf mein Äußeres, um das mir von der Schwangerschaft gegebenen "gewisse Etwas" noch zu unterstreichen, wie Jaff immer sagt. Komisch, egal wie aufgestylt meine braunen Locken sind, egal wie verführerisch ich mit meinen grünen Augen zwinkere, Sex haben wir seit dem Schwangerschaftstest trotzdem nicht mehr. Für Jeff ist es laut seiner Aussage eine moralische Verpflichtung dem Baby gegenüber. Ich sage, es ist einfach nur frustrierend. Langsam beginnt die Zeit, in der man anfängt, daran zu zweifeln, an der Attraktivität für seinen Partner zu zweifeln. Und trotz kleinem Babybauch sehe ich doch nun wirklich nicht schlecht aus, oder doch? Oh Mann, wie ich Selbszweifel hasse. Das schlimme an ihnen ist allerdings, dass ich mir ein Leben ohne sie schon gar nicht mehr vorstellen kann. Meine besten Freunde sozusagen. Toll, jetzt bin ich so in Selbstmitleid verfallen, dass ich nur noch eine halbe Stunde für Dusche, Haare, Make-up und anziehen habe! Die beiden reißen mir den Kopf ab, wenn sie schon wieder warten müssen. Wie durch ein Wunder schaffe ich es genau zum Klingeln in meine Schuhe. "Nein, Sam, gib Kalender und Stift! Sie ist tatsächlich fertig! Na los, kreuz das an, kreuz das an!" Sehr lustig mal wieder, die beiden. Unter schallendem Gelächter haken sie mich rechts und links unter den Armen ein und wir maschieren zum Auto. Plötzlich, wieder von einander getrennt, fliegt mir ein Schlüsselbund entgegen, der auch prompt auf der Strße landet. "Mann, Mädchen, wenn du so fährst, wie du fängst, kann auch Sam fahren-trotz Alkoholspiegel von 2 Promille!" "Mit 2 Promille ist Sam auf der Bartoilette mit einer neuen Eroberung zu gange, und beschwert sich 15 Minuten später, dass der Kerl Mundgeruch hatte!" Noch immer lachend steigen wir ins Auto und die beiden lotsen mich quer durch die Stadt zu der neuen Bar, die erst kürzlich aufgemacht hat. "Welche Art Band spielt den heute Abend?", frage ich, als ich gerade dabei bin meinen Vordermann innerlich zu verfluchen, da er seinen Führerschein wohl in der Cornflakespackung gefunden haben muss. ""ART" trifft es schon mal ganz gut. Aber Band überhaupt nicht. Es ist eine ART Karaoke-Show.", antwortet mir Marie auf dem Beifahrersitz platziert grinsend. Vor meiner Schwangerschaft war ich wie die beiden immer up-to-date, was die Eröffnung neuer Bars oder die Gigs verschiedener Bands anging. Doch durch den Hormoncocktail, der von deinem eigenen Körper während der Zeit des "dick seins" wieder und wieder ausgeschüttet wird, treten solche Dinge in den Hintergrund, und du versuchst nur noch den Morgen zu überstehen, ohne dein Frühstück wieder ausspucken zu müssen. Genauso vielsagend grinsend klärt Sam nich auf: " Es ist 'ne Transvestiten-Bar, mit Dragqueens, rosa Plüschsofas, riesen Plateauschuhe und allem, was eben dazu gehört. Die Künstler stehen auf der Bühne und vollführen eine spitzen Karaoke Show." Das scheint ja ein vielversprechender Abend zu werden...

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Die Entstehung einer Geschichte

14.10.2006, 10:10 Uhr | in Schreiben und Dichten | kein Kommentar

Normalerweise schreibe ich für mich selbst. Noch nie hat jemand gelesen, welche Geschichten sich in meinem Kopf abspielen. Durch den Blog habe ich endlich mal die Gelegenheit, meine Gedanken mit anderen zu teilen, und ich hoffe und bitte regelrecht jeden, der sich die Zeit nimmt, meinen Blog zu lesen, seine Kritik, Anregungen oder seine Meinung an mich weiter zugeben. Denn nur durch solches kann meine Geschichte "wachsen und gedeihen" und sie vielleicht sogar Stück für Stück lesenswerter machen. Wenn ihr also Interesse am Lesen habt, lehnt euch zurück, nehmt euch ein paar Minuten Zeit und versetzt euch in die Welt der 24-jährigen Chaotin Shannon, die dank ihrer Tochter und ihrem Hang, Katastrophen magisch anzuziehen von einem Desaster ins nächste schliddert.

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